Jean-François Delacroix

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Lacroix (J. P. v.) geboren zu Pont-Audenme 1754, war zu Anfange der Revolution Advokat zu Anet bey Dreux. Er wurde anfangs Generalprokuratorsyndikus und hierauf Deputirter von Eure und Loir bey der Gesetzgebung. Seine Meinungen waren gemässigt. Er ließ dem Hofe sehen, daß er zu gewinnen war, und dieß geschah auch. Die Girondeparthey gab sich lange vergebliche Mühe, ihn auf ihre Seite zu ziehen, man bot ihm die ansehnlichsten Vortheile an; man schmeichelte seinem Ehrgeitze mit der Hoffnung auf den Vorsitz; er schlug alles aus und verabscheute schon damahls die Jakobiner, die noch nicht die von 1793 und 1794 waren.

Er hatte ein schönes Organ, ein angenehmes Aeussere und eine eindruckmachende Statur, besaß den Ton und die Manieren der feinen Welt, und die Parthey Orleans ließ es sich äusserst schwer werden, ihn unter ihre Mitglieder zu bringen. Endlich trat er ihr bey. Man sah ihn in den letzten Monaten des Jahrs 1791 mit Gewalt die Minister in Betreff der Kolonien und der auswärtigen Verhältnisse angreifen, auf Maaßregeln der Strenge gegen die Emigrirten antragen, den Vorschlag, die königliche Garde zu entlassen, erneuern, und im Juny Orleans, Bonne-Carère und Dümouriez gegen Ribbes Anklage, daß sie Anführer einer Gegenparthey des Hofes wären, vertheidigen.

In dem Prozeße Ludwigs XVI. votirte er dessen Tod.

Seit dem Dezember 1792 bis zum Monat April 1793 begab er sich dreymahl mit seinem Freund Danton nach Belgien, und nach dem Berichte Prüdhommes und mehrerer anderer, hatten die diese Sendungen Robespierren selbst (der damahls schon mit ihrem Sturze umging) zu verdanken, indem er ihnen die Möglichkeit sehen ließ, daselbst ihr Glück zu machen. Lacroix machte in der That in Belgien mit der äussersten Habsucht Erpressungen und bereicherte sich hauptsächlich auf Kosten der Kirchen und der französischen Armee, eben als sie sich von Aldenhoven bis in die flandrischen Festungen zurückziehen mußte.

Im März half er zur Errichtung des Revolutionsgerichts, ward im April Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, und seit dem klagten ihn die Girondisten Penières und Lasource lebhaft wegen seines Benehmens in Belgien und seiner Verbindungen mit Dümouriez an; aber die ganze Parthey der Montagne unterstützte ihn mit aller Kraft, und er erklärte sich mit Erbitterung gegen die Gironde und machte sie zum Ziel seiner Verfolgungen. Man sah ihn insbesondere den 27. May die Vertheidigung von Robespierre, Danton und Marat gegen jene Faktion übernehmen, und die Aufhebung der Kommission der 12 bewirken.

In der Sitzung vom 12. Juny ließ er die Revolutionsarmee, 6000 Mann stark, errichten und nahm thätigen Antheil an den Maaßregeln, die dieser Epoche folgten, sowohl gegen die flüchtig gewordenen Deputirten als gegen ihre Anhänger in den Departementen.

Nach dem völligen Sturz der Gironde, brach der Haß zwischen der Montagne und den Cordeliers mit ganzer Gewalt aus; Miaczenski und Lasource denunzirten gegen Lacroix, und mit vieler Mühe hielt er sich bis zum Falle Dantons, mit diesem wurde er den 31. März arretirt und den 5. April 1793 zum Tode verurtheilt.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.