Joseph von Hormayr

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Joseph Freyherr von Hormayr.

Hormayr (Joseph Freiherr von), Enkel des Obigen, geboren zu Innsbruck am 20sten Januar 1781, widmete sich in frühester Kindheit dem Studium der Geschichte, zumal der vaterländischen, dahingezogen durch sein außerordentliches Gedächtniß, vermöge dessen er ganze Classiker, 10 bis 12,000 Verse vor und rückwärts, und eine ungeheure menge historischer Facten, Namen und Jahrzahlen auswendig konnte.

Im achten Jahre schrieb er eine kleine lateinische Geschichte von Bayern, im dreizehnten gab er sein erstes Werkchen, eine Geschichte der Herzoge von Meran, in Druck. 1794 bezog er die insbrucker Universität, vollendete 1797 die juridischen Studien, und trat im gleichen Jahre in Dienste. 1798 begann er die Ausarbeitung seiner "Beiträge zur Geschichte Tyrols im Mittelalter," worin er die meisten Quellen selbst entdeckte, herausgab, und zur Lösung aller Vorfragen und Hindernisse benutzte, die der Geschichte Tyrols selbst im Wege stehen konnten, die er im Winter 1805 herausgab, eben im Augenblicke der schmerzlichen Losreißung Tyrols von Oesterreich.

1799 und 1800 diente er in der tyrolischen Landwehr in allen Graden, in den meisten Landesgegenden; Herbst und Winter 1800 erwarben ihm mehrere Auszeichnungen, die späterhin für ihn so folgenreiche Freundschaft Chastelers, und obgleich der jüngste Hauptmann der Landwehr, die Beförderung zum Major.

Im Spätjahr 1801 kam er nach Wien und wurde im März 1802 im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, in der Section von Deutschland, angestellt, und zeichnete sich dergestalt aus, daß er schon im April 1803 wirklicher Hofsecretär wurde, das Portefeuille der deutschen Angelegenheiten behielt, und die Direction des geheimen Staats-, Hof- und Hausarchivs noch dazu bekam, unter den Ministern Grafen Ludwig Cobenzl und Stadion.

Zur Emporhaltung das Nationalgeistes in den heimathlichen Bergen lieferte er eine Reihe tyroler Almanache, die Beiträge zur Geschichte Tyrols im Mittelalter, die Geschichte Tyrols, das Archiv für Süd-Deutschland, wichtige Beiträge für den tyrolischen Sammler und für andere Journale.

Im December 1805 war er dem Fürsten Lichtenstein auf dem Friedenscongresse zu Preßburg für die deutschen Angelegenheiten zugeordnet. Bald darauf begann er auch seine Arbeiten aus dem österreichischen Staatsrechte mit der wichtigen Abhandlung über Minderjährigkeit, Großjährigkeit und Vormundschaft im österreichischen Kaiserstaat und Kaiserhause, und mit der zweimaligen Regulirung des österreichischen Titels und Wappens, nach der Annahme der Erb-Kaiserwürde und nach der Abdication der deutschen Krone.

1807 begann er seinen österreichischen Plutarch, als ein wahres Noth- und Hülfsbuch für jene Zeit. Beständig einer der thätigsten und erbittertsten Gegner Bonaparte's und seines Systems, veranstaltete er Uebersetzung und Verbreitung der Schriften von Cevallos über die Vorgänge in Bayonne, über die Beraubung und Gefangenschaft des Papstes, über den Vendéekrieg. Er war die Seele aller geheimen Einverständnisse und Vorbereitungen zur Insurrection in Tyrol. Im December 1809 ertheilte ihm der Kaiser den Leopoldsorden, zur Belohnung seiner Verdienste um das von ihm ganz neu organisirte, und um mehr als das fünffache vermehrte geheime Staatsarchiv.

1809 wurde er zur Armee von Inner-Oesterreich unter den Befehlen des Erzherzogs Johann bestimmt, mit der schwierigen und gefahrvollen Aufgabe, wie früherhin der Einleitung, so nun auch der Ausführung der Insurrection in Tyrol und Vorarlberg. Er trat an die Spitze der Landesbewaffnung und Landesverwaltung, und führte dieselbe unter großen Hindernissen und Gefahren, fast ohne Mittel, meist in verzweiflungsvoller Lage, vom Feind in die Acht erklärt, und noch lange nach dem Frieden mit gränzenloser Erbitterung verfolgt, mit großem Erfolge fort, bis der znaimer Waffenstillstand die überaus schmerzliche Räumung Tyrols und Vorarlbergs gebot.

Im September 1809 wurde er wirklicher Hofrath, trat zugleich mit dem Minister Grafen Stadion aus dem Ministerium der auswärtigen Geschäfte, von nun an ausschließlich dem geheimen Centralarchive geschenkt, und zahlreichen historischen Arbeiten ganz hingegeben. Es ist bekannt, das seltsame politische Verwicklungen ihn 1813, als über Bonaparte's Rotten das Gottesgericht auf Rußlands Eisfeldern erging, den Appellationsrath Schneider und viele andere Tyroler und Vorarlberger in Staatsgefangenschaft und Exil brachten.

Im August 1815 ernannte ihn der Kaiser zum Historiographen des Reichs und des kaiserlichen Hauses.


Werke.

  • Oesterreichischer Plutarch, oder Leben und Bildnisse aller Regenten und der berühmtesten Feldherren, Staatsmänner, Gelehrten und Künstler des österreichischen Kaiserstaates. Von Joseph Freyherrn von Hormayr. Wien, 1807. Im Verlage bey Anton Doll.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Biographische Züge aus dem Leben deutscher Männer. I. Joseph Freiherr von Hormayr. Leipzig, 1815 bei Johann Friedrich Gleditsch.