Jean-Baptiste Bessières

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Bessières, Herzog von Istrien, Reichsmarschall von Frankreich, Chef der dritten Cohorte und Großoffizier der Ehrenlegion, Generaloberst der kaiserlichen Garde, Ritter des Christusordens von Portugal..

Er schwang sich vom gemeinen Soldaten bis zum Infanteriehauptmann und ging 1796 zur italiänischen Armee, wo er zum Commandanten der Guiden des Generals Bonaparte ernannt wurde. Den 4ten September dieses Jahres nahm er mit sechs Cavalleristen zwei Kanonen, und trug dadurch zum Siege von Roveredo bei. Hierauf wurde er nach Paris gesandt, dem Directorium die dem Feinde genommenen Fahnen zu überbringen, und kehrte als Oberst zur Armee zurück.

Er begleitete den General Bonaparte nach Aegypten und kam mit ihm wieder nach Frankreich.

Nach der Revolution vom 18ten Brümaire ward er zum Brigadegeneral, und kurz darauf zum Divisionsgeneral erhoben. Er commandirte sodann die Guiden zu Pferde von der Consulargarde, und ward nach Napoleons Thronbesteigung Reichsmarschall.

Im Mai 1805 erhielt er vom Prinzregenten von Portugal den Christusorden, und begab sich gegen Ende des Jahres zur Armee in Deutschland, wo er an den glänzenden Operationen Theil hatte, womit sich der Feldzug eröffnete. In der Schlacht von Austerlitz zeichnete er sich vorzüglich durch seine kühne Anführung der französische Garden aus.

In dem preußisch-französischen Feldzuge 1806 lieferte er am 23sten December dem preußischen General l'Estocq einige Gefechte bei Biezun. In der Schlacht von Eylau unterstützte er vorzüglich die kühnen Cavalleriemanoeuvres des Großherzogs von Berg. Bei der Schlacht von Friedland kam die Garde gar nicht zur Gefecht. Er genoß der Auszeichnung, den Kaiser Napoleon bei der Zusammenkunft mit dem Kaiser Alexander auf dem Flusse Niemen zu begleiten.

Später commandirte er einen Theil der Armee in Spanien.

Bei dem Wiederausbruche des Krieges mit Oesterreich 1809 führte er das Commando der Cavallerie bei der französischen Armee, und wurde in der Schlacht von Wagram verwundet.

Später übernahm er das Commando der Nordarmee an Bernadotte's Stelle, verließ es aber bald wieder.

Im Jahr 1812 befand er sich mit der französischen Armee in Rußland, und in Jahre 1813 in Deutschland, wo ihn vor der Schlacht bei Lützen eine Kanonenkugel tödtete.


Zitate.

Über den Feldzug von 1813 "Denn, bei den jetzigen kritischen Umständen, und mit unsern so jungen Kriegern, ist es die Pflicht der Anführer, daß wir uns selber nicht schonen."


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

Bessieres, aus dem Lotdepartement, wurde durch die Revolution in den Krieg gezogen; er fieng seine Laufbahn damit an, daß er gemeiner Soldat in der konstitutionellen Wache Ludwigs XVI. war. Späterhin wurde er Offizier unter den Jägern zu Pferde; Handlungen persönlicher, außerordentlicher Tapferkeit, zogen die Aufmerksamkeit des Obergenerals der italienischen Armee auf ihn, und dieser, als er seine Guiden oder Leibwachen zu Pferde errichtete, ernannte Bessieres zu ihrem Kommandanten. So fieng Bessieres an, so war der Ursprung seines nachherigen Glücks. Von diesem Augenblick an trifft man ihn beständig an der Spitze der Garde des Konsuls oder der kaiserlichen Garde, in den Reserven, wenn sie zum Einhauen gebraucht wurden, wo er dem Siege den Ausschlag gab, oder dessen Früchte zu benutzen wußte. Sein Name hängt auf eine edle Weise mit allen unsern schönen Schlachten zusammen.

Bessieres wuchs zugleich mit dem Manne, der ihn hervorgesucht hatte, und erhielt seinen reichlichen Antheil an den Belohnungen, welche der Kaiser austheilte; er wurde Reichsmarschall, Herzog von Istrien, Oberst der Cavallerie der Garde u.s.w.

Seine Eigenschaften entwickelten sich mit den Umständen, wo er stets eben so groß als sein Glück erschien. Mann weiß, dass Bessieres immer gut, menschlich, großmüthig war; seine Redlichkeit, seine Geradheit waren ganz von den alten Zeiten; ein eben so ehrlicher Mann und rechtschaffener Bürger. Er benutzte oft seine wichtige Stellung, um besondere Dienste und Gefälligkeiten, selbst Leuten von entgegengesetzten Meinungen zu leisten. Ich kenne gewisse Personen, die , wenn sie dankbar seyn wollen, dieß mit mir wiederholen, und seine so edel erhabene Gesinnungen bezeugen können.

Bessieres war von der Garde, unter welcher er beständig lebte, angebetet. In der Schlacht von Wagram warf eine Kanonenkugel ihn vom Pferde, ohne jedoch ihn zu beschädigen. Die ganze Garde stieß einen Schmerzensschrei aus; darum sagte auch Napoleon, als er ihn wieder vor sich sah! "Bessieres, die Kugel, die Sie getroffen hat, brachte meine ganze Garde zu Thränen; danken Sie ihr, sie muß Ihnen theuer seyn." Er war nicht so glücklich in dem sächsischen Feldzuge; am Tage vor der Schlacht von Lützen rückte er bei einer ganz unbedeutenden Gelegenheit, mitten unter den Tirailleurs, voran, und wurde von einer Kanonenkügel in den Brust getroffen. Er hatte gelebt wie Bayard, er starb wie Turenne.

Ich hatte mit ihm kurze Zeit vor diesem unglückliche Vorfall gesprochen. Wir waren durch Zufall in einer Privatloge im Schauspiel zusammengekommen, die ihm sehr am Herzen lagen, denn er liebte sein Vaterland bis zur Anbetung, und sein letztes Wort beim Abschied war, er reise noch in dieser Nacht ab, und wünschte, wir möchten uns wieder sehen. "Denn, setzte er hinzu, bei den jetzigen kritischen Umständen, und mit unsern so jungen Kriegern, ist es die Pflicht der Anführer, daß wir uns selber nicht schonen." Ach! er sollte nicht wiederkehren!

Bessieres liebte den Kaiser aufrichtig, ja er betete ihn an; gewiß hätte er so wenig als Duroc sich weder von der Person des Kaisers noch von seinem Schicksal getrennt.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.