Jean Maximilien Lamarque

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Maximilian Lamarque, General-Lieutenant, geb. zu Saint Sever im Depart. des Landes.

Lamarque's Vater, der Mitglied der constituirenden Versammlung war, flößte ihm früh Liebe zum Vaterlande und zur Freiheit ein. Beim ersten Kriegsruf von 1792 ergriff er die Waffen als gemeiner Soldat, obwohl er, als einziger Sohn einer angesehenen Familie, auf eine Offizierstelle hätte Anspruch machen können. Er stieg bald bis zum Capitän und commandirte die Grenadiere unter Latour d'Auvergne. Mit 2000 Grenadiere nahm er Fontarabia ein, nachdem er über die Hälfte seiner Mannschaft bei dem mörderischen Angriff verloren und mit den 75, die ihm blieben, 1800 Gefangene und 80 Kanonen erbeutet hatte. Ein Decret des Convents, dem der 20jährige Held die eroberten Fahnen selbst überbrachte, ernannte ihn zum Generaladjutanten und er zeichnete sich hierauf nach einander in der italienischen, englischen und Rheinarmee aus und namentlich bei dem Siege von Hohenlinden. Nach dem Frieden von Lüneville befand er sich bei der nach Portugal bestimmte Armee unter Leclerc, dann in dem östreichischen Feldzuge von 1805 und erhielt nach dem Frieden den Auftrag, sich nach Neapel zu verfügen. In Tyrol mit seiner Begleitung unter einer Lawine begraben, entkam er wie durch ein Wunder. Auch behauptete er sich mit nur 8 Soldaten auf dem neapolitanischen Gebiete gegen die Schaar des bekannten Fra Diabolo, kam glücklich im französischen Lager vor Gaeta an und wirkte daselbst zur Einnahme dieses Platzes mit. König Joseph ernannte ihn, nach mancher glänzenden Waffenthat, zu seinem Flügeladjutanten, was er jedoch ausschlug, weil er in diesem Falle die französischen Fahnen verlassen mußte. Als Joachim, an Josephs Stelle, den neapolitanischen Thron bestieg, trug er Lamarque die Einnahme der Insel Caprea, ein zweites Gibraltar, auf und gab ihm dazu 1600 auserwählte Krieger. Diese, dem Anschein nach unbezwingliche Insel, wurde von dem nachmaligen Kerkermeister von St. Helena, Sir Hudson Lowe, befehligt. Die für unglaublich gehaltene That gelang und König Joachim ertheilte dem nunmehrigen Divisionsgeneral Lamarque eine Herrschaft in seinem Gebiet. Von hier zum Corps des Vicekönigs versetzt, zeichnete er sich bei Wagram auf das glänzendste aus und wurde, nachdem ihn König Joachim zur Eroberung Siciliens sich erbeten, nach Spanien geschickt, wo er die 3 Jahre seines Aufenthalts in fortwährendem Kampfe war. Bei der Räumung Spaniens erhielt er den gefährlichsten Posten, den Oberbefehl des Nachtrabs.

Unmittelbar nach der Rückkehr Napoleons von Elba ernannte ihn derselbe, da er bisher ohne Anstellung geblieben war, erst zum Commandanten von Paris, dann zum Obergeneral der Armee in der Vendée, wobei er sich mit so vieler Menschlichkeit und ächter Vaterlandsliebe benahm, daß ihn (27. Jun.) die Vendéer selbst aufforderten, sich mit ihnen zu vereinen und an ihrer Spitze sich jedem Versuch des Auslands zu einer Zerstückelung Frankreichs zu widersetzen. Auch gelang es ihm, nach der Niederlage von Waterloo, seine Armee unter den Waffen zu erhalten, die als die Proscription gegen ihn ausgesprochen wurde, die höchste Entrüstung darüber zeigte. Lamarque jedoch gab das Beispiel des Gehorsams und verließ Frankreich, wohin er jedoch im Nov. 1818 wieder zurückberufen wurde, nachdem er den gegen ihn ausgesprochenen Verleumdungen durch seinen berühmten Brief an den General Canuel widersprochen hatte.


Quellen und Literatur.

  • Dr. R. Fl. Leidenfrost's französischer Heldensaal oder Leben, Thaten und jetzige Schicksale der denkwürdigsten Heroen der Republik und des Kaiserreichs, insonderheit der Waffengefährten und Marschälle Napoleons. Ilmenau, 1828. Druck und Verlag von Beruh. Friedr. Voigt.