Jean-Baptiste Treilhard

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Treilhard.

Treilhard hatte ungeachtet aller seiner Arbeiten, seiner vielfachen Präsidentenstellen, ungeachtet des thätigen Antheils, den er an den Hauptbegebenheiten der Revolution genommen, und selbst seiner Talente stets nur eine untergeordnete Rolle gespielt, als ihn das Direktotium zu einer der wichtigsten Stellen, zum gesandten der Friedensverhandlungen mit dem deutschen Reiche, nach Rastadt berief. Hätte er über seine herrschsüchtige stolze Laune gebieten können, so hätte er jede Eigenschaft, die seinen großen Beruf schmücken konnte, in sich vereinigt, allein sei republikanischer Sinn war in einem schwer zu ertragenden Uebermuth, seine Aufrichtigkeit in Härte, sein Selbstgefühl in Stolz ausgeartet. Dies bemerkte man noch mehr, als er zur Regierung berufen wurde. Kaum noch kannte er sich selbst, so völlig hatte er die Veränderungen, denen seine Stelle unterworfen war, aus den Augen verloren. Man bemühte sich, sie ihm denkbar zu machen. Das gesezgebende Korps widersetzte sich seiner Ernennung, und im Praireal im 7ten J. d. R. war er gezwungen, seinen Abschied zu nehmen. Vor der Revolution hatte sich Treilhard durch eine starke hinreißende Beredsamkeit bekannt gemacht; er hatte in verschiedenen Geschäften von der größten Wichtigkeit mit Erfolg gewirkt. Sein Styl war nervigt, eingreifend und gedrungen. Zeit und Umstände haben ihn wieder zu seiner ersten Bestimmung zurückgebracht; er hat in einem Tribunale von Paris Sitzung.


J. B. Treilhard.

Treilhard (J. B.), Graf, Staatsminister und Präsident der Gesetzgebungssection, vorher Parlamentsadvocat in Paris, ward zum Deputirten des dritten Standes dieser Stadt bey der General-Stände-Versammlung ernannt; galt in der Zeit der Revolution für einen der ersten Advokaten der Hauptstadt, und ohne in der National-Versammlung einer der ausgezeichnetsten Redner zu seyn, hatte er doch einen ziemlichen Einfluß darin.

Den 2. September 1789 erklärte er sich für das aufschiebende Veto, welches dem Könige zugestanden werden könnte. Bis dahin hatte er stets mit der rechten Seite gestimmt, ohne daß eine oder die andere Parthey geschienen hätte, auf seine Eroberung einen großen Werth zu setzen; aber die scharfe Beurtheilungskraft, die er bey dieser Gelegenheit an Tag legte, zog die Aufmerksamkeit der Patrioten auf seine Talente. Man unterhandelte, daß er der Volksparthey beytrat, und er ward einer ihrer eifrigsten Vertheidiger, ohne deswegen je zu weit zu gehen.

Als Mitglied und Referent des geistlichen Ausschusses war er es, der alle Dekrete, die die Güter der Geistlichkeit und ihre bürgerliche Konstitution betrafen, zur Annahme brachte.

Den 3. September 1790 befand er sich unter den 60 Deputirten, welche an den König geschickt wurden, um ihm die Konstitutionsakte vorzulegen. Als Mitglied des Konvents schlug er den 11. Dezember vor, Ludwigs XVI. Rathgeber zuzugestehen, wurde den 27. Dezember zum Präsident gewählt, votirte im Januar den Tod des Fürsten, und erhob sich sodann gegen den Einfluß, welchen die Pariser Sectionen in diesem Prozesse auf den Konvent ausüben wollten.

Nach dem Tode Ludwigs XVI. ging er in Sendungsgeschäften nach Belgien, und den 6. Aprill 1793 wurde er zum Mitgliede des Wohlfahrtsausschusses ernannt.

Als man ihn im Juny 1793 mit Mathieu in das Departement der Gironde sandte, um daselbst die Partheygänger der sogenannten Girondisten- oder Brissotisten-Faction im Zaum zu halten, wurde er als zu gemäßigt zurück berufen, überlebte jedoch die Proscriptionen und den Fall Robespierres und ward im August 1794 von neuem Mitglied des Wohlfahrtsausschusses.

Er war es auch, der die Auswechslung der in Oesterreich gefangen gehaltenen Deputirten gegen die Tochter Ludwigs XVI. zum Beschluß brachte.

Von 1795 bis im May 1797 befand er sich im Rathe der 500, und behauptete darin einen großen Einfluß.

Nach dem 18. Fructidor übertrug ihm das Direktorium, sich zu den damals mit England eingeleiteten Friedensunterhandlungen nach Lille zu begeben; im Oktober wurde er für die Gesandtschaft in Neapel bestimmt und sodann zu einem der bevollmächtigten französischen Minister auf dem Kongreß von Rastadt ernannt.

Er verließ nachher diesen Posten und trat im May 1798 in das Direktorium, aus dem er im Juny 1799 mit Merlin und Lareveillère wieder gestossen wurde.

Nach dem 18. Brümaire ward er Präsident des Appellationsgerichts zu Paris und im September 1802 Staatsrath. Später Graf, Staatsminister und Präsident der Section der Gesetzgebung beym Staatsrath.


Quellen und Literatur.

  • Französische Miscellen Erster Band. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung 1803.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.