Johann Friedrich Cotta

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Cotta (Johann Friedrich), einer der angesehensten, kenntnißreichsten und verdienstvollsten Buchhändler Deutschlands, ist 1767 geboren.

Er behauptet, seine Abkunft bis zu dem alten römischen Geschlechte Cotta, das zur Zeit der Republik blühte, hinaufverfolgen zu können. Nach dem von Otto I. dieser Familie ertheilten und von Kaiser Sigismund bestätigten Adelsbrief, kam sie von Rom nach Mailand und von da nach Oesterreich und Sachsen. Von Eisenach, wo sie zur Zeit der Reformation in großem Ansehen stand, kam ein Zweig nach Dresden. Ein Sprößling desselben, der 1640 bei Zimmermann in Wittenberg die Buchhandlung erlernt hatte, zog nach einigen Jahren nach Tübingen, und gründete dort die noch bestehende Johann Georg Cotta'sche Buchhandlung.

Unser Johann Friedrich Cotta erhielt seinen ersten Unterricht auf dem Gymnasium zu Stuttgart. Er ward anfangs für die Theologie bestimmt, wählte aber nachher mit Genehmigung seines Vaters den Militärstand und studirte demnach mit besonderm Eifer Mathematik. Dieses Studium setzte er in Tübingen unter dem berühmten Professor Pfleiderer fort, der ihm eine Erzieherstelle bei dem damals vierjährigen Fürsten Lubomirski anbot, die er nach drei Jahren antreten sollte. Cotta nahm das Anerbieten an, und setzte mit Rücksicht auf diese Bestimmung seine Studien, die er auch auf die Jurisprudenz ausdehnte, fort, besuchte in Gesellschaft mit dem berühmten Kupferstecher Müller Paris, wo er mit den in der Literatur und den Wissenschaften ausgezeichnetsten Mäunern Frankreichs Bekanntschaft anknüpfte, und den Unterricht der besten Lehrer in der französischen Sprache, der Mathematik, Naturgeschichte u. s. w. genoß. Zugleich hatte er den Vortheil, hier mit einer Menge von Kunstansichten vertraut zu werden.

Nach seiner Rückkehr in Tübingen bot sich ihm eine vortheilhafte Anstellung dar; er verzichtete aber darauf, weil er dadurch die Versorgung seiner Schwester begründen konnte, ließ sich beim Hofgericht examiniren, und ward als Advocat an demselben angenommen. Die Rechtswissenschaft wurde aber weder practisch noch theoretisch von ihm fortgeübt, sondern alle Zeit und Bemühung den Naturwissenschaften gewidmet.

Die Zeit, wo er nach Warschau gehen sollte, war inzwischen gekommen; aber die Unruhen in Polen ließen ihn seine Abreise verschieben, und als er im Begriff war, eine ähnliche Stelle bei den Herren Mallet in Genf anzunehmen, zeigte sein Vater die entschiedenste Abneigung dagegen, und drang in ihn, die ihm angehörige Johann Georg Cotta'sche Buchhandlung zu übernehmen.

Er fügte sich dem väterlichen Willen, und trat auf diese Weise den 1. Dec. 1787 ein Geschäft an, von dem er keine Kenntniß hatte, das sich in einem Zustande des Verfalls befand und zu dessen kräftiger Emporbringung und Fortführung ihm alle Unterstützung von Hause fehlte. Er hatte unter diesen ungünstigen Umständen mit Sorgen und Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Dreihundert Ducaten, welche ihm die Fürsten Lubomirski als eine Entschädiung auszahlen ließ, verschafften ihm eine wesentliche Erleichterung.

Nachdem er sich mit rastlosem Fleiße mit dem Gang und der Natur seines Geschäfts bekannt gemacht hatte, beschloß er, fortan seine Unternehmungen von sich selbst ausgehen zu lassen.

In Verfolg dieses Grundsatzes entstand die Allgemeine Zeitung, und diese bewirkte die Verbindung mit Schiller, der nach und nach Verbindungen mit Göthe und mit so vielen andern Gelehrten und Künstlern vom ersten Range folgte, deren zum Theil classische Werke er in Verlag nahm. So gelang es ihm, durch Einsicht und Thätigkeit seine Handlung zu einer der wichtigsten in Deutschland zu erheben, und sich neben der Achtung seines Vaterlandes auch ein ansehnliches Vermögen zu erwerben.

Aber auch an den öffentlichen Angelegenheiten seines Vaterlandes hat Cotta Antheil genommen. Im J. 1799 ging er auf Veranlassung der würtembergischen Landschaft nach Paris, wo er gleich nach dem 18. Brumaire ankam und so glücklich war, den Entwurf eines Friedens zu erhalten, dem zufolge Würtemberg gegen 8 Millionen Livres eine hinlängliche Entschädigung an Ländern erhalten und als in Frieden mit Frankreich betrachtet werden sollte, welche Bedingungen man selbst noch gelten lassen wollte, als Moreau schon bei Hohentwiel stand.

Eine zweite Reise machte Cotta 1811 nach Paris, auf Veranlassung eines benachbarten Fürsten.

Auf dem Wiener Congreß erschien er unter den Deputirten der Buchhändler, um ihre Sache gegen die Nachdrucker zu führen, wo er jedoch keine reellen Resultate gewonnen hat. Nach seiner Rückkehr vom Congreß ward er zum Repräsentanten beim bevorstehenden Landtage gewählt. Auf diesem Posten gehörte er anfänglich zur Volkspartei, nahm aber späterhin die des Königs, worüber er vielen Anfechtungen ausgesetzt gewesen ist. Er erhielt nach dem Wiener Congreß den Titel als preussischer geheimer Hofrath und der König von Würtemberg hat den Adel seiner Familie unter dem Namen Cotta von Cottendorf erneuert.

Man vergl. eine umständlichere Biographie Cotta's in den Zeitgenossen N. XIV.


Von Reisende.

Christian Ulrich Detlev von Eggers

Cotta's Buchladen zählte ich mit zu den wichtigsten literarischen Hülfsmitteln für Tübingen. Dieser einsichtsvolle, thätige Mann macht sich durch seine Geschäfte sehr verdient. Ohne alles Vermögen, wie er den Buchhand anfieng, sieht er schon seinen Fleiß in jeder Rücksicht reichlich belohnt.

Sein großes Verdienst ist nach meinem Bedünken die allgemeine Zeitung. Er selbst entwarf den Plan, und führte ihn aus mit unglaublicher Anstrengung und Eifer. Er will sie gebrauchen vorzüglich als Vehikel zur Ausbreitung statistischer und politischer Kenntnisse. So wird sie auch im Frieden ein Interesse behaupten, was sie weit über alle ihre Schwestern erhebt. Insonderheit bemüht er sich, den größeren Artikeln, wovon wir schon manche glückliche Proben haben, Mannigfaltigkeit und bleibenden Werth zu geben. Zu dem Ende unterhält er eine weitläuftige Correspondenz, und wendet auf eine wahrhaft uneigennützige Weise Summen an, die größer sind, als Du glauben solltest. In so weit erreicht er seinen Hauptzweck vollkommen. Die Zeitung wird ungemein stark gelesen, und mit großem Beifall aufgenommen. Allein der Gewinn darauf steht kaum in Verhältniß mit den Aufopferungen. Calender und dergleichen Artikel für übergehende Moden bringen weit mehr ein.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Bemerkungen auf einer Reise durch das südliche Deutschland den Elsaß und die Schweiz in den Jahren 1798 und 1799 -- von C. U. D. von Eggers, königlich-dänischem Legationsrath, Oberprocüreur und Deputirten in der Deutschen Kanzlei. Fünfter Band. Kopenhagen, 1809. Bei Christian Georg Prost.