Jean Charles Abbatucci

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Abbatuccy Sohn, (Karl), -- Unterlieutenant der Artillerie im J. 89; ist alle Grade durchgegangen; General-Adjutant; Brigade-Chef und General den 21ten July 94.

Der General Pichegrü lobt seine Talente, seine Thätigkeit und verlangt sein Avancement.


Carl Abatucci.

Abatucci (Carl), Divisionsgeneral im Dienste der französische Republik.

Sein Vater, aus einer der ersten korsikanischen Familien, zeichnete sich unter den Gegnern Paoli's aus, dessen Anklage ihn auf die Galeere zu Toulon brachte. Erst nach Verlauf einiger Jahre gelang es ihm, seine Unschuld zu erweisen und seine Freiheit wieder zu erlangen, worauf er dann während der Revolution in französische Dienste trat, bis zum Divisionsgeneral stieg und 1796 in Toulon kommandirte.

Sein Sohn, Carl Abatucci, vorher Offizier bey der Artillerie zu Pferde, nachher Adjutant des General Pichegrü, ward in Holland zum Generaladjutanten ernannt, nachdem er dreymahl diese Stelle ausgeschlagen hatte.

Als Brigadegeneral war er im Feldzug 1796 bey der Avantgarde der Rhein- und Moselarmee unter dem General Ferino angestellt. Den 24sten Juny bey dem Uebergange der Franzosen über den Rhein kommandirte er einen Angriff der Werke von Kehl, deckte im Oktober den Rückzug bey Neuburg, und kommandirte im November als Divisionsgeneral in Hüningen, wo er die vordern Werke des Brückenkopfs zu vertheidigen hatte. Auf diesem Posten ward er bey dem heftigen Angriffe der Oesterreicher in der Nacht vom 1sten bis 2ten Dezember gefährlich verwundet und starb einige Tage darauf in seinem 26sten Jahre, nachdem er in diesem Feldzuge sowohl, als bey der Nordarmee mehrere Proben seines Muthes und seiner Einsicht abgelegt hatte.


Charles Abbatucci.

Charles Abbatucci, Divisions-General, geb. den 15 Nov. 1770 zu Zicavo auf Corsica, bei einem Ausfall aus Hüningen, den 2. Dec. 1796, verwundet, st. einige Tage darauf.

Der erste Schuß, der das blutige Drama der Rheinkriege eröffnete, fiel aus einer Kanone, die Abbatucci, damals schon Hauptmann einer reitenden Batterie, auf ein feindliches Schiff, welches arglos den Fluß herabsegelte, abfeuerte und, es in Grund bohrte. Der glückliche Erfolg erregte den Jubel seiner Soldaten, die in der ersten Begeisterung ihn zu ihrem General ernannten. Bescheiden lehnte er diesen Antrag von sich ab. Pichegru aber verlieh ihm im Februar 1794, nachdem er sich mehrmals unter seinen Augen ausgezeichnet, den Rang eines Flügeladjutanten. Noch in demselben Jahre, nachdem er General-Adjutant und Befehlshaber einer Brigade geworden, rechtfertigte er die Wahl Pichegru's durch einen geschickt geführten Uebergang über den Rhein, den ersten, welchen die Franzosen in Holland versuchten. Eben so viel Talente und Muth zeigte Abbatucci in dem glänzenden Feldzuge vom Jahre 1795, wo die östreichischen Niederlande und Holland eine Beute der Franzosen wurden und die Nordarmee Wunder der Tapferkeit that.

Zur Rheinarmee versetzt, übertrug der umsichtige Moreau ihm und den Generaladjutanten Decaen, Montrichard und Bellavène, am 26. Juni 1796, die Ausführung eines Rheinübergangs bei Kehl, der vom Glück gekrönt wurde. Die Ufer des Kinzig waren am folgenden Tage Zeugen eines Sieges, den Abbatucci über die Oestreicher erfocht. Am 14. Juli vertrieb er das Emigrantencorps unter dem Prinzen Condé aus den Engpässen von Ettenheim, Münster und Schweickhausen, schlug dasselbe bei Erkheim und nöthigte den Herzog v. Enghien zum Rückzuge (12. August). Größern Widerstand fand er aber am folgenden Tage bei Kamlach. Zur rechten Zeit erschien jedoch die 89. Brigade und setzte ihn in Stand, von Neuem angriffsweise zu verfahren. Tausend Mann fielen in seine Hände und krönten die Anstrengung dieses blutigen Tages.

Durch diese und mehrere andere Gefechte wurden die Oestreicher bis an den Lech zurückgedrängt, dessen reißende Schnelligkeit die Sieger erschreckte. Der Feind hatte alle Brücken verbrannt und den Franzosen fehlte es an Pontons. Es blieb nichts anders übrig, als diesen Bergstrom zu durchwaden. Muthig stürzte sich (24. August) das erste Glied in die Fluthen, ward aber auch fast in einem Augenblick von dem Ungestüm der Wogen über den Haufen geworfen. Bestürzung malte sich in den Zügen der am Ufer stehenden Soldaten; doch kaum nahm dies Abbatucci wahr, so stürzte er sich mit Montrichard, Cassagne und Savary in den Fluß und begeisterte dadurch die Seinen in einem solchen Grade, daß sie haufenweise sich in den Lech warfen und so den Ungestüm der Wogen brachen. Kaum war er jedoch am jenseitigen Ufer angekommen, bemerkte er zu seinem Schrecken, daß einige Soldaten nahe daran waren, unterzusinken. Von Neuem stürzte er sich in die Fluth und rettete mit größter Anstrengung mehrere davon. Sicher würde ihm Rom, zur Zeit der Republik, für solche That die Bürgerkrone zuerkannt haben.

Nach diesem glücklichen Uebergange über den Lech ließ er sich die Verfolgung des Feindes angelegen seyn. Noch an demselben Tage schnitt er den Feinde zweimal den Rückzug auf der Straße nach Regensburg ab und entriß ihm einen großen Theil seines Geschützes. Moreau ertheilte ihm zum Lohn den Grad eines Brigade-Generals und Abbatucci zeigte sich desselben durch einen neuen Sieg (30. August) würdig, wodurch die vorrückenden Oestreicher unter Deway auf das rechte Ufer der Iser zurückgeworfen wurden.

Der von den Oestreichern unter dem Erzherzog Karl (24. Aug.) über Jourdan erfochtene Sieg bei Amberg nöthigte indeß die Rhein- und Mosel-Armee unter Moreau ebenfalls zum Rückzug. Abbatucci befehligte die Nachhut und ohne bedeutendem Verlust erreichte er den Rhein. Im September griff er das Fort Kehl an und schlug (20. Octbr.) in der Nähe davon, einen feindlichen Angriff glücklich zurück. Zur Belohnung seiner Tapferkeit ernannte ihn das Directorium zum Divisions-General und übertrug ihm die Vertheidigung des Brückenkopfs bei Hüningen, den die Oestreicher um jeden Preis zu erobern trachteten. Bei einem Angriffe derselben, in der Nacht vom 1. auf den 2. Dec. hatten sich letztere schon des Hornwerks bemächtigt. Abbatucci vertrieb sie, an der Spitze seiner Grenadiere, doch leider traf ihn in derselben Nacht, als er sich auf der großen Insel, die der Stadt gegenüber liegt, befand, eine feindliche Kugel, die ihm eine tödtliche Wunde in der Seite beibrachte, woran er einige Tage darauf im 26. Lebensjahre starb. "Für's Vaterland", waren seine letzten Worte, wie sie wohl auch der Wahlspruch seines untadelhaftes Lebens gewesen waren. - Der Brückenkopf ergab sich hierauf den 5. Febr. 1797.

Moreau ehrte das Andenken seines Waffengefährten, nach dem Lüneviller Frieden, durch ein Denkmal, welches an derselben Stelle gesetzt wurde, wo er die tödtliche Wunde erhielt. Die Ereignisse des Jahres 1815 führten die Vernichtung desselben, so wie der Festungswerke von Hüningen herbei; der General, Graf Rapp, veranstaltete zur Wiederherstellung 1820 eine Subscription, die von dem glücklichsten Erfolg gekrönt wurde.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.