Joseph Bonaparte

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Joseph Bonaparte.

Joseph Bonaparte, Facsimile d'un dessin de sa fille Charlotte.

Joseph, (Bonaparte) vorher König von Neapel, jetzt König von Spanien, geboren den 7. Jäner 1768, älterer Bruder Kaisers Napoleon und Prinz von Frankreich.

Im September 1795 ward er zum Deputirten des Departements Ciamone im Rath der 500 gewählt; allein die Wahl ward erst im Juny 1797 geltend gemacht.

1796 vermählt er sich mit Mademoiselle Clary, mit der er zwey Töchter gezeugt, und deren Schwester nach der Zeit der Marschall Bernadotte geheirathet hat.

Den 14. May 1796 ging er in der Eigenschaft eines Bothschafters der französischen Republik nach Rom, wo im Dezember das Volk und die Truppen seinen Pallast stürmten, den General Düphot an seiner Seite zu Boden streckten und Bonaparte nöthigten, Rom alsbald zu verlassen. Er begab sich zuerst nach Florenz und von da nach Paris, wo er den 20. Januar 1798 eintraf, dem Direktorium Bericht über das Ereigniß abstattete, und dessen Zufriedenheit mit seinem Benehmen versichert wurde.

Nach dem 18. Brümaire ward er zum Staatsrath für die Sektion des Innern ernannt. Er schloß den 9. November 1800 in Namen der französischen Republik einen Vertrag mit den vereinigten amerikanischen Staaten, war bevollmächtigter Minister bey dem Friedensschlusse von Lüneville den 9. Februar 1801, und ebenfalls bey dem Kongreß zu Amiens, wo er den Frieden den 25. März 1802 unterzeichnete.

Im folgenden July ward er zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt und in den Senat berufen. Im April 1804 erhielt er den Grad eines Obersten vom 4ten Linien-Regiment Infanterie und ward zum Würde eines Großwahlherrn und Prinzen von Frankreich erhoben.

Im 1. Oktober 1805 übertrug ihm der Kaiser den Vorsitz im Senat und die Geschäftsleitung während seiner Abwesenheit. Als sich nach dem Preßburger Frieden die französische Armee in Italien sammelte, um gegen Neapel zu marschiren, stellte Napoleon den Prinzen Joseph an die Spitze derselben. Der Widerstand war sehr gering und am 15. Februar 1806 hielt Prinz Joseph seinen Einzug in die Hauptstadt. Die schätzbarsten Effekten des Hofes und des Staats waren von Neapel weggeführt, indeß fielen doch mehrere Kriegsfahrzeuge, durch Sturm an die neapolitanischen Küsten zurückgeschlagen, den Franzosen in die Hände. Bald darauf wurde Prinz Joseph durch ein Kaiserliches Decret vom 30. März förmlich zum Könige von Neapel und Sizilien erklärt; aber die vorige Königsfamilie hat noch immer ganz Sizilien in Besitz.

Im Jahre 1808 verließ er Neapel und ging nach seinem neubestimmten Königreiche ab, dessen Besitz ihm aber von einen Theil der Bewohner streitig gemacht wurde; er mußte sogar einmal Madrid wieder verlassen. Aber nach dem Frieden mit Oesterreich hat sich ihm der größere Theil des Königreichs unterworfen.


Joseph Bonaparte..

Joseph Bonaparte, ward den 7. Jan 1768 zu Ajaccio in Corsika geboren, und widmete sich dem Geschäfte seines Vaters, Carl Bonaparte.

Er begann die juristische Laufbahn als Abschreiber und Gehülfe eines berühmten Rechtsgelehrten; als aber seines Bruders Napoleon Glücksstern in Frankreich herrlich aufging, verließ Joseph Corsika, kam nach Frankreich, vermählte sich dort am 24. Sept. 1794 mit Marie Julie Klary, und wurde Kriegskommissair, Bataillonschef der Volontaires nationaux, Chef der Administration bei der italiänischen Armee, dann Ambassadeur zu Rom.

Sobald Napoleon das Directorium gestürzt und sich durch Gewalt und Intrigue zum Oberconsul erhoben hatte, schob er am 15. Dec. 1799 seinen Bruder Joseph in das aus 100 Mitgliedern bestehende Tribunat. Dem verschlossenen, schlauen und mit den gewöhnlichen politischen Kunstgriffen noch aus seiner Advokatenlaufbahn wohlbekannten Joseph fehlte es keinesweges an Talenten sich geltend zu machen und seines Bruders hochfliegenden Planen wesentliche Dienste zu leisten. Er hatte dies schon im Jahr 1797 bei einer in Rom veranstalteten Insurrection bewiesen. Ihn hierzu noch mehr auf den rechten Platz zu erheben, war Napoleons angelegentlichste Sorge, und daher ernannte er ihn am 11. Oct. 1800 zum bevollmächtigten Minister beim Friedenscongreß in Lüneville. In dieser diplomatischen Qualität unterhandelte Joseph die Friedenstractaten von Lüneville, Morfontaine, Amiens und Paris. Er wurde auch in Gesellschaft von Cretet und Barnier gebracht, um mit dem Cardinal Consalvi, dem Erzbischoff Spina, und dem Pater Caselli (als päpstlichen Abgeordneten) das am 15. Julius 1801 abgeschlossene Concordat, vorzubereiten.

Im Jahr 1804, als Napoleon die Kaiserkrone erwarb, sah sich Joseph schnell nach einander zum Staatsrath, Senator und Inhaber der Senatorie Brüssel; dann zum Großoffizier und Mitglied des großen Raths der Ehrenlegion und der eisernen Krone; endlich selbst zum französischen Prinzen, Großwahlherrn von Frankreich und nächsten präsumtiven Erben der Kaiserkrone, erhoben.

Napoleon schien ihm unter seinen Brüdern das meiste Vertrauen geschenkt zu haben, obgleich Lucian, seinem Ehrgeize noch weit wesentlichere Dienste geleistet hatte. Unterrichtete Personen, schreiben Joseph einen verschlossenen ächt italiänischen Charakter zu, behaupten jedoch, daß er von Natur nicht zur Grausamkeit geneigt, vielmehr milde, schwach und für sich selbst keiner energisch-durchgreifenden Maaßregeln fähig, am wenigsten aber ein guter Soldat oder einsichtsvoller Taktiker sey, obgleich er den Titel eines Lieutenants des Kaisers führe.

Dessen ungeachtet bestimmte ihn Napoleon, nachdem die Dynastie von Neapel durch Proclamation vom 27. Dec. 1805 für unwürdig zu regieren erklärt worden war, zum Beherrscher beiden Sicilien.

Joseph hielt am 15. Febr. 1806 seinen Einzug in Neapel und erklärte dem Volke durch eine Proclamation vom 21. Febr.: des Kaisers Rache sey vollendet, die Abänderung der Dynastie Neapels für immer bestimmt, und die Nation werde in Kurzem die Wirkung der wohlthätigen Veränderung erfahren. Wirklich erschien am 30. März des Jahrs das kaiserl. Decret, wodurch Joseph Napoleon zum König von Neapel und Sicilien ernannt, die Verfassung des Reichs bestimmt, sechs große Reichslehen darin errichtet und eine Million Franken von den Einkünften des Landes, für verdiente französische Militärs ausgesetzt wurden.

Aber Joseph gelangte dadurch keinesweges zum ruhigen Besitze des Throns von Neapel. Der tapfere Prinz von Hessen-Philippsthal, die englischen Expeditionen von Sicilien aus u. die entschlossene, mit großer Rachsucht vergesellschaftete Widersetzlichkeit des neapolitanischen Volks selbst, verkümmerten den Genuß der usurpirten Herrschaft gewaltig. Inzwischen war der neue Herrscher eben so fruchtbar an Decreten, welches Neapels alte Verfassung umwarfen, als sein kaiserl. Bruder, dessen glänzendes Vorbild überall befolgt wurde. So erschien schon in den ersten Monaten des Jahrs 1807 das die Ordensgeistlichkeit aufhebende Decret; so wurde unter Josephs Vorsitz, die am 18. März d. J. gestiftete Akademie der Alterthümer eröffnet, das Feudalsystem gänzlich abgeschafft und das Reich in 13 Provinzen getheilt.

Die Verschwörungen gegen die aufgedrungene Herrschaft dauerte indessen fort, und der Haß fand von Sicilien aus stets neue Nahrung.

Im Anfang des Jahrs 1808, stattete der Minister des Innern einen Bericht über die Lage des Reichs ab, der höchst ruhmvoll für Josephs Regierung klang. Auch ward nun der Orden beider Sicilien, der aus 650 Rittern bestehen sollte, gestiftet, aber gerade in der Mitte einer als höchst wohlthätig gepriesenen Thätigkeit, rief Napoleons Machtwort den neuen Monarchen von Neapels Thron, auf den noch wankendern Thron Spaniens und Indiens, von welchem durch alle Künste, Intrigue und Gewalt, die unglücklichen Bourbons damals gerissen worden waren. Joseph erließ am 23. Junius eine Abschiedsproclamation an das Volk von Neapel, und sanctionirte die neue, von ihm selbst entworfene Constitution des Reichs, dessen Zepter nun Joachim Murat, durch Napoleons Gunst erhielt.

Nachdem Spaniens neue Constitution, zu Bayonne unter Napoleons Bayonetten von der Junta bestätigt und beschworen worden, reiste Joseph mit großem Pomp nach der Hauptstadt Spaniens (von Bayonne ab) und hielt dort seinen feierlichen Einzug am 20. Julius.

Allein die Herrlichkeit dauerte nicht lange, denn ganz Spanien gerieth in Insurrection, und Duponts Unglück in Andalusien gebot, eiligst Madrid zu verlassen, um unter dem concentrirten französischen Heere bei Vittoria, Schutz zu suchen.

Nach den mörderischen Schlachten bei Burgos, Esginosa, Tudela und Sommo-Sierra, fiel Madrid am 3. Dec. zwar wieder in französische Gewalt, die Engländer unter John Moore wurden aus Spanien vertrieben, und die eingeschüchterten Bewohner Madrids beugten sich noch einmal unter Napoleons Willen, indem sie den entflohenen Joseph nicht nur zurück erbaten, sondern ihm auch feierlich vor dem Altare der Hauptkirche beständige Treue und Gehorsam gelobten.

Zum zweitenmale hielt Joseph seinen feierlichen Einzug in Spaniens Hauptstadt am 22. Jan. 1809; aber der Krieg wüthete fort in allen Provinzen des Reichs; denn der Haß, die Erbitterung und der so tief gekränkte Stolz der Nation, konnten nimmer beschwichtigt werden. Die Schlacht bei Talaver de la Regna am 27. und 28. Jul. d. J. drohte Joseph wieder aus seiner Residenz zu verjagen; aber Wellington konnte, wegen Cuestas schlechter Mitwirkung, und Venegas Niederlage bei Almonacir, den erfochtenen Sieg nicht benutzen. Joseph kehrte daher nach Madrid zurück, nahm nun im Geiste seines Bruders ungleich strengere Maaßregeln zur Behauptung des Throns, und war glücklich genug durch die am 18. Nov. d. J. bei Occana gewonnene Schlacht, sich selbst den Weg zur Eroberung des südlichen Spaniens, welches bisher unangetastet geblieben, zu eröffnen. Im Anfange des Jahrs 1810 ward wirklich Andalusien erobert. Joseph hielt seinen feierlichen Einzug zu Sevilla, und theilte das Reich in Präfecturen.

Alle französische Berichte verkündigten damals das baldige Ende des spanischen Krieges. Dennoch jagte im folgenden Jahre Wellington die französischen Armeen aus Portugal, und Kadix konnte nicht erobert werden. Die Guerillas wütheten dabei in allen Provinzen, und selbst vor den Thoren von Madrid, wo Joseph wie ein Staatsgefangener lebte. Im Jahr 1812 trieb ihn Wellingtons Sieg bei Salamanca zum dritten male aus Madrid. Zwar kehrte er am 2. Nov. d. J. auch zum drittenmale dahin zurück; allein die Unglücksfälle des Jahrs 1813 und besonders der Sieg bei Vittoria, machte seinem Königthume völlig ein Ende, und kaum entfloh er den nachsetzenden englischen Dragonern mit Lebensgefahr.

Er lebte seitdem in Frankreich zu Morfontaine, commandirte, als die verbündeten Heere in Frankreich vordrangen, die Nationalgarde von Paris, und bewies in den letzten Tagen des März große Unentschlossenheit. In dem mit der Bonapartischen Familie, am 12. April 1814 zu Fontainebleau abgeschlossenen Vertrage wurde ihm ein jährliches Einkommen von 500,000 Fr. zugesichert, da er sich dann in die Schweiz begab, und auf dem Gute Promgins im Waadtlande, das er um 450,000 Fr. gekauft hatte, privatisirte.

Als Napoleon im März 1815 wieder kam, um den verlorenen Thron abermals zu usurpiren, erklärte Joseph der Tagsatzung in Zürich, daß er an dem Unternehmen seines Bruders keinen Antheil habe, und bereit sey sich anderswo niederzulassen, wenn man seinen Aufenthalt im Waadtlande für bedenklich halte; aber wenige Tage später verschwand er, und am 24. März war er schon in Paris, wo er den Pallast Elysee Napoleon bewohnte.

Nach Napoleons zweitem Sturze hatte er das Glück zur See zu entkommen, da er sich dann nach Neuyork begab, wo er sich, im besitze großer Reichthümer, noch befindet.

Seine Gemahlin blieb auch nach der zweiten Wiederherstellung der Bourbons in Paris; aber das ihr, in Gemäßheit des Amnestiegesetzes, erklärte Mißfallen der Regierung mit ihrem dortigen Aufenthalte vermochte sie 1816 abzureisen, und sich in der Nähe von Frankfurt a. M. niederzulassen.


Prinz Joseph wird zum Könige von Neapel und Sicilien erklärt.

Joseph Napoleon König von Neapel und Sicilien.

Aus dem Neapolitanischen hat man bisher nur von einer Seite Berichte erhalten; allein es lag in der Natur des Sache, daß der Widerstand den die Neapolitanischen Truppen in Calabrien leisten wollten, bei der Ueberlegenheit der Franzosen nicht von langer Dauer und von Erfolg seyn konnte. In der Mitte Februars detaschirte der Prinz Joseph zwei Corps unter den Generalen St. Cyr und Regnier nach dem südlichen Neapel. General Damas hatte in Calabrien seine Stellung zu Camparonese genommen. Hier kam es, so wie schon vorher, am 6ten bei Lago Nero zu Actionen, in welcher die Neapolitanischen Truppen, nach den Französischen Berichten gänzlich zerstreut und in die Flucht getrieben wurden. Außer den Neapolitanischen Verschanzungen fielen gegen 2000 Mann Truppen, worunter auch die Generale Tschudi und Ricci, in die Gewalt der Franzosen und General Damas entkam nur mit einem kleinen Ueberrest. Die Gesinnungen mancher Einwohner machten übrigens von Französischer Seite viele Arretirungen nothwendig. Die Festungen wurden mit Gefangenen angefüllt. Die Franzosen sahen die Besetzung und Eroberung des Neapolitanischen als vollendet an. Blos ein Platz, nemlich die Festung Gaeta, auf einer Halbinsel in Terra di Lavoro, setzte ihnen noch Widerstand entgegen. Der Generallieutenant, Prinz Ludwig von Hessen-Philippsthal, welcher in der Festung commandirte, zeigte sich als ein entschlossener Deutschen Anführer, und nöthigte die Franzosen zu einer förmlichen Belagerung des Platzes.

Ehe noch die Insel Sicilien erobert, ehe noch selbst die Expedition gegen dasselbe unternommen war, wurde inzwischen Prinz Joseph bereits zum Könige von Neapel und Sicilien erklärt. Dieses geschah im folgenden Decrete welches Napoleon unter andern am 31sten März an den Senat zu Paris sandte:

Napoleon von Gottes Gnaden und durch die Constitutionen, Kaiser der Franzosen und König von Italien an alle, welche Gegenwärtiges sehen werden Unsern Gruß.

Da das Interesse Unsers Volks, die Ehre Unserer Krone und die Ruhe des festen Landes von Europa verlangen, daß Wir auf eine feste und definitive Weise das Schicksal der Völker von Neapel und Sicilien sichern, die durch das Eroberungsrecht in Unsere Gewalt gekommen sind, und die nun einen Theil des großen Reiches ausmachen, so haben Wir erklärt und erklären durch Gegenwärtiges daß Wir Unseren geliebten Bruder Joseph Napoleon, Großwahlherrn von Frankreich als König von Neapel und Sicilien anerkennen. Diese Krone wird in Ordnung der Erstgeburt in seiner männlichen, legitimen und natürlichen Nachkommenschaft erblich seyn. Sollte sie erlöschen, welches Gott verhüte, so berufen Wir zu derselben Unser männlichen, legitimen und natürlichen Kinder, diejenigen Unseres Bruders Louis und seine männliche legitime und natürliche Nachkommenschaft, nach Ordnung der Erstgeburt, und behalten Uns das Recht vor, wenn Unser Bruder Joseph Napoleon bei Unsern Lebzeiten sterben sollte, ohne männliche, legitime und natürliche Kinder zu hinterlassen, zur Nachfolge auf die erwähnte Krone einen Prinzen Unseres Hauses zu bezeichnen oder dazu ein an Kindesstatt angenommenes Kind berufen, je nachdem Wir es für das Interesse Unserer Völker und zum Vortheil des großen Systems für gut erachten, das die göttliche Vorsehung zu gründen Uns bestimmt hat.

Wir errichten in dem erwähnten Königreiche Neapel und Sicilien 6 große Reichslehen mit dem Titel als Herzogthümer, und mit denselben Vortheilen und Vorrechten, welche in den Venetianischen Staaten, die mit Unserer Italienischen Krone vereinigt worden, damit die erwähnten Herzogthümer Großlehen des Reichs auf ewige Zeiten seyn, und im Entledigungsfalle von Uns und Unsern Nachfolgern wieder besetzt werden. Alle Details und die Einrichtung der erwähnten Lehen sind der Sorge Unseres erwähnten Bruders Joseph Napoleon übergeben. Wir behalten Uns auf das erwähnte Königreich Neapel und Sicilien, die Disposition einer Million Einkünfte vor, um sie an die Generäle, Officiere und Soldaten Unserer Armee zu vertheilen, welche dem Vaterlande und dem Throne die wichtigsten Dienste geleistet haben, und die Wir zu dem Ende unter der ausdrücklichen Bedingung bezeichnen, daß die erwähnten Generale, Officiere oder Soldaten die erwähnten Renten vor verlauf von 10 Jahren nicht anders als mit Unserer Genehmigung verkaufen können.

Der König von Neapel wird auf ewige Zeiten Groß Dignitarius des Reichs unter dem Titel des Großwahlherrn seyn; Wir behalten Uns jedesmal vor, wenn Wir es für gut finden, die Würde eines Prinzen Vice-Großwahlfürsten zu errichten.

Wir wollen, daß die Krone von Neapel und Sicilien, welche Wir auf das Haupt Unseres Bruders Joseph Napoleon und seiner Descendenten setzen, auf keine Weise ihr Recht auf die Nachfolge auf den Französischen Thron beeinträchtige. Es ist aber gleichfalls Unser Wille, daß die Kronen, sowohl die von Frankreich und von Italien, als auch die von Neapel und Sicilien nie auf demselben Haupte vereinigt seyn können.

Gegeben in Unserm Pallast der Thuillerien, den 30sten März 1806.
(Unterz.) Napoleon.


Prinz Joseph, der neue König von Neapel und Großwahlherr des Französischen Reichs, ist am 5ten Februar 1768 geboren, und vermählte sich am 24sten Sept. 1794 mit Maria Julia Clary, geb. den 26sten Dec. 1777. Letztere, die Mutter zweier Prinzessinnen, ist bereits von dem Senat zu Paris xc. als Königin von Neapel complimentiret worden.


König Joseph von Neapel wird König von Spanien. Spanische Reichs-Versammlung zu Bayonne.

Joseph Napoleon, König von Spanien.

König Joseph hat nur etwas über 2 Jahre (seit dem 30 März 1806) über Neapel regiert. Das Schicksal berief ihn bald zu einer noch glänzenderen Königswürde. Am 24sten Mai reisete er ohne alles Gepränge von Neapel ab und traf am 7ten Jun. zu Bayonne ein, wo er sogleich als König von Spanien empfangen wurde. Sein erhabener Kaiserl Bruder hatte schon Tags vorher über den Spanischen Thron durch folgende merkwürdige Acte entschieden:

Napoleon, von Gottes Gnaden, Kaiser der Franzosen xc. Da die Staats-Junta, der Rath von Castilien, die Stadt Madrid xc. xc. Uns durch Addressen zu erkennen gegeben haben, daß das Wohl Spaniens erfordre, daß man schleunig dem Interregno ein Ende mache, so haben Wir beschlossen, unsern sehr geliebten Bruder Joseph Napoleon, jetzigen König von Neapel und Sicilien, zum Könige von Spanien und Indien zu proclamiren. Wir garantiren dem Könige van Spanien die Unabhängigkeit und Integrität seiner Staaten sowol in Europa als in Africa, Asien und Amerika. Dem Generallieutenant des Königreichs, den Ministern und dem Rath von Castilien wird aufgetragen, gegenwärtige Proclamation in der gewöhnlichen Form ausfertigen und publiciren zu lassen, damit keiner sich mit der Unwissenheit entschuldigen könne. Gegeben in Unserm Kaiserl. Pallast zu Bayonne, den 6ten Jun. 1808.

(Unterz.) Napoleon.


Am 15ten Jun. wird zu Bayonne die Spanische Reichs-Versammlung eröffnet. Sie besteht aus 150 Deputirten und die neue Constitution nebst den nöthigen Reformen werden nunmehr bestimmt werden.

Die Mitglieder der ehemals regierenden Kön. Spanischen Familie befinden sich nunmehr seit ihrer Auswanderung -- der Prinz von Asturien, der Infant D Carlos und ihr Onkel D. Antonio auf dem Landguth des Fürsten von Benevent zu Valencay, und der König, die Königin, nebst dem Friedensfürsten und der gewesenen Königin von Etrurien zu Fontainebleau und in der Folge zu Compiegne.


Die Majestät des Königs von Spanien.

Aus den Mémoires sur la guerre des Français en Espagne, par M. de Rocca. Sec. Edit.

Anstatt sich an die Spitze seiner Armeen zu stellen, sagt Heer von Rocca, über welche König Joseph nach der Abreise des Kaisers den Oberbefehl hatte, blieb er in den Armen der Wollust in seiner Hauptstadt zurück, das Herz voll Sehnsucht nach den Genüssen Italiens. Er wollte in Madrid schlafen und regieren, wie er es in Neapel gewohnt war, noch ehe wir ihm Spanien mit unserm Blute erkauft hatten. -- Einem Fürsten von diesem Charakter kann man leicht sein Schicksal vorhersagen. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Auch schien es einen Augenblick, als gefalle ihm diese von Gefahren umringte Krone nicht. Man sah ihm in Madrid an der Spitze der Prozessionen zu Fuß, von allen Offizieren seines Hofes umgeben, mit Kerzen in den Händen. Leider aber blendete diese devote Mummerei keinen Menschen. Dir Frommen, denen er zu gefallen strebte, scheuten sich, seinen Namen in ihren Gebeten auszusprechen, und sagten daher nicht wie sonst: Jesus, Marie und Joseph, sondern sie hielten nach den zwei ersten Worten inne, und fügten nach einer kleinen Pause hinzu: und der Vater unsern Herrn. Durch diese Umschreibung befriedigten sie ihren Haß, und benahmen doch dem heiligen Joseph nichts. Die spanischen Kriegsgefangenen weigerten sich nicht, auf Befehl der Soldaten zu rufen: es lebe Napoleon und seine unüberwindlichen Heere; diese Huldigung glaubten sie der Stärke und dem Waffenglück schuldig zu seyn; aber wenn ihnen befohlen wurde, zu rufen: es lebe Joseph! schwiegen alle. Ja, als nach der entschiedenen Niederlage bei Medellin ein Einzelner den Drohungen nachgab, so trat im nemlichen Augenblick eine Offizier seiner Nation aus der Linie, und stieß ihm den Degen in die Brust, zur Züchtigung für den gottlosen Wunsch. Ich habe irgendwo gelesen, daß die oberste Junta durch den Scharfrichter alle an sie gerichtete Schreiben des eingeschwärzten Königs öffentlich verbrennen ließ; und über dieses Volk gedachte Joseph einst zu herrschen!

Er regierte blos in Madrid, oder vielmehr, um es richtiger auszudrücken, er spielte dort den König, so wie die Kinder Papa und Mama spielen. Er füllte die Tagesblätter mit Verordnungen, welche nie befolgt wurden. Er theilte Orden aus an Männer, welche von treuen Spanier umgebracht worden wären, wenn sie den Einfall gehabt hätten, ihn anderwärts als an Orten zu tragen, welche die Franzosen besetzt hielten. Er ernannte seine Höflinge zu Aemtern, und vertheilte Provinzen seiner eingebildeten Staaten; und man weiß, daß dieser Selbstbeherrscher von Spanien und Indien kaum wagen durfte, aus den Ringmauern seiner Hauptstadt zu gehen. Eines Tages wagte er einen Ausflug; aber unerwartet stürzte der Parteigänger Empecinado, welcher eben in der Nähe war, auf ihn, und machte ihm und seiner Begleitung auf ihre Gefahr begreiflich, daß S. Maj. sich nie zur unschicklichen Stunde aus Madrid hervorwagen dürfte.


Worte Napoleons.

"Joseph hat mir fast gar keinen Beistand geleistet; aber er ist ein sehr guter Mann; seine Gemahlin, die Königin Julie, ist das beste Geschöpf auf Erden. Joseph und ich liebten uns immer sehr innig, und waren sehr einig; er liebte mich aufrichtig. Von ihm bin ich überzeugt, daß er alles mögliche für mich thun würde. Alle seine Eigenschaften bilden aber blos die Zierde eines Privatmanns: er ist ausnehmend sanft und gutmüthig; hat Geist und Kenntnisse, und ist liebenswürdig im Umgang. In der hohen Bestimmung, die ich ihm anvertraut habe, hat er so viel gethan, als er im Stande war; seine Absichten waren gut; und die Hauptschuld liegt nicht an ihm, sondern an mir, der ich ihn aus seiner Sphäre gerissen hatte; so wie in den großartigen Umständen, denen er mit seinen Kräften nicht gewachsen war.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1806.
  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  • Deutsche Blätter Herausgegeben von Friedr. Arn. Brockhaus. Sechster Band, Leipzig und Altenburg, 1815.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.