Joseph von Colloredo

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Graf Joseph Colloredo.

Geb. 12ten September 1745.

Colloredo Joseph, Graf, k. k. österreichischer General-Feldmarschall, Staats- und Konferenzminister, wirklicher geheimer Rath, Großkreuz des militärischen Marien-Theresien Ordens, General-Direktor der gesammten k. k. Artillerie, und Inhaber des 57. Infanterie-Regiments etc.

Er trat 1752 mit den besten Vorkenntnissen ausgestattet als Cornet in das Küraßier-Regiment Luchesi. In das spätere Regiment Kaunitz unter Graf Lacy als Hauptmann versetzt, zeichnete er sich in der Schlacht von Lobositz den 1. October 1756 so vorzüglich aus, daß er zum Oberstlieutenant befördert wurde. In der Schlacht bei Prag den 6. May 1757 erhielt er eine schwere Wunde, und am 7. September bei Görlitz eine andere. Nach der Übergabe von Breslau als Kriegsgefangener nach Frankfurt an der Oder gebracht, ward er erst im Sommer des nächsten Jahres ausgewechselt, und zum Obersten und Kommandanten des Lacischen Regiments ernannt, in welcher Eigenschaft er vor dem Feinde sich auszuzeichnen noch oft Gelegenheit zu finden wußte, und in Folge dessen er, nach dem Hubertsburger Frieden, zum Generalmajor ernannt wurde. Der letzte Krieg gegen Preußens großen Feldherrn und Monarchen hatte die gänzliche Reform des kais. Militärwesens als dringend nothwendg dargestellt, und dem nunmehrigen Feldmarschallieutenant Colloredo war es vorbehalten, auf das Wesentlichste zu diesem Zwecke mit beizutragen. Anfangs des Jahres 1771 war er zum Hofkriegsrathe ernannt, und ihm später die Oberleitung der Militärgrenzen übertragen worden. Vom Kaiser Joseph ward er 1777 als Begleiter auf der Reise durch Deutschland und Frankreich, so wie später bei der Besichtigung und Prüfung der Grenzen und festen Plätze im Osten des Reichs gewählt, und im Jahre 1778 zum Generaldirektor der Artillerie ernannt. Hier begann ein neuer Abschnitt seines thatenreichen Lebens. Die rastloseste Thätigkeit wandte er seiner neuen Truppe zu, ihre höchste Vervollkomnung wurde von jetzt an seines Feuereifers Ziel, welches er der Vollendung so nahe als möglich brachte. Er errichtete unter andern zu jener Zeit eine höhere Bildungsanstalt für verdienst- und talentvolle Feldartilleristen, zu vortrefflichen Artillerie-Offizieren. Als Feldzeugmeister folgte Colloredo bei Eröffnung des Türkenkrieges dem Kaiser, welcher bei der Beschießung und Eroberung von Schabatz an der Save, über die vorher nie gekannte, außerordentliche Wirkung seiner Artillerie zu staunen reichlich Gelegenheit fand. Doch noch glänzender mußten Colloredo's große Verdienste im nächsten Feldzuge bei der Eroberung Belgrads, die er durch sein persönliches so kühnes als thätiges Einwirken beschleunigte, hervortreten. Nächst dem großen Ruhme ward ihm hier die Feldmarschallswürde, und das Großkreuz des Marien-Theresien Ordens. Von dem Reichenbacher Kongresse erhielt Colloredo den Oberbefehl über das Heer, dessen Aufstellung gegen Preußen der kriegerische Horizont zu erheischen schien. So oft auch Oesterreichs Artillerie in jenen Jahren dem Feinde gegenüber stand, immer erprobte und bewährte sich ihre unter Colloredo erlangte hohe Vortrefflichkeit. Im Jahre 1809 übernahm er die Geschäfte des Kriegsministeriums, und auch jetzt lebte seine treue unermüdliche Sorge für die ganze Armee, und für die Artillerie insbesondere fort. Auch noch in den Planen, Rüstungen, und in den ungeheuren Leistungen Oesterreichs von 1813 und 1814 waltete Colloredos Geist, und Colloredos Wirken, und die errungenen Lorbeere waren nicht zum geringsten Theile aus der Saat entsprossen, die unser Held mehrere Menschenalter hindurch emsig ausgestreut hatte. Der 26. November 1818 war der Todestag des hochverdienten gefeierten Helden.


Quellen und Literatur.

  • Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit nebst entsprechenden Aphorismen. Seinen Waffenbrüdern geweiht von Johann Nep. v. Szöllösy, k. k. Oesterr. pens. Rittmeister. Fünfkirchen in Ungarn, Gedruckt in der königl. priv. bischöfl. Lyc. Buchdruckerei. 1837.