Königreich Dänemark

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Dänemark, ein Königreich, im Norden unsers Ertheils, dessen gemäßigte Zone es begränzt.

Der gegenwärtige Regent desselben ist König Friedrich VI. geb. am 28. Jan. 1768, vermählt mit Marie Sophie Frederike, Prinzessin von Hessen-Cassel, geb. am 28. October 1767, Vater von zwei Prinzessinnen.

Lage, Gränzen und Größe

Die dänischen Staaten, begränzt gegen Abend und Mitternacht von der Nordsee, gegen Morgen von der Ostsee, im Süden von den Hanseatischen und Mecklenburgischen Gebieten, bestehen aus den Herzogthümern Schleßwig und Holstein, die nebst der Halbinsel Jütland ungefähr 1 Million 90,000 Seelen zählen; ferner aus den Inseln Seeland, (auf welcher Copenhagen) Fünen, Langeland, Laland, Falster und mehrern kleineren Inseln mit ungefähr 560,000 Einwohnern, (das eigentliche Dänemark) ferner aus dem größten Theile des Herzogthums Lauenburg, mit 60,000 Einwohnern, dann Island und den Faröer Inseln, wo man 100 – 120,000 Einwohner zählt, und deren gesammte Größe 4122 Quadratmeilen beträgt. Außer Europa, nämlich in Ostindien, auf Guinea, Grönland und in Westindien besitzt Dänemark etwa noch gegen 250 Quadratmeilen, so daß sein ganzes Areal auf 4372 Quadratmeilen steigt.

Der Boden dieser Länder ist in Holstein meistens Heide, Sand und Moor; an der Elbe, Nord- und Ostsee am fruchtbarsten; im Schleswig findet sich viel Marschland und Heide, in Jütland noch mehr Moor und Heide; Island ist reich an ungeheuern Gebirgen, die zum theil mit ewigem Eise bedeckt sind. Bedeutende Flüsse durchschneiden den im Ganzen fruchtbaren Boden. Das Clima ist in Holstein und Schleswig ziemlich mild, in Nordjütland meist rauh und kalt, der Westwind der herrschende; am mildesten ist die Luft auf den Inseln.

Die Producte sind Getreide (besonders in Schleswig und Holstein), Obst und Kartoffeln, (überall) Rhabarber, Rübsamen, Hopfen, islandisches Moos, Pferde, Rindvieh, Schafe, Austerbänke.

Die Bevölkerung des gesammten Reichs beträgt ungefähr 1,760,000 Menschen. Für die wissenschaftliche Bildung sind Gymnasien, Universitäten zu Copenhagen, Kiel und noch seit kurzem (Dezember 1811) zu Königsberg, die Ritterakademie zu Sorde, die königliche Gesellschaft zu Copenhagen, die Bibliothek daselbst, die Gesellschaft der schönen Wissenschaften, eine Maler-, Bildhauer- und Bauakademie vorhanden.

Der hauptsächlichsten Gewerbe sind 1. Manufakturen und Fabriken in Eisen, Glas- und Porzellanwaaren, Spitzen, Tüchern, seiden Zeugen, Papier, Zuckerraffinerien und Potasche; 2. der Handel im In- und Auslande; Getreide, Vieh, eingesalzenes Fleisch, Butter, Käse, Obst, Fische und dergl. werden ausgefahren. Zur Beförderung des Handels gibt es mehrere Gesellschaften und Banken. Die jährlichen Einkünfte mögen gegen 7 Millionen Thaler sächsisch betragen. Im Verhältniß zu den Kräften des Staats sind die Staatsschulden nicht eben drückend; überhaupt aber kann der Staat nicht reich genannt werden; welches schon der stete große Verlust am Papiergelde beweiset, dessen Größe kürzlich die Errichtung einer Reichsbank veranlaßte.

Die Militärmacht bestand sonst aus 3935 Mann regulären Cavallerie, 31,400 Mann regulären Infanterie, 7000 Mann regulärer Artillerie und 5000 Mann Matrosen zum Seedienst; der Rest der Flotte besteht noch aus etwa 50 Segeln (vor 1807 war sie 81 Kriegsschiffe stark mit 2183 Kanonen, 202 Karonaden und 220 Haubitzen).

Staatskunst und Gesetzgebung

Der König herrscht mit ganz uneingeschränkter Gewalt. Das Volk, eingetheilt in Adel, Bürger und Bauern, hat durchaus keinen Antheil an der Staatsverwaltung, eben so wenig die Geistlichkeit. Der königliche Titel war bisher: Von Gottes Gnaden König zu Dänemark, Norwegen, der Wenden und Gothen, Herzog zu Schleswig, Holstein, Stormarn und Ditmarschen, wie auch zu Oldenburg. Sein erstgeborner Sohn hieß Kronprinz, die übrigen Prinzen von Geblüt Erbprinzen und Erben von Norwegen. Zum Glanze der Krone gehören 1. der Elephanten-, 2. der Danebrog- und 3. der Union-Orden, letzterer für beide Geschlechter.

Dänemark ist eingetheilt in Sieben Stiftsämter, Island ist ein eignes Amt, Holstein und Schleswig stehen unter einem gemeinschaftlichen Statthalter. Die innern Angelegenheiten leitet der Staatsrath; ihm sind untergeordnet die Dänische Kanzlei und die Deutsche, das Departement der auswärtigen Angelegenheiten, das Finanzcollegium und die Rentkammer, das Generalitäts- und Commissariats-, auch Admiralitätscollegium besorgen das Kriegs- und Marinewesen.

Die herrschende Religion ist die lutherische, alle übrigen sind geduldet. Die Kirchenstaat steht unter mehrern Bischöfen, Generalsuperintendenten und Pröbsten. Die Bischöfe ernennt der König.

Die Geschichte Dänemarks

Die Geschichte Dänemarks reicht weit bis in die dunkle Zeit der Mythe hinaus. Die Cimbern, ein Stamm der Normänner (oder Scandinavier) bewohnten anfänglich die Halbinseln Jütland, Dänemarks größten Theil, und vor ihnen erhielt sie den Namen des Cimbrische, Dänemark, Norwegen und Schweden, erhielten von den mächtigen Fremdlingen ihre Beherrscher. Doch von Odin, dem Wunderbaren, Skiold und Rollo an, bis 855 nach Christus, ist die Geschichte dieser Dynastien und ihrer Unterthanen nichts als eine aus vielen Bruchstücken verbundene Sage.

Der erste König, den man mit einiger Sicherheit nennen kann, war Gorm (Worm) der Alte, ein Nachkomme des Skiold von welchen der erste Stamm der Könige von Dänemark Skioldinger genannt wird; er gab Jütland eine Constitution, und vereinigte (920) alle kleine dänische Staaten unter einem Scepter, führte auch Krieg mit dem deutschen Könige Heinrich I. Bald verbreitete sich die Macht der neuen Krone weiter; König Swen eroberte (1000) einen Theil Norwegens und (1014) Englands, der größer Kanut (Knud) unterwarf sich England und zum Theil Scotland (1016), und bezwang (1030) ganz Norwegen. Ihm verdankte Dänemark die größte Macht, Gesetze, Ordnung und die Einführung des Christenthums.

Waren bis daher seine Bewohner nur als Seeräuber von der Ostsee an bis in die sicilianischen Gewässer bekannt und gefürchtet gewesen, so begannen sie jetzt in die Reihe civilisirter Völker zu treten, und nur die Eroberungssucht mehrerer auf einander folgender Regenten hemmte den Fortgang ihrer Cultivirung, so wie verfehlte Griffe in de Staatsverfassung viel Gutes hinderten. Vorzüglich schadete der unter Swen und Kanut gegründete Feudalismus. Vom Adel und der Geistlichkeit gewählt und abhängig, war der König ohne Macht für die Ausführung großer Entschlüsse. So ging Dänemarks Ruhm wieder unter. Da ergriff Margarethe, Königs Waldemar III. Tochter, nach dem Tode ihres Vaters und Sohnes, das Scepter von Dänemark, (1388) erhob sich zugleich auf die Throne von Norwegen und Schweden, indem sie (1397) die berühmte calmarische Union stiftete, die den langwierigen Kämpfen mit den Schweden ein Ende machte, und die drei nordischen Reiche vereinigte. Doch unaufhörliche Zwiste zerrissen diesen Verein 1523 wieder gänzlich, indem Schweden sich davon lossagte, als Christian II. Despotismus immer höher stieg. Das einzige bleibende Gute, das aus dieser Union hervorging, war die Stiftung der Universität zu Copenhagen durch Christian I. (Graf von Oldenburg) im Jahr 1478. Nach Auflösung der Union ward König Christian II. abgesetzt, und seines Vaters Bruder, Friedrich I., Herzog von Schleswig und Holstein, bestieg den Thron Dänemarks, während dessen Regierung (1523 bis 1533) die Reformation eingeführt wurde, die 1536 unter seinem Söhne, Christian III., auch auf Norwegen, das sich auf lange mit Dänemark verband, überging.

Der unter Christian IV. lodernde 30jährige Krieg, an welchen dieser unkluger Weise Theil nahm, indem er zugleich mit Schweden brach, kostete dem Reiche viele seiner Besitzungen auf dem festen Land; dagegen ließen sich zuerst die Dänen in Ostindien (auf Trankebar) nieder. Noch war Dänemarks Regierungsform nicht das, was sie seyn sollte, um, besonders in den auswärtigen Angelegenheiten, nicht noch mancherlei Nachtheile für das Wohl des Staats und die Würde der Krone zur Folge zu haben.

Um sich der Adelsaristokratie zu entledigen, ward auf einem großen Reichstag (1660) Dänemark zum Erbreich und völlige Souverainetät des Königs erklärt. Die Krone ward erblich in männlicher und weiblicher Nachkommenschaft; der König sollte mit dem 14. Jahre für mündig gelten und evangelisch-lutherischer Religion seyn. Dies war wenigstens die Basis zum künftigen Bessern.

In dem großer nordischen Kriege, in welchen Dänemark sich mischte, ward es besiegt; seine Zollfreiheit im Sunde ging ihm gegen Schweden verloren, doch erwarb es das Herzogthum Schleswig. Noch war seine Finanzverfassung mangelhaft. Aber Friedrich V. vortreffliche Regierung und seines Ministers Bernstorfs Weisheit brachten die Finanzen, Handel und die Wissenschaften empor. Der Tod Kaisers Peter III. von Rußland verhütete einen nahen Krieg mit Rußland wegen der von Dänemark in Besitz genommenen Länder des verstorbenen Herzogs von Holstein-Plon. Die unter Friedrich I. gesetzlich gewordene Leibeigenschaft wurde unter Christian VII. (1766) aufgehoben, und das Areal des Staats gewann durch die Erwerbung des ganzen Holstein, welches gegen die unter Christian V. an Dänemark gefallenen Herzogthümer Oldenburg und Delmenhorst eingetauscht wurde, wodurch auch die langjährigen Streitigkeiten zwischen den verschiedenen holsteinischen Linien und der königlichen endlich beigelegt wurden. Als der Kronprinz seine Volljährigkeit erlangt hatte, ward ihm auch die Mitregentschaft zugestanden (1784); er traf in Verbindung mit dem jüngern Bernstorf, der nur zu früh starb, die vortrefflichsten Einrichtungen, worunter vorzüglich eine völlige Censurfreiheit gehörte.

Außer einem kurzen Mißverständniß mit Schweden, das durch Englands und Preußens drohende Stellung gehoben wurde, während Dänemark im Kriege gegen Frankreich die unerschütterliche Neutralität behauptete, unterbrach bis 1800 nichts die Ruhe. Da aber trat es der nordischen bewaffneten Neutralität bei, und mußte für diesen Schritt die Niederlage seiner Flotte gegen die Engländer unter Nelson (2. April 1801) erfahren. Die auf der Rhede vor Copenhagen geschlossene Convention gab den Dänen die westindischen Inseln St. Thomas und St. Croix zurück, dagegen sie das von ihnen besetzte Hamburg räumten. Doch noch ein Mal mußten sie der Britten Uebermacht fühlen, als im August 1807 diese, nach den mehrjährigen Ereignissen auf dem Continente (in Oesterreich, Preußen und Polen), es für nöthig fanden, die Auslieferung der ganzen dänischen Flotte bis zum allgemeinen Frieden zu verlangen, und als dieses begehren abgeschlagen wurde, nach einem furchtbaren Bombardements Copenhagens (vom 2. bis 5. September) welches erst im März 1808 wieder geräumt wurde, die Flotte (15 Linienschiffe, 14 Fregatten und 5 Briggs) in die englischen Häfen entführten, und darauf (am 4. November 1807) an Dänemark den Krieg erklärten, wodurch es gegen Absicht und Wunsch in den großen Kampf verwickelt wurde, in welchem es sich immer näher an Frankreich anschloß, aber seinen bedeutenden Handel verlor.

Am 3. März 1808 starb Christian VII. Und der bisherige Mitregent, der Kronprinz, bestieg unter dem Namen Friedrich VI. den Thron. Tags vorher war der Krieg gegen Schweden öffentlich erklärt worden. Der Angriff der Schweden auf Norwegen ward zurückgeschlagen, und der Zustand der Dinge in Stockholm erregte sogar mehrere Stimmen, welcher die Vereinigung der scandinavischen Krone auf Friedrichs Haupte als wünschenswerth aussprachen; es fehlte wenig, und die calmarische Union wäre wiedergeboren worden, besonders als diese Wünsche in der Folge nach dem, für Schweden so schmerzlichen Tode des Kronprinzen (Christian von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg) noch lauter wurden. Der am 10. December zu Jönköping unterzeichnete Friede, nach welchem auch das von den Dänen besetzte Herjedalen und Jemteland bei Schweden blieb, stellte das freundschaftliche Verhältniß mit Schweden wieder her. Nur der Krieg mit England dauerte noch fort, beschränkte sich jedoch, wie es füglich nicht anders seyn konnte, auf die Unterbrechung der Verbindungen und auf eine unbedeutende Caperei.

Nachdem Dänemark seit beinahe sechs Jahren mit Frankreich in einem wahren Schutz- und Trutzbündnisse gestanden, suchte es endlich, als sich Herbste 1812 das Waffenglück in Rußland gegen Napoleon entschied, sehr angelegentlich den Frieden mit England, und schien zwischen den übrigen verbündeten Mächten und Frankreich neutral bleiben zu wollen. Zweimal im Jahre 1813 wurde Dänemark aufgefordert der Sache der Aliirten beizutreten. Die Dänen aber besetzten Hamburg und Lübeck, um diese Städte nach gewendetem Waffenglück wieder an die Franzosen auszuliefern. Am Ende des J. 1813 standen die siegenden Schweden unter Anführung ihres tapfern Kronprinzen in Holstein und Schleswig. Die hierauf folgende Waffenstillstand bereitete den 14. Januar 1814 abgeschlossenen Frieden zwischen Dänemark und Schweden, England und Rußland vor, nach welchem Dänemark, Norwegen gegen Schwedisch-Pommern und die Insel Helgoland an England abtrat, und 10,000 Mann Contingent zur Armee der Verbündeten stellte. Der Besitz von Schwedisch-Pommern wurde aber nicht behauptet, sondern das Land an Preußen überlassen, diese Abtretung aber durch Lauenburg und eine Summe Gelds, die Preußen zu bezahlen hatte, vergütet.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Die Geschichte des dänischen Reichs haben unter den Neuern besonders L. Holberg und P. F, Suhm beschrieben.