Jean-Victor Moreau

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Moreau, Oberbefehlshaber.

Chef des ersten Bataillons von Ille und Vilaine, Brigade-General im 93er Jahr; Divisions-General den 14ten April 94; den 11ten Jun. 94 Oberbefehlshaber der Moselarmee; blokkirte im Jahre 1794 Luxemburg; im Jul. 94 bei der Nordarmee unter Pichegrü; im J 95. Oberbefehlshaber der Nordarmee.

Ein sehr ausgezeichneter Offizier, der alle Stimmen für sich hat, ob er gleich erst kurze Zeit dient.


Moreau.

Moreau.

Victor Moreau ist 1763 zu Morlaix in Nieder-Bretagne gebohren. Sein Vater war ein äusserst rechtschaffener, uneigennütziger und achtungswürdiger Mann; man nannte ihn gemeiniglich den Vater der Armen, und hatte so viel Zutrauen in seine Ehrlichkeit, daß beim Ausbruche der Revolution der Adel in seiner Gegend ihm alle Schätze und Sachen von Werth anvertraute. Dies trug aber leider! nicht wenig bei, ihn unter der tyrannischen Regierung Robespierre aufs Schaffot zu bringen. Er wurde zu Brest guillotinirt, und das Volk, Zeuge seiner Hinrichtung, weinte bittere Thränen um ihn.

Der junge Moreau hatte von Jugend an schon eine grosse Neigung zum Soldatenstande, und trat in seinem 18. Jahre in denselben. Sein Vater, der dies für einen Jugendstreich hielt, kaufte ihn los und befahl ihm seine Studien fortzusetzen: es sey nun daß ihm das Studium der Rechte unangenehm war oder daß ihn seine grosse Vorliebe für das Militär anzog, genug er ließ sich neuerdings enrolliren. Sein Vater wollte ihm nun die Bitterkeiten dieses von ihm selbst gewählten Lebens fühlen lassen; aber nach vier Monaten baten seine Freunde dringend ja seinen Sohn nicht länger unter den Soldaten zu lassen, damit er doch die Früchte seiner ersten Erziehung nicht verlöre. Ein Mensch, der nicht vom Adel war, hatte vor der Revoluzion wenig Hoffnung beim Militär vorzurücken, dadurch wurde der junge Moreau wahrscheinlich bewogen zum Studium der Rechte zurückzukehren, und dem Beispiele seines Vaters, der ein berühmter Advokat war, zu folgen.

Beim Ausbruche der Revoluzion zeichnete er sich durch seine Vertheidigung des dritten Standes sogleich vortheilhaft aus, wußte sich aber dabei stäts so zu mäßigen, daß sogar die Andersgesinnten ihm ihre Achtung nicht versagen konnten. Als nun die Nazionalgarden errichtet wurden, ernannte man ihn zum Bataillonskommandanten. Diese Stelle gab ihm itzt Gelegenheit sich ganz seinem Hange für den Krieg zu überlassen, weswegen er auch das trockne und peinliche Studium der Rechte verließ, und sich mit solchem Eifer auf jenes der Taktik und der militärischen Details verlegte, daß er nach drei Monaten im Stande war, dem Kommando, das man ihm anvertraut hatte, vollkommen vorzustehen. Moreau war so überzeugt von seinen militärischen Fähigkeiten, daß man ihn um diese Zeit öfters sagen hörte: Ich werde bald General bei der Armee seyn. Und in der That, er arbeitete mit so vielem Fortgang um seinen Zweck zu erreichen, daß sein Muth und seine Fähigkeiten nicht lange unbemerkt blieben, besonders als er unter Pichegrüs Befehlen stand.

Er sah sich daher 1794 zum Divisions-General der Nordarmee erhoben und führte die Belagerung von Ypern an, welches sich nach einem 12tägigen Bombardement mit 100 Kanonen und einer Besatzung von 6000 Mann am 17. Juni ergab. Dann rückte er in Holländisch-Flandern ein und eroberte am 28. Juli die Insel Cadsand mit 70 Kanonen, und nach 21tägiger Belagerung auch die Festung Sluis mit 152 Kanonen und 2000 Mann Besatzung. Da nach dem Treffen bei Boxtel Pichegru erkrankte, so wurde Moreau General en Chef der Nordarmee, und eroberte im März 1795 das feste Schloß Bentheim mit 10 Kanonen, 12 Haubizen und 160 Gefangenen; hatte aber sonst keine Gelegenheit mehr sich in diesem Jahre auszuzeichnen.

Im folgenden Jahre 1796 wurde er General en Chef der Rheinarmee, und hier eröffnete sich ihm die glänzendste Laufbahn. In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni setzte er über den Rhein, stürmte Kehl und eroberte es, die Schwäbischen Truppen verlohren dabei 700 Mann und 12 Kanonen. Der General von Stain, welcher die Schwäbischen Truppen kommandirte, suchte nun durch eine geschickte Posizion dem Feinde das Kinzinger Thal zu versperren, weil ihm dieser Paß den Eintritt in das Herz von Schwaben geöffnet haben würde. Die Franzosen, durch ihre Anzahl nun kühn gemacht, rückten indeß auf einer andern Seite immer weiter vor, , und lieferten am 28. Juni die Schlacht bei Renchen, wo die Kaiserlichen über 1500 Mann verlohren und sich eiligst zurückziehen mußten.

Das Hauptaugenmerk der Franken war auf den Kniebis geheftet, weil ihnen dieses Paß den Haupteingang in das Innere von Schwaben öffnete. Man traf daher von Seite der Deutschen alle Anstalten um diesen von der Natur selbst befestigten Platz in Vertheidigungsstand zu setzen: allein die Franken kletterten über die steilsten Felsen und Abhänge empor, stürmten die Hauptschanze auf dem Roßbühle, und sahen sich schon am 3. Juli im Besitze dieses so vortheilhaften Postens.

Die Franken, die nun bis auf 70,000 Mann angewachsen waren, wollten den Kaiserlichen, bevor sie noch Verstärkungen erhielten, eine entscheidende Schlacht liefern, und griffen sie daher am 5. Juli bei Gernspach an. Beide Theile fochten mit rasendem Muthe, doch mußten endlich die Kaiserlichen der grossen Anzahl weichen; zogen sich aber in der größten Ordnung zurück. An dem Abend dieses unglücklichen Tages, als die Murg schon verlohren war, kam der Erzherzog Karl, der nun, nachdem Wurmser nach Italien abgegangen war, beide Rheinarmeen kommandirte, in dem Lager bei Durmersheim an, und zog alle möglichen Verstärkungen an sich, um den Feind am 10. Juli anzugreifen, und ihm die bei Rastadt errungenen Vortheile wieder zu entreissen. Aber schon am 9. griffen die Franken auf allen Punkten an, und obwohl der linke Flügel derselben vom Erzherzog Karl geschlagen wurde, so mußte er sich doch zurückziehen, weil ihr rechter Flügel gesiegt hatte.

Mit dem Anbruche des folgenden Tages begann die Retirade: die ganze kaiserl. Armee marschirte in 3 Kolonnen ab, ohne vom Feinde beunruhigt zu werden, und lagerte sich hinter Pforzheim; am 17. Juli zog sie sich gegen Stuttgardt und am 18. besetzten schon die Franken diese Stadt. Am 21. griff Moreau schon wieder die Kaiserlichen an, und nach einem der hartnäckigsten Gefechte machte er sich zum Meister der linken Seite des Neckars, und nun zog sich Erzherzog Karl gegen Nördlingen und Donauwörth zurück, wo er am 13. August ankam, nachdem er noch vorher den Franken viele Gefechte geliefert hatte. Der Mittelpunkt der Armee Moreaus drang nun in schnellen Schritten über Dillingen und Zusmarshausen vor, und rückte am 23. in Augsburg ein; nachdem sich der kaiserl. General Latour über den Lech gezogen und auf den Anhöhen von Friedberg gelagert hatte.

Moreau ließ seine Truppen nur einen Tag rasten, und griff am 24. wieder die Kaiserlichen an. Muthig sprang die Infanterie ins Wasser und ungeachtet viele ertranken oder erschossen wurden, so erreichten doch die andern das Ufer, vertrieben die daselbst stehenden Oesterreicher, und machten es möglich, daß die Brücke von Friedberg und Lechhausen hergestellt, die Armee übergesetzt und die Kaiserlichen genöthigt wurden sich mit einem Verluste von 12 Kanonen, 1500 Gefangenen und 400 Todten hinter Friedberg zurückzuziehen.

Während dieser Zeit hatte Erzherzog Karl einen Plan entworfen, der des größten Feldherrn würdig war. Er zielte auf nichts geringeres als durch eine plötzliche Schwenkung von Moreau wegzuweichen, dem General Jourdan in die Flanke zu fallen, diesen mit aller Macht zurückzutreiben, und jenen abgeschnitten von seinem Vaterlande und aller Hilfe, gänzlich zu Grund zu richten. Durch Schnelligkeit wurde dieser Plan gegen Jourdan glücklich ausgeführt, denn am 22. August erlitt derselbe die erste Niederlage bei Teiningen in der baierschen Pfalz, und 14 Tage nachher hatte er mit seiner Armee, die in wilder Eile zurückfloh, schon Frankfurt wieder im Rücken.

General Moreau bildete um diese Zeit mit seiner Armee eine Linie, welche sich von Neuburg an der Donau über Schrobenhausen und Pfaffenhofen bis nach Dachau erstreckte. Da er gar nicht daran zweifelte daß sich Jourdan bald wieder von seinem erlittenen Verluste erholen würde, so rückte er immer weiter vor, besetzte die Hauptstadt Baierns München, vertrieb die Kaiserlichen von Geissenfeld und verpflanzte sein Hauptquartier bis nach Wohnzach. Doch konnten ihm die Gefahren dieses Vorrückens nicht lange verborgen bleiben. Er sah plötzlich allen Zusammenhang mit der Sambre- und Maasarmee abgeschnitten, und befand sich in dem mißlichen Falle, nicht mehr für die Eroberung neuen Landes, sondern für die Sicherheit seines Heeres sorgen zu müssen.

Er hatte dem General Dessaix den Auftrag gegeben mit 10,000 Mann bei Neuburg über die Donau zu gehen, um auf der Strasse nach Nürnberg den Erzherzog aufzusuchen und zu beunruhigen; allein dieser hatte die Sambrearmee schon zu weit zurückgetrieben, als daß von dieser Seite etwas für sie hätte gethan werden können: Dessaix zog sich daher wieder nach Neuburg zurück. Unter diesen Umständen blieb Moreau nichts weiter übrig als ein gänzlicher Rückzug: derselbe wurde in der Nacht vom 19. auf den 20. September angetreten. Der Mittelpunkt und der rechte Flügel gingen bei Augsburg, der linke aber bei Rain über den Lech.

Und von diesem Tage an fielen nun täglich bald grössere bald kleinere Gefechte zwischen den Franken und den Kaiserlichen vor: erstere wollten ihren Weg gegen den Neckar nehmen, um so auf dem kürzesten Wege nach Kehl zurückzukehren, allein er wurde ihnen von den letzteren versperrt, und es blieb den Franken nun nicht übrig als über den Schwarzwald zurückzugehen, welches zwar mit sehr vielen Schwierigkeiten verbunden war, aber ihnen doch nach vielen Gefechten glücklich gelang. Moreau glaubte nun sich noch auf dem diesseitigen Ufer des Rheins halten zu können, aber er wurde vom Erzherzog Karl mehrere Tage nacheinander immer angegriffen, und da am 24. Oktober nach dem hartnäckigsten aber nichts entscheidenden Treffen bei Schlingen der kaiserl. General Nauendorf die engen Pässe von Kandern erstürmte, so mußte er befürchten daß der Rückzug abgeschnitten würde, und gab daher seinen Truppen Befehl aufzubrechen, welche auch in der größten Ordnung über die Brücke bei Hüningen wieder auf ihren vaterländischen Boden hinüberzogen.

So hatte also der General Moreau eines der größten Meisterstücke der Kriegskunst vollendet, die drohendsten Gefahren überwunden, auf der man ihm nichts als Untergang und Verderben weissagte, so furchtbar gemacht, daß nicht mehr die Rede davon war ihn blos zu schlagen, sondern sich auch seiner zu erwehren. Sein Heer behauptete stäts denselben Muth unter täglichen Mühseligkeiten, die besonders auf dem Zuge über den Schwarzwald wegen der rauhen Herbstwitterung und der grundlosen Wege den höchsten Grad erreichten. Und es ist volle Wahrheit, was der Bericht des Direktoriums bei dieser Gelegenheit sagte: "Dieser merkwürdige Rückzug wird von der Nachwelt in die Reihe der schönsten Kriegsoperationen gesetzt werden, die je in einem Lande vollbracht wurden. Er bedeckt die Rhein- und Moselarmee und ihren bescheidenen General mit ewigem Ruhme." Nur Schade! daß dieser Ruhm auf der einen Seite durch die unzähligen, barbarischen, räuberischen, muthwilligen und treulosen Thaten, womit dieses Heer gegen den friedlichen Bürger und Landmann auf seinem Rückzuge rasete, so sehr verdunkelt wird.

Als Genral Moreau mit seiner Armee über den Rhein zurückgezogen war, hatte er auf dem diesseitigen Ufer nur noch den Brückenkopf von Hüningen und die Festung Kehl besetzt; beide wurden ihm aber endlich nach blutigen Belagerungen entrissen, und zwar ergab sich Kehl am 9. Jäner 1797 und der Brückenkopf am 5. Februar. Und nun erst konnten die Kaiserl. Truppen sich in ihren Winterquartieren ungestört der Ruhe überlassen, der sie so sehr bedurften. Zugleich konnte auch die Verstärkung, welche der Armee in Italien zugedacht war, vom Rheinstrome aufbrechen.

In der Mitte des Aprils 1797 kam Moreau wieder aus Paris zurück, wo er mit dem Direktion den Plan zu seiner neuen Unternehmung verabredet hatte, und nun traf er gleich die nöthigen Anstalten, den Feldzug wieder jenseits des Rheins zu eröffnen, welches ihm um so leichter war, da der ihm gegenüberstehende k. k. F. M. L. Starray mit einem nur 15,000 Mann starken Korps einen sehr ausgedehnten Kordon zu bilden hatte, und der Rhein wegen der langen trockenen Witterung sehr tief gefallen war. In der Nacht vom 19. auf den 20. Setzte Moreau wirklich mit 40 Bataillons in der Gegend von Dersheim über den Rhein, und ungeachtet die Kaiserlichen alles anwandten um ihn in den Rhein zurückzuwerfen, so waren sie doch zu schwach es auszuführen, und mußten sich, nachdem auch am andern Tage das Gefecht unglücklich ausfiel, bis hinter Offenburg zurückziehen. Die Gefechte waren so mörderisch, daß auf beiden Seiten mehrere Offiziere blieben und verwundet wurden.

Alles war nun wieder in banger Furcht und die Flüchten allgemeiner als das Jahr zuvor: aber plötzlich wandelten sich diese peinigenden Empfindungen in die zügelloseste Freude um. Der kaiserl. Oberstlieutenant von Hark und der französ. Generaladjutant Leclerc kamen miteinander bei den Armeen am Oberrhein an und verkündigten die frohe Neuigkeit, daß am 18. April die Friedenspräliminarien zu Goes unweit Leoben unterzeichnet worden seyen, worauf sogleich allen weitern Feindseligkeiten ein Ende gemacht wurde.

Moreau galt für einen Freund Pichegrus: da er nun merkte daß sich über denselben ein Ungewitter erhob und er dadurch ebenfalls in Verdacht gerathen könnte, so schickte er am 2. September 1797 ein Paket Schriften in Chiffern, das er unlängst in seinen Hände bekommen hatte, an den Direktor Barthelemy mit der Anzeige, daß er vermuthe diese Papiere machten Pichegru verdächtig. Barthelemy war unterdessen schon gestürzt, und so wie Pichegru nach Cayenne abgeführt worden; die übrigen drei Direktoren, denen dies Paket daher in die Hände kam, riefen nun Moreau nach Paris um weitere Auskunft über selbes zu geben: es wurde aber davon nichts bekannt, sondern blos Moreau seines Kommando enthoben. Er lebt daher itzt als Privatmann.

Zum Schlusse möge noch eine Anekdote von ihm stehen, die ihm nicht weniger Ehre macht als seine kriegerischen Unternehmungen: Sein tugendhafter Vater, bevor er guillotinirt wurde, machte ein Testament, in welcher er seinem Sohne rieth, ein Mädchen, das er ihm nannte, zu heirathen; Moreau, ein eben so gehorsamer Sohn als tapferer General, verließ die Armee, sobald es seine Pflicht gestattete, kam nach Morlaix, weinte Thränen am Grabe seines Vaters, und heirathete das liebenswürdige Mädchen, das ihm derselbe empfohlen hatte.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Gallerie interessanter Personen. Oder Schilderung des Lebens und Charakters der Thaten und Schicksale berühmter und berüchtigter Menschen der ältern und neuern Zeit. Herausgegeben von Karl August Schiller. Wien im Verlage bei Anton Doll, 1799.