Joseph Alvinczy von Berberek

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Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard.

(1825) Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat.


Baron Joseph v. Alvinzy.

Alvinzy, (Baron Joseph v.) Feldmarschall in kaiserlichen Diensten, Inhaber eines Infanterieregiments, Großkreuz des Marien Theresien- und des Leopoldsordens, um das Jahr 1740 in Siebenbürgen gebohren.

Als Grenadierhauptmann zeichnete er sich in den Feldzügen des siebenjährigen Kriegs aus.

1789 kommandirte er eine Abtheilung des General Loudon gegen die Türken.

1790 übertrug man ihm, die Ruhe im Lüttichschen, das sich gegen seinen Landesherrn empört hatte, wieder herzustellen.

In den Feldzügen 1792 und 1793 kommandirte er eine Division der Armee in den Niederlanden.

Den 25sten July 1793 begab er sich nach Leuse, wo sich die mit Dümouriez übergegangenen Truppen befanden. er fragte sie, ob sie sich verbindlich machen wollten, Ludwig XVII. wieder auf den Thron setzen zu helfen? Die Truppen bejahten und er ließ sie dem Kaiser den Eid der Treue ablegen. Den 17ten April 1794 erhielt er Vortheile über die Franzosen bey Catillon an der Sambre und bey Nouvion. Im Juny 1794 ward er Großkreuz des Marien Theresien Ordens.

Im November und Dezember kommandirte er unter dem Prinzen von Coburg das Vertheidigungskorps von Holland.

Im April 1795 ward er zum Chef der kaiserlichen Ober-Rheinarmee ernannt, verließ aber den 26 März 1796 diesen Posten, um das Kommando in Gallizien zu übernehmen. Den 23sten May ward er in den Hofkriegsrath aufgenommen.

Als er nachher den Oberbefehl der italienischen Armee erhielt, gieng er den 13ten Oktober über die Piave und schlug die Franzosen bey Sculdaferro. Den 4ten November besetzte er Bassano; den 6ten griff er den Feind zwischen Bassano und Bizenza an und schlug ihn, nach einem hartnäckigen Gefechte, mit einem bedeutenden Verlust zurück. Den 9ten Jan. begab er sich nach Roveredo, um neue Angriffe zu versuchen; er detaschirte den General Marquis von Provera von Legnano nach Mantua und griff am 13ten die republikanische Armee an. Das Glück war ihm anfangs nicht gänzlich ungünstig; allein am 14ten erlitt er eine vollkommene Niederlage Er mußte sich mit dem Verluste von vieler Mannschaft und von dem größten Theile seiner Artillerie zurückziehen.

Zur Belohnung seiner vier und vierzigjährigen Dienste gab ihm der Kaiser das Kommando in Ungarn, welches er noch gegenwärtig bekleidet und ernannte ihn zum Geheimenrath.


Alvinzy, kaiserl. königl. Feldmarschall.

Der 25. November 1810.

Joseph Freyherr Alvinzy von Berbenek, der letzte seines aus Siebenbürgen stammenden Geschlechts, geboren 1735, starb nach einer 60jährigen ruhmvollen Dienstzeit, als commandirender General in Ungarn zu Ofen, am 25. November 1810, von seinem erhabenen Monarchen und der ganzen Armee innig bedauert.

Mit dem 15. Jahre begann seine militärische Laufbahn. Nach 23 Dienstjahren (in welche die Zeit des 7jährigen Krieges fiel, wobei Torgau 1760, Schweidnitz und Töplitz 1762 Alvinzy unter den Helden dieser Tage gepriesen wurde und Wunden davon trug,) erhob er sich vom Fähnrich bis zum Obersten bei dem 19. Infanterie-Regiment -- nun Hessen-Homburg -- dessen Inhaber er im J. 1786 wurde, und durch 24 Jahre blieb.

Im bayerischen Erbfolgekriege wurde sein muthvolles Benehmen bei Habelsschwert durch das Kreuz des Theresienordens und seine Ernennung zum General-Major nach Verdienst gewürdigt. Ihm ward der hochehrende Auftrag Kaiser Josephs Neffen und Liebling, den itzt regierenden väterlichen Monarchen Oesterreichs, in der Wissenschaft des Kriegs zu unterrichten. Hierauf diente er unter Loudon im Türkenkriege. Im J. 1790 wurde er F. M. L. und Kämmerer.

In den Feldzügen des Revolutionskriegs in den Niederlanden 1792 - 1794 zeichnete er sich bei allen Gelegenheiten mit der Division, die unter seinen Befehlen stand, aus, und stieg zum F. Z. M. Bei Neerwinden trug er das Commandeur-, bei Charleroi das Grosskreuz des Theresienordens zum Lohn davon.

1795 commandirte er am Oberrhein, und wurde später in den Hofkriegsrath berufen.

1796 übernahm er das Heer in Tyrol von Beaulieu, ordnete und bildete es von neuem, um es brauchbar an Wurmser zu übergeben, dann organisirte er den Tyroler Landsturm. Dankbar ernannten ihn diese Alpenbewohner zum Landstand ihrer Berge.

Die wichtigste Epoche seines Wirkens als Feldherr trat nun ein, als er im Spätjahr 1796 den Oberbefehl des Heeres in Italien übernahm, und Mantua's Befreyung mit selben erwirkten sollten. Alvinzy's grosses Verdienst um den Staat würde sehr falsch nach dem Erfolge, der im Ganzen das Resultat seiner weisen Einleitungen, und tapfern, thätigen Anstrengungen war, beurtheilt werden. Die Glanzpunkte, Arcole, Montebaldo und Rivoli, in der blutigen Reihe der Kämpfe vom 5. bis 24. November, verdienten eine glücklichere Endentwickelung. Eben so die Angriffe auf Rivoli im Jäner des folgenden Jahres.

Der gerechte Monarch wusste die Dienste, welche der F. Z. M. als sein treuer und rechtschaffener Diener hier geleistet hatte, nach ihrer wahren Geltung zu schätzen, und gab, da die Winterfeldzüge und unermüdeten Anstrengungen die Gesundheit des 62jährigen Greises zerrüttet hatten, und ihm länger den Dienst im Felde nicht erlaubten, durch dessen Ernennung zum geheimen Rath und Commandirenden in Ungarn, einen lauten Beweis der Anerkennung derselben. Von da wurde er auf einige Zeit nach Wien berufen, um dem Verein von kriegskündigen Männern vorzusitzen, welche nach dem Frieden ein neues, in allen seinen Zweigen den Zeitverhältnissen anpassendes System, für die in den langen Kriegen erschöpften Heere Oesterreichs, bilden sollten.

Der Monarch beschenkte ihn nach beendigtem Geschäfte mit einer Herrschaft im Bannat, zur Bezeugung der Allerhöchsten Zufriodenheit über die Art, wie er sich Auftrags erledigt hatte.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.