Jean-Sylvain Bailly

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Bailly.
M. Baillij.

Bailly (Johann Sylvan), einer aus den 40 Mitgliedern der französischen Akademie u. s. w. Deputirter der Stadt Paris bey der Generalständeversammlung, war zu Paris den 15ten September 1736 gebohren.

Die Natur hatte ihn mit allen Anlagen zu einem Gelehrten und philosophischen Denker ausgestattet. Er war so glücklich gewesen, mit dem berühmten Lacaille in eine Verbindung zu treten und dieß hat seinen Geschmack für die Astronomie entschieden. Nach mehreren Versuchen, die das Publikum sehr gut aufgenommen hatte, lieferte er seine Geschichte der Astronomie, ein Werk, in dem man die Züge eines grossen Schriftstellers erkannte und welches ausgebreitete Kenntnisse, hervorleuchtendes Talent, und Gabe glänzender Darstellung in sich vereinigte. Nach mehreren Werken ward ihm 1785 die schmeichelhafteste Belohnung, die ein Gelehrter damahls erhalten konnte, zum Mitglied der drey ersten Klassen der französischen Akademie ernannt zu werden.

Bey dem Ausbruche der Revolution 1789 ernannte ihn das Wahlkollegium von Paris zu seinem Sekretair, und in der Folge zum Deputirten des dritten Standes bey der Generalständeversammlung. Er präsidirte darin bey der ersten Sitzung. Den 6ten Juny bewillkommte er den König an der Spitze der Gemeinen, beschwerte sich, daß der Anfang der Arbeiten bey der Generalständeversammlung durch Schuld des Adels verzögert werde und sicherte dem Könige zu, daß der dritte Stand sich weihe, die Rechte des Throns zu unterstützen.

Als sich aus den Gemeinen die Nationalversammlung bildete, blieb Bailly Präsident. Der König ließ dem dritten Stande untersagen, sich zu versammeln; Bailly führte daher die Assemblee in das Ballhaus und hatte den Vorsitz bey jener berüchtigten Sitzung, die gleichsam der Anfang der Revolution war. Er forderte als Präsident das Recht, zuerst vor den Andern den Schwur abzulegen, daß er sich nicht trennen werde, bis die Konstitution auf festen Grundlagen errichtet seyn würde.

Nach der Ermordung Flesselles ward er von dem immerwährenden Ausschuß zum Maire von Paris ernannt. Er empfieng den König den 17ten July auf dem Rathhause und bot ihm die Nationalkokarde an.

Als nach der Flucht des Königs die Partheyen sich zu theilen begannen, und die heftigsten Revolutionisten verlangten, daß man diese Gelegenheit zur gänzlichen Entthronung Ludwigs XVI. benutzen sollte, widersetzte sich Bailly, auf Lafayettes Eingebung, den Bewegungen, die zu Gunsten der Entthronungsparthey in Paris erregt wurden. Trotz daß diese Parthey die entschiedensten Jakobiner und Anhänger des Hauses Orleans unter sich zählte. Sie hatten sich in einer ungeheueren Anzahl auf dem Marsfelde versammelt, und Bailly ließ sie durch Militär auseinander treiben. Die Assemblee hieß zwar sein Verfahren gut, doch ward Bailly gewahr, daß sein Kredit zu sinken anfieng und sandte daher, unter dem Vorwande seiner Abnehmenden Gesundheit, an das Municipalitätskorps den 19ten September seine Amtsniederlegung.

Er gieng auf einige Zeit nach England, kam aber sodann wieder nach Paris zurück. Jetzt dem Volke, dessen Abgott er gewesen war, verhaßt, hoffte er in Vergessenheit zu kommen, wenn er sich in seine Studien und die Einsamkeit vergraben würde, verbarg sich in dieser Absicht in der Gegend von Melun und lebte daselbst ruhig bis zum 31sten May, der die Blutszenen des Marsfeldes wieder in Erinnerung brachte und die Gelegenheit der Rache darbot. Robespierres Agenten hatten Baillys Aufenthalt angegeben, worauf er im Oktober 1793 arretirt, nach Paris geschickt, in die Conciergerie gesetzt und von Fouquier Tainville den 10ten November vor das Revolutionstribunal gezogen wurde.

Das Gericht verdammte ihn zum Tode, weil er in einer heimlichen Verbindung mit Capet, dessen Frau und Andern gestanden, die Ruhe gestöhrt, den Bürgerkrieg angefacht und das Gemetzel auf dem Marsfelde veranlaßt habe. Tages darauf ward er dem Nachrichter übergeben, und auf die unglückliche Karre gesetzt, auf welcher hinter die rothe Fahne wehte, ihm gleichsam noch zum Vorwurf, daß er sie als Maire hatte aufpflanzen lassen. Nachdem er alle Arten von Beschimpfungen und Grausamkeiten erduldet hatte, ließ er selbst auf das Blutgerüst, dessen Platz mehrere Mahl in seinem Beyseyn verändert und das endlich auf einen Haufen Dünger gestellt worden war. Er starb mit vielem Muthe.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.