Jean-Jacques Dessalines

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Dessalines, Negergeneral, zuletzt Kaiser von Haiti, geboren in Afrika auf der Goldküste (sein eigentlicher Name war Jean Jociques), ward nach Domingo geführt, und wurde daselbst der Sclave eines freien Negers, Namens Dessalines, dessen Namen er annahm.

Er zeichnete sich schon in dem ersten Aufstande (1791) gegen die Franzosen aus. Seine Thätigkeit und sein Muth erhoben ihn zum Rang eines Adjutanten des Negergenerals Jean François; als aber Spaltungen zwischen diesem und Toussaint Louverture eintraten, schlug sich Dessalines zu Letzterem, ward, als dieser Herr von Domingo geworden, sein erster Lieutenant und erhielt in dieser Eigenschaft den Auftrag, den Krieg gegen den Mulatten Rigaud in der südlichen Colonie zu führen. Er griff den Rebellen mit solcher Lebhaftigkeit an, daß er ihn bald überwunden hatte. Als im October 1801 Moyse das Joch Toussaints abwerfen wollte, leistete Dessalines dem Christoph zur Beseitigung dieser Unruhen Beistand.

Bei der Ankunft der französischen Armee auf Domingo (1802) theilte er Toussaints Schicksal, focht und unterwarf sich mit ihm, und wirkte nachher mit Christoph zur Gefangennehmung und Transportirung Toussaints nach Frankreich. Der General Leclerc stellte ihn in dem Quartiere St. Marc an und gab ihm das laute Zeugniß seiner Zufriedenheit für den Eifer, mit welchem er für die Entwaffnung der Neger gearbeitet hatte; allein, einige Zeit vor dem Tode dieses Generals, trat Dessalines zur Negerpartei zurück und setzte die Vertreibung der Franzosen von Domingo durch, ließ sich zum Generalgouverneur von Hayti (ehemaliger Name von Domingo) ernennen, und nahm bald den Namen Jakob I., Kaiser von Hayti an.

Im Anfange 1805 machte er einen neuen Versuch, sie auch aus dem spanischen Antheile dieser Insel zu verjagen, scheiterte aber damit bei der Belagerung von Santo-Domingo, wo er mit Verlust vom General Ferrand zurückgeschlagen wurde.

Seine Regierung war von kurzer Dauer. Am 6. October 1806 brach eine Empörung gegen ihn aus, und seine eigenen Generale, Christoph und Pethion, die ihn auf den Thron erhoben hatten, stürzten ihn wieder, seiner Grausamkeiten überdrüßig, von demselben herab. Er verlor in seiner Vertheidigung sein Leben.

Das Leben Dessalines ist von Dübroca beschrieben und von Müller (Leipzig 1805) ins Deutsche übersetzt worden.


Portrait des J. J. Dessalines.

Dessalines ist ohngefähr 46 Jahr alt, seine Länge beträgt 5 Fuß, zwey Zoll. Er ist von starken Gliederbau, und untersetzt. Seine Physiognomie zeigt im Ganzen etwas Strenges und Wildes. Er hat einen dicken, tief in den Schultern steckenden Kopf, einen wilden Blick, eine sehr platte Nase, und dicke Lippen. Seine gewöhnliche Kleidung ist die eines Divisions-Generals, er trägt auch gemeiniglich einen rothen Gürtel, nebst Pistolen und Säbel.

Seinen Charakter betreffend, so ist er listig und heuchlerisch, thierisch, roh, aufbrausend und grausam über alle Beschreibung. Er flößt Allem, was ihm umgiebt, eine Art von Schrecken ein, und diese Furcht ist um so gegründeter, je mehr er bey dem geringsten Widerspruche kein Bedenken trägt, sich selbst durch einen Dolchstoß oder Säbelhieb Recht zu verschaffen.

Uebrigens ist er eben so feig in Gegenwart des Feindes, als er von der Gefahr entfernt, grausam ist. Er geht nie selbst mit ins Gefecht, sondern beobachtet die Bewegungen seiner Truppen nur aus der Ferne, und ertheilt darnach seine Befehle.

Er ist in allen möglichen völlig unwissend. Er kann weder lesen, noch schreiben. Er unterzeichnet blos seinen Namen. Er hat sich in den Kopf gesetzt, eine besondere Sprache für die Schwarzen auf Hayti zu bilden, und zweyen seiner Offiziere aufgetragen, die Elemente derselben auszusinnen.

Nächst dem Blutdurst ist die Liebe zum Gelde seine herrschende Leidenschaft. Er hat einen Schatz zusammengebracht, den man auf eine Million Dollards schätzt, und er reißt nie, ohne ihn sich auf Maulthieren nachführen zu lassen.

Seit dem er Generalgouverneur der Insel ist, affektirt er einen eben so kostspieligen als sonderbaren Prunk, den er nur durch Erpressungen bestreitet. Er nimmt gerne von denjenigen Geschenke, welche seiner bedürfen, oder die eine Anstellung wünschen, wehe denen, die dann keine bringen, seine Ungnade und sein Haß sind ihnen unvermeidlich.

Die Macht, mit der er bekleidet ist, hat ihm einen Stolz eingeflößt, wovon alle seine öffentlichen Verhandlungen das Gepräge an sich tragen. Seine Proclamationen sind Drohungen und Beschimpfungen: Man kennt diejenigen, die er erließ, ehe er den spanischen noch immer von den Franzosen, unter dem braven General Ferrand, behaupteten Antheil der angriff. Sie ist ein Denkmahl des ausschweifendsten Hochmuths. Indem er sich an den spanischen Gouverneur der Insel Cuba wendet, verbietet er ihm den französischen Corsaren, welche den Handel von St. Domingo stören, einen Zufluchtsort zu geben, und droht ihm seine ganze Insel zu verschlingen, wenn sie fortführe, seinen Feinden zum Aufenthalte zu dienen.

Hinter diesem Stolze aber ist doch Elend und Schwäche verborgen. Dessalines Heer ist bereits auf 20,000 Mann zusammengeschmolzen, und von diesen sind kaum 5000 noch fähig, die Waffen zu führen. Das Elend unter diesen Truppen, ist auf den höchsten Gipfel gestiegen. Schlecht bekleidet, schlecht bezahlt, werden sie noch schlechter genährt. Ein halb Pfund Brod und ein Hering, ist die ganze Ration des Soldaten. Er bekommt keinen Heller in die Hände.

Die kleine Anzahl der Pflanzungen, die nicht ganz ungebaut liegen, können nur durch Weiber, Kinder und Greiße bebaut werden. Alle Zuckersiederyen, alle Gebäude und Geräthe dazu sind zerstört. Alles Zuchtvieh ist verschwunden, und der Anbau des Landes liefert kaum die ersten Lebensbedürfnisse. Nie hat jemand über traurigere Ruinen geherrscht.

Das Vertheidigungssystem des Dessalines, auf den Fall eines wiederholten Angriffs der Franzosen, sey der letzte Zug in seinem Bilde. Bey Annäherung des Feindes haben alle Bewohner ohne Ausnahme Befehl sich in die unzugänglichsten Gegenden des innern Landes zu begeben, und nachdem sie die verlassenen Orte angezündet, ihr ganzes Eigenthum mitzunehmen. Möchte bald der Tag erscheinen, wo diese abscheulichen Räuber in ihren Höhlen eingeschlossen, die Schandthaten büßten, womit sie die Weltgeschichte befleckt haben.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Lebensbeschreibung des Johann Jacob Dessalines, Oberhaupt der aufrührerischen Neger auf St. Domingo : nebst vielen merkwürdigen Nachrichten über das Leben, den Charakter und die Grausamkeiten der vornehmsten Anführer der Neger seit ihrem Aufstande 1791 ; verm. mit einigen Nachrichten über die Erhebung des Dessalines zum Kaiser von Haiti unter der Benennung Jacobs des Ersten. 1805.