José de Palafox y Melci

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Palafox (Don José de), der berühmte Vertheidiger von Saragossa, einer der ersten unter Spaniens Helden, die für das Vaterland und Freiheit fochten, stammt aus einer vornehmen arrogonischen Familie. Von seiner Erziehung und Bildung ist nichts bekannt, als daß sein Vater darauf viel Sorgfalt gewandt hatte. Dies, der allgemeine Nationalcharakter und eine ernste Zeit haben seine seltenen Anlagen entwickelt.

Die Regierung des Günstlings Carl IV. hatte alle Gemüther aufgebracht; der schändliche Prozeß gegen den Prinzen von Asturien im Escurial hatte die Spannung und die Erwartung eines bessern Zustandes der Dinge aufs höchste gesteigert. Nichts empörte zu jeder Zeit den Spanier mehr, als Unrecht und Unterdrückung. Da rückten im J. 1808 französische Heere gegen Madrid vor, und der Haß gegen den Verderber des Nationalruhms und der Ehre des Monarchen, den Fürsten de la Paz, brach in Aranjuez los. Mit leidenschaftlichem Jubel ward der junge, bisher unterdrückte, von der eigenen Mutter verfolgte, Ferdinand als König von der ganzen Nation begrüßt. Aber in diese Freude mischte sich der Zorn einer stolzen Nation und glühender Volkshaß gegen die Franzosen. Die kühnen und kräftigen Männer, vor allen aber die Frauen (denn dieses Geschlecht ist in Haß und Liebe das stärkere) wurden Feuer und Flamme, als fremde Gewalt und List ihre Schlingen um den Nacken des Spaniers zu werfen drohten. Indeß hatte, wie überall, England ausgenommen, so auch Spanien der Adel im Ganzen weniger Spannkraft und Erhebung, als das Volk. Halbheit in Gesinnung und That machte die Großen dem leidenschaftlich erregten Bürger verdächtig. Mancher rechtliche Hidalgo, in Würden und Ehren ergraut, aber ohne kühnen Männersinn, ward ein Opfer der Volkswuth. Desto gefeierter waren die Wenigen unter den Großen, welche im Geiste des Volks handelten.

Der Gefeiertsten Einer ist Palafox, ein Mann von ungefähr 47 Jahren, gegenwärtig Generalcapitain von Arragonien. Er hatte Ferdinand VII. nach Bayonne begleitet. Als er seinen König betrogen und gefangen sah, entfloh er, und begab sich nach Saragossa, der Hauptstadt seines Geburtslandes, die vor dem Kriege gegen 60,000 Einwohner zählte. Hier wandte er mit ungewöhnlicher Thätigkeit Alles an, um einen Einfall der Franzosen in Arragonien zu verhindern.

Zugleich trat das Volk im Süden unter die Waffen. Zu Sevilla bildete sich eine Insurrections-Junta. Auch Navarra und Catalonien bewaffneten sich gegen Frankreich, wie Arragonien. Zu Saragossa erschossen die Bauern den Obersten des Dragoner-Regiments König, und ermordeten 33 andere Offiziere desselben Regiments, als Anhänger der Franzosen und Verräther des Vaterlandes. Bald entstand auch hier eine Insurgenten-Junta, welche die Mitglieder der bayonner Junta ächtete, und hohe Preise auf ihre Köpfe setzte. Die Heere Napoleons in Spanien sahen überall sich umzingelt von tödtlichem Hasse und aufgestandenen Völkern. So nahm im Mai 1808 der Insurrectionskrieg in Spanien seinen Anfang.

Im Norden und Castilien siegte zwar die französische Kriegskunst über die in wilder Unordnung aufgährenden Volksmassen; aber im Süden ordnete Castaños, in Arragonien leitete Palafox den Widerstand mit glücklicherm Erfolge. Jetzt brach General Lefevre mit 3000 Mann von Pampeluna gegen Saragossa auf; er schlug bei Tuleda einen Insugentenhaufen, und ließ die Anführer hinrichten. Vergebliche Strenge; vergebliche Siege in der Ebene! Saragossa widerstand; dorthin floh bewaffnet, wer an dem Vaterlande nicht verzweifelte. Die Hauptstadt Arragoniens war der Brennpunkt der spanischen Insurrection. Hier erließen die Insurgenten-Häupter die wüthendsten Proclamationen. Hier erklärte Palafox, nach der stärksten Apostrophe an den französischen Kaiser, den 31sten Mai, daß Napoleon, daß alle Mitglieder seiner Familie, daß jeder General und französische Offizier für die Sicherheit Ferdinands VII., seines Bruders und Oheims, persönlich verantwortlich seyn sollten. Es lag also dem Kaiser Alles daran, dieser Stadt sich zu bemächtigen. (Ueber die Geschichte ihrer Belagerung s. unten den Art. Saragossa.)

Palafox heldenmüthige Vertheidigung der Stadt gründete seinen Ruf als Bürger, Krieger und Feldherr in dieser, wie in der zweiten noch blutigern Belagerung. Alle Bewohner der Stadt wetteiferten aber auch einmüthig mit ihm in Aufopferung und Standhaftigkeit. Vorzüglich muß hier die Gräfin Burita genannt werden, welche mit den vornehmsten und reichsten Damen einen Verein bildete, um den verwundeten Beistand zu leisten. Man sah sie und andere edle Frauen unerschrocken, mitten unter Kugeln, Bomben und Kleingewehrfeuer, Erquickung und Hülfe den Kriegern darreichen. Dieser Geist erhob jetzt die ganze spanische Nation.

König Joseph verließ Madrid schon am 1sten August, und zog sich nebst den einzelnen, sehr geschwächten französischen Heerhaufen nach Vittoria zurück.

England hatte ein Trutz- und Schutzbündniß mit der spanischen Nation gegen Frankreich abgeschlossen, und die hohe Junta stellte ein Heer von mehr als 100,000 Spaniern unter den Befehl der Generale Palafox, Castaños, Caro, Cuesta und Blake. Der Erstere hatte sich nämlich mit der Junta, deren Befehle er anfangs nicht allemal beachtete, verglichen, und um die Eintracht des Ganzen zu fördern, sich ihr unterworfen, so daß er von seinem aus 25,000 Mann, größtentheils bewaffneten Bauern, bestehenden Heere, 10,000 Mann zur Unterstützung des in Catalonien commandirenden Generals Veres absandte, damit Barcellona enger eingeschlossen würde. Jetzt führte auch der Marquis de Romana 10,000 Spanier von Bernadotte's Heere aus den dänischen Inseln hinweg, über England nach Spanien zurück. Zugleich mußte Junot ganz Portugal räumen.

Wer hätte da nicht die Befreiung der Halbinsel gewiß erwarten sollen! Aber die spanische Junta und die Heerführer verloren in der Ausrüstung und Waffenübung der neugeworbenen Heere die Zeit, wo Blake und Cuesta, mit Unterstützung der Engländer, von Santander her gegen den rechten feindlichen Flügel, Castaños, Caro und Palafox aber von vorn angreifend gegen den linken Flügel des Feindes vordringen, und die Franzosen über die Pyrenäen bis Bayonne zurückwerfen konnten.

Daher vollzog nun Napoleon seine in Erfurt sicher gestellten Entwürfe. Die Siege bei Espinosa, Burgos, Tudela und auf den Höhen der Somo-Sierra, die Eroberung von Santander und Madrid, unterwarfen ihm Navarra und Castilien, während Marschall Moncey den General Palafox, welcher vergebens (seit dem 15ten November 1808) über Pampeluna dem linken französischen Flügel in den Rücken zu kommen gesucht hatte, mit dem rechten Flügel der spanischen bei Tudela den 23sten November geschlagenen Centralarmee auf Saragossa zurückwarf.

Im Januar des folgenden Jahrs wurden die Engländer gezwungen, sich in Coruña einzuschiffen; St. Cyr eroberte Rosas und entsetzte Barcellona; Victor aber schlug die Trümmer der spanischen Heere bei Cuenca. Da hoffte Napoleon, der südliche Theil von Spanien und Portugal werde sich durch Ueberredung und Drohung gewinnen lassen; es sey ihm nur Saragossa's Eroberung übrig, um seine Herrschaft auf der Halbinsel zu befestigen. Hier aber hielt Palafox ein zweites Mal die Entwürfe des Kaisers auf, wie unter dem Art. Saragossa umständlich erzählt wird.

Nach der Uebergabe von Saragossa ward der kranke Palafox mit Härte behandelt, und blieb lange als Gefangener in Frankreich. Man kann Bonaparten vorwerfen, daß er das Verdienst eines überwundenen Feindes nicht geehrt und das Unglück nicht geachtet habe. Der Vertheidiger von Saragossa würde der Washington Spaniens geworden seyn, hätte er einen umfassender Geist gehabt, und jene Alles ordnende und tiefbegründenden Staatskunst besessen.

Nach dem Abschlusse des Traktats von Valencay vom 11ten December 1813, den bekanntlich die Cortes verwarfen, da er ein Vertrag zwischen dem Wolfe und dem Lamme war, wurde Palafox aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Er überbrachte damals den Cortes in Madrid einen Supplementar-Artikel zu jenem Vertrage, nach welchem Catalonien von den Franzosen geräumt, und die Kriegsgefangenen ausgewechselt werden sollten; zugleich sandte Ferdinand VII. durch ihn den Befehl an die Regentschaft, jenen Traktat zu vollziehen, indem er ihr seiner Rückkehr nach Spanien anmelden ließ. Palafox erklärte sich bei der bald darauf erfolgten Auflösung der Cortes für unumschränkte königliche Gewalt.

Ferdinand ernannte ihn im Jahr 1814 zum General-Capitain oder Statthalter von Arragonien, wo er den in Saragossa und an andern Orten von der Bürgermiliz erregten anarchischen Unordnungen mit Kraft Einhalt that.

Den 8. Mai 1815 übergab ihm und dem General Giron der König den Oberbefehl über die Armee von Arragonien, welche nebst der von Catalonien und von Navarra, zusammen 60,000 Mann stark, gegen Frankreich vorrückte, um zu Bonaparte's Wiederverdrängung von französischen Throne mitzuwirken.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.