Jean-Louis-Ebenezer Reynier

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Reynier, (Johann Ludwig Ebnezer)

Kanonier von Paris im J. 1791; Adjunkt; General-Adjutant; Brigade-Chef; Brigade-General den 13ten Januar 1795.

Vortreflicher Offizier; er vereinigt militärische Talente, Tapferkeit und Einsicht.


Biographien

(1813) A.F. Rittgräff. Die Helden des Tages, oder biographische Notizen über die hervorstechendsten Personen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse. Berlin 1813.

(1816) Mittheilungen aus dem russischen Feldzuge, an einen Offizier des Generalstabes von Röder von Bomsdorff, Königlich Preussischem Rittmeister und Brigade-Adjutant. Leipzig, bey Wilhelm Engelmann. 1816.

(1818) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.

(1820) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.

(1828) Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.


Divisions-General Graf Regnier.

L. Regnier ist zu Laussanne im Jahre 1770 geboren, und zeichnete sich in dem Revolutions-Kriege sehr vortheilhaft aus. Er fing im Jahre 1792 im Felde zu dienen an, wurde 1794 zum Brigade-General befördert, und bey der Nord-Armee angestellt.

Ihm verdanket gewisser Maßen Frankreich die damals so leichte Eroberung Hollands, da er derjenige war, der die sich entgenen stämmenden Hindernisse oberhalb Nimwegen siegreich überwand. Regnier war damals einer der jüngsten Generale in der Armee.

Im folgenden Spätjahre, so wie 1796, stand er als Chef des Generals-Stabes bey der Rhein- und Mosel-Armee. Er machte sich bey dem Uebergange über den Lech, in den Treffen bey Lechhausen u. s. f. auszeichnend bemerkbar, und zeigte besonders bey dem Rückzuge der Armee den Mann von Geist und Vorsicht.

Im Feldzuge von 1797 traf er als Chef des General-Stabes die zweckmäßigen Anstalten, die den Rhein-Uebergang der Französischen Armee so sehr erleichterten, so wie er auch die Dispositionen entwarf, die in der Folge den Sieg an die Französischen Fahnen fesselten. Das Directorium dankte ihm öffentlich im Nahmen des Vaterlandes.

Nach dem Frieden von Campo-Formio begleitete er den nunmehrigen Kaiser von Frankreich nach Aegypten. Bey der Landung auf Malta nahm Regnier die Insel Gozo. In Aegypten trug er viel zu dem glücklichen Ausschlage der Schlacht bey den Pyramiden bey. In der Schlacht bey Embabe hatte er den ganzen Choc der berittenen Mameluken auszuhalten; mit vorgehaltenem Bayonette ließ er sie auf halbe Schußweite ankommen, und donnerte sie dann nieder. Späterhin machte Regnier nach mehreren siegreichen Gefechten die Expedition nach Syrien mit, und focht mit seiner Division heldenmüthig in dem Treffen bey El-Arisch, so wie bey dem Ueberfalle des Mameluken-Lagers, und bey der folgenden Belagerung des Forts von El-Arisch. Nach dem Falle von El-Arisch erhielt Regnier Befehl, seinen Marsch nach Saint-Jean-d'Acre fortzusetzen. Als der Opper-General sich von da mit dem Reste der Truppen nach dem Berge Tabor verfügte, blieben die Generale Regnier und Samuel vor Acre. Eben so mußte Regnier während der Zeit, als die Haupt-Armee nach Abukir marschirte, den Rücken der Armee decken. In der Folge bedeckten er und seine Division sich in der Schlacht von Heliopolis mit Ruhm.

Bey seiner Rückkehr nach Frankreich übertrug man ihm das Commando der um Toulon gelagerten Truppen; dann bey dem Ausbruche des Krieges zwischen Frankreich und Rußland im Jahre 1812 das Commando des siebenten Armee-Corps, größten Theils aus Sächsischen Truppen bestehend, mit dem er nach Volhynien vorrückte, mit abwechselndem Glücke sich mit den Russen herum schlug, nach dem Rückzuge der großen Französischen Armee über den Niemen, nach Warschau sich zurück zog; als Warschau mittelst Capitulation an die Russen kam, vor dieser, im Januar 1813 bis Kalisch ging, und nach dem daselbst verlornen Gefechte im Februar die Bestimmung erhielt, Torgau zu besetzen.

Am 7. May traf Regnier zu Dresden ein, und machte in der möglichsten Eile alle Anstalten, diese Stadt zu vertheidigen, er ließ vor der Neustadt Pallisaden errichten, einen Bogen der Elbe-Brücke unterminiren u. s. w. Dann, nachdem Marschall Davoust das Ober-Commando über die Truppen in Dresden übernommen hatte, übergab er das Commando des siebenten Armee-Corps dem General Durutte, und begab sich nach Paris.


Regnier.

Regnier (französischer Marschall), zeichnete sich besonders in den spanischen Feldzügen 1809, 1810 und 1812 aus. Er gehörte nicht zu den ausgezeichnetsten militärischen Genies, aber doch zu den treufleißigen Mitarbeitern Napoleons, ungeachtet er den knechtischen Sinn und die schmeichelnde Bewunderung der andern für Napoleon nicht theilte. Napoleon selbst achtete seinen schlichten und geraden Sinn und seine Mässigkeit, deshalb übertrug er ihm in den russischen Feldzuge (1812) das Commando über die sächsischen Hülfstruppen. Im Jahre 1813 wurde er am 19ten October in einer der Vorstädte Leipzigs von einem preussischen Jäger gefangen genommen. Den Tag zuvor, als die sächsische Armee größtentheils zu den Alliirten überging, war er von allem unterrichtet, ohne es zu verhindern; ja er wünschte lächelnd einem sächsischen Major glückliche Reise selbst noch vor dem Uebergange. Als Gefangener kam er nach Berlin, und starb bei seiner Rückkehr 1814 in Frankreich.


Regnier..

Regnier, französischer Divisions-General und Corps-Commandant, ward 1770 zu Lausanne geboren, schwang sich im Revolutionskriege rasch zum Brigadegeneral empor, und diente zu verschiedenen Zeiten als Chef des Generalstaabes. Bei der Expedition nach Aegypten nahm er wesentlich Antheil an der Schlacht bei den Pyramiden, belagerte El Arisch, eroberte Boulak, und blieb auch als Mitglied des ägyptischen Instituts wissenschaftlichen Forschungen nicht fremd. Seine nach der Rückkehr herausgegebene Schrift de l'Egypte après la bataille de Heliopolis zog ihm Buonaparte's Ungnade zu, kraft welcher er dann auch in dem indeß erlangten Grade eines Divisions-Generals blieb.

Im Jahr 1809 ward ihm bei Bernadotte's Abgange nach der Schlacht bei Wagram der Oberbefehl über das sächsische Truppencorps übertragen. Nach dem Frieden mit Oesterreich commandirte er in Spanien, bis er im Jahr 1812 wieder den Oberbefehl über die Sachsen erhielt, die das siebente Corps der großen Armee bildeten, und bekanntlich nebst dem österreichischen Hülfscorps deren rechte Flanke zu decken bestimmt waren.

Nach der Schlacht bei Lützen im Jahr 1813 übernahm er in Torgau abermals den Befehl über jene Truppen, und focht mit ihnen bei Bautzen, Gr. Beeren, Dennewitz und Leipzig, wo er, nachdem die Sachsen übergegangen, gefangen ward; nach Beendigung des Kriegs nach Paris zurückgekehrt, starb er bald darauf dort.

Es charakterisirte ihn eine besondre ruhige fast unerschütterliche Gelassenheit, und er hat überall den Ruf großer Rechtlichkeit hinterlassen.


Schilderung.

Der Divisions-General Regnier ist 1770 zu Lausanne in der Schweiz geboren. Er wohnte dem Revolutionskriege bei und erzwang als Brigade-General im 20sten Jahre seines Alters, den Uebergang über die Vahal bei Nimwegen, welches die Eroberung der vereinigten Provinzen ungemein erleichterte. Im Jahre 1804 war er Chef des Generalstabs der Rhein- und Mosel-Armee. Seine Talente, sein Muth, seine Thätigkeit, bereiteten die ruhmvollen Uebergänge über den Lech und im Jahre 1805 über den Rhein, und verschafften ihm den offiziellen Dank des Direktoriums. -- Aber stete Seelenruh, durchdringender Scharfblick und gründliche Gelehrsamkeit gaben seiner Meinung im Kriegsrath entschiedene Achtung und Beifall. Damals tödtete er im Duell einen Brigade-General, der ihn gefordert, weil General Regnier in dem Bericht von einem Gefecht die Worte gebraucht: "er, (der General) obgleich nur leicht verwundet, hielt es für nicht nöthig, länger im Feuer zu verweilen."

In Aegypten befehligte Regnier eine Division, und entschied die Schlacht bei den Pyramiden, bei El-Arisch, belagerte und nahm das dort befindliche Fort, eroberte Boulack mit Sturm, und zeichnete sich vorzüglich durch Haltung einer strengen Disciplin und Vorsorge für die Verpflegung seiner Division aus. Aber auch andre als rein militärische Wissenschaften fanden an ihm einen Geweihten. Er war Mitglied des ägyptischen Instituts, bestimmte mit dem gelehrten Peyre die Lage und den Fall des alten Kanals bei Suez, hatte den See Natron mit Andreossi und Bertholet untersucht, und wichtige naturhistorische Aufsätze bei seiner Zurückkunft nach Paris dem Nationalinstitut, welchem er ein ägyptisches Damenkleid verehrte, vorgelegt. Bey Moreaus ewig denkwürdigen Rückzug war Regnier der Chef seines Stabes mit dem Bericht jenes Rückzuges, verdankt seinen Zusätzen und sorgfältiger Untersuchung ihr Dasein. Späterhin befehligte er die bei Toulon kantonirenden Truppen, kommandirte in Spanien eine Division, wurde zu dem Krieg gegen Oestreich zurückberufen und übernahm da zum ersten Male den Befehl über die sächsische Armee, als der Prinz von Ponte Korvo nach der Schlacht von Wagram nach Frankreich gieng, bis sie nach der Einnahme von Raab und bei erfolgtem Frieden in ihr heimathliches Land zurückkehrte. Als die sächsische Armee bei Friedland in der Niederlausitz zum Feldzug versammelt wurde, erhielt er dort das Oberkommando. So jung in solchen hohen Posten ist es auffallend, Regnier nicht als Marschall zu erblicken. Jenes Duell, wo ein Liebling Napoleons gefallen sein soll, und eine sehr freie Schrift, über die Vernachläßigung der Verpflegung und der Lazarethe in Aegypten, giebt man als Ursache seiner spätern Zurücksetzung an.


Jean Louis Ebenezer, Graf Reynier.

Jean Louis Ebenezer, Graf Reynier, General-Lieutenant, geb. zu Lausanne den 31. Jan. 1771, starb den 27. Febr. 1814.

Zum Ingenieur bestimmt, wollte Reynier so eben die Schule zu Paris besuchen als die Revolution ausbrach. Er nahm als gemeiner Kanonier Kriegsdienste, machte 1792 den Feldzug in Belgien mit, wo er bis zum Generaladjutanten stieg und in diesem und dem folgenden Jahre Theil an den meisten Operationen der französischen Armee nahm. Darauf als Generalquartiermeister Moreaus zur Rheinarmee versetzt, entwickelte er große Talente bei den verschiedenen Uebergängen über den Rhein und den darauf folgenden Schlachten, so wie bei dem Rückzuge von 1796 und der Belagerung von Kehl. Im Feldzuge nach Aegypten befehligte er eine Division. Während des Angriffs auf Malta sandte ihn der Obergeneral gegen die Insel Gozzo. Bei der Landung schützte ihn ein Laubthaler, der er in der Westentasche bei sich trug, gegen eine tödliche Wunde. Nach der Schlacht bei den Pyramiden verfolgte er das Corps der Mammelucken unter Ibrahim Bey und schlug es noch einmal bei Salayeh, an der Grenze der Wüste. Auf dem Zuge nach Syrien bildete seine Division den Vortrab. Fast wäre Reynier mit derselben in der Wüste aus Mangel an Lebensmitteln umgekommen, hätte er sich nicht durch ein kühnes und klug ausgeführtes Manöver der Zufuhr bemächtigt, welche die Türken nach El Arisch zu bringen gedachten. Kurz darauf als Buonaparte nach Frankreich abgereist war, berief ihn Kleber aus der Provinz Charkieh, wo er bis, dahin befehligt hatte nach Cairo in seine Nähe. Unmittelbar nach Klebers Ermordung begannen die unglücklichen Streitigkeiten zwischen Reynier und Menou, welche die Unfälle der Franzosen in Aegypten herbeiführten. Nach der Niederlage vom 21. März 1800, wo er jedoch die größten Beweise von Tapferkeit gegeben hatte, ließ ihn Menou gefangen setzen und nach Frankreich bringen, wo er, da ihm nicht öffentlich Gerechtigkeit widerfuhr, seine Memoiren, unter dem Titel: Aegyptens nach der Schlacht von Heliopolis, schrieb, die er im Manuscript dem ersten Consul zuschickte und Erlaubniß zu deren Bekanntmachung erhielt. Dennoch blieb er auch ferner und zwar bis zum Jahre 1805 ohne Anstellung.

Reynier empfing nämlich, kurz vor dem östreichischen Kriege das Commando über einige Truppen, die sich in Süd-Frankreich versammelten und nach Italien bestimmt waren. Ohne die einzelnen Vorfälle anzuführen, begnügen wir uns mit der Bemerkung, daß er den größten Antheil an dem Siege bei Castel Franco hatte, wovon andere den Vortheil zogen. Einige Zeit nachher wurde eine Armee zusammengezogen, die das Königreich Neapel mit Krieg überziehen sollte. Reynier erhielt den Befehl über eine Division. Kaum in der Hauptstadt dieses Landes angekommen, ward ihm die Ordre, sich sogleich vorwärts zu begeben und Calabrien zu erobern, welches noch gegen die Franzosen sich vertheidigte. Die Feinde flüchteten bei seiner Ankunft nach Sicilien hinüber, Reynier aber deckte Calabrien, welches bei der Menge steiler Berge und der Abgeneigtheit und dem Hasse der Einwohner gegen die Franzosen, so schwierig zu behaupten war, lange Zeit gegen alle Anfälle derselben, die oft bei der großen Nähe von Sicilien von dort aus versucht wurden. Da jedoch Reynier einsah, daß seine Streitkräfte zu schwach wären, um den ganzen südlichen Theil des Königreichs zu besetzen, bat er den König Joseph um Verstärkung. Dieser aber, vielleicht weil er selbst der Stimmung der Bewohner seiner Hauptstadt nicht traute, schlug ihm zwar die Truppen nicht ab, schickte aber deren auch nicht, so daß Reynier immer von einer Zeit zur andern hingehalten wurde. Die Engländer dagegen, nachdem die ganz Calabrien durch Proclamationen in Aufruhr gebracht, stellten in der Rhede von Santa Eufemia Truppen ans Land, um die Bemühungen der Calabresen zu unterstützen. Reynier befand sich in der That in einer schwierigen Lage, war aber doch der Meinung, daß er sich trotz der geringen Zahl seiner Truppen, um den Aufruhr in der Geburt zu ersticken, sogleich auf die Feinde stürzen müsse. Dies war jedoch ein Fehler, wie er auch später eingestand, als er diese Provinzen naher kennen lernte. Er mußte die Anhöhen rings um Santa Eufemia besetzen, ohne sich weiter um den Aufruhr zu bekümmern und in wenig Tagen schon würden die Engländer, wenn die durch das verderbliche Clima den größten Theil ihrer Leute verloren hätten, genöthigt worden seyn, sich von selbst wieder nach Sicilien zurückzubegeben. ohne eine Schlacht zu wagen. So griff auch Reynier die Feinde in der Nähe ihrer Schiffe an, die durch ihr wohlunterhaltenes Feuer den Franzosen den größten Schaden zufügten und es war daher nicht zu verwundern, daß, nachdem er auch seinen Brigade-General verloren, er sich selbst nach Mayda und von da noch weiter zurückziehen mußte, nur um sich seinen Verstärkungen zu nähern. Die Engländer schifften sich indeß ebenfalls wieder nach Sicilien ein und der Aufruhr wurde ohne weitere Folgen glücklich unterdrückt, ohne daß die Franzosen sich eben viel anzustrengen brauchten. Anstatt jedoch nun noch wenigstens dem General Reynier eine größere Zahl Truppen zuzusenden, um die er schon lange vergeblich gebeten hatte, übergab man das Commando über die Truppen, welche man nach Calabrien sendete, dem General Massena, der freilich einen höhern Rang in der Armee besaß. Massena schlug nach seiner Ankunft sein Hauptquartier zu Monteleone auf und blieb daselbst ganz ruhig stehen; Reynier aber führte die Vorposten, begab sich nach Palmy, einer kleinen Stadt am Eingange der Meerenge von Messina und erwartete deselbst den Befehl zum weitern Vorrücken. General Massena verließ jedoch nach Verlauf einiger Zeit Calabrien wieder und übergab den Oberbefehl über die Truppen an Reynier, der nun, von Niemanden in seinen Beschlüssen gehindert, frei sich mit den Mitteln beschäftigen konnte, wie die gänzliche Beruhigung der Provinz ins Werk zu setzen sey. Er sah wohl ein, daß dies weniger durch die Waffen herbeigeführt werden könne, als durch, daß er den Einwohnern die neue Regierung lieb mache und sie zu der Ueberzeugung bringe, daß die gegenwärtige Verfassung gar sehr von der frühern verschieden sey. Auch gab es in der That schon damals mehrere, welche die Vortheile der französischen Besitznahme einsahen, wenn auch gleich die Mehrzahl außer Stande war, den Zweck der Mittel zu begreifen, welche die Regierung Josephs anwandte, um das Glück von Calabrien für die Zukunft sicher zu stellen. Gerade um diese Zeit traf sein Bruder mit sehr ausgedehnten Vollmachten bei ihm ein, um die Verwaltung Calabriens zu übernehmen, und dadurch die Beruhigung dieser Provinz vorzubereiten. Die Bemühung beider Brüder wurde mit dem glücklichsten Erfolge gekrönt. Calabrien, welches früher die schlechteste Verfassung unter allen Provinzen des neapolitanischen Reichs gehabt hatte, erkannte endlich die Vortheile einer gerechten und regelmäßigen Verwaltung und das gesammte Volk fühlte sich zu einer Regierung hingezogen, deren Wohlthaten es genoß. Vielleicht würde man nichts von Räuberbanden in Calabrien gehört haben, wenn nicht die Engländer immer auf neue Mittel gesonnen hätten, an die Stelle der vernichteten Räuberbanden andere zu errichten: indessen nahmen nur wenig Calabresen daran Theil. Uebrigens wagten, während Reynier in jenen Gegenden verweilte, die Feinde nur einen einzigen ernsten Versuch. Die sicilianische Armee, unter dem Befehl des Prinzen von Hessen Philippsthal, landete nämlich im südlichen Theile, durch eine vorgegebene Landung, die Aufmerksamkeit der Franzosen auf einen andern Punkt hinzog. Diese Armee, obgleich sie viel stärker war, wurde jedoch zu Milato vollständig geschlagen. Die Einnahme von Crotone, Scilla und Reggio, wohin sich die Trümmer der feindlichen Streitkräfte gerettet, vollendete die Beruhigung von ganz Calabrien. Da nun die südlichen Provinzen Neapels gesichert schienen, hielt König Joseph ein längeres Verweilen Reynier's in Calabrien für unnütz und rief ihn zu sich nach Neapel. Gewiß würden auch in der Folge die Calabresen ruhig geblieben seyn, wenn die Beamten seine Regierungsgrundsätze befolgt und eben so redlich und gerecht gewesen wären. Da jedoch dies nicht der Fall war, so kehrten dieselben blutigen Auftritte später wieder, wie sie schon früher Statt gefunden hatten.

Einige Monate nach der Rückkehr des General Reynier nach Neapel, bestieg König Joseph auf des Kaisers Befehl, den Thron von Spanien; Murat nahm dagegen den Thron von Neapel an, der kurz nach seiner Ankunft den General Reynier zum Kriegsminister ernannte. Da nun König Joachim die Absicht hatte, eine Armee in Neapel zu errichten, so konnte er in der That keine bessere Wahl treffen, als Reynier die Formirung zu übertragen. Sein Benehmen in Calabrien hatte ihn im ganzen Lande beliebt gemacht; leider aber war sein Ministerium nur von kurzer Dauer; denn kaum hatte er sein Amt angetreten, so schickte ihm der Kaiser den Befehl zu, sich sogleich nach Frankreich zu begeben. Die bewegende Ursache hierzu kennt man nicht. Vielleicht wollte er ihn von einem Schauplatz entfernen, der seine Talente in ein zu helles Licht setzte; vielleicht gaben aber auch die Ränke des andern Ministers, Salicetti, Veranlassung, der den rechtlichen und festen Charakter Reyniers kannte. Was aber auch der Grund dieser Ungnade seyn mochte, Reynier mußte Neapel verlassen, wo er die ehrenvollsten Erinnerungen zurück ließ.

Er erreichte den Kaiser Napoleon (1809) in Wien und wurde sogleich in der Armee angestellt. In der Schlacht von Wagram gab er neue Beweise von seinen Militärtalenten, so wie später auch in Spanien. Während des russischen Feldzugs befehligte er das siebente Armeecorps, welches größtentheils aus Sachsen bestand, die gleich zu Anfang des Kriegs bei Kobryn eine bedeutende Einbuße erlitten; später aber bei Putowna diese Scharte auf eine glänzende Weise auswetzten, indem zwei schwache leichte Infanterie-Regimenter 26,000 Mann Russen schlugen. Zu schwach jedoch gegen die Russen, welche durch eine Armee, die bis dahin gegen die Türken gefochten hatte, verstärkt wurden und vielleicht auch zu wenig von den Oestreichern unter dem Fürsten von Schwarzenberg unterstützt, konnten die Erfolge nicht groß seyn. Das Gefecht bei Kalisch, welches er mit einer Handvoll Sachsen bestand, gereichte ihm gewiß zu großem Ruhme.

Im Jahre 1813 zeichnete es sich in der Schlacht von Bautzen aus und besetzte wenig Tage darauf die Stadt Görlitz. Nach Aufkündigung des Waffenstillstandes erhielt er vom Kaiser Befehl, mit seinem Armeecorps, welches abermals fast aus lauter Sachsen bestand, auf Berlin zu zu marschiren; allein die Niederlage bei Groß-Beeren nöthigte ihn zu einer rückgängigen Bewegung, die nur mit großem Verluste ausgeführt wurde. In dem Gefecht bei Dennewitz verhinderte er durch seine geschickten Bewegungen größern Verlust. In Leipzig, wo seine militärische Laufbahn endigte, entwickelte er ebenfalls die schönste Talente, befand sich dann mit auf dem Rückzug nach Frankreich und starb nicht lange nachher.

General Reynier besaß, dem Anschein nach, ein finsteres Aeußere, welches jedoch von seinem sanften und gutmüthigen Charakter bedeutend gemildert wurde. wo er auch befehligte, liebten ihn nicht nur seine Truppen, sondern auch die Eingebornen; denn er ließ die Erleichterung ihrer Lasten und die Aufrechthaltung der Mannszucht seine erste Sorge seyn. Dies verschaffte ihm in Aegypten den schönen Titel des gerechten Mannes und noch jetzt gedenken die Calabresen seiner mit Achtung. Sein Muth ging bis zur Verwegenheit. Während der Schlacht bei Abukir blieb seine Division dem furchtbarsten Feuer der Feinde und zwar auf eine höchst unnütze Weise, allein auf Befehl des Obergeneral Menou, ausgesetzt und während desselben spazierte er längs der Fronte hin, ihren Muth aufrecht erhaldend und sie bedauernd, daß ihr Leben so großer Gefahr ausgesetzt sey. Seiner Tochter hinterließ er nur ein sehr geringes Vermögen; denn von zwei kaiserlichen Dotationen in Calabrien und Galizien, blieb ihr bei den veränderten Zeitumständen keine von beiden. Napoleon urtheilte auf St. Helena von ihm, als die Rede auf den Feldzug in Aegypten kam: "Reynier besaß mehr Geschicklichkeit als Menou, allein es mangelte ihm die erste Eigenschaft eines Feldherrn: gut, um die zweite Stelle einzunehmen, schien er zur ersten untauglich. Uebrigens war sein Charakter still; er liebte die Einsamkeit und verstand nicht die Menschen aufzuregen, sie zu beherrschen und anzuführen."


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • A.F. Rittgräff. Die Helden des Tages, oder biographische Notizen über die hervorstechendsten Personen der gegenwärtigen Zeitverhältnisse. Berlin 1813.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Mittheilungen aus dem russischen Feldzuge, an einen Offizier des Generalstabes von Röder von Bomsdorff, Königlich Preussischem Rittmeister und Brigade-Adjutant. Leipzig, bey Wilhelm Engelmann. 1816.
  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.