John Moore

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Moore (Sir John), ein durch seine Thaten und seinen Tod in Spanien berühmt gewordenen englischen General, war geboren im J. 1760 zu Glasgow, wo sein Vater als Arzt und Gelehrter lebte.

Nachdem er hier den ersten Unterricht genossen und mit seinem Vater den Jungen Herzog von Hamilton von 1773 bis 78 auf seinen Reisen begleitet hatte, trat er in das 15ten Infanterieregiment und ging alle Grade bis zum Generalmajor durch, wozu er 1789 ernannt wurde. Die erste Gelegenheit, sich auszuzeichnen, fand er als Oberlieutenant im mittelländischen Meere 1793. Nachdem er zu Toulon gedient hatte, wurde er von Lord Hood nebst dem Major Köhler zu einer geheimen Sendung nach Corsica gewählt, um wegen der Uebergabe der Insel an die Engländer mit Pasqual Paoli zu unterhandeln. In Folge dieser Unterhandlungen wurde ein englisches Corps unter General Dundas auf Corsika gelandet, wobei sich auch der Obristlieutenant Moore befand. Dieser eroberte nach großen Anstrengungen den befestigten Platz Fornelli, und nahm gleich darauf an der Erstürmung von Calvi den entscheidensten Antheil. Obgleich gefährlich am Kopfe verwundet, drang er an der Spitze seiner tapfern Grenadiere in der Platz und ward vom General Stuart, dem gültigsten Richter kriegerischen Muths, öffentlich umarmt. Die Unterwerfung der ganzen Insel war die Folge dieser glücklichen Unternehmungen; eine General-Consulata unter Paoli's Vorsitz decretirte ihre Vereinigung mit England. Der Obristlieutenant Moore wurde unmittelbar darauf zum Generaladjutanten ernannt; allein aus unbekannten Gründen zog er sich das Mißfallen des Vicekönigs, Sir Gilbert Elliots, nachmaligen Lords Minto, zu, der seine Zurückberufung bewirkte. Moore der 1795 zum Obersten in der Armee befördert worden, und zugleich Obristlieutenant im 51sten Regimente war, ging darauf mit der Expedition unter Earl of Eglintouna nach Westindien. Die Armee, die unter Abercromby's Befehl stand, kam in Jan. 1796 auf Barbados an, und begann sogleich die Operationen. Moore wurde zur Unterwerfung von St. Lucia abgeordnet, die er auch glücklich vollendete. Nach seiner Rückkehr nach Europa wurde er abermals unter dem tapfern Abercromby bei der Unternehmung auf Holland angestellt; Moore hatte bei dieser Expedition, die völlig mißlang, weniger Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Inzwischen eroberte Bonaparte Aegypten; England schickte unter Abercromby ein zahlreiches Heer zur Vertreibung der Franzosen aus diesem Lande ab. Moore, der kurz zuvor General-Major geworden war, befand sich bei demselben. Er erhielt zunächst den Auftrag, sich zum groß-Vezier nach Jaffa zu begeben, kehrte aber von dort mit der Ueberzeugung zurück, daß von dem türkischen Heere keine Mitwirkung zu erwarten sey. Der englische Feldherr beschloß demnach, allein zu handeln, und bewerkstelligte am 5ten März 1801 bei Abukir die Landung seiner Truppen. Moore commandirte die Reserve, und war kaum ans Land gestiegen, als er an der Spitze seiner Brigade mit gefälltem Bajonnet die auf einer Anhöhe vortheilhaft aufgestellten Franzosen angriff und nach Alexandria zurückwarf. Er empfing dafür den öffentlichen Dank des Oberbefehlshabers. In dem blutigen Gefecht am 21. März, in welchem Abercromby auf dem Schlachtfelde blieb, hatte Moore mit der Reserve den Hauptangriff zu bestehn, und wurde, wiewohl nicht gefährlich, verwundert. Er genas zeitig genug, um an der Belagerung von Cairo und den folgenden Ereignissen bis zur capitulation der französische Armee Theil zu nehmen, worauf ihn die Wahl traf, diese Armee bis an den Ort ihrer Ausschiffung zu begleiten. Nachdem er darauf einige Zeit in dem Schooß seiner Familie verlebt hatte, bekam er zu der Zeit, als die Franzosen mit einem Angriff auf England drohten, den Befehl über eine in Kent zusammengezogne Armee. Im J. 1805 erhielt er mit dem Range eines Generallieutenants den Oberbefehl auf Sicilien, wurde aber bald von dort zurückgerufen und nach Schweden geschickt, um dem jungen Könige zur Seite zu seyn. Die Begegnung, die ihm, der kurz vorher Ritter des Bathordens geworden war, hier wiederfuhr, seine Verhaftung und seine Flucht sind Gegenstände, die noch ein Dunkel verhüllt, dessen Aufklärung erst von der Folgezeit zu erwarten ist.

Wenige Tage nach seiner Rückkunft in England wurde Moore mit einem Truppencorps nach |Portugal abgeschickt. Er war kaum ans Land gestiegen, als er sich zur Unterstützung der Spanier in Marsch setzte. Unter unzähligen Schwierigkeiten erreichte er Toro; den 21sten December 1808 stand er bei Sahague. Auf die Nachricht, daß Marschall Soult mit 16,000 Mann bei Saldana stehe, beschloß er, ungeachtet die Wege vom Regen fast unwegsam gemacht worden, einen Schlag auszuführen. Er gab den 23sten Abends den Truppen Befehl, in zwei Colonnen aufzubrechen. Aber zu derselben Zeit ging nicht nur die Nachricht von der Verstärkung des soultschen Corps, sondern auch von Romana die Meldung ein, daß ein französisches Corps von Madrid entweder auf Valladolid oder Salamanca marschire. Moore, der das gefährliche seine Lage vollkommen einsah, trat sogleich den Rückzug auf Corunna an, um sich dort einzuschiffen. Selten hat ein Heer mit so großen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, als die Engländer auf diesem Marsch. Mit dem Verlust das größten Theils ihrer Pferde und Bagage kamen sie endlich am 16ten Januar 1809 vor Corunna an, aber um die zum Einschiffen nöthige Zeit zu gewinnen, mußte der mit überlegner Macht ihnen auf der Ferse folgende Feind zurückgeschlagen werden. Moore stellte um Mittag seine Truppen in Schlachtordnung, und vereitelte durch seinen meisterhaften Anordnungen alle Versuche, welche die Franzosen abwechselnd, auf die Flügel und das Centrum richteten. Aber in dem Augenblick, wo er nach einer kurzen ermunternden Anrede an der Spitze des 42sten Regiments gegen den Feind vordrang, schmetterte ihn ein Kanonenkugel nieder. Er starb als Held mit der Beruhigung, gesiegt und das Heer vom Untergange gerettet zu haben.

Das dankbare Vaterland ehrte sein Andenken durch ein Denkmal in der Paulskirche. Ein anderes Denkmal errichtete ihm seine Vaterstadt Glasgow.


General Moore's Todt.

General Moore erhielt in der Schlacht bei Corunna am 16ten Jan. die tödtliche Wunde, als er gerade die Garde zum Angriff commandirte. Die Kanonenkugel ging erst ungefähr 20 Yards von ihm in die Erde, sprang wieder auf und ging ihm durch die Schulter. er stürzte vom Pferd, stand wieder auf und wollte wieder aufs Pferd steigen, als er bemerkte, daß ihm der Arm abgeschossen war. Man führte ihn alsdann auf einen Wagen fort. Die Chirurgen wunderten sich, daß er nicht gleich gestorben sey, da ihm die Kugel die ganze Seite zerschmettert hatte. --Oberst Graham, der dem General Moore zur Seite war, erhielt Sand und Steine durch eben die Kugel an den Kopf, verlor bald darauf sein Pferd und bestieg hernach das Pferd des Generals Moore.

Gedachter General ist in seiner Uniform und ohne Sarg, seinem Willen gemäß in einem Grabe beerdigt worden, welches die Offiziere seines Staabs in der Citadelle von Corunna gegraben hatten. Er hatte keinen Wunsch zu erkennen gegeben, daß sein Leichnam nach England gebracht werden möchte. Der Leichnam des Generals Anstruther ward zugleich zu Corunna beigesetzt.

Die Mutter des Generals Moore war auf die Nachricht von seinem Tode untröstlich und wollte längere Zeit weder Speise noch Trank zu sich nehmen. Dem Andenken ihres heldenmüthigen Sohnes soll nun zu London ein Monument in der St. Pauls Kirche errichtet werden.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.