Josef Milbiller

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Milbiller (Jos.), ein sehr verdienter historischer Schriftsteller, der am 28sten Mai 1816 als baierischer geistlicher Rath und Professor der Geschichte, Geographie und Statistik in Landshut gestorben ist.

Er ward zu München am 5ten Oct. 1753 geboren. Schon frühe schrieb er die für Baierns Culturgeschichte noch jetzt beachtenswerthe Zeitschrift, der Zuschauer in Baiern. Aber diese und sein Antheil an Zaupfers Annalen der baierischen Literatur zogen ihm 1785 bei Gelegenheit der Verfolgungen der Illuminaten, denen er doch nicht angehörte, das Schicksal zu, aus seinem Vaterlande vertrieben zu werden. 1794 erhielt er auf ähnliche Weise seine Entlassung in Passau, wo er eine Professur erhalten hatte. Hierauf privatisirte er in Leipzig, mehrere Jahre in Halle und auch in Wien. 1799 ward er von dem jetzigen Regenten Baierns als Professor der Geschichte an der Universität in Ingolstadt angestellt, und dann mit dieser nach Landshut versetzt.

Ausser seinen zweckmäßigen Compendien über die Geschichte der Deutschen, die Geschichte von Baiern und die Statistik, machte er sich verdient durch die Fortsetzung von Riesbeks Geschichte der Deutschen, und besonders durch die Beendigung von Mich. Ign. Schmidts bekanntem Werke. Wenn auch diese Schriften sich nicht durch tiefe Forschung oder Genialität der Behandlung auszeichnen, so erscheint in ihnen doch der Verfasser als ein trefflicher Geschichtslehrer, und sie sind in dieser Beziehung sehr schätzbar. Unter den Schriften ohne seinen Namen verdienen Auszeichnung die pragmatische Geschichte des Hildebrandismus (Lpzg. 1797. 2 Bde.) und das anziehende Gemählde der Thorheiten seiner Zeit, "Sincerus, der Reformator," 1787.

Er war hierbei nicht blos ein nützlicher Schriftsteller und ein Lehrer von der reinsten und unbefangensten Wahrheitsliebe und Billigkeit, sondern auch ein ruhiger, besonnener und friedliebender Mensch.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.