Jean-Baptiste Kléber

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Kleber, (Johann), -- Divisions-General; Kommandant der Reserve,

hat in Oestreich vom J. 1776 bis 83 gedient; Major-Adjutant des 4ten Bataillon vom Oberrhein im J. 1792; ist seitdem alle Grade durchgegangen, und hat alle Feldzüge dieses Krieges gemacht.

Vortreflicher Offizier, der fähig ist, eine Armee zu kommandiren.


Biographien

(1800) Charakterzüge und interessante Szenen aus dem Leben denkwürdiger Personen der gegenwärtigen und verflossenen Zeiten. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.

(1815) Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.


General Kleber.

Kléber.
ASSASSINAT DU GÉNÉRAL KLÉBER. An VIII.

Unter denjenigen französischen Generalen, welcher sich in dem gegenwärtigen Kriege durch Muth und Talente ausgezeichnet, gleichwohl aber kein Armeekommando geführt haben, nimmt sich besonders Kleber aus. -- Er ist aus Straßburg gebürtig, und gegenwärtig ungefähr 48 Jahre alt. Er ist von einer ansehnlichen Leibesgröße (er mißt 5 Schuhe, 10 Zoll französisches Maas, welches über 6 teutsche Schuhe beträgt) -- bräunlichten, blatternarbichten Angesichts, und trägt starke Backenbärte, welches ihm ein sehr kriegerisches Ansehen giebt. Da er, seitdem er General ist, an Leibesdicke sehr zugenommen hat, so ist er ein Koloß geworden, so, daß er schwer ein Pferd findet, das zu seinem Gebrauche ist.

Er verlor seinen Vater, von dem er ein einziges Kind war, frühzeitig; seine Mutter verehlichte sich darauf an einen Baumeister, Namens Burger, in Straßburg, aus welcher Ehe sich noch einige Stief-Geschwister des Generals daselbst befinden. Da Kleber nicht über 12 Jahr alt war, ward seine Mutter zum zweitenmale Wittwe. -- Seine jugendliche Lebhaftigkeit verleitete ihn einigemal, sich bei dem in Straßburg liegenden Militair, als Gemeiner engagiren zu lassen; er wurde aber von seiner Mutter jedesmal wieder losgekauft. Sie wollte ihn anfänglich der Handlung widmen. Da er aber hiebei von seinem Lehrherrn mit vieler Strenge behandelt wurde, so nahm sie ihn wieder zu sich. Er fieng nun an, sich auf die Baukunst zu legen, und machte solche Fortschritte darinn, daß er eine Anstellung als Lehrer dieser Kunst in Westphalen erhielt. Hier machte ihn ein Zufall mit den kaiserlichen General Kaunitz bekannt.

Dieser beeiferte sich damals sehr, sein Regiment zu einem der schönsten bei der Armee zu machen. Er trug daher Klebern, dessen ausnehmend schöner Wuchs, und lebhafter Geist einen besondern Eindruck auf ihn machten, eine Lieutenantsstelle unter seinem Regimente an, wenn er in kaiserliche Militairdienste treten wollte. Kleber lehnte diesen Antrag anfänglich ab. Der General begab sich nun auf seine Güter nach Böhmen. Kaum aber war er dahin abgereißt, als Kleber seinen Entschluß änderte, und ihm folgte. Der General nahm ihn mit Freuden auf, und behielt ihn ein halbes Jahr bei sich, während welcher Zeit er bei dem Regiment, als Kadet, nachgeführt wurde. Bei der ersten Vakatur schickte er ihn als Unterlieutenant zu demselben.

Nachdem er zwei Jahre in kaiserlichen Diensten gestanden war, und das Avancement nicht so schnell vorangieng, als er vielleicht gehofft hatte, trat er aus, und kehrte in sein Vaterland zurück, wo er einige Zeit ohne eigentliche Bestimmung lebte, bis ihm sein ältere Stiefbruder die Entreprise der Festungswerke von Befort, bei der er sich bereits ein ziemliches Vermögen gesammelt hatte, abtrat. Er besaß diese nicht sehr lange, als die französische Revoluzion ausbrach, und seinem unternehmenden Kopf neue Aussichten öffnete. --

Kleber war, von dem ersten Ausbruche derselben an, ihr eifriger Anhänger. Als der Krieg gegen Oesterreich erklärt war, und die Freiwilligen von den Nazional-Garden aufgefordert wurden, zu den Linientruppen zu stossen, sammelte er ein Bataillon derselben in der Gegend von Befort, und marschirte nach Straßburg. Bei seinem Einmarsche machte seine Größe und kriegerische Bildung ein solches Aufsehen, daß sich das Volk auf dem Parade-Platz versammelte, um den schönen Kommandanten des Beforter Bataillons von Freywilligen zu sehen. Unter andern zog die Neugierde auch seinen jungen Stiefbruder dahin, der nicht wenig verwundert war, in dem Wundermann seinen Bruder zu finden. --

Seine Talente machten ihn bald zum General-Adjutanten; als solcher marschierte er unter Custine's Armee vor Mainz. Er wurde daselbst Brigade-General. -- Nach der Uebergabe von Mainz mußte er, so wie die ganze Garnison in die Vendee marschieren, wo er sich mit den Royalisten tapfer herumschlug. In einem der blutigsten Gefechte zeichnete er sich an Muth und Entschlossenheit dermassen aus, daß er auf dem Schlachtfelde zum Divisions-General ernannt wurde.

In dieser Eigenschaft kam er nachher zur Nord- und zur Rhein- und Mosel-Armee. Als diese im Jahr 1796 in Deutschland einfiel, und in der Gegend von Würzburg stand, führte er, während einer Unpäßlichkeit Jourdans, als ältester Divisions-General zehn Tage lang das Hauptkommando. -- Nachdem Jourdan nach seinen erfolgten Rückzug das Kommando verlohren hatte, machte sich Kleber Hoffnung, dasselbe zu erhalten, und gab seine Dimission, da er sich getäuscht fand.

Seine Mitbürger wollten nun seinen Verdiensten dadurch Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß sie ihn als Repräsentanten des niederrheinischen Departements in den gesetzgebenden Körper erwählten. Aber ein gewisser Keller von Landau trug in einem zweiten Skrutinium, nachdem in dem ersten die Stimmen gleich gewesen waren, den Sieg über ihn davon. Er reißte nun von Straßburg, wo er den Wahlversammlungen beigewohnt hatte, nach Paris ab, und privatisirte daselbst, bis Bonaparte, der zu seiner ägyptischen Expedition in allen Fächern die vorzüglichsten Männer aussuchte, ihn kennen lernte, und ihn als Divisionsgeneral mit sich nach Egypten nahm. Bei der Landung kommandirte Kleber die Avantgarde, und ward bei der Bestürmung von Alexandria, die er leitete, von einer feindlichen Kugel in den Kopf getroffen. Seine Wunde machte ihn auf einige Zeit zum Felddienste untauglich, während welcher er als Kommandant in Alexandria blieb.

Sobald er wieder hergestellt war, begab er sich von neuem an die Spitze seiner Division. Bei dem Feldzuge nach Syrien hatte er mit derselben immer die wichtigsten Unternehmungen auszuführen, und that dies stäts mit glücklichem Erfolge. Als daher Bonaparte am 23. August 1799 Egypten verließ und nach Frankreich zurückkehrte, vertraute er Klebern das Hauptkommando der Armee an, und trug ihm auf, sich entweder so lange zu halten, bis er ihm Unterstützung aus Frankreich senden würden oder wenn dies nicht möglich wäre, mit den Türken eine ehrenvolle Kapitulation wegen der Räumung Egyptens zu schliessen. Er mußte sich auch bald zu letztere verstehen, und sie kam am 13. Jäner 1800 in der Ebene von Arisch zu Stand. -- Doch sollen nach den neuesten Berichten darüber Schwierigkeiten entstanden seyn, und dadurch sein und seiner Armee Absegeln in ihr Vaterland Frankreich verhindert werden.


Kleber, ein französischer General.

Geboren 1750. Gestorben 1800.

Johann Baptist Kleber wurde zu Straßburg von armen, aber redlichen Ältern geboren. Ein Pfarrer in der Nahe brachte ihm die ersten Kenntnisse bei; als er wieder in sein väterliches Haus zurückkehrte, verlegte er sich ganz auf die Baukunst und machte bald schnelle Fortschritte darin. Mit sechszehn Jahren kam er nach Paris in die Schule des berühmten Chalgrin, und da er eine äußerst vortheilhafte kolossale Gestalt hatte, so erwarb er sich Aller Zuneigung. Noch als General sagte Bonaparte von ihm: Ich kenne nichts Schöneres, als Kleber am Tage des Schlacht. Als Kleber wieder nach Straßburg zurückkehrte, erwarb er sich die Gunst einiger bedeutender Fremden, und einer davon nahm ihn nach München mit, wo er in die Militärschule kam, worin der Churfürst die jungen Leute erziehen ließ, die zu Offiziers bestimmt waren.

Kleber machte hier eben so schnelle als feste Fortschritte in den ihm nöthigen Wissenschaften, und erwarb sich die Achtung und Freundschaft seiner Mitschüler und Lehrer. Kaum waren acht Monate verflossen, als einer der Vorsteher und Aufseher starb. Kleber wagte es, um die vakante Stelle anzusuchen. Man glaubte diese Anmaßung bestrafen zu müssen, und der Schüler wurde ins Gefängniß gesetzt. Dieser Vorfall verschaffte ihm indessen die Protekzion eines durch hohen Rang, Geburt und Kenntnisse ausgezeichneten Offiziers.

General Kaunitz, der Sohn des ersten kaiserlichen Ministers, befand sich damals zu München. Er besuchte die Schule und alle Zöglinge wurden ihm vorgestellt. Der Gefangene hatte seine Freiheit erhalten, und die Ankunft des Grafen von Kaunitz gab ihm Hoffnung, er werde vielleicht bemerkt werden und die Erlaubniß erhalten, auf eine ehrenvolle Art den Ort zu verlassen, wo man ihm so übel begegnet hatte. Um seine Absichten zu erreichen, wählte er unter seinen Planen und Zeichnungen die besten und vollendetesten aus, und legte sie, wie unabsichtlich, in einen Saal, wo sie von dem Grafen Kaunitz bemerkt wurden, der sogleich nach dem Verfertiger derselben sich erkundigte. Kleber erschien vor ihm, und der Anblick dieses jungen Mannes, dessen edler Wuchs und kriegerisches Geist sehr zu seinem Vortheil sprach, rührte den Grafen, der ihn sogleich freundlich anredet, und von seiner Unterhaltung so bezaubert wurde, daß er ihm den Vorschlag that, aus der Schule zu treten und ein Landhaus des Grafen nahe Wien zu bewohnen. Dieser Antrag gefiel Klebern. Er folgte dem Grafen, durch dessen Verwendung er auch bald die Stelle eines Lieutenants unter dem Regiment Kaunitz erhielt. Es war gerade um die Zeit, wo der Krieg mit den Türken unvermeidlich schien. Die Armee setzt sich in Marsch, aber die Sache nimmt eine andere Wendung; die Regimenter kehren in ihre Garnisonen zurück, und Kaunitz kommt nach Luxemburg zu stehen. Hier nimmt Kleber Urlaub, geht nach Straßburg, und verläßt die kaiserlichen Dienste, worin er acht Jahre war. Bald darauf wurde er zum Aufseher der öffentlichen Gebäude ernannt, nahm an der Revolution einen lebhaften Antheil, und ging zur Rheinarmee ab, wo er vom Wimpfen, der zu Neu-Breisach kommandirte, zum Adjutanten-Major befördert wurde.

Während die Preußen Mainz belagerten, befand sich Kleber in dieser Festung, und zeichnete sich bei mehreren Gegenheiten vortheilhaft aus. Kaum aber kam er nach Nancy zurück, so wurde er statt einer Belohnung, gefangen genommen, erhielt aber bald seine Freiheit wieder, und wurde als Brigadegeneral in die Vendee geschickt. Kleber zeigte hier alle Talente eines großen Feldherrn, aber er hatte einigen tausend Gefangenen das Leben geschenkt, und so das Mißfallen des Wohlfahrtsausschusses sich zugezogen. Deswegen wurde er auch nach Chateau-Briant verbannt, wo er bis zu günstigeren Zeiten blieb, welche ihm die Stelle eines Divisionsgenerals bei der Armee von Norden verschafften. Jourdan organisirte sie bei Arlon, und die Armee der Ardennen vereinigte sich mit ihr. Kleber leistete dem vordringenden Jourdan vortreffliche Dienste, und war bei der Blokade von Mainz, wo das französische Heer durch das feindliche Feuer, Hunger und Strapatzen aller Art so vieles dulden mußte.

Bald darauf erhielt Kleber den Auftrag, den Rhein an einem Orte zu übersetzen, wo er breit, tief und reißend war. Es wurden schnell Schiffe erbaut, und der Übergang mitten in der Nacht bewerkstelligt. Aber hier erwarteten die tapferen Osterreicher ihre Gegner, und die Franzosen mußten sich zurückziehen. Schon früher hatte Kleber Marceau befohlen, wenn er den Rhein übersetzt haben würde, sogleich die Fahrzeuge zu verbrennen, aber dieser Hatte den Befehl etwas zu frühe ins Werk gerichtet, die angebrannten Schiffe trieben gegen die Brücke bei Neuwied, zerstörten sie, und als die Franzosen dort ankamen, konnten sie den Fluß nicht übersetzen. Sie hatten also keine Wahl, als die Osterreicher noch einmal anzugreifen, in der allgemeinen Bestürzung behielt Kleber allein seine ruhe und Fassung, und erkämpfte sich wenigstens einen leidlichen Rückzug.

Bei den ferneren Schlachten, welche von dieser Zeit an am Rheine vorfielen, zeichnete sich Kleber vorzüglich bei Düsseldorf, Altenkirchen, Friedberg und Forchheim aus, wo er , während Jourdan krank war, die ganze Armee kommandirte. Nach dem Rückzuge der Armee verlangte Kleber, durch einige Ungerechtigkeiten beleidigt, seinen Abschied und erhielt ihn.

Nach dem Friedensschlusse von Campo Formio 1797 hatte Bonaparte den Zug nach Egypten beschlossen; Kleber war unter denen, die er zu seinen Gefährten auswählte, und die seine Wahl rechtfertigten. Die Armee des Orients entfaltet sich auf Afrika's Ebenen, sie marschirt gegen Alexandrien, Kleber wird verwundet, aber der Platz genommen, und Kleber erhielt den Oberbefehl darin. Bald darauf erhielt er den Befehl, seine Truppen zusammen zu ziehen, und sich des Forts El-Arisch zu bemächtigen. Er vollzieht den Befehl, folgt der Straße, welche in die Wüste führt, nimmt Gaza, geht nach Jaffa und stellt sich zwei Meilen von dem Wege nach Acre auf. Bei der Belagerung dieses letzten Platzes leistete Kleber Bonaparten die wichtigsten Dienste, indem er die Feinde am Berg Tabor schlug und zerstreute.

Ehe Bonaparte Egypten verließ, um nach Frankreich zurück zu kehren, warf er seine Augen auf Kleber, als den, der dort an seine Stelle treten sollte. Dieser zeigte sich dieses Vertrauens auf alle weise würdig, und gewann noch kurz vor seinem traurigen Tode eine äußerst blutige und bedeutende Schlacht gegen den Großvezier, der mit einer ungeheueren Armee gegen ihn marschirt war, und von welcher nach dem Treffen kaum noch fünfhundert Mann zur Bedeckung des Veziers sich beisammen befanden. Kleber zog siegreich in Salahie ein, wo er eine unermeßliche Beute machte. Allein bald erwarteten seiner neue Kämpfe. Die außerordentliche Volksmenge in Cairo hatte einen Aufstand gewagt. Der bei Makarich besiegte Nasis Pascha war die Seele desselben. Er hatte Mörderbanden organisirt, Greise, Weiber und Kinder bewaffnet. Diese drangen in die Wohnungen der Kophten, Griechen und syrischen Christen und plünderten sie. Zweihundert Franzosen wurden im Hauptquartier eingeschlossen. Hier waren sie unüberwindlich durch ihre Verschanzung. Der Pöbel überließ sich indessen allen nur denkbaren Ausschweifungen. Aber vergebens vereinigten die Ottomanen, die Einwohner von Cairo alle ihre Kräften, die Kanonen und das Musketenfeuer brachten Tod und Schrecken unter ihre Glieder; die Stadt wurde bombardirt, und der General Friant, der mit fünf Bataillonen während dieser Vorfälle anrückte, trieb sie auf allen Punkten zurück.

General Kleber ging den 3. Germinal von Salahie ab, und kam den 6. früh zu Cairo an. Nachdem er, obgleich umsonst, alle gelinde Mittel versucht hatte, um das Leben der Rebellen zu schonen, machte er, sobald die Divisionen der Generale Regnier und Beliard angekommen waren, Anstalten zum allgemeinen Angriffe von Cairo, und versuchte Boulacq sich zu unterwerfen.

Der 21. Germinal ließ er diese Stadt zum dritten Male auffordern, sich zu ergeben. Man weigerte sich, und Kleber befahl nun den Angriff auf den folgenden Tag. General Friant, der den Auftrag erhielt, bemächtigte sich auch derselben nach äußerst blutigen Gefechte.

Nachdem Kleber Meister von Boulacq war, ließ er Cairo selbst angreifen. Der bei Spittie-Fatme verschanzte Posten wurde unter den Ruinen einer Mine begraben. Dann ward der Angriff allgemein. Man drang in die Gassen. Mehr als vierhundert Häuser wurden verbrannt, und mehr als achthundert Osmanlis und Mamelucken kamen darin um.

Den andern Tag verlangten die Rebellen zu kapituliren. Kleber war geneigt, ihnen Gehör zu geben, er nahm Geiseln an und unterzeichnete die Kapitulation.

Die Armee hielt nun einen siegreichen Einzug in die Stadt unter dem Donner des Geschützes.

Da Kleber nunmehr keine Feinde mehr zu fürchten hatte, beschäftigte er sich mit der Sorge, Ordnung und Ruhe im Innern wieder herzustellen, die dringendsten Bedürfnisse seines Heeres zu befriedigen, und im Ganzen eine zweckmäßige Regierung anzuordnen. Er hatte sich die Freundschaft der Beys, die Achtung der Egyptier und das Vertrauen der Seinigen erworben, und hoffte nun die Früchte so vieler Anstrengungen zu genießen, als eine schändliche Mörderhand ihn der Welt und den Seinen entriß.

Alle Religionen haben ihre Schwärmer, unter allen Völkern gibt es Bösewichter, welche dem Haß und der Rache dienen. Unter den zu Matarich und in der Schlacht von Heliopolis besiegten Osmanlis befanden sich zwei abscheuliche Menschen, Achmed Aga, ein feiger Bösewicht, und Soleyman von Aleppo, ein junger Mensch von vier und zwanzig Jahren, von religiösen Wahnsinn und von falschen Begriffen des Ismailismus irre geführt, der Mahomed durch Erdolchung der Ungläubigen einen sehr großen Dienst zu leisten glaubte. Achmed Aga enthüllte ihm seine Absicht, versprach ihm große Belohnung, und bewaffnete ihn mit dem Dolche.

Soleyman begab sich auf den Weg, langte im Monat Floreal zu Cairo an, und nahm seinen Aufenthalt bei der großen Mosquee, wo er ein und dreißig Tage lang sein Opfer erwartete.

Kleber befand sich zu Giseh. Soleyman beschloß ihn dort aufzusuchen. Er fand ihn eben im Begriff nach Cairo abzugehen, folgte ihm nun auf dem ganzen Wege, und drang den 25. Prairial in den Garten des Gouverneurs. Kleber ging hier gerade mit dem Bürger Protain spazieren; der Schwärmer trat ihnen entgegen, küßte Klebers Hand, und sein klägliches Ansehen rührte den General; allein indem sich jener aufrichtete, ergriff er sogleich den Dolch und brachte dem General Kleber vier Stiche bei.

Umsonst stürzte der Bürger Protain sich auf den Bösewicht, er wurde selbst durch fünf Stiche von ihm verwundet . . . Kleber war tod zur Erde gesunken, der so oft ihm im Getümmel der Schlacht unverletzt ins Angesicht gesehen hatte. Der Mörder und seine Mitschuldigen büßten ihre That mit einem qualvollen Tode.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Charakterzüge und interessante Szenen aus dem Leben denkwürdiger Personen der gegenwärtigen und verflossenen Zeiten. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
  • Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts von Samuel Baur, Prediger in dem Dorfe Göttingen, ohnweit Ulm. Leipzig, bei Voss und Compagnie 1806.
  • Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.