Jean-Xavier Bureau de Pusy

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Bureau de Puzy.

Bureau de Puzy, Deputirter bey der Generalständeversammlung, hierauf Präfekt von der Rhone und Kommandant der Ehrenlegion, Offizier vom Geniekorps.

Er diente unter Lafayette und ward von Guadet angezeigt, daß er dem Marschall Lukner den Vorschlag gethan hätte, auf Paris loszugehen und die Schmach zu rächen, die man dem Könige am 20sten Juny angethan. Die Versammlung beschloß, das Büreau de Püzy vor Gericht erscheine und sich rechtfertigte. Er erschien und übergab ein Schreiben Lukners, das die Unrichtigkeit der Anzeige bescheinige, und Büreau de Püzy ward unschuldig erklärt.

Er verließ Frankreich mit Lafayette und theilte seine Gefangenschaft. Als er auf Vermittlung des Generals Bonaparte nach dem Vertrage von Campo-Formio seine Freyheit wieder erhielt, gieng er Anfangs nach Hamburg, und kehrte nach dem 18ten Brümaire nach Frankreich zurück. Bald darauf ward er zum Präfekt von Allier ernannt, und von da kam er nach Lyon in demselben Charakter den 3ten September 1802.

Im Januar 1804 ward er zum Kandidat des Erhaltungssenats vom Wahlkollegium des Rhonedepartements gewählt, und in der Folge mit dem Titel eines Kommandanten der Ehrenlegion beehrt.

Er starb im Januar 1806 als Präfekt zu Genua.


Bureau de Pusy.

Vom Herausgeber der Minerva.

Dieser in vieler Hinsicht ausgezeichnete, kürzlich als Präfect von Genua gestorbene, Franzose, dessen Tod sein Vaterland jetzt betrauert, verdient auch außer demselben gekannt zu werden. Ich streue hier einige Blümchen auf sein Grab, da ich mir vor mehrern Jahren die Freundschaft dieses edlen, durch Geist und Herz wahrhaft hochachtungswürdigen, Mannes erwarb, und Gelegenheit hatte ihm wichtige Dienste zu leisten.

Bureau de Pusy, gebohren im J. 1750 in der Franche Comte, war vor der Revolution Französischer Ingenieur-Hauptmann, der sich durch seine Dienste, Talente und mannigfaltigen Eigenschaften schon damals achtungswerth machte; auch wurde er von dem Adel seiner Provinz zum Deputirten bey der General-Ständen erwählt, als diese im J. 1789 sich versammelten, das Heil Frankreichs zu gründen. Auf diese Weise wurde er Mitglied der constituirenden Versammlung und dreymal ihr Präsident; eine Würde, die er musterhaft bekleidete. Beym Ausbruch des Kriegs 1792 gieng er, in seiner alten Eigenschaft unter der Königlichen Regierung, als Ingenieur-Hauptmann zur Armee des Generals Lafayette, der sein Freund war, und in dessen unglücklichen Schicksal er auch mit verwickelt wurde. Er begleitete den General bey seiner Entfernung von der bisher so loyalen, jetzt aber durch die Jacobiner verführten Armee der Franzosen.

Die Geschichte dieser kurzen, nur zwölfstündigen Reise von fünf und zwanzig Personen ist bekannt genug geworden; allein erst die Nachwelt wird die hiebey geschehenen unglaublichen Mißgriffe der Cabinette würdigen. Diese Männer -- Freunde des Königs Ludwig XVI. und der Constitution -- die damals noch überaus zahlreiche, sehr viele hochachtungswürdige und mächtige Anhänger in Frankreich hatten, die sich nur für den Augenblick der Anarchie entzogen, um als natürliche Bundsgenossen der vereinigten Mächte, als furchtbare Feinde der Jacobiner, bald wieder aufzutreten, wurden an dem Gränzort des Kayserlichen Belgiens, als Missethäter verhaftet, und die vier vornehmsten dieser Flüchtlinge: die Generale Lafayette, Latour-Maubourg, Alexander-Lameth und Bureau de Pusy, aus einem Gefängniß ins andre geschleppt, bis sie zuletzt in Olmütz gewissermassen eingemauert wurden. Sie blieben fünf Jahre lang in diesem Kerker, nicht, bis die Mächtigen großmüthig, oder gerecht wurden, sondern bis die rastlosen Bemühungen ihrer Freunde in Frankreich und im Auslande, die Riegel ihres Kerkers sprengten. Von allen Seiten gedrängt, muste sich endlich Ehrenhalber das Reubelsche Französische Directorium -- schon bey der bloßen Erwähnung dieses Worts überfällt einen ein Schauder -- für die Gefangenen verwenden, und bey dem Tractat von Loeben ihre Loslassung als Bedingung fordern.

Pusy kam nun nach Hamburg, und lebte zur Wiederherstellung seiner in Olmütz zerrütteten Gesundheit mehrere Monate in dem bey Altona gelegenen Dorfe Ottensen; seine Wohnung war am Gottesacker, ganz nahe an Klopstocks Grabe. Er verzweifelte, bessere Zeiten als die damaligen eisernen in Europa zu erleben, und gieng daher mit mehreren wohlhabenden Freunden, gröstentheils Franzosen, nach America, wo sie eine abgesonderte Colonie einer ganz originellen Art anlegen wollten. Die Schilderung jener Weltgegend von dem damals hier anwesenden Erzherzog v. Liancourt, die man auch Deutsch gelesen hat, bestätigte das Vorhaben der klugen Unternehmer. Dieser Entwurf aber zeigte an Ort und Stelle so viele Schwierigkeiten, daß er unausgeführt blieb. Pusy gieng nach Frankreich zurück, wo er bey seinen anerkannten Fähigkeiten bald angestellt wurde. Solche nach Verdiensten gewählte Beförderungen, gehörten und gehören zum Theil noch jetzt, zu Geschichte des Tages; ein preiswürdiges Betragen der jetzigen Französischen Regierung, das von der Consular-Epoche an bis jetzt dort Grundsatz zu seyn scheint, und nicht wenig beygetragen hat, die neueste Ordnung der Dinge in Frankreich dauerhaft zu gründen.

Bureau de Pusy wurde zuerst zum Präfecten des Allier-Departements ernannt; im folgenden Jahr 1803 aber wurde ihm die viel wichtigere Prätur des Rhone-Departements angewiesen. Hier, wo Lyon sein Wohnsitz war, befand er sich an seiner rechten Stelle, um diese unglückliche, durch die gräßlichsten Revolutions-Gräuel so ausgezeichnete Stadt, durch alle nur ersinnliche, ihm zu Gebote stehende, Mittel wieder aufzuhelfen. Hierzu gehörten große E nsichten, und mannigfaltige Kenntnisse, große Rechtschaffenheit und rastlose Thätigkeit. Diese zeigten sich auch auffallend bey Pusy's Administration. Er war hier ganz in seinem Element, und wirkte. Die dadurch gerührten Lyoner wollten ihm einen Beweis ihrer Dankbarkeit geben; da sein Vermögen von den Jacobinern geraubt war, und seine Einkünfte als Präfect, zumal in einer solchen Stadt wie Lyon, zu seinem und seiner Familie Unterhalt gar nicht zureichten, so erboten sie sich solche jährlich mit 20,000 Liv. aus der Stadtcasse zu vermehren. Pusy wollte jedoch diesen gerechten Dank-Tribut nicht anders, als mit Zustimmung der Regierung annehmen. Die Sache aber kam nicht bis zu Napoleons Entscheidung; denn der damaligen Minister des Innern, der gelehrte Chaptal, für dessen Einkünfte besser gesorgt war, und der für die Bedürfnisse eines dem Staat so wichtigen Mannes keinen Sinn zu haben schien, verwarf den Antrag der Municipalität von Lyon, und verwieß Pusy auf seine bestimmte Einkünfte.

Seine Versetzung als Präfect nach Genua, wo neuer Schutt, und zwar ganz besonderer Art, aufgeräumt werden muste, und wozu Pusy sich so vorzüglich paßte, war sehr wohl überdacht; allein sie war ein Donnerschlag für die Einwohner von Lyon, die auf einen solchen Präfecten, wie er war, ein auf einander folgendes, zwiefaches Glück dieser Gattung, wohl nicht hoffen durften.

So nöthig aber auch ein Administrator von seinem Kopf und Herzen, in Lyon war, so bedurfte es nicht minder eines Mannes von seiner Rechtschaffenheit und Beredsamkeit, die neu zu formenden Genueser, ein ganz eignes Volk, das niemand besser als der Kayser Napoleon kannte, zweckmäßig zu behandeln. Seine Wahl bewieß, daß er Pusy richtig beurtheilte, den er auch kurz zuvor zum Commandeur der Ehren-Legion ernannt hatte.

Man laas nach seinem Hintritt folgende Schilderung von ihm im Journal de Lyon:

"Sein Tod erregte die äußerste Bestürzung, sowohl in der Stadt, die ihn kurze Zeit besaß, als in der, die seinen Verlust so lebhaft bedauerte."

"Es war keine große Vertraulichkeit mit ihm erforderlich, um ihn kennen, schätzen und lieben zu lernen. Alle seine Reden flößten Zutrauen ein, und die öffentliche Verehrung war die Frucht seiner Handlungen. Mit der grösten Gutmüthigkeit verband er vielfache wissenschaftliche Kenntnisse und einen vortreflichen Verstand. Sein Urtheil war immer fest und bestimmt, sein Scharfsinn groß, und seine Grundsätze geläutert und rein. Man bemerkte bey ihm eine Offenheit des Characters, eine strenge Rechtschaffenheit, und eine gewisse Grazie, die seine Beredsamkeit erhöhte, und immer Ueberzeugung mit sich führte. Oft erinnerte er sich mit Schmerzen, der fünf in den Casematten zu Olmütz verlornen Jahre; und diese so grausame Behandlung war ihm in der Blüthe seines Lebens wiederfahren." -- -- -- -- --

In diesem Gefängniß war es, wo er auf erhaschten Papierblättern, mit Huthschwärze statt der Dinte, und mit einem Griffel einige vortrefliche Aufsätze über die Revolution abfaßte, die anonym in der Minerva des Jahrs 1797 eingerückt sind.

Das Grab hat sich geöffnet, um alle diese so hochgeachteten Talente alle diese liebenswürdigen Tugenden zu verschlingen.

Seine überaus große Amtsthätigkeit, bey einer neuen Administration, verbunden mit den Nachwehen des Olmützer Kerkers, wovon er sich nie recht erholen konnte, *) beschleunigten das Ende seiner Tage. Er starb im Januar 1806 und hinterließ eine trostlose Wittwe, ein vortrefliches Weib als Gattin und Mutter, die Tochter des berühmten Poivre, ehemaligen Intendanten von Isle de France, und zwey Kinder.

*) Dasselbe Leiden, nur in einem höhern Grade, hat auch die Frau von Lafayette, die noch bis auf diesen Tag täglich und stündlich durch körperliche Schmerzen, und überhaupt durch einen siechen Körper an den Olmützer Kerker traurig erinnert wird. So war und ist das Schicksal dieser mit Alt-Römischen Tugenden begabten Dame, die, nachdem sie ihre theuersten verwandten und Freunde, ihren theuren Gatten, ihr ganzes Vermögen, kurz alles verloren hatte, und der Guillotine durch ein halbes Wunder entgangen war, in Olmütz, so wie auch ihre erwachsenen Töchter, wie eine Missethäterin eingesperrt und behandelt wurde. -- Diejenigen, die das Wort Kerker vielleicht zu hart finden, frage ich: ob ein dumpfes, beständig verriegeltes Behältniß, wo den Gefangenen alle Luft von außen entzogen wurde, und wo die gemeinen Musquetiere, auf eine ekelhafte Art, mit ihren Fäusten den drey Damen die Speisen klein schnitten, u. s. w. wohl eine andre Benennung verdient? -- Die vortrefliche Frau, würdig eines solchen Mannes, von einem zarten Körperbau, aber dennoch bey guter Gesundheit, als sie aus Frankreich über Hamburg nach ihrem Gefängniß reisete, hat jetzt keine gesunde Stunde, und kann sich bey ihrem Leiden bloß mit dem Gedanken trösten, ihre ehelichen Pflichten in einem hohen Grade, die zur Bewunderung der Welt, ausgeübt zu haben.
v. A.

Ein guter Ehemann, ein guter Vater, ein treflicher Freund, und ein musterhafter Administrator, hinterläßt er seinem Vaterlande ein ehrenvolles Andenken und das Beyspiel seiner Tugenden.

v. A.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg. Jahrgang 1806