Josef Speckbacher

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Speckbacher (Joseph), geb. am 14ten August 1768 in dem tyrolischen Dörfchen Rinn, zwischen den Städten Innsbruck und Hall, eines der vorzüglichsten Häupter der tyroler Insurrection von 1809.

Obschon seine Aeltern nicht unvermöglich waren, brachte er dennoch seine Jugend als Wildschütze zu, weit berühmt durch sein herrliches Auge, seine Stärke und Gewandtheit, wie er dann schon als Knabe einen Raubbären erlegte, und einen gefangenen Lämmergeier mit bloßen Händen fortschleppte. Späterhin bestellte er theils in Ruhe und Frieden sein Gütchen, theils lieferte er Holz zu den Salinen von Hall.

Er war seit Jahren einer der Vertrauten des Landwirths Hofer, und nach der schmerzlichen Losreißung Tyrols von Oesterreich einer der Mittelpunkte der mit der bayerschen Regierung Mißvergnügten, und nach dem alten Herrn Verlangenden.

Am 12ten April 1809, dem Tage das Ausbruches der Insurrection, überfiel Speckbacher die bayrische Garnison der Stadt Hall], und fing mit den haller Kronenwirthe Joseph Straub die von Innsbruck entkommene bayrische Cavallerie. In den Treffen von 25sten und 29sten Mai, welche die Hauptstadt Innsbruck und ganz Tyrol zum zweiten Male befreiten, that sich Speckbacher besonders hervor. Sein zehnjährige Sohn blieb ihm von Stunde an zur Seite. Nicht geringeren Muth und Reichtum der Erfindung zeigte er bei der Blokade von Kufstein.

Als kraft des znaimer Waffenstillstandes, die Oesterreicher Tyrol evacuirten, dieses aber dennoch fortfuhr verzweifelte Gegenwehr zu leisten, war auch Speckbacher unter den Vordersten in den Gefechten vom 4ten, 6ten und 7ten August, und in der Schlacht von Innsbruck am 13ten August, welche den Marschall Herzog von Danzig zwang, gänzlich aus Tyrol hinwegzufliehen.

Nach dieser dritten Befreiung verband Speckbacher der tyrolischen Vertheidigung auch das salzburgische Gebirgsland, am 16ten September erfocht er bei Lofer und Luftenstein entscheidende Vortheile, wurde aber am 16ten October bei Melleck geschlagen, sein Sohn gefangen; er selbst entkam nur mit genauer Noth.

Die Kundmachung des wiener Friedens in Tyrol ließ das oft getäuschte Volk in vielfältigem Zweifel. Auch Speckbacher ließ sich täuschen, und glaubte an eine Wiedererneuerung des Kriegs. Er flüchtete nun mit unglaublicher Rastlosigkeit von Alpe zu Alpe, verbarg sich geraume Zeit unter Schnee und Eis in einer unbekannten Höhle, sieben Wochen lang war er in seinem eigenen Stalle verscharrt, endlich im Mai 1810 flüchtete er über die Gebirge nach Wien. Hier erhielt er Obristens-Pension, und sollte die für die Tyroler im temeswarer Banat neugestiftete Colonie organisiren.

Beim Ausbruche des Krieges von 1813 schlich er sich wiederum nach Tyrol hinein, und obgleich es zu keiner entscheidenden Waffenthat kam, leistete er dennoch vortreffliche Dienste. Nach so vielen Auszeichnungen, Mühseligkeiten und Gefahren verdiente er es allerdings, an dem unvergeßlichen feierlichen Tage der Anführer der bewaffneten Schützenmannschaft zu seyn, an welchem die längstersehnte Wiederkehr unter die alte geliebte Herrschaft von Oesterreich durch die dem Kaiser Franz in Person geleistete Erbhuldigung besiegelt wurde.


Speckbacher, der Tyroler.

Speckbacher, nach Hofer einer der ausgezeichnetsten Helden Tyrols in dem wunderbaren Kampfe für alte Verfassung und für ein geliebtes Fürstenhaus, wurde auch in diesem Jahre zu neuer Thätigkeit berufen, nachdem er bis dahin aus seinem Vaterlande verbannt, bei der Witwe Hofers, welcher der Kaiser ein Bauerngut in Ober-Oesterreich geschenkt hatte, seine Tage in mancherlei Gram zugebracht hatte. Er ist ein schwächlicher, einfacher, durch Wunden und Anstrengungen hektischer 36jähriger Mann; aber sein Körper, ist noch in der Gewalt seines kühnen Geistes. Nach der Aufkündigung des Waffenstillstandes schlich er in sein Vaterland; Zwieback und Käse in der Tasche, saß er auf den beschneiten Alpen, als ob er die Welt beherrsche und das Volk wäre sein. Den 13ten September, Nachmittags 3 Uhr, sollten 1200 Mann österreichische Truppen in Tyrol einrücken, und der Aufstand an verabredeten Punkten ausbrechen. Politische Verhandlungen mit Baiern traten dazwischen, der Anmarsch der Truppen geschah nicht; Speckbacher, der sich selbst auf geheimen Wegen von allem zu unterrichten wußte, zögerte mit den Signalen zum Aufstande von einer Stunde zur andern; die Vorsicht rettete tausend Familien ihr ruhiges Daseyn. Speckbacher kam darauf zu der österreichischen Commission in einer vom gröbsten Flausch gemachten Jägerjacke, ohne Schuhe, den Stutzen auf dem Rücken, einen alten Degen ohne Scheide und Kuppel unterm Arm, der zerlöcherten Hut hinwerfend, mit schwarzen blinzelnden Augen, die Röthe der Hektik auf den Wangen; er war in Verzweiflung; man sagte ihm, daß 1500 Ducaten auf seinen Kopf gesetzt wären. Da schwor er, wenn er früher von den 1500 Ducaten gehört, er sich selbst ausgeliefert hätte, um seinem Weibe einen Nothpfennig zu schaffen. Eine neue Bestimmung ermunterte ihn wieder; er führte die Tyroler Schützen, deren General Fenner in seinen Berichten so vortheilhaft erwähnt; wie viel er dabei gethan, sey der Nachwelt zu wissen vorbehalten; genug, einer der lebendigsten Bewunderer Wellingtons versicherte, daß er nur diesen in seinem Vaterlande höchst verehren, sonst aber fast unbekannten Helden ihm vergleichen möchte in Ausdauer und Klugheit. Viele Aussprüche von ihm werden erzählt. So bat er den österreichischen Commissär um einen Paß, als er heimlich nach Tyrol geschickt wurde. Der Commissär sagte ihm: Narr, was nützt dir ein österreichischer Paß? Speckbacher versetzte kalt: es kann doch kommen, daß mich einer zur Unzeit trifft; während er ihn lies't, schieße ich ihn todt.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Deutsche Blätter Herausgegeben von Friedr. Arn. Brockhaus. Zweiter Band, Leipzig und Altenburg, 1814.