Jean-Baptiste Carrier

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Carrier.

Carrier (J. B.), gebohren zu Yolay bey Auvillac 1756. Ein galligtes kolerisches Temperament, eine vernachlässigte Erziehung und fanatischer Enthusiasm stürzten ihn in die Revolution, wo er den Tod fand, um lange Zeit mit einem Nahmen des Schreckens noch für die Nachwelt zu leben.

Als Deputirter bey dem Nationalkonvent votirte er Ludwigs Tod, und ließ den 9ten März 1793 die Wahl des Revolutionstribunals decretiren. Nachher wurde er in die Vendee geschickt und der 8ten Oktober 1793, der Tag, wo er zu Nantes eintraf, wird nie aus den Jahrbüchern dieser unglücklichen Stadt verlöschen. "Nicht zufrieden mit Plünderungen aller Art und dem kleinen Spiel der Guillotine, wollte er in Masse zerstören." Er nahm seine Zuflucht zu Füsilladen, erneuerte und vergrösserte Nero's Idee, ließ Schiffe mit Unterklappen bauen, durch welche 100 Personen mit Einemmahle ertränkt wurden, und war der Erfinder der republikanischen Hochzeiten, wo zwey Personen verschiedenen Geschlechts, die Gesichte gegen einander, zusammen gebunden und also ins Meer geworfen wurden.

Zu Anfange des Jahrs 1794 hatte seine Sendung ein Ende, und er trat wieder in den Konvent.

Am 9ten Thermidor schloß er sich an die an, die Robespierre angriffen, fand sich aber bald darauf mit den Jakobinern in die Spaltung, welche diese von den Thermidoriens trennte, mit hineingezogen und gieng, da er Tallien als Chef einer neuen Parthey anklagte, seinem verderben entgegen. Jetzt warfen die Thermidoriens die ganze Last seines Verfahrens, das zeither in der Vergessenheit geblieben war, auf ihn. Vor dem Revolutionstribunal war er mit seiner Vertheidigung nicht glücklicher als im Konvent; den 15ten Dezember 1794 ward er zum Tode verurtheilt, als überwiesen, daß er Kinder von 13 und 14 Jahren hatte erschiessen lassen, Ersäufungen angeordnet hatte, und dieses in gegen revolutionären Absichten. Dieser Grund verdient unstreitig seiner Sonderbarkeit wegen angeführt zu werden.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.