Juan Escoiquiz

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Escoiquiz (Don Juan), Canonicus, ein Mann, der in der neuern Geschichte Spaniens sehr merkwürdig geworden.

Er war als Lehrer der schönen Wissenschaften vom Friedensfürsten beim Prinzen von Asturien (jetzigem König Ferdinand VII.) angestellt worden, als der Prinz kaum 13 Jahr alt war. Escoiquiz gewann bei Ferdinanden nach und nach den größten Einfluß, und er wagte es bald, sich auch in die Staatsangelegenheiten zu mischen. Er war sogar so kühn, dem Könige selbst Vorstellungen über die Verfahrungsweise des Friedensfürsten zu überreichen, wofür er aber, wie sich erwarten ließ, vom Hofe entfernt wurde. Indessen blieb er in genauer schriftlicher Verbindung mit seinem Zögling, wurde sogleich nach dessen Thronbesteigung zurückberufen und in den geheimen Rath aufgenommen, und begleitete jenen nach Bayonne.

Das Nähere über diesen wichtigen Zeitpunkt in der Geschichte Spaniens wird man im Neunten Bande dieses Werks unter Spanien finden.

In Bayonne hatte Napoleon mehrere Unterredungen mit Escoiquiz, die durch ihn selbst und de Pradt bekannt geworden und höchst merkwürdig sind.

Sein früheres System für Ferdinand VII. war gewesen, ihn durch eine Heirath mit Napoleon in nahe Verbindung zu bringen und so dem Friedensfürsten entgegen zu wirken. In Bayonne war sein System dagegen die Ehre, die Integrität Spaniens und die Erhaltung der legitimen Dynastie.

Es war ihm zugestanden, Ferdinanden nach Valençay zu begleiten, er wurde aber bald von Napoleon nach Bourges exilirt, wo er mehrere Jahre bis zu seines Königs Rückkehr nach Spanien zubrachte. Er folgte diesem, ward eine Zeitlang Minister, von diesem unbeständigen Souverain aber bald ins Exil geschickt.

Sehr interessante Details über sein Betragen zu Bayonne und die dortigen Ereignisse überhaupt finden sich in der Schrift: Wahrhafte Darstellung der Gründe, welche den König Ferdinand VII. im April des Jahrs 1808 zur Reise nach Bayonne bewogen haben, von Don Juan Escoiquiz xc. aus dem Spanischen übersetzt 8. Wien 1814. Diese Schrift charakterisirt Escoiquiz als einen geistvollen, höchst rechtschaffenen und sein Vaterland aufrichtig liebenden Mann.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.