Johann von Österreich

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Johann Bapt. Joseph, Erzherzog von Oesterreich.

Erzherzog Johann.

Johann (Bapt. Joseph) Erzherzog von Oesterreich, Ritter des goldenen Vließes, Großkreuz des Theresien- und Leopoldsordens, General der Cavallerie xc. Bruder des Kaisers Franz, geboren den 20. Juny 1782.

Er ist Kenner und Beförderer der naturhistorischen Wissenschaften.

Im Jahre 1805 kommandirte er in Tyrol und machte einen meisterhaften Rückzug zu seinem Bruder, dem Erzherzog Carl, an den er sich anschloß.

Im Jahre 1809 kommandirte er die Armee in Italien, rückte glücklich vor, mußte aber nach dem unglücklichen Ausgang der ersten Schlachten in Deutschland, sich wieder zurückziehen und ging durch Steyermark nach Ungarn, wo er mit seinem Corps an der Schlacht bey Raab Theil nahm, und sich dann in der Gegend von Preßburg aufstellte. Nach erfolgtem Frieden ging er nach Wien.

Seit 1806 ist er Chef des Geniedepartements.


Johann Bapt. Joseph, Erzherzog von Oesterreich..

Johann (Bapt. Joseph), Erzherzog von Oesterreich, sechster Sohn Kaiser Leopolds II. und der Infantin Maria Louise, Carls III., Königs von Spanien, Tochter, geb. am 20. Jan 1782.

Die Ausbildung seines Geistes und Gemüths verdankt dieser treffliche Fürst mehr sich selbst als seinen Lehrern. Früh erwachte seine Neigung für die Kriegskunst, auf welche, wie auf die Geschichte, er seine Studien richtete. Vergebens hatte er gewünscht, in den Jahren 1797 und 1799 den Krieg unter seinem sieggekrönten Bruder Carl zu erlernen.

Nachdem dieser sich 1800 vom Commando zurückgezogen und Kray mehrere Unfälle erlitten hatte, empfing der Herzog Johann den Oberbefehl, und zwar einer geschlagenen Armee. Die erste Vorrückung war glücklich, aber am 3. Dec. 1800 geschah die entscheidende Schlacht von Hohenlinden. Eine Reihe von Verwirrungen kostete den Oesterreichern beinahe ihre ganze Artillerie und bei 40,000 Mann; eine zweite Schlacht bei Salzburg konnte den Sieger Moreau nicht aufhalten. Der Erzherzog zeigte an diesen Unglückstagen ungemeinen persönlichen Muth, und bot alles auf, den Geist der Truppen neu zu beleben.

Als der Lüneviller Frieden diesen Krieg geendigt hatte, ward er zum Generaldirector des Fortifications- und Geniecorps, und zum Director der durch ihn zur schönsten Blüthe erhobenen Ingenieursakademie zu Wien und Cadettenakademie in Wienerisch Neustadt ernannt.

Schon im September 1800 hatte er Tyrol bereiset; er besuchte es seitdem jährlich, und entwarf treffliche Plane für die dortige Volksbewaffnung, für die Vertheidigung der festen Plätze, für die Anlegung des Hauptwaffenplatzes bei Brixen.

Als im September 1805 der Krieg seinem Ausbruch nahe war, eilte der Erzherzog Johann mit dem Auftrage nach Tyrol, dort und in Vorarlberg die Milizorganisation in schnellen Vollzug zu bringen. Darauf befehligte er das Armeecorps in Tyrol, das die Baiern beim Passe Strub schlug, und die Scharnitz heldenmüthig, wiewohl vergebens vertheidigte. Als Buonaparte auf Wien marschirte, faßte der Erzherzog den genialen Entschluß, über Salzburg sich auf die feindlichen Communicationen zu werfen. Der Unfall der Brigade Szenassy hinderte ihn daran. Er vereinigte sich daher in Kärnthen mit dem Erzherzog Carl, dessen Absicht, Wien und die Monarchie zu retten, die Schlacht von Austerlitz und der darauf folgende Friede vereitelten.

Des Erzherzogs Johann Sammlungen und Studien hatten Tyrol zum Lieblingsgegenstande gemacht. Die erstern bestimmte er der Universität Innsbruck, die ihn zu ihrem beständigen Rector gewählt hatte. Nach dem Verlust Tyrols wendete sich seine Aufmerksamkeit auf die norischen Alpen, auf die Alpen von Salzburg, Steyermark und Kärnthen. Schon damals faßte er den Vorsatz zu Gründung des Johanneums in Grätz, den er 1811 verwirklichte. Seine Reisen galten jetzt dieser Alpenkette. Fürstlich von ihm unterstützt durchzogen Naturforscher, Antiquare, Zeichner und Maler das Land, dessen Gemälde in geschichtlicher, ethnographischer, staats- und landwirthschaftlicher Hinsicht möglichst vollkommen ans Licht treten sollte.

Als bald nach dem Tilsiter Frieden Oesterreich neue Rüstungen begannen, arbeitete der Erzherzog besonders an einem System des Angriffs und der Vertheidigung für Salzburg und Innerösterreich. Unter seinem Vorsitze wurden die großen Maßregeln der Reserven und der Landwehr beschlossen und ausgeführt. Er leitere durch Hormayr die Vorbereitungen zu der ruhmvollen Tyroler Insurrection. Beim Kriegsausbruch 1809 befehligte er die nach Italien und Tyrol bestimmte Armee von Innerösterreich. Er siegte bei Venzone, Pordenone, schlug bei Sacile den Vicekönig Eugen aufs Haupt, und war bis an die Etsch vorgedrungen, als der Unfall bei Regensburg ihn zum Rückzug nöthigte. An der Piave kam es abermals zu einer Schlacht, deren Ausgang zwar ungünstig, doch ohne große Folgen war. Das Treffen bei Tarvis entschied den weitern Rückzug. Jellachichs Fehler vereitelten den Plan des Erzherzogs, die ihm entgegenstehenden Feinde einzeln zu schlagen, die verlorene Verbindung mit Tyrol zu eröffnen, Innerösterreich zu befreien und durch einen Marsch gegen Wien Napoleon zu Detaschirungen zu nöthigen. Am 14. Juni verlor der Erzherzog die Schlacht bei Raab gegen den Vicekönig, durch die Schuld der ungarischen Insurrection. Er zog sich nach Comorn und Presburg. Bei der Schlacht von Wagram hatte er Befehl, sich mit dem äußersten linken Flügel des Erzherzogs Carl zu vereinigen. Die Unmöglichkeit, diesen Befehl in der gegebenen Zeit zu vollziehen, verursachte den Verlust dieser großen und entscheidenden Schlacht.

Nach dem Frieden widmete er sich ganz seinem Beruf als General-Geniedirector und Vorsteher der beiden Akademien, wie auch der Gründung des schon oben erwähnten National-Museums, welches seinen Namen trägt.

Im Feldzuge von 1815 erhielt der Erzherzog Johann ein Commando. Er besuchte zuvor Italien, wo er in Mailand als Stellvertreter des Kaisers die Huldigung annahm, und die Schweiz. Dann befehligte er die Belagerung von Hüningen, erzwang die Uebergabe in kurzer Zeit, und ordnete die Zerstörung dieser gefährliche Festung an. Darauf ging er nach Paris, besuchte England, und kehrte 1816 über die Niederlande nach Wien zurück.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.