Jean-Jacques Régis de Cambacérès

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Cambacères (J. J. Régis von), Duc von Parma, Fürst, Erzkanzler von Frankreich, geboren zu Montpellier aus einer Familie angesehener Rechtsgelehrten, ward Parlamentsrath zu Toulouse.

Nachdem er sich zu Anfange der Revolution verschiedenen Staatsgeschäften unterzogen, ward er im September 1792 zum Conventsdeputirten ernannt. Er arbeitete viel in den verschiedenen Ausschüssen und beschäftigte sich besonders mit dem Gerichtssache. Den 12ten December 1792 erhielt er den Auftrag, Ludwig XVI. zu fragen, wen er sich zu seinem Beistande wählen wollte, und ließ beschließen, daß die gewählten Rathgeber freien Zutritt zu dem Könige erhielten. Im Januar 1793. erklärte er Ludwig für schuldig, machte aber dem Convent das Recht streitig, ihn zu richten, und votirte einstweiligen Verhaft und im Fall eines feindlichen Einfalls den Tod. Den 24sten Januar ward er zum Secretär ernannt.

Als Mitglied des Wohlfahrtsausschusses zeigte er in der Sitzung vom 26sten März die Verrätherei des Dumouriez an.

Im Monat August und October 1793 legte er seinen ersten Plan zu einem bürgerlichen Gesetzbuche vor, in dem sich die demokratischen Ideen des damaligen Zeitgeistes aussprachen. In einem aufgefangenen Briefe von Antraigues standen die Worte: "Ich wundere mich gar nicht, daß Cambacères unter denen ist, die die Rückkehr des Königthums wünschen; ich kenne ihn xc." Cambacères wies die Beschuldigung, welche daraus hätte gegen ihn geführt werden können, zurück. Die Versammlung befahl, seine Rede drucken zu lassen; allein der Ruf seines Republikanismus hatte dennoch einen Stoß bekommen, und er ward aus dem Directorium, für das er ausgezeichnet war, zurückgewiesen.

Er trat in den Rath der 500, wo er einen neuen Plan zu einem bürgerlichen Gesetzbuche vorlegte. Den 20sten Mai 1797 trat er aus dem Rathe, das Jahr darauf erschien er unter den Wählern von Paris, und nach der Revolution vom 30sten Prairial (19. Juni 1799) ward er zum Justizminister erhoben.

Den 18ten Brumaire erhielt er die Stelle eines zweiten Consuls, welche er im December antrat. Er ließ die Organisation der Gerichtsverwaltung den Hauptgegenstand seiner Beschäftigung seyn. Nach Napoleons Thronbesteigung ward er zum Reichsvicekanzler und darauf zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt, und erhielt 1805 den preußischen rothen und schwarzen Adlerorden. Im Jahre 1808 erhob ihn Napoleon zum Duc von Parma. Als Napoleon das Reich wieder usurpirte, ernannte er ihn zum Justizminister.

Im J. 1816 fiel er in die Klasse der verbannten, und mußte Frankreich verlassen, da er sich dann vor der Hand nach der Niederlanden begab.


Worte Napoleons.

Hierauf kam er an Herrn Cambacérès, von dem Napoleon sagte, er sey der Mann der Mißbräuche, mit einer entschiedenen Vorneigung für die alte Regierungsform. Lebrun hätte im Gegentheil, sagte er, die äußerste Vorliebe für das entgegengesetzte System: er wäre, so äußerte der Kaiser, der Mann der Idealitäten (idéalités). Dieß waren die zwey Gegengewichte, bemerkte er, zwischen welche der erste Consul sich stellte, die man damals scherzhafter Weise das consolidirte Drittheil (le tiers consolidé) nannte.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.