Jean-Pierre de Beaulieu

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Johann Peter Baron von Beaulieu.

Beaulieu (Johann Peter Baron von), österreichischer kaiserlicher Feldzeugmeister, Großkreuz des militärischen Marien-Theresien-Ordens, Inhaber eines Infanterieregiments xc.

Nachdem er in dem siebenjährigen Kriege mit Auszeichnung gedient hatte, zog er sich mit dem Charakter eines Obristlieutenants und Ritter des Marie-Theresien-Ordens vom Dienste zurück und privatisirte bis 1789, wo die Brabanter Unruhen ausbrachen.

Ohngeachtet daß Brabant sein Vaterland war, nahm er keinen Theil an dem Aufstande und kommandirte als General-Major ein kleines Korps der österreichischen Armee. Er griff dessenungeachtet die Aufrührer an, trieb sie auseinander und endete somit den Krieg in kurzer Zeit. Die Brabanter Patrioten selbst haben in allen ihren Schriften den Talenten und der Menschlichkeit dieses Generals Gerechtigkeit wiederfahren lassen. Der Kaiser verlieh ihm das Regiment Droß, und er ist der erste Wallonenoffizier, der zum Obrist eines ungarischen Regiments ernannt worden.

Den 25sten April 1792 überbrachte ihm zu Berghen von Seiten der französischen Regierung ein Trompeter die Kriegserklärung gegen den König von Ungern und Böhmen, und den 29sten May, wo er sich an der Spitze von 3000 Mann Infanterie und 2000 Kavallerie befand und statt aller Artillerie 10 Feldstücken hatte, wurde er vom General Biron mit 12 bis 13000 Mann angegriffen, schlug aber die Franzosen und nöthigte sie mit einem Verluste von 250 Mann und 5 Kanonen sich nach Valenciennes zurückzuziehen.

Im Monath August 1793 übernahm er das Kommando eines Korps zwischen Douai und Lille, trug den 27sten einen Vortheil bey Templeuve davon und nahm 4 Kanonen. Als der Herzog von York bey Hundschotte geschlagen worden war, vereinigte sich Beaulieu, an der Spitze seiner ganzen Macht, die er zusammenraffen konnte, mit der englischen Armee bey Furnes. Den 15ten machten die Franzosen einen Angriff auf den linken Flügel, den seine Dispositionen allein vereitelten, indem sie den Feind nöthigten, sich nach Menin zurückzuziehen. Beaulieu verfolgte ihn, ließ sogleich gegen die Stadt Sturm laufen, zog ohne Widerstand ein, zwang den Feind über die Lys zu gehen und verfolgte ihn bis Roncq.

1794 kommandirte er in der Provinz Luxemburg und gewann den 30sten April eine Schlacht bey Arlon über eine Division der Jourdanschen Armee; er nahm den 19ten May Bouillon und erhielt im Juny das Großkreuz des Marien-Theresien-Ordens.

Den 20sten July ward er zum Generalquartiermeister bey der Koburgischen Armee ernannt; da ihm aber dieser Platz nicht gefiel, behielt er, während des Restes dieser langen Kampagne, das Kommando eines Korps, an dessen Spitze er bey allen Gelegenheiten seine Tapferkeit an den Tag legte.

Im März 1796 übernahm er den Oberbefehl der Armee in Italien und ward zum Grad eines Feldzeugmeisters befördert. Hier war er in mehreren Gefechten unglücklich. Er sah sich vom König von Sardinien durch dessen abgeschloßnen Waffenstillstand vom 5ten May verlassen; dem Beyspiele des Königs folgte der Herzog von Parma, und Beaulieu, von allen Seiten geschwächt, suchte vergebens die Adda zu vertheidigen: er war genöthigt, sich hinter den Mincio zurückzuziehen, Bonaparte setzte durch den Fluß und drängte seine Vorposten bis in die Tyroler Gebirge zurück. Alle Talente und Tapferkeit Beaulieus waren fruchtlos. Den 25sten Juny trat er das Kommando an Wurmser ab, den das Glück noch ungünstiger, als ihn, behandelte.

Trotz seiner Unfälle in Italien, muß Beaulieu immer für einen achtungswerthen General angesehen werden. er ist Großkreuz des militärischen Theresien-Ordens, deren es in Oesterreich nur neun giebt.


Beaulieu, k. k. österreichischer F. M.

Der 22. December 1819.

Johann Peter Freyherr v. Beaulieu, aus einem alten niederländischen Geschlechte abstammend, fieng im J. 1743 als Fähnrich im österreichischen Linien-Infanterie-Regimente Carl Lothringen (itzt Erzherzog Carl Nro. 3.) zu dienen an. Nach 14jähriger Dienstzeit wurde er 1757 als Hauptmann zum General-Quartier-Meister-Stabe übersetzt. Daun verwendete ihn bei sich als Adjutanten. Zum Major befördert, gab ihm der siebenjährigen Krieg häufige Gelegenheit sich hervorzuthun. Auszeichnungen bei Collin, Schweidnitz, Breslau, Leuthen, Olmütz, Hochkirch, Gera, Maxen, verdienten ihm das Theresienkreuz und die Beförderung zum Oberstlieutenant. Im J. 1768 wurde er als Oberster nach Mecheln geschickt. Als an latus des dortigen Gouvernements stand er beim Ausbruch der Niederländer-Unruhen noch auf diesem Platze. Er wurde nun als General-Quartier-Meister dem Heere beigegeben, welches 1789 und 1790 unter dem F. Z. M. Baron Bender gegen die Rebellen ins Feld zog. Seine weisen Einleitungen, und sein heldenmüthiges Beispiel, brachten hauptsächlich die schnellen und glücklichen Erfolge hervor, welche die Insurgenten zu Paaren trieben. Beaulieu wurde nun in demselben Jahre 1790 zum General-Major und F. M. L. befördert, und erhielt das Commandeur-Kreuz des Theresienordens. Im französischen Revolutionskriege befehligte er unter dem Herzog Albert von Sachsen-Teschen im J. 1792 eine Division. Jemappes, Quievrain, Frameries, die Stellung an der Maas, und der Rückzug ins Luxemburgische, vermehrten seinen Ruhm. Im folgenden Feldzuge wurde seinem klugen Diensteifer die Sicherung und Behauptung der wichtigsten Stellungen und Verbündungen anvertraut. Gegen das Ende desselben schlug er die Angriffe der Feinde bei Cysoing und am Neederbach glänzend zurück, und verfolgte sie bis Menin. Im J. 1794 übernahm er das Commando über das im Luxemburgischen bei Arlon stehende Corps von 8,000 Mann. Hier griff ihn Jourdan am 16. April mit 30,000 Mann an. Beaulieu musste sich nach dem heldenmüthigsten Widerstande zurückziehen, griff aber am 30. die feindliche Uibermacht selbst wieder an, und schlug sie auf allen Punkten. nach kurzer Zeit schlug er sie von neuem, bei Pallizeul, Cursoz und Bouillon. Bei der Schlacht von Fleurus am 16. Juni war es die Colonne, welche Beaulieu commandirte, durch die der wankende Sieg entschieden wurde, und in der 2. Schlacht am 26. hatte er mit seiner Abtheilung schon mehrere Ortschaften erobert, als das Gefecht abgebrochen werden musste. Zum Lohne seines Verdienstes erhielt er das Grosskreuz der Theresienordens. früher schon die Inhaberstelle eines Inf. Regiments. Im J. 1795 war er einige Zeit General-Quartier-Meister der Rhein-Armeen unter Clerfait. ein Jahr später fand seine Beförderung zum F. Z. M. und Ernennung zum Commandirenden der Armeen in Italien Statt. Die schwierigsten Umstände standen dort mit Glück und Kühnheit gegen ihn im Bunde. Der 71jährige Heldengreis musste dem jungen Helden der Republik weichen. Die ausserordentlichen Mühen dieses Feldzugs hatten seine Gesundheit auf das äusserste geschwächt. er übergab das Heer an Alvinzy und lebte den Rest der ruhmvollen tage auf seinem Landgute bei Linz. Dort starb er am 22. December 1819, 94 Jahre alt, hoch geliebt und geehrt von allen, die seine Tugenden als Mensch, Vater, Soldat und Bürger, kennen zu lernen Gelegenheit, und zu schätzen Sinn hatten.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.