Jean-Baptiste de Villèle

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Villèle (Joseph Marquis de), seit der Wiedereinsetzung der Bourbons als eins der Häupter der royalistischen Ultra's bekannt, stammt aus einer alten Familie in Languedoc ab, und ist 1773 geboren.

Er trat früh in die königliche Marine, befand sich lange in St. Domingo und auf Isle de France und hatte Gelegenheit bei dem Kampfe der Parteien auf beiden Inseln einen so festen Charakter und so edle Gesinnungen zu zeigen, daß er selbst den wüthendsten Demagogen Achtung einflößte und glücklich allen Revolutionsstürmen entrann.

Villèle kam 1807 nach Frankreich zurück und siedelte sich in Toulouse an.

Nach der zweiten Restauration wurde er vom Herzog von Angouleme zum Maire von Toulouse ernannt und bald darauf von seinen Mitbürgern in die Kammer der Deputirten von 1815, die sich bekanntlich durch Ultraroyalismus auffallend auszeichnete und am Ende durch die königl. Ordonnanz vom 5. Sept. 1816 aufgelös't wurde, gewählt.

Villèle wurde von seinem Departement auch in die neue Kammer von 1817 gewählt, die liberalere oder mehr der Revolution gemäße Grundsätze annahm; er befand sich daher hier in der Minorität, während er in der Kammer 1815 in der Majorität und selbst an der Spitze derselben gewesen war. 1818, bei der Veränderung des Ministeriums Richelieu, war er in Vorschlag, an die Spitze des neuen Ministeriums gestellt zu werden, allein die entgegengesetzte Partei behielt die Oberhand und das Ministerium wurde aus Desolles und Decazes gebildet.

Villèle ist ein Mann von ausgezeichneten Talenten und dem rechtlichsten Charakter.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.