Jean Ernouf

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Ernouf (Johann Augustin)

dient seit 1789; Lieutenant im ersten Bataillon von Orne im J. 91; wurde nach und nach Hauptmann, Generaladjudant, Brigade-General, Divisions General; Chef des Generalstaabes den 12ten Nov. 94.

Besitzt die Talente seines Standes auf eine ausgezeichnete Art.


Jean Augustin Ernouf.

Jean Augustin, Baron Ernouf, General-Lieutenant, geb. zu Alençon.

Schon in seiner Jugend fühlte er, durch Plutarchs Lebensbeschreibungen begeistert, Neigung zum Soldatenstande und als der Krieg ausbrach, gewährte ihm seine wissenschaftliche Bildung schnelle Beförderung. Er diente bei der Nordarmee, erhielt nach der Schlacht bei Hondscoote den Rang als Brigadegeneral und ward kurz darauf zum Quartiermeister Jourdans ernannt. Der Sieg bei Avesnes (15. und 16. Octbr. 1793) oder Maubeuge über den Herzog von Coburg, erhob ihn zum Divisionsgeneral. Da jedoch Jourdan zu Folge der schlechten Witterung und der verdorbenen Wege von diesem Siege wenig Vortheile ziehen konnte, beschrieb der Wohlfahrtsausschuß den General Jourdan und seinen Generalquartiermeister nach Paris, um Rechenschaft abzulegen, was zu jenen Zeiten so viel hieß, als sich einem gewissen Tode zu überliefern. Beide rechtfertigten sich und wurden in gleicher Eigenschaft zur Moselarmee gesandt.

Der Herzog von Coburg belagerte gerade, als beide ankamen, nachdem er schon früher die vier stärksten Festungen an der französischen Grenze eingenommen, Cambray. Um den preußischen General zu verhindern, auf Paris loszugehen, mußte eine Armee bei Charleroi aufgestellt werden. Jourdan verließ daher das Lager bei Longwy mit 4 Divisionen seiner Armee, schlug die Preußen bei Arlon und Neufchâteau, überschritt die Maas bei Dinan, zog bei Charleroi die beiden Divisionen, woraus kurz zuvor die Ardennen-Armee bestand und 3 Divisionen der Nordarmee an sich, wurde dadurch 90,000 Mann stark und verwandelte den Namen dieser Armee in den der Sambre und Maas. Charleroi wurde berennt, allein die Belagerung mußte bei Annäherung des Herzogs von Coburg nach einem hitzigen Gefechte aufgegeben werden, wobei die Armee eine rückgängige Bewegung über die Sambre machte. Drei Tage darauf erschienen die Franzosen wieder vor Charleroi, welches sich am 25. Juni Abends und zwar gerade in dem Augenblicke ergab, als der Herzog von Coburg, zu seinem Entsatze, in den Ebenen von Fleurus erschien. Am folgenden Tage früh 3 Uhr griff der Herzog, der von der Uebergabe nichts wußte, den rechten Flügel der französischen Armee an, der sich geschlagen hinter die Sambre zurückzog. Jourdan, um gewisse Nachricht einzuziehen, schickte seinen Generalquartiermeister Ernouf, während man sich auf der ganzen Linie schlug, dorthin ab. Derselbe fand den General Lefebvre, der mit Hatry diesen Flügel gebildet, eben im Begriff die nöthigen Maßregeln zur Deckung seiner rechten Seite zu treffen, dennoch bemächtigte sich der Feind des Dorfes Lambufart, das heißt einer Stellung, wovon das Schicksal des rechten Flügels und somit auch der Armee abhing. Dieses Dorf mußte daher wieder genommen werden. Ernouf unterstützte ihn und verließ den rechten Flügel nicht eher, als bis dies geschehen und solche Maßregeln getroffen worden waren, daß die aufgestellten Truppen nicht wieder daraus verjagt werden konnten. Während Ernoufs Abwesenheit hatte man indeß dem Obergeneral berichtet, daß General Lefebvre aus Lambufart und dem dabei befindlichen Dorfe vertrieben und genöthigt worden wäre, über die Sambre zu gehen. Er gab daher Befehl zum Rückzug, der jedoch sogleich wieder zurückgenommen wurde, als er von Ernouf selbst die wahre Lage der Dinge vernahm. Das Centrum rückte vor und ein Cavallerieangriff entschied den Sieg dieses blutigen Tages, worauf sich die Oestreicher wieder aus Frankreich zurückzogen und auch jene vier Festungen räumten.

Die feindliche Armee zog sich über die Maas und verschanzte sich auf den Anhöhen von Chartreuse, die von vorn nicht angegriffen werden konnten. Ernouf erhielt daher den Auftrag, einen falschen Angriff auf Visé zu machen, um dadurch den Feind zu dem Glauben zu verleiten, daß die Franzosen hier über den Fluß setzen würden, während dieselben über die kleinen Flüsse Ourthe und Davailte auf dem linken Flügel des Feindes überzugehen Willens waren, und Ernouf führte diesen Angriff auf eine solche Weise aus, daß der Feind getäuscht, sein Lager verließ und sich nach Aachen und Jülich, um die Ruhr zu decken, zurückzog. Kurz darauf aber wiederum bei Jülich geschlagen, gingen die Oestreicher auch über den Rhein zurück, worauf Mastricht den Franzosen in die Hände fiel.

Auf gleiche Weise diente Ernouf in den folgenden Feldzügen bei der Sambre- und Maasarmee und rettete (1796) auf dem Rückzuge den großen Artilleriepark, der durch eine falsche Richtung fast dem Feinde in die Hände gefallen wäre. Nach dem Frieden von Campo Formio zum Director des Kriegsdepots ernannt, leitete er die Befestigung der Punkte an dem Rhein und der Maas, diente dann als Generalquartiermeister bei der Donauarmee, versorgte dieselbe mit allen dem, woran sie Mangel litt und führte auch bis zur Ankunft Massena's den Oberbefehl über dieselbe. In gleicher Eigenschaft ging er (1800) zur Alpenarmee ab, die sich darauf mit der italienischen vereinigte, wurde nach der Schlacht bei Novi Inspecteur der Infanterie, und ging (8. März 1803) als Generalcapitän nach Guadeloupe ab, wo er den Aufruhr dämpfte, die schwedische Insel St. Barthélemy eroberte und den Engländern durch Kaperschiffe großen Schaden zufügte. Doch im Jahre 1810 wurde Guadeloupe nach einer hartnäckigen Vertheidigung von den Engländern genommen. Er selbst wurde nach England geführt und erst nach 13 Monaten wieder freigegeben. Napoleon setzte ein Kriegsgericht zur Untersuchung seines Benehmens nieder, welches ihn jedoch von aller Schuld freisprach. Dennoch wurde er auf 20 Stunden weit von Paris verbannt und diese blieb er auch bis zum Falle Napoleons im Jahr 1814.

Ludwig XVIII. ernannte ihn zum Generalinspecteur der Infanterie in Süd-Frankreich und er befand sich gerade zu Marseille, als Buonaparte bei Cannes ans Land stieg. Der Herzog von Angoulême übertrug das erste Armeecorps, welches aus mehr als 25,000 Mann bestand, worunter sich aber auch 23,000 Mann Nationalgarde befanden. Ernouf ging über die Durance, theilte zu Sisteron sein Corps in 2 Haufen, wurde nun aber von den Linientruppen verlassen und sah sich daher, da indeß auch der Herzog von Angoulême capitulirt und Massena sich für Napoleon erklärt hatte, zum Rückzuge nach Marseille genöthigt. Die veränderte Gemüthsstimmung der Bewohner dieser Stadt verkürzte seinen Aufenthalt; er begab sich nach Italien, von wo er nach der abermaligen Wiedereinsetzung des Königs nach Paris zurückkehrte und neue Anstellung erhielt.


Berichte.

Ernouf. DivisionsGenerals, und Chef des GeneralStabs der Sambre- und MaasArmee; wegen der Unfälle, welche diese leztere erlitten, zur Verantwortung nach Paris abgefodert.


Quellen und Literatur.

  • Vollständige Rangliste aller Generale und General-Adjutanten in den Armeen der französischen Republik. 1796.
  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.
  • Europäische Annalen Jahrgang 1796 von D. Ernst Ludwig Posselt. Tübingen in der J. G. Cottaischen Buchhandlung 1796.|Ernouf]]