Jean-Marie Roland de La Platière

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Roland de la Platière (J. M.) geboren zu Villefranche bey Lyon aus einer Familie von Rechtsgelehrten, die wegen ihrer Redlichkeit ausgezeichnet waren; dieser war der jüngste von fünf Brüder, welche der Vater als vermögenlose Waisen zurückließ.

Um sich nicht, wie seine älteren Brüder, dem geistlichen Stande zu widmen, verließ er das väterliche Haus mit seinem 19ten Jahre; durchstrich allein, ohne Geld, ohne Empfehlung, zu Fuße einen Theil von Frankreich und kam nach Nantes in der Absicht, sich nach Indien einzuschiffen. Ein Freybeuter, der Antheil an seiner Gesundheit nahm und ihn hatte Blut auswerfen sehen, rieth ihm, diese Reise aufzugeben. Roland kam nach Rouen, trat in die Verwaltung der Manufacturen, zeichnete sich daselbst durch seine Liebe zum Studium und durch seinen Hang zur Oekonomie und Handlung aus, und erhielt die Stelle des General-Inspectors zu Amiens und sodann Lyon.

Zu Anfange der Revolution wurde er Mitglied der Municipalität von Lyon, errichtete einen Klubb, den er mit dem Pariser Jakobinerklubb in Verbindung setzte, begab sich 1790 selbst in die Hauptstadt, und nahm nunmehr an den Arbeiten der Volksparthey Theil; und endlich wurde er im März an Cahiers von Gerville Stelle zum Minister des Innern erhoben.

Sein feuriger Kopf und seine Einbildungskraft, voll von den Beyspielen der Römer, schufen in ihm eine tiefe Verachtung gegen sein Jahrhundert und seine große Liebe zur republikanische Regierungsform; und man bemerkte, daß er sich das erstemal zu dem Könige in einem schwarzen Kleide, Schuhen ohne Schnallen und glattgekämmten Haaren begab. Er benahm sich auf eine so despotische Weise gegen Ludwig XVI., daß ihn derselbe mit dem Monat Juny wieder entließ. Roland schrieb damals an den König einen Brief in dem unverschämtesten Tone, und dieser wurde von den Girondisten als ein Denkmal des Muths und Patriotism in die Departemente geschickt. Von diesem Augenblicke an weihte sich Roland mehr als je dem Dienste der Jakobiner, wurde einer der fleißigsten Arbeiter in ihrem Korrespondenz-Ausschuße und einer von den Hauptanstiftern des 20. Juny und 10. August. Zu dieser Zeit setzte ihn die gesetzgebende Versammlung wieder in das Ministerium des Innern ein und ernannte ihn zum Mitglied des provisorischen Vollziehungrathes. Man sah ihn seit dem jeden Augenblick in der Versammlung erscheinen und Berichte abstatten, oder Forderungen thun; und da er durch seine Verbindung mit Brissot, Petion xc. in die Faktion der Gironde, die sich nach und nach von den Jakobinern getrennt hatte, gezogen worden war, fing er an, sich mit dieser letztern zu veruneinigen.

Im September ernannte ihn indessen des Departement der Somme zum Deputirten bey dem Konvent, und schien diesen Platz dem Ministerium vorzuziehen; allein der Wunsch der Versammlung verband ihn, auf seinem Posten zu bleiben.

Er suchte die Ströme Bluts, welche am 2. September flossen, auszuhalten und trug mit Nachdruck auf die Absetzung der Gemeine an. Im Laufe des Octobers denunzirte er noch mehreremal, jedoch ohne Erfolg, die von dieser Gemeine begangenen Abscheulichkeiten.

Den 20. November machte er die Entdeckung eines eisernen Wandschrankes im Schloße der Tuillerien, so wie die Schriften, welche sich darin als Beweise gegen Ludwig XVI. gefunden hatten, bekannt. Diese Entdeckung gab abermals zu schwereren Beschuldigungen gegen ihn Anlaß, man gab ihm Schuld, diese Papiere, vor ihrer Auslieferung an die Versammlung, mit einem einzigen vertrauten Sekretär untersucht und daraus diejenigen entwendet zu haben, welche die Deputirten seiner Faction belasten könnten. Vier Tage darauf schlug Roland die Zerstörung aller Schlösser der Emigrirten vor. Indessen fing sein Einfluß an in dem Maße zu sinken, als die Montagne stieg, und die Jakobiner griffen ihn mit eben der Heftigkeit an, mit der ihn die Girondisten zu vertheidigen suchten.

Den 20, Januar 1793 unterzeichnete er als Mitglied des provisorischen Vollziehungsraths den Befehl zur Hinrichtung Ludwig XVI; bald aber häuften sich die Denunziationen, Schmähschriften und Anklage gegen ihn so, daß er sich gezwungen sah, seine Entlaßung zu nehmen. Da er jedoch seine Rechnungen nicht aufs Reine bringen und folglich Paris nicht verlassen konnte, sah er sich in die Proscription vom 31. May mit verwickelt.

Damals gelang es ihm, aus der Hauptstadt zu entkommen, und er flüchtete sich nach Rouen zu Freunden, die ihn verbergen wollten; da er aber die Hinrichtung seiner Gemahlinn erfuhr, beschloß er, sie nicht länger zu überleben. Sein erster Plan war, sich unversehens in den Saal des Konvents zu stürzen, ihn, vermöge der Ueberraschung, zu nöthigen, Wahrheiten, die er ihm sagen zu müssen glaubte, anzuhören, und alsdann zu verlangen, daß man ihn auf das Blutgerüst führe; bey genauer Ueberlegung aber, daß der gerichtliche Tod die Einziehung des Vermögens, das er seiner Tochter hinterlassen konnte, bewirken würde, wählte er den Selbstmord, verließ den 16. November Abends 6 Uhr sein Asyl, verfolgte die Straße bis Bourg-Baudouin, setzte sich unter dem Baume einer Allee nieder und stach sich einen Stockdegen, den er bey sich trug, in die Brust. Er gab sich so gelassen den Tod, daß er vollkommen in seiner Stellung blieb, und ihn den folgenden Tag die Vorübergehenden für eingeschlafen hielten.

Quellen und Literatur

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.