Józef Zajączek

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Zajonczek (Joseph, Fürst), Vicekönig des Königreichs Polen, gehört zu den historisch-merkwürdigen Charakteren unserer Tage.

Er ward am 1. Nov. 1752 zu Kaminieck geboren, ist also 66 Jahre alt. Wie alle junge polnische Edelleute,widmete er sich dem Kriegsdienste. Er wurde Lieutenant in einem Infanterieregiment und durchlief die darauf folgenden Grade so schnell, daß er schon in einem Alter von 32 Jahren, am 19. Nov. 1784, zum Obristlieutenant des Regiments Bulama ernannt wurde. Viertehalb Jahre darauf, am 4. Mai 1793, ward er Obrist und Chef dieses Regiments.

Auf diesem Posten nahm er an dem Kriege, den die Polen gegen Rußland führten, thätigen Antheil. Er bekämpfte in vielen Gefechten die damaligen Feinde seines Vaterlandes mit großem Rhume, und zeichnete sich so aus, daß er zum Generalmajor befördert wurde. Der Ausgang dieses Kampfes ist bekannt. Das Glück begünstigte die Sache der Polen nicht, und mit vielen seiner Landsleute verließ nun der General Zajonczek seine Heimat, um in Frankreich ein neues Vaterland zu suchen. Auf dem Wege dahin ward er indeß in Gallizien angehalten. Er und sein Bruder, der Mitglied des hohen polnischen Nationalraths gewesen war, wurden verhaftet und in die Festung Josephstadt eingeschlossen.

Als er seine Freiheit wieder erlangt hatte, begab er sich nach Paris, wo er eine militärische Anstellung suchte. Man schickte ihn zu der französischen Armee in Italien, bei der er den Grad eines Brigadegenerals bekleidete. Die tapfere polnische Legion trug das Ihrige zu den Erfolgen der französischen Waffen in Italien bei, und überall, wo sie gebraucht wurde, behauptete auch der General Zajonczek einen ausgezeichneten Platz. Hierdurch war er Napoleon Buonaparte bekannt und lieb geworden. Dieser nahm ihn daher mit sich, als er die denkwürdige Expedition nach Aegypten unternahm. Auch in diesem Himmelsstriche focht der General Zajonczek mit großer Unerschrockenheit und Einsicht, und ehrenvoll erwähnt findet sich sein Name in den Berichten von den mehresten Treffen, welche die sogenannte Armee des Orients lieferte. Zur Belohnung dafür ward er im J. 1802 durch einen Beschluß des damaligen ersten Consul Buonaparte zum Divisionsgeneral ernannt. Nach seiner Rückkehr aus Aegypten übertrug ihm derselbe den Oberbefehl über eine Division französischer Truppen in Italien.

Der Divisionsgeneral Zajonczek begleitete gleichfalls Buonaparte, als er im J. 1812 den Zug gegen Rußland unternahm. An der Spitze eines französischen Armeekorps riß ihm in diesem Feldzuge eine Kugel das eine Bein weg, dessen Stelle jetzt ein hölzernes ersetzt.

Seit diesem Unfall diente der tapfere General Zajonczek nicht mehr in den Reihen der französischen Truppen. Eine höhere Bestimmung gab ihn seinem Vaterlande wieder. Im Jahre 1815 ernannte ihn der Kaiser Alexander, als König von Polen, zu seinem Statthalter, Vicekönig oder Namiesinik, worüber die ganze polnische Nation erfreut war.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.