Jan Henryk Dąbrowski

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Dombrowsky, französischer Divisionsgeneral, war anfangs Rittmeister bei der Garde du Corps des Churfürsten von Sachsen, ging in sein Vaterland, Polen, zurück, diente 1794 gegen die Russen, und zeichnete sich bei mehrern Gelegenheiten durch Muth und Einsicht aus.

Er commandirte, an des jungen Poniatowsky's Stelle, eine der Linien, mit denen Kosciusko im August Warschau gegen die Preußen vertheidigte. Dieser General beschenkte ihn mit einem Ringe, der die Inschrift hatte: "Das Vaterland seinem Vertheidiger." In der Folge nach Groß-Polen beordert, erfocht er daselbst mehrere Vortheile, sah sich aber nach der Einnahme von Warschau von den russischen Armeen eingeschlossen und genöthigt, sich zu ergeben. Man führte ihn nach Warschau und gab ihm in December seine Freiheit wieder; der General Suwarow behandelte ihn sogar mit vieler Achtung.

1796 ging er nach Cöln, um in französische Dienste zu treten, und fand bei Jourdan einen günstigen Empfang. Man bevollmächtigte ihn bald darauf, ein polnisches Corps zu errichten, und er erließ eine Art von Proclamation an seine Landsleute, um sie zur Vereinigung unter seinen Fahnen einzuladen. Wirklich befand er sich 1797 an der Spitze einer ansehnlichen Legion, leistete brauchbare Dienste unter Bonaparte in Italien, vorzüglich bei der Eroberung von Neapel 1799; ward zum Divisionsgeneral ernannt, und fuhr fort, in demselben Jahre mit der größten Auszeichnung zu dienen.

1806 commandirte er gegen die neapolitanischen Insurgenten, ward hierauf von Napoleon, der damals durch das Brandenburgische gegen Südpreußen vorrückte, berufen, eine Insurrection unter seinen ehemaligen Landsleuten zu Gunsten der Franzosen zu bewerkstelligen, die er auch zu Stande brachte, und mit der er den Feldzug gegen die Russen eröffnete.

Bei dem Wiederausbruch des Krieges mit Oesterreich 1809 commandirte Dombrowsky ein Corps gegen den Erzherzog Ferdinand. Er zeichnete sich in diesem Feldzuge durch große Thätigkeit aus und erhielt nach Beendigung desselben das Commando einer Division im Herzogthum Warschau.

Er begleitete Napoleon 1812 auf seinem Rückzuge, kehrte mit den Resten der polnischen Armee aus Frankreich zurück und erließ noch 1814 einen Aufruf zur Wiederherstellung der polnischen Armee auf Veranlassung des Kaisers Alexander.

Am 1. Dec. 1815 wurde er zum Woiwod-Senateur des Königreichs Polon ernannt.


Von Reisende.

Johann Gottfried Seume.

In Rom hatte ich einige Höflichkeitsaufträge an den General Dombrowsky erhalten, und er nahm mich mit vieler Freundschaft auf und lud mich mit nordischer Gastfreyheit auf die ganze Zeit meines Hierseyns an seinen Tisch. Hier fand ich mit ihm und andern von Pohlen aus Berührung. Ich hatte ihn einige Mahl in Suworows Hauptquartiere gesehen; und er hatte von seinem ersten Dienst unser Vaterland Sachsen noch sehr lieb. Er ist einer von den heutigen Generalen, die die meiste Wissenschaft ihres Faches haben; und Du findest bey ihm Bücher und Charten, die Du vielleicht an vielen andern Orten vergebens suchst. Er ist ein sehr freyer, strenger Beurtheiler militärischer Zeichnungen, fordert das Wesentlich und bekümmert sich nicht um zierliche Kleinigkeiten. Er hat eine schöne Sammlung guter Kupferstiche von den Köpfen grosser Männer; besonders ist darunter ein Gustav Adolph, der sehr alt und charakteristisch ist, und auf den er viel hält. Eine Anekdote aus diesem nur geendigten Kriege wird Dir vielleicht nicht unangenehm seyn. Dombrowsky liebte Schillers dreyssigjährigen Krieg und trug ihn in seinen Feldzügen in der Tasche. Bey Trebia oder Novi schlug eine Kugel gerade auf den Ort, wo unter des Buch lag; und dadurch wurde ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Ich habe das durchschlagene Exemplar selbst in Rom gesehen, wo er es einem Freuude zum Andenken geschenkt hat, und die Erzählung aus dem eigenen Munde des Generals. Er sagte mir lachend, Schiller hat mich gerettet, aber er ist vielleicht auch Schuld an der Gefahr: denn die Kugel hat eine Unwahrheit herausgeschlagen. Es stand dort, die Pohlen haben in der Schlacht bey Lützen gefochten: das ist nicht wahr; es waren Kroaten. Die Pohlen haben nie für Geld geschlagen; selbst jetzt schlugen wir noch für unser Vaterland; ob es gleich nunmehr unwiederbringlich verloren ist. Das gab etwas Sichtung der vergangenen Politik. Ich meinte, es wäre vorauszusehen gewesen, dass für Pohlen keine Rettung mehr war. Die Franzosen würden sich in ihrer noch kritischen Lage nicht der ganzen Wirkung der furchtbaren Tripleallianz blossstellen, um ein Zwitterding von Republik wieder zu etablieren, an deren Existenz sie nun gar kein Interesse mehr hatten. Eifersucht zwischen den grossen, mächtigen Nachbarn ist wahrscheinlich und ihnen vortheilhaft. Wenn die Pohlen noch unter einem einzigen Herrn wären, so liesse sich durch eben diese Eifersucht noch Rettung denken. Das schienen sie vorher selbst zu fühlen, und thaten, da die Katastrophe nun einmahl herbeygeführt war, hier und da etwas, um nur unter Einen Herrn zu kommen. Ich weiss selbst, dass ich als russischer Offizier in Posen vor der Hauptwache vor den preussischen Kanonen von einem Dutzend junger Pohlen belagert wurde, die mir's nahe ans Herz legten, dass doch die Kaiserin sie alle nehmen möchte; sie sollte ihnen nur einige Bataillone Hülfe schicken, so wollten sie die Preussen zurückschlagen. Sie brachten eine Menge scheinbare Gründe, warum sie lieber russische Unterthanen zu seyn wünschten; aber die wahren verbargen sie gewiss. Sie dachten unstreitig, bleiben wir nur zusammen, so können wir durch irgend eine Konjunktur bald wieder politische Existenz gewinnen. Der General fand die Schlussfolge ziemlich bündig, sagte aber, ein Patriot dürfe und müsse die letzten schwache Hoffnung für sein Vaterland versuchen. Das ist brav und edel.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802. Von J. G. Seume. 1811.