Jean-Nicolas Pache

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Pache (Johann Nikolaus), Kriegsminister, sodann Maire von Paris, Sohn eines Schweizers, Thürstehers des Marschall von Castries, erhielt eine ziemlich sorgfältige Erziehung und zog sich sodann in das Geburtsland seines Vaters zurück, um, wie er sagte, ein freyes Land zu bewohnen.

Bey dem Anfange der Revolution kehrte er für die Erziehung seiner Kinder nach Paris zurück, und trat mit Wärmer den neuen Ideen bey.

Eine Miene der Bescheidenheit und Uneigennützigkeit, eine Art von Verläugnung seiner selbst, die allen Ehrgeitz auszuschließen schien, verschafften ihm unter der Revolutionsparthey Zutrauen. In der Mitte der ersten Bewegungen schickte er dem Herrn von Castries die Zuschrift einer Pension zurück, die ihm dieser Minister zur Belohnung der Dienste seines Vaters ausgesetzt hatte. Die einen sahen in diesem Schritte das Besorgniß, für die Kreatur eines Proscribirten angesehen zu werden, die andern machten sie zu einer erhabenen patriotischen Handlung.

Er trat in Verbindung mit Brissot, und fing zuerst an, unter den Ministern zu arbeiten, um es selbst werden zu können; er schlug stets mit Hartnäckigkeit die Besoldung seiner Stelle aus und erwarb sich dadurch einen solchen Ruf von Uneigennützigkeit, daß man ihn nicht anders als den guten Alten oder en Papa Pache nannte.

Nachdem er auf diese Weise als Freund und eifrigen Bürger unter Roland, im Ministerium des Innern, und unter Servan, in dem des Kriegs gearbeitet hatte, trat er endlich den 3 Oct. 1792 an die Stelle dieses letztern selbst. Hier umgab er sich mit den hitzigsten Revolutionärs, als Vincent, Hasenfratz, Sijas, Bouchotte xc. und wurde bald, um dieser und andern Ursachen willen, von den wüthendsten Denunziationen angegriffen. Die Generale und die Lieferanten schienen sich zu verbinden, um Klagen über ihn zu führen; man schrie über Verschläuderung und Vergeudung; man behauptete, daß die Armeen und die Magazine an Allem Mangel litten, und bis auf Mercier schrieben alle, "daß Pache für Frankreich unglückbringender als eine feindliche Armee wäre;" einer seiner eifrigsten Ankläger war Dumouriez. Bald schloß sich die Parthey Rolands an die Schmäher seines Ministeriums an, aber Marat stellte die Angriffe gegen ihn als einen Theil der Kunstgriffe vor, die Ludwig XVI. retten sollten. Indessen ernannte der Konvent den 3. Januar 1793 eine Kommission, um die gegen ihn eingelaufenen Beschuldigungen zu untersuchen, und den 2. Februar dekretirte sie auf Barères Bemerkung, der bey alle dem, daß er Paches Absichten Gerechtigkeit widerfahren ließ, sagte, "daß ihm der Hauptnachdruck der öffentlichen Gewalt, das Zutrauen, fehle," seine Ablösung.

Den 15. Februar wurde er beynahe einstimmig zum Maire von Paris ernannt, und in dieser Stelle hatte er einen großen Antheil an der Revolution den 31. May. Nach dem Siege der Montagne erhielt er von dem Wohlfahrtsausschuße den Auftrag, den Sohn Ludwigs XVI von seinen Mutter zu trennen, und Artur Dillon uud andere der Verschwörung Angeklagte zu arretiren. Um den Monat August theilten sich die Revolutionärs in verschiedene Factionen.

Pache stand, vermöge seines Postens in großer Verbindung mit der Partey der Cordeliers, die damals in der Gemeine herrschte. Bey Heberts Verschwörung erschien er vor den Schranken der Versammlung und vertheidigte den Rath der Gemeine, der beschuldigt wurde, sich zu saumselig über die Mitschuldigen dieser Verschwörung erklärt zu haben. Er wurde damals selbst beschuldigt, wo nicht Theil daran genommen, doch wenigstens den Verschwörern ziemliche Zuversicht eingeflößt zu haben, daß sie sich Hoffnung machten, ihn zu ihren Großrichter zu erhalten.

Diese Gerüchte dienten Robespierre zu Vorwand, ihn, als das letzte Hinderniß seiner Herrschaft, aus der Municipalität zu entfernen, und, ohne zu wagen, ihn ganz aufzuopfern, begnügte er sich, ihn im May 1794 für den Augenblick auf Befehl des Wohlfahrtsausschusses arretiren und Fleuriot seinen Posten übergeben zu lassen.

Nachdem ihn die Jakobiner-Bewegungen im Jahre 1795 in neue Anklagen verwickelt hatten, denen er jedoch nochmals glücklich entging, zog er sich nach Thieu-le-Moutier zurück und lebte daselbst ruhig und verborgen, bis sich der Kampf zwischen dem Direktorium und der Jakobiner Partey erhob, und ihn neuen Gefahren aussetzte.

Man wärmte damals gegen ihn die Beschwerden eines Schiffers der Loire wieder auf, welcher behauptete, 1794 das Geheimniß, Paris zu verproviantiren, besessen zu haben. Pache, als damaliger Maire, hatte von diesem Geheimnisse keinen Gebrauch machen wollen und der Schiffer einsperren lassen. Auf diese Entdeckung beschloß das Directorium, Pache, als Urheber von Willkührshandlungen, zu verfolgen.

Hierauf suchte man ihn in die Verschwörung Babeufs und Drouets zu verwickeln, und das Amtsblatt schrieb, daß "Pache in Paris wäre und heimlich den Aufstand erweckte." Er rechtfertigte sich durch drey Aufsätze, die er im Aprill und May 1797 erschienen ließ.

Seitdem hat er fortwährend in der Verborgenheit und Zurückgezogenheit gelebt.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.