Jacques Nicolas Billaud-Varenne

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Billaud-Varennes, Advokat, gebohren zu la Rochelle, das er einige Jahre vor der Revolution verließ.

Er war 1792 Substitut des Prokurators der Pariser Gemeine und ward einer der Direktoren von den September-Szenen.

Als ernannter Deputirter von Paris bey dem National-Konvent brachte er, von der vierten Sitzung an, die Todesstrafe in Vorschlag gegen jeden, der den Feind auf französisches Gebiet führen würde.

Im Dezember verlangte er mehrmals den Prozeß Ludwigs XVI, war dagegen, daß man dem Könige Rathgeber zugestände, und votirte seinen Tod.

Den 29sten August verlangte er, daß alle Truppen des Innern im Augenblick nach den Grenzen aufbrechen sollten, und alle Franzosen vom 20sten bis zum 30sten Jahre aufgeboten würden. Noch demselben Tag ernannte ihn der Konvent zu seinem Präsidenten und zum Mitgliede des Wohlfahrts-Ausschusses, um die Minister zu beobachten.

Den 18ten November stattete er Bericht über die Einsetzung eines provisorischen Revolutionsgouvernements ab, und dieser Bericht gab die Grundlage zur Organisation des nachmaligen Revolutionsgouvernements.

Billaud verfolgte Robespierres Gang und unterstützte ihn bey der Revolution vom 31sten May 1793; als sich aber die Komitteen von den Verfolgungen des Tyrannen, der seine Mitverschwornen aus dem Wege räumen wollte, angegriffen sahen, zeigte sich Billaud als seinen ersten Ankläger. Er trat den 8ten Thermidor mit der größten Dreistigkeit gegen ihn auf, und gab ihm mit seinem gewöhnlichen Nachdruck die ersten Stöße, den Tag darauf erklärte er sich von neuem gegen ihn und half ihn stürzen. Sechs Tage später nahm er selbst seine Entlassung aus dem Wohlfahrts-Ausschuße.

Den 8ten August zeigte ihn Lecointre von Versailles als einen Mitschuldigen dessen an, den er hatte stürzen helfen, und da diese Anzeige ohne Wirkung blieb, wurde sie von Legendre wiederholt, Billaud aber wußte nochmals das Gewitter von sich abzuwenden.

Den 4ten November erschien er wieder auf der Tribune und sprach eine heftige Rede gegen das Mäßigungssystem. Diese Rede bereitete seinen Fall; er wurde beschuldigt, daß er das Volk gegen den Konvent aufreitzen wollte, und den 1sten Aprill 1795 zur Deportation nach Gujana verurtheilt.

Sein Deportationsbeschluß wurde bey Gelegenheit des zweyten Aufstandes im Prairial zurückgenommen und der Konvent verordnete, daß er vor das Criminalgericht des Departements der untern Charente geführt und daselbst gerichtet werde; allein der Befehl langte zu spät an, er war schon auf der Reise nach Cayenne. Bey seiner Ankunft ward er in das Innere des Landes gebracht.

Er lebte noch zu Sinamari, als die Deportirten vom 18ten Fruktidor (4ten September 1797) daselbst anlangten. Seine Hauptbeschäftigung in seinem Exil war, Papageyen aufzuziehen.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.