Jean-Baptiste Jules Bernadotte

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Bernadotte.

Soldat in dem 60sten Regiment im J. 1780; ist alle Grade durchgegangen; Divisions-General den 22sten Oktober 1794.

Guter Offizier, von den Volks-Stellvertretern Richard, Merlin von Thionville, Gillet und General Jourdan empfohlen.


Biographien.

(1808) Historische Gemälde in Erzählungen merkwürdiger Begebenheiten aus dem Leben berühmter und berüchtigter Menschen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Freunden der Geschichte.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard.


Der Marschall Prinz von Ponte-Corvo.

Gen. Bernadotte, Staatsrath.
Bernadotte.
Bernadotte Prinz von Ponte-Corvo Kronprinz von Schweden.
J. Bernadotte, Kronprinz von Schweden. Désiré Clairy, seine Gemahlin.

Der Prinz von Ponte-Corvo, bekannter noch unter dem Nahmen Marschall Bernadotte, dessen in dem vorstehenden Aufsatze über Lübecks Unglücksscenen im November des Jahres 1806 verschiedene Mahle mit so großem Lobe gedacht worden ist, und der durch seine Menschlichkeit und seinen Edelmuth gewiß die Leibe jedes Menschenfreundes sich erworben hat, verdient es schon deshalb, daß auch die Leser dieser historischen Gemählde eine Schilderung seines Charakters und seines Thatenreichen Lebens erhalten. Sie muß ihnen um so interessanter seyn, je bedeutender die Rolle ist, die der Prinz auch in letzten Kriegen Frankreichs unter Napoleons Oberbefehl gespielt hat und noch spielt, da bekanntlich ein großer Theil der französischen Kriegsmacht unter seinem Kommando steht.


Bernadotte wurde gebohren zu Paris den 26. Januar 1763. Fünfzehn Jahre hatte er schon die Waffen getragen, als das erste Gerücht von der Gefahr des Vaterlandes seinen Muth erweckte, und er voll Zuversicht in die Reihen seiner Vertheidiger trat.

Er würde zu weitläuftig seyn, alle die Gefechte anzuführen, wobey sich Bernadotte durch Muth und Kenntnisse auszeichnete. Wir bemerken nur, daß er sehr bald dieserhalb bemerkt, und dadurch im 4. Jahre der Republik zu dem Posten eines Divisionsgenerals befördert wurde. Von dieser Zeit beginnt erstlich seine militairische Laufbahn. Er focht unter dem Oberbefehl des Generals Jourdan bey der Rheinarmee. Die Ufer der Lahn waren die Zeugen von Bernadotte's Glück, und die Niederlage der Oesterreicher, die Blokade von Maynz, die seine Division unter dem fürchterlichen des Feindes unternahm, der berühmte Rheinübergang, wobey er unter den ersten sich zeigte, dienten zur Basis seines kriegerischen Rufs; nicht weniger merkwürdig sind in diesem Feldzuge geworden das Gefecht bey Neuhof, der Uebergang über die Rednitz, die Einnahme der Städte Altdorf und Neumark, die vielen Vortheile, die er über den General Kray errang, die Eroberung der Magazine desselben am Mayn und mehrere ähnliche Thaten.

Demohngeachtet suchte die Verläumdung seinen Ruhm zu beflecken; man klagte ihn an, er habe seinen Truppen verstattet, vier und zwanzig Stunden lang die Stadt Nürnberg zu plündern, und von ihren Einwohnern eine sehr starke Contribution in baarem Gelde, unter Androhung der gänzlichen Zerstörung der Stadt, gefordert. Bernadotte, äußerst erzürnt über eine solche unwahre und entehrende Beschuldigung, beklagte sich bitter darüber beym Direktorium, und rechtfertigte sich aus eine überzeugende Weise.

Der Ruf seiner Thaten war ihm zur italienischen Armee zuvorgeeilt. Der jetzige Kayser, und damahlige General Bonaparte, erblickt ihn mit Freuden unter den Helden von Lodi und Arkole, und seine ersten Unternehmungen bey dieser Armee waren von einem Glücke begleitet, das der Obergeneral als einen sicheren Bürgen für die Zukunft betrachtete. Seine erste Waffenthat war die Einnahme von der Festung Gradisca, und in den Gefechten, welche er liefern mußte, ehe er sich zum Herrn davon machen konnte, trotzte er den größten Gefahren, indem er sich dem gemeinen Soldaten gleich dem feindlichen Feuer bloß stellte, und mit seinen Adjutanten und Offizieren ihnen ein Beyspiel von edler Fassung und Unerschrockenheit gab. General Mürat, gegenwärtiger Grosherzog von Berg, befehligte damahls den Vortrab von Bernadotte's Division, und bey dieser Gelegenheit lernten sich beyde Generale kennen und achten.

Als Bonaparte einige Zeit vor dem 18. fruktidor die ausgezeichneten Dienste, welche Bernadotte der italienischen Armee geleistet hatte, belohnen wollte, so wählte er ihn zum ueberbringer der den Oesterreichern in der Schlacht bey Rivoli abgenommenen Fahnen an das Direktorium, und dieses empfieng ihn in einer feyerlichen Sitzung mit allen seiner Person gebührenden Ehrenbezeugungen.

Kurz darauf verändert der 18. Fruktidor Frankreichs Regierungsform und Bonaparte unterzeichnete zu Leoben die Friedenspräliminarien mit dem deutschen Kayser. Unterdessen waren im mittägigen Frankreich bürgerliche Unruhen ausgebrochen, und das Direktorium warf seine Augen auf Bernadotte, um durch ihn jene Aufrührer bestrafen zu lassen, allein er lehnte dieses Commando ab, und kehrte mit seiner Division nach Italien zurück.

Der Friedenstraktat von Campo-Formio stellte die diplomatische Verhältnisse zwischen der Republik und dem Kayser wieder her. Der Congreß zu Rastadt ward eröfnet, und Bernadotte zum Gesandten am Wiener Hofe ernannt, wo er von dem Kayser mit Auszeichnung aufgenommen wurde. Die ersten Unterhandlungen des Congresses ließen einen dauerhaften Frieden hoffen, und die Truppen beyder Mächte schienen den gegenseitigen Haß ganz vergessen zu haben, und der Sieger von Gradiska legte selbst einen Besuch beym Erzherzoge Karl ab, um, wie er sagte, den Sieger bey Würzburg persönlich kennen zu lernen.

Ein Aufstand des Wiener Pöbels, bey welchem dieser das Hotel Bernadotte's stürmte, weil er auf demselben die dreyfarbige Fahne hatte wehen lassen, veranlaßte den Gesandten, sich nach Rastadt zu begeben, um daselbst die Genugthuung zu erwarten, die man ihm geben würde. Es wurde auch dieses Mißverständniß glücklich ausgeglichen.

Bernadotte kehrte hierauf in den ersten Tagen des Jahres 4. der Republik nach Paris zurück; das Direktorium bot ihm nun das Commando über die achte Division an; allein er lehnte es ab, um sich selbst einige Zeit in Entfernung von allen Geschäften zu leben. Er wurde hierauf zum Ambassadeur im Haag ernannt, allein er lehnte auch diese Anstellung ab.

Indessen zogen sich die Unterhandlungen zu Rastadt fruchtlos in die Länge. Man berettete sich von neuem zum Kriege, und Bernadotte erhielt das Obercommando der beyden Flügel der unter Jourdans Befehlen gegen den Erzherzog Karl vorrückenden französischen Armee, welche beyde Flügel auch den Nahmen der Observationsarmee führten. Bernadotte erhielt nun Befehl über den Rhein zu gehen, um Philippsburg zu blockiren, indeß die Donauarmee auf das österreichischen Gebiet vorrückte. Er zeigte sich vor der Festung den 12. Ventose, und forderte den Commandanten zur Uebergabe auf, allein dieser verweigerte sie, und nun wurde das Beschießen derselben abgeordnet, als neue Ereignisse die Ausführung dieses Befehles hinderten.

Jourdans Rückzug, die Auflösung des Congresses zu Rastadt und der erneuerte Anfang des Feindseligkeiten auf allen Punkten, änderten bald gänzlich die Lage der Sachen. Die Russen waren Herrn von Italien, die meisten festen Plätzen zu Anfange des Feldzugs verlohren worden, und so wurde die Entfaltung außerordentlicher Mittel und Maasregeln nothwendig. Die Verwaltung des Kriegsdepartements bedurfte eines weisen und geschickten Vorstehers, und das Direktorium wählte Bernadotte dazu. Er wurde Kriegsminister, und es vergiengen kaum drey Monathe, so sahe man überall die wohlthätigen Folgen seines Einflusses auf die Armeen und das Ganze seiner Geschäfte; das kündigte ihm das Direktorium an, daß, weil er ihm oft den Wunsch geäußert habe, lieber bey den Armeen thätig zu werden, seine Stelle durch Millet-Müreau, den er eigentlich abgelößt hatte, wieder besetzt werden sollte. Bernadotte dadurch gekränkt, schrieb dem Direktorium in einem kraftvollen Tone zurück, daß er keinesweges seine Entlassung von dem ihm jetzt vertrauten Posten, wenigstens jetzt nicht, gewünscht habe, sondern daß dieser Wunsch ihm Anfangs vielleicht entschlüpft sey, wo er nicht die Hofnung gehabt habe, etwas Gutes stiften zu können; indessen erklärte er zugleich seinen Entschluß, keine Anstellung wieder annehmen, sondern als Privatmann leben zu wollen.

Der 18. Brümaire führte eine neue Revolution herbey. Als der Besieger Italiens Frankreichs Regierung übernommen hatte, sammelten sich eine Menge talentvoller Männer um ihn, die ihn auf dem Felde der Ehre begleitet hatten; Tapferkeit, Geschicklichkeit und Patriotismus waren gegründete Ansprüche auf neue Ehren und Würden, und der bescheidene Bernadotte zur wichtigen Stelle eines Staatsraths berufen, erinnerte sich nicht mehr, daß er der Ruhe bedürfte.

Die ersten Bemühungen der neuen Regierung waren das Feuer des Bürgerkrieges in der unglücklichen Vendee zu ersticken. General Brüne, dem dieß gelungen war, wurde auf einen andern Schauplatz berufen, und General Bernadotte wurde von dem Kriegsminister ausersehen, seine Stelle einzunehmen. Den 18. Germinal des Jahres 8. wurde er zum General en Chef der Westarmee ernannt. Durch seine Menschlichkeit und Sanftmuth wurde der Friede ungestört erhalten. Er vertrieb auch die Engelländer auf der Halbinsel Quiberon.

Der jetzt regierende französische Kayser, der das ächte Talent so gut zu unterscheiden weiß, erhob ihn zur Würde eines Marschalls von Frankreich, und späterhin ertheilte er ihm das in Italien gelegene Fürstenthum Ponte-Corvo, von dem er nunmehr den Titel Prince de Ponte-Corvo führt.


Bernadotte Fürst von Ponte corvo.

Bernadotte Fürst von Ponte corvo, gebohren zu Pau in Bearn, war bey dem Ausbruche der Revolution Feldwebel im Regiment Royal-Marine, wo Merle d'Ambert sich als Obrist befand. Seine Talente, seine Thätigkeit und sein Muth verschafften ihm ein schnelles Avancement. Er kommandirte eine Halbbrigade, als Kleber ihn auszeichnete, bey verschiedenen Expeditionen anstellte, zum Brigadegeneral ernennen ließ und bald für ihn das Kommando einer Division der Sambre- und Maasarmee erhielt, an deren Spitze sich Bernadotte bey der Schlacht von Fleurus 1794 befand.

Den 2ten July 1795 half er den Rheinübergang bey Neuwied bewerkstelligen, und im Laufe des Monaths August bemeisterte er sich der Stadt Altorf. Den 22sten August wurde seine Division, die ihre Stellung über Neumark hinausgenommen hatte, so wie die ganze Armee unter Jourdan, zurückgeschlagen. Bernadotte zeichnete sich bey diesem Rückzuge in dem Kommando der Arrieregarde aus.

1796 gieng er zur Armee in Italien und theilte den Ruhm der Expedition vom Tagliamento. Kurz darauf nahm er Palma Nova, Lamina, Caporetto xc.

Zur Epoche, die dem 18ten Fructidor vorangieng, unterzeichnete Bernadotte, im Nahmen seiner Division, eine Addresse gegen die Parthey, welche am 18ten Fructidor unterlag. Kurz vorher hatte er Ant..igues, der bey der russischen Gesandtschaft in Venedig angestellt war, arretiren und seine Korrespondenz ergreifen lassen. Der General Bonaparte schickte ihn hierauf nach Paris, dem Direktorium die zu Peschiera, nach der Schlacht von Rivoli gewonnenen Fahnen zu überbringen.

Gegen Ende des September 1797 zum Kommandanten von Marseille ernannt, zog er vor, an die Spitze seiner Division zurückzukehren.

Die dreifarbige Fahne, und Bernadotte.

Den 18ten Januar 1798 ward er zum Bothschafter in Wien ernannt. Den 13. April ließ er vor seinem Pallast die dreifarbige Fahne pflanzen: es entstand darüber ein Volksauflauf und Bernadotte verließ Wien alsbald darnach.

Zu Ende August 1798 heirathete Bernadotte Mademois. Clary, Tochter eines Kaufmanns und Schwester der jetzigen Königin von Spanien, die anfangs dem General Düphot bestimmt gewesen, der zu Rom in einem Volksauflaufe umkam.

1799 hatte Bernadotte den Oberbefehl einer Beobachtungsarmee, ließ Philippsburg bombardiren und die Emigranten aus Frankfurt verjagen.

Nach der Art von Revolution am 30sten Prair. (19ten May 1799), die Merlin, Treilhard und Lareveillère aus dem Direktorium stieß, wurde Bernadotte zum Kriegsminister ernannt und gab, Trotz der Unfälle bey den Armeen und der Verwirrung eines zerrütteten Gouvernements, diesem Departement einen neuen Belebungsstoß. Seine Verbindung mit einigen Demokraten beunruhigte aber die Direktoren und er wurde durch Millet-Müreau abgelößt, und doch drang diese Parthey nachher vergebens in ihn, sich zu erklären und die Plane, welche man Sieyes zuschrieb, scheitern zu machen.

Er zog sich in die Ruhe zurück und ward nach dem 18ten Brümaire zum Staatsrath und darauf zum Obergeneral der Westarmee ernannt. Er zerstreute die Reste der Chouans bey mehreren Gelegenheiten, wo er sie traf, und verhinderte den 6ten Juny 1800 eine Landung der Engländer zu Quiberon.

Im folgenden Jahre übergab er das Kommando dem General Laborde, indem seine Gesundheit auf eine bedenkliche Weise abnahm und eine Art Schwindsucht ihn aufzureiben schien.

Nach seiner Wiederherstellung erwarb er sich immer mehr und mehr die Achtung des ersten Konsuls und ward nach dessen Thronbesteigung zum Reichsmarschall erhoben.

Im Juny 1804 wurde ihm das Kommando in Hannover angetragen, und er zum Chef der 8. Cohorte der Ehrenlegion ernannt.

1805 überschickte ihm der König von Preussen den schwarzen und rothen Adlerorden, so wie der Churfürst von Bayern den St. Hubertsorden.

Gegen Ende des Septembers 1805 verließ der Marschall Bernadotte, mit dem größten Theile seiner Armee Hannover, gieng durch Hessen und vereinigte sich zu Würzburg mit den Bayern, die er nach der Schlacht von Ulm in ihre Hauptstadt zurückführte, von wo aus er sich gegen die Iller und von da gegen die Russen wendete. In der Schlacht von Austerlitz kommandirte er das Centrum der französischen Armee.

Ein kaiserliches Dekret vom 5ten Januar 1806 erhob ihn zum Fürsten und Herzog von Pontecorvo.

Bey der Schlacht vom 14. Okt. 1806 kommandirte er nebst dem Marschall Davoust den rechten Flügel der französischen Armee bey Auerstädt, verfolgte hierauf den preussischen General Prinzen Eugen von Würtemberg bis Halle, eroberte diese Stadt, zog sich sodann längs der Elbe nach der Seeküste zu und lieferte, in Verbindung mit dem Großherzog von Berg und dem Marschall Soult, dem preussischen General Blücher die blutige Schlacht bey Lübeck. Am 16ten Januar 1807 lieferte er den Russen das Treffen von Mohrungen. Von der Theilnahme an der entscheidenden Schlacht bey Friedland wurde er durch eine Wunde abgehalten, die er den 5. Juny in dem Gefechte bey Spangen erhalten hatte. Nach dem Tilsiter Frieden erhielt er das Kommando in den Hanseestädten und war Chef der Truppen, die in diesen Gegenden in Verbindung mit den Dänen standen.

Nach dem Wiederausbruch des Krieges mit Oesterreich 1809 gieng er nach Sachsen und übernahm dort das Kommando eines Korps, mit dem er bis an die Donau herabrückte.


Quellen und Literatur.

  • Historische Gemälde in Erzählungen merkwürdiger Begebenheiten aus dem Leben berühmter und berüchtigter Menschen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Freunden der Geschichte. Sechszehnter Band. Leipzig, 1808. bey Johann Friedrich Hartknoch.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.