John Stuart, Count of Maida

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General Sir John Stuart, Befehlshaber der Brittischen Truppen auf der Insel Sicilien; eine biographische Skizze.

Da bey der Expedition, womit von Calabrien aus die Insel Sicilien bedroht worden, die öffentliche Aufmerksamkeit bisher auf diese Insel gerichtet gewesen, so werden folgende Nachrichten nicht unangenehm seyn, welche ein Englisches Werk über den General John Stuart enthält, den man in England mit den Nahmen des Helden von Maida belegt, der die Truppen auf Sicilien commandirt, und die dasigen Vertheidigungs-Anstalten leitet:
Sir John Stuart of Maida.

Sir John Stuart ward im Jahre 1760 gebohren, Er stammt von einer Schottischen Familie, und sein Vater hielt sich im nördlichen Theil dieser Insel auf. Jedoch begab er sich schon frühzeitig, sey es aus Liebe zu Abentheuern, oder zur Unabhängigkeit, nach Nord-Amerika, welches damals noch eine Brittische Colonie war. Viele Jahre hindurch verwaltete er dort den wichtigen Posten eines Oberintendanten der Indischen Angelegenheiten, dem zu folge er sich oft unter den wilden Völkerschaften aufhielt.

Aus Mangel an guten Erziehungsanstalten in den Provincial-Gouvernements pflegte man damals von den Colonien aus, die Jugend nach England zur Erziehung zu senden.

Auch der junge Stuart wurde dem zufolge von Süd-Carolina nach Westminster gesandt, wo der Doctor Smith damals die Schul-Anstalten dirigirte. Als Stuarts-Vater im Jahre 1782 starb, entschloß sich unser John, sich dem Soldatenstande zu widmen. Nachdem er nach Charlestown gereiset, um seine Familie-Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, trat er unter die Garde und nahm an der Schlacht von Guildford Theil, wo die Englischen Waffen siegreich blieben. Unser Stuart wurde bey dieser Gelegenheit in der Seite verwundet, welches ihm nachher noch eine schmerzhafte Operation zugezogen hat.

Bald nach dieser Zeit ereignete sich ein unglücklicher Streit in dem Bataillon, worin er diente, und Stuart war der einzige, welcher die Parthey des Obersten Gordon nahm. Nur mit Mühe erhielt er eine Compagnie, da es ihm an Geld und Gönnern fehlte, welche, wie bekannt, bey der Brittischen Armee unumgänglich nothwendig sind, um sein Glück zu machen.

Doch traten Umstände ein, wodurch seine Talente entfaltet und sein Avancement befördert wurde. Die Waffenruhe zwischen dem Americanischen und Französischen Kriege war dem militairischen Geiste nicht günstig, und mancher Soldat sehnte sich nach einer Epoche, wo er sich auszeichnen könnte.

Das Jahr 1793 brachte darauf einen Kampf hervor, in welchen nicht blos England, sondern ganz Europa verwickelt wurde. Sir J. Stuart fand bald seinen Wünschen gemäß, eine Anstellung. Freylich war der erste Schauplatz seiner Operationen in einem wenig günstigen Clima; denn wir finden ihn im Jahre 1795 als Brigadier in Westindien. Gegen das letzte Ende des ersten Kriegs-Jahrs wurde eine große Expedition unter Anführung des Generals, Grafen Grey, damals Sir Charles genannt, ausgerüstet. Die Campagne war über Vermuthen glücklich; denn Martinique, Guadaloupe, und St. Lucie wurden in kurzer Zeit bezwungen, während die kleinen Niederlassungen von Mariegalante, und les Saints ohne Kanonenschuß sich den Engländern ergaben.

Während dieser Zeit erschien in Westindien ein Mann, der sich durch seine Entschlossenheit furchtbar machte. Dies war der berühmte Victor Hughes, (zuletzt Gouverneur von Cayenne) der aus Französischen Häfen mit wenigen Fregatten, die 1500 Mann Truppen an Bord hatten, am 3ten Juny 1794 vor Guadaloupe erschien, und nachdem er Point a Petre gestürmt hatte, bald von der ganzen Insel Besitz nahm, welches nicht sowol durch das Schrecken seiner Waffen, als durch eine furchtbare Proclamation geschah, worin man allen Sklaven Freiheit versprach, wenn sie für die Republik die Waffen ergreifen würden. Bei dieser Gelegenheit griff Brigadier-General Stuart, mit einer geringen Anzahl Mannschaft, welche durch Krankheit sehr geschwächt und verringert war, das Fort Vieux an, und nahm es. Hierauf traf er den Feind zu Souffriere, zersprengte den ihm gelegten Hinterhalt und scharmuzirte mehrere Stunden hindurch mit den Feinde. Doch war er zu schwach, als daß er lange hatte Widerstand leisten können, zumal da, wie schon angeführt, die Neger allgemein die Waffen ergriffen.

Von Westindien ging Stuart nach Mittelländischen Meere, und übernahm hier das Commando des Regiments Minorca oder Stuart. 1801 finden wir ihn bei der Expedition nach Aegypten angestellt, welches Land, nachdem Bonaparte es verlassen, dem General Menou anvertrauet worden war, der, um sich den Eingebornen gefällig zu machen, den Namen Abdallah annahm, eine Eingeborne heirathete, und sich genau nach den Vorschriften des Mahomedanismus richtete. Am 8ten Februar erfolgte die Landung der Engländer bei Marmorice. Bei dieser Gelegenheit vertraute man dem Brigadier-General Stuart das Commando über die Regimenter Minorca, de Rolles und Dillon an.

Am 12ten rückte die Armee vorwärts, und stieß auf ein feindliches Corps von 6000 Mann, welches sich sehr vortheilhaft auf einer Kette Sandhügel postirt hatte, so daß seine rechte Flanke nach dem Canal von Alexandrien stand, die linke aber nach der See zu. Am 13ten kam es zum Gefecht, die Franzosen kamen in die Ebene herunter, wurden aber bald gezwungen, sich wieder auf ihre Anhöhen zurückzuziehen, welche die Reserve vielleicht hätte wegnehmen können; doch hielt der Commandeur en Chef dieses nicht für dienlich, sondern zog siegreich seine Truppen bis zu der Stelle, wo der Feind seine Position gehabt hatte, zurück. Dieses konnte jedoch nicht ohne Verlust bewerkstelligt werden, denn der tapfere General Sir Ralph Abercromby, der unglücklicherweise sehr kurzsichtig war, hatte die Entfernung nicht genau genug abgemessen, so daß die Englischen Truppen von den feindlichen Kanonen erreicht, 113 Todte und 945 Verwundete verloren.

General Menou sammelte hierauf seine Truppen und marschirte mit dem Entschluß, die Engländer selbst anzugreifen, von Cairo ab. Am 21. März trafen sie bei Abukir zusammen. Wüthend griffen die Franzosen an, und konnten erst nach mehrern glücklich abgeschlagenen Angriffen zurückgetrieben werden. Am heißesten ging es auf dem rechten Flügel der Engländer zu, denn dieser wurde von 12 Französischen Halbbrigaden und fast von der ganzen Cavallerie angegriffen. Dreimal stürmten sie eine Batterie; doch mit dem Bayonnet empfangen, mußten sie zurückweichen. Das 42ste Englische Regiment, das wiewol tapfer fechtend sehr gedrängt wurde, war schon auf dem Punkt zurückzuweichen, als der Brigadier-General Stuart plötzlich demselben zu Hülfe kam, und in die Flanke der Franzosen fiel. In diesem kritischen Augenblick neigte sich der Tag; eine erhabene Scene; denn während die Kanonen donnerten, focht Mann an Mann, ja viele gebrachten die Kolbe ihrer Gewehre. Nach einer Viertelstunde zogen die Franzosen sich zurück, und wurden vorzüglich von den Deutschen 40 bis 50 Yards verfolgt. Nach der Einnahme von Cairo und Alexandrien ward die Französische Armee gezwungen, sich wieder einzuschiffen.

Am 29sten April 1802 avancirte Stuart zum General-Major, und wurde vom Sultan mit den Insignien des halben Mond-Ordens beschenkt. Nach dem Frieden von Amiens erhielt der General eine specielle Mission nach Aegypten. Auf seinem Wege dahin besuchte er Constantinopel, wo er noch mit genauer Noth der damals dort sehr graffirenden Pest entging.

Der am 27sten März 1802 mit Frankreich abgeschlossene Friede war, wie bekannt, nur von kurzer Dauer, und so bald die Kriegsflamme wieder aufs neue um sich griff, wurden diejenigen Befehlshaber, welche in Aegypten mit Ruhm gedient hatten, wieder angestellt. Unter diesen befand sich auch unser Stuart, dem diesesmal ein Commando anvertraut wurde, wo er sich noch mehr in seiner ganzen Kraft zeigen konnte.

Ferdinand der 4te wurde mit seiner Familie gezwungen, Neapel mit der Insel Sicilien zu vertauschen, und fand unter dem Schutz der Englischen Escadre Sicherheit. Partheigänger suchten, während Napoleon seinen Bruder auf den Neapolitanischen Thron setzte, auf Geheiß Ferdinands in diesem Reiche und in Calabrien Unruhen zu erregen. Auch Sir John Stuart glaubte, es sei ein gelegener Zeitpunkt, eine Invasion dahin zu unternehmen. Er befand sich damals mit einem ansehnlichen Corps Englischer Truppen auf Sicilien, mit dem er am Ende des Septembers 1806 nach dem Neapolitanischen absegelte; bei St. Eufemia wurden gegen 5000 Mann Truppen gelandet, und man fing sogleich an, offensive zu agiren. General Regnier, mit dem er schon in Aegypten zusammengestoßen war, erhielt sogleich Nachricht davon und sammelte seine zerstreuten Truppen, um den Engländern entgegen zu gehen. Mit 4000 Mann Infanterie, 200 Mann Cavallerie und 4 Kanonen brach er aus seinem Hauptquartier zu Reggio auf, in der Hoffnung, sich in den nächsten Tagen mit 3000 Mann zu verstärken.

Sir John Stuart.

Kaum erfuhr dieses General Stuart, als er schon am 4ten July avancirte, um theils der angreifende Theil zu seyn, theils aber der Ankunft der feindlichen Verstärkung vozubeugen. Major Fischer wurde mit einigen Compagnien vom Regiment Watteville zur Deckung der Gestade zurückgelassen, und mußte die Werke besetzen, welche man dort gleich nach der Landung an der Küste aufgeworfen hatte. Contre-Admiral Sir Sidney Smith traf zu gleicher Zeit alle Anstalten, um das Corps im Fall eines Rückzugs zu decken. So rückte General Stuart mit seinen Truppen bis nach der Ebene von Maida vor, ungefähr 10 Meilen von seinem Landungsplatze entfernt. Alle Hindernisse der feindlichen Stellung wurden von den Engländern überwunden, und nach einem hartnäckigen Gefecht mußten sich, wie bekannt, die Französischen Corps nach Tarento zurückziehen, und das ganze jenseitige Calabrien ward geräumt. So bald die Nachricht dieses Sieges in London ankam, wurden die Kanonen vom Tower gelöset, und am 22sten Decemb. 1806 trug Lord Grenville auf eine Dankaddresse im Oberhause an, welche einstimmig bewilligt wurde.

Sir John Stuart erhielt die Insignien des Bathordens, und die Regimenter, welche sich in dieser Schlacht tapfer gehalten hatten, durften den Namen Maida zum Andenken ihrer Tapferkeit auf ihren Fahnen setzen lassen.

Seiner geschwächten Gesundheit wegen hielt sich Stuart in der Folge einige Zeit in England auf, ward aber späterhin auch auf Ansuchen Ferdinands IV. wieder nach Sicilien gesandt, um als Ober-Commandeur diese Insel gegen feindliche Angriffe zu decken.


Quellen und Literatur.

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1810.