Johann Wilhelm von Archenholz

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Archenholz (Johann Wilhelm von), wurde geboren in Langenfurt, einer Vorstadt von Danzig.

In seiner Jugend verließ er das väterliche Haus, um mit mehreren Knaben seines Alters nach Breslau geschickt und Friedrich II. vorgestellt zu werden, der seine Aufnahme in das berlinische Cadettenhaus bewilligte. Hier genoß er eines Unterrichts, dessen er bei seiner vorigen mangelhaften Erziehung sehr bedurfte, und machte bedeutende Fortschritte. Er blieb bis 1760 in der Anstalt, welches damals von den Russen nach Königsberg geschickt, bald aber aufgelös't wurde, so daß der junge Archenholz noch in demselben Jahre in das damalige Regiment Renzel (zuletzt Winning) eintrat, und die Feldzüge von 1761 und 1762 mitmachen konnte.

Von seiner militärischen Laufbahn läßt sich nur so viel sagen, daß Friedrich der Große gegen ihn eingenommen wurde, und da er ihn als einen leidenschaftlichen Spieler kennen gelernt hatte, ihm seine Achtung, und die Erlaubniß, ferner zu dienen, entzog. Diese Abneigung des Königs war unveränderlich bis an seinen Tod, und ging so weit, daß Friedrich, dem Archenholz seine Reise durch England und Italien überschickt, und der sie mit Vergnügen gelesen hatte, das Werk augenblicklich zurücksandte, als er erfuhr, daß der Verfasser desselben mit jenem Archenholz Eine Person sey, den er von einer so ungünstigen Seite kannte.

Wenn wir den König bei dieser Strenge nicht ungerecht nennen dürfen, so scheint uns dieses Verhältniß, das einer Seits auf Archenholz frühern Charakter einen Schatten wirft, auf der andern Seite auch für einen schönen Beweis seiner Wahrheitsliebe und Redlichkeit gelten zu können, wenn wir erwägen, mit welcher enthusiastischen Verehrung und Liebe er stets an dem Könige und der preußischen Monarchie hing.

Archenholz verlies den preußischen Dienst, und soll seitdem keine Karte angerührt haben. Zugleich verließ er den Continent und ging nach England, wo er mehrere Jahre hindurch interessante Nachrichten über diese Insel sammelte, für die er seit lange eine große Vorliebe hegte.

Seine zweite große Reise führte ihn nach Italien. Bei einem Fall von Pferde brach er ein Bein, wurde schlecht geheilt und mußte zeitlebens hinken; ihn aber dieses Umstandes wegen als Schriftsteller der übeln Laune gegen dieses Land zu beschuldigen, scheint abgeschmackt, wiewohl seine Ungerechtigkeit gegen dasselbe nicht zu verkennen ist.

Sein England und Italien, die erste gelungene Probe darstellender Statistik in deutscher Sprache, liefert eine umständliche, nicht immer unparteiische Beschreibung dieser Länder, von deren innerem Zustande er sehr gründliche Kenntnisse erworben hatte, denn in Italien war er zwei Mal, in dem Jahre 1775, und später in den Jahren 79 und 80 gewesen, und in England hatte er in drei verschiedenen Perioden sechs Jahre lang, und zwar den größten Zeitraum von 1769 bis 1779 hindurch gelebt, und war daselbst mit mehreren der bedeutendsten Staatsmänner in Berührung gekommen.

Nach seiner Rückkehr in Deutschland wählte er Dresden zu seinem Aufenthalte, und schrieb die Geschichte des siebenjährigen Krieges, die das Verdienst des schönen Vortrags und einer mit Vollständigkeit verbundenen Kürze hat.

In Dresden verheirathete er sich, begab sich mit seiner Gattin nach Berlin, und gab daselbst den größten Theil seiner brittischen Annalen heraus. Die französische Revolution ward ihm die erste Veranlassung zu einem politischen Journal, dem er den Namen Minerva gab, und welches er, nur mit einer kurzen Unterbrechung, bis zu seinem Tode fortsetzte. Anfangs gab er es in Verbindung mit dem Buchhändler Joh. Fr. Unger zu Berlin heraus, der sich aber bald zurückzog, besonders da er eine Reise des Herrn von Archenholz nach Paris, wo er mit Assignaten und Bücherhandel stark und glücklich speculirte, nicht billigen konnte.

Herr von Archenholz begab sich von Paris nach Hamburg. Dieser neue Aufenthalt hatte manchen Reiz für ihn. Er ließ sich förmlich mit seiner Familie daselbst nieder, kaufte sich im Holsteinischen an, machte im J. 1810 eine Reise nach Berlin, kehrte aber nach einem Aufenthalte von sechs Monaten auf sein Gut Oyendorf, in der Nachbarschaft von Hamburg zurück, wo er den 28sten Febr. 1812 an einer Lungenentzündung und dazu getretenem Schlagflusse im 71sten Jahre seines Alters starb. Er ist auch der Verfasser des Lebens Gustav Wasa's und Herausgeber der Geschichte der Flibustier; beides Werke, die einer rühmlichen Erwähnung würdig sind. Er hinterließ eine Witwe mit drei Kindern, einem Sohn und zwei Töchtern.

Werke

  • England und Italien von J. W. von Archenholtz, vormals Hauptmann in K. Preuß. Diensten. Leipzig im Verlage der Dykischen Buchhandlung, 1787.
  • Annalen der Brittischen Geschichte des Jahres 1788 - [1796]. Als Fortsetzung des Werks England und Italien von J. W. v. Archenholz. vormahls Hauptmann in K. Preuß. Diensten. Hamburg, 1790. bey Benjamin Gottlob Hoffmann.
  • Geschichte des siebenjährigen Krieges in Deutschland von J. W. von Archenholtz vormahls königlich Preußischem Hauptmann. Berlin 1793. bey Haude und Spener.
  • Die Pariser Jacobiner in ihren Sitzungen. Ein Auszug aus ihrem Tagebuch, veranstaltet und mit Anmerkungen versehen von J. W. v. Archenholz. Hamburg, 1793. bey Benjamin Gottlob Hoffmann.
  • Der Krieg in der Vendée von J. W. von Archenholz vormals Hauptmann in Königl. Preußischen Diensten Leipzig und Hamburg 1794
  • Geschichte Gustavs Wasa, König von Schweden, nebst einer Schilderung des Zustandes von Schweden von den ältesten Zeiten an bis Ende des funfzehnten Jahrhunderts. Von J. W. von Archenholtz, vormahls Hauptmann in Königl. Preuß. Diensten. Tübingen 1801. In der J. G. Cottaschen Buchhandlung.
  • Historische Schriften von J. W. von Archenholz, ehemals Hauptmann in Königl. Preußischen Diensten. Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1803.
  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. [1792-1856] Herausgegeben von J. W. v. Archenholz.Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.