Kapitulation von Bailén

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Capitulation des Generals Dupont bei Baylen.

Schon war König Don Joseph Napoleon in Madrid eingezogen; die Provinzen Leon, Valencia, Vallodolid, Zamora und Salamanca waren den französischen Siegern unterworfen und entwaffnet. Doch im Süden, am Quadalquivir, in dem von der Natur selbst befestigten Andalusien, in Cordova, Grenada, Jaen, herrschte mit voller Gewalt der Geist der Insurrection, von dem die Junta zu Sevilla die Rettung von den Unterdrückern erwartete.

Dorthin marschirte mit drei Divisionen am Schlusse des Mai General Dupont [xxx]. Cordova und Jaen wurden unter den schrecklichsten Scenen mit Sturm erobert; auch das Heiligste ward gemißhandelt.

Da versprachen die Mönche alle Freuden des Himmels, ohne Fegefeuer, einem jeden, welcher drei Franzosen geopfert haben würde. Diese Anweisung auf Himmels Belohnung that Wunder. Bald sah der spanische Insurgenten-Feldheer, Don Xaver von Castannos, sein Heer auf 30,000 Mann angewachsen.

Doch weniger diese Mannszahl als die strategischen Operationen des spanischen Heerführers; die Hungersnoth und die zunehmenden Krankheiten in der französischen Armee, erhöht durch den gänzlichen Mangel an Lazarethbedürfnissen, da die umherschwärmenden Insurgenten die dazu gehörigen Wagen weggenommen hatten, bereiteten dem General Dupont [xxx] ein Schicksal vor, das allerdings nicht nur für ihn, sondern für die Sache Napoleons in Spanien überhaupt von dem entschiedensten nachtheile war.

Dreitausend Spanier hatten sich in Duponts [xxx] Rücken, zwischen ihn und Madrid, gestellt, indem sie die schwierige Sierra-Morena besetzten; um die unterbrochene Verbindung mit der Hauptstadt möglichst wieder herzustellen, detaschirte Dupont [xxx] die Division Vedél, die Stadt Baylen, und die Division Gobert, Carolina zu besetzen, während er mit der dritten Division eine Stellung bei Andujar am Guadalquivir, unter dem Schutze eines angelegten Brückenkopfes nahm. Jean wurde vom General Castagne besetzt. Diese Anordnungen geschahen, nachdem bei Pennaflor ein Sieg über die Spanier erfochten war.

Am 14ten Julius begann Castannos seine offensiven Operationen gegen die Franzosen; 18,000 Mann, mit schwerem Geschütz versehen, rückten vor die Fronte der französischen Position bei Andujar; 3,000 andere Mann kamen durch die ihnen bekannten Defileen der Sierra Morena ihren Feinden in den Rücken, und noch 6000 Mann stellten sich auf Duponts linke Flanke. Dupont [xxx] hielt sich mit Tapferkeit und Besonnenheit drei Tage lang; doch der 18te Julius entschied. Die spanischen Generale Reding und Compigny griffen Baylen an, Pennas und Jones beschäftigten das Hauptcorps unter Dupont. Dieser mußte Andujar räumen, nachdem Baylen von den Spanier genommen war.

Nach einem neunstündigen hartnäckigen Kampfe sah Dupont [xxx] sich genöthigt, auf einen Waffenstillstand anzutragen, der aber nun unter der Bedingung, "sich auf Discretion zu ergeben," verwilligt werden wollte. Da griff die Division des Generals Vedél, der von dem Schritte Dupont noch nicht unterrichtet war, die Spanier noch einmal an, nahm auch das Regiment Cordova mit zwei Kanonen gefangen, mußte aber endlich doch auch der Uebermacht unterliegen; denn ermattet waren die Franzosen, gestärkt an Leib und Seele die Insurgenten.

Am 23sten Julius capitulirte die ganze eingeschlossene französische Armee, 17000 Mann stark, nachdem 3000 Mann auf dem Platze geblieben waren. Die Artikel der Capitulation waren: "Die Division von Dupont ist kriegsgefangen; die von Vedél legt die Waffen nieder, bis zu ihrer Ankunft in Cadix, wo sie nach Rochefort eingeschifft wird." Doch wurde noch vermittelt, daß auch Duponts Division über Rochefort nach Frankreich zurückkehren sollte.

Dem General Dupont nahm man in Paris diesen Ausgang seiner Expedition sehr übel und wollte ihn mehrerer großen Fehler bezüchtigen. "Wie Sabinus Tilurius (hieß es in einem officiellen Artikel) wurde er durch einen Geist des Schwindels zu seinem Untergange hingerissen, und ließ sich durch die Ränke und Versicherungen eines zweiten Ambiorix täuschen; allein die römischen Soldaten waren glücklicher als die unsrigen, sie starben alle mit den Waffen in der Hand."

Uebrigens hatte dies Ereigniß die Folge, daß in den schon fast ganz beruhigten Provinzen der Aufruhr aufs neue mit verstärkter Gewalt losbrach. (man vergl. hiermit die Art. Dupont und spanische Insurrektion.)


Schreiben des Grafen von Tilly an die Regierungs-Junta von Sevilla.

Aus dem Hauptquartier von Andujar am 21. Julius 1808.


Gestern hat Spanien, oder vielmehr Ew. -- Kriegsheer den vollständigsten Sieg davon getragen, den die Nation seit Jahrhunderten erlebt hat. Sein Erfolg gleicht jenem von Pavia. Mit einem Schlag ist ganz Andalusien von feindlichen Waffen befreyt. Die Division Düpont mit Kriegstroß, Beute und ihren Generalen ist gefangen, und die anderen Divisionen, welche unser Gebieth von der Spitze der Gebirge bis Baylen besetzt hatten, räumen das Land zu Schiffe. Das ist der Hauptinhalt der Capitulation, die wir, der General Castanos, und ich gestern Abends zu unterzeichnen das Vergnügen hatten. Da wir schläfrig und Müde erst um Mitternacht aus dem Lager zurückkamen, so können wir für jetzt die einzelnen Umstände der Capitulation sowohl als der Schlacht nicht einberichten; sie werde aber unverzüglich, sobald die Zeit es erlaubt, nachgetragen werden.

Diese Nachricht überbringt Ew. -- der Oberste und General-Adjutant Don Peter Augustin Giron, ein Officier von ausgezeichnetem Verdienste, der so wie bey vielen anderen Gelegenheiten, auch vorzüglich bey dieser, Talente und eine Tapferkeit bewiesen hat, die ihn Ew. -- Gnade würde machen, welcher ich ihn empfehle.

Heute wird Andujar den Eid der Treue dem König Ferdinand ablegen, was bisher in dieser Stadt noch nicht geschehen ist. Der Tag wird durch ein Te Deum gefeyert, und die Stadt drey Nächte hindurch beleuchtet werden.

Graf von Tilly.


Proclamation des General Castanos.

Spanier ! Wollt ihr gute Soldaten seyn, so lernt zuförderst das Unglück ehren. Die französischen Truppen, unter den befehlen des tapfern Düpont, werden entwaffnet, und kriegsgefangen durch ganz Andalusien ziehen, um sich in St. Lucar nach Rochefort einzuschiffen, in Gemäßheit der Capitulation, die ich so eben bekannt gemacht habe. Familienväter, die ihr Söhne in meiner Armee habt, leistet ihnen alle Unterstützung, die sie nöthig haben werden, alle Sorgfalt, die sie von euch verlangen werden. Bedenkt, daß das gleiche Schicksal eure Kinder treffen könnte, wenn das Waffenglück (was Gott verhüte!) und entgegen wäre - und daß ihr dann auch wünschen würdet, daß sie Menschlichkeit und Wohlwollen behandelt würden. Wer immer einen Franzosen beschimpfen wird, wird unverzüglich ins Hauptquartier gebracht, einen Kriegsgerichte unterworfen, und binnen 24 Stunden erschossen werden.

Soldaten meiner Armee ! Schreibt oder laßt an die Eurigen schreiben, daß die Franzosen tapfer sind, und an und für sich selbst gut, und daß sie verdienen, großmüthig behandelt zu werden. Wenn sie gekommen sind, gegen uns zu streiten; so war es, weil man es ihnen befohlen hat. Sie haben keine Schuld an den Beleidigungen, die uns zugefügt worden sind, und an der Schande, womit ihre Regierung uns in den Augen von Europa und der Nachwelt bedecken wollte.

Andujar, den 21. Jul. 1808.
Franz Xaver de Castanos.


An die oberste Junta zu Sevilla.

Ich übersende Hochdenselben das eine Original der mit dem General Düpont abgeschlossenen Capitulation. Das Düplicat hat er in Folge des XXII. Artikels dieses Vertrages nach Madrid gesendet.

Die ganze Division des Generals Dupont hat also gestern in einer Gegenwart und vor dem Zentrum meines Armeecorps, auf einer Entfernung von 400 Toisen von unserm Lager, 8000 Mann stark das Gewehr gestreckt, und uns ihre Adler, Fahnen, Artillerie, Munition, Fuhrwesen, Gepäcke, mit einem Worte Alles überlassen, was in der Capitulation nicht ausdrücklich ausgenommen war.

Noch am späten Abend verfügte ich mich nach Baylen, dort meine erste und zweyte Division zu mustern. Aus dem tiefsten Inneren, mit bethräntem Auge dankte ich jedem Einzelnen für seinen Muth und seine Beharrlichkeit. - Der Anblick dieser Truppen, die aller Mühseligkeiten, des Hungers, der bestandenen gefahren und selbst ihres herrlichen Sieges vergessend, an nichts dachten, als in diesem ersten Augenblicke Ferdinand den Siebenten jubelnd als ihren König auszurufen, und nichts verlangten, als sogleich zu neuen Triumphen geführt zu werden, dieser Anblick, meinte ich, müsse meine treue Brust zersprengen, und ich weiß auch, welche seelenfreude er Hochdenenselben verschaffen wird.

Diesen Morgen sind zu Baylen auch beyden, auf 9000 Mann geschmolzenen Divisionen der General Vedel [xx] und Cobert [xx] eingezogen, um nach dem Sinne der Capitulation die Waffen niederzulegen und ihr Geschütz abzugeben. Ich werde das Verzeichniß hievon, welches eben aufgenommen wird, Euer Hoheiten überreichen.

Wahrlich ! dießmahl ist das Glück auch einmahl gerecht gewesen; ja es hat unsere hochherzigen Hoffnungen noch übertroffen. Gestern war ich auch in Düponts Hauptquartier und unsere dritte Division sammt der Reserve in Schlachtordnung aufgestellt, damit, wie gesagt, die Franzosen vorbey defilirten. Die erste, 2000 Mann starke Colonne erregte unser Erstaunen. Es waren durchaus Leute von Grenadierschlag, auch die nachfolgenden Colonnen von auserlesener Haltung. - Welch ein Schauspiel für mich, und gewiß die ärgste Demüthigung, welche bisher die übermüthigen Soldaten des übermüthigen Napoleon betroffen hat. Was die Uebrigen bey diesem Anblick empfunden haben, weiß ich nicht. Mir schien er ein himmlischer Traum, und indem ich Herz und Hand zum Herrn der Heerschaaren erhob, zollte ich ihm den heißesten Dank für seinen Beystand.

Wir setzten dann unseren Zug nach dieser Stadt über alle Schlachtfelder fort. Heute um 7 Uhr stellte sich mir der General Vedel mit seinem ganzen Generalstabe vor. Auch seine Truppen hatten in Gemäßheit der Capitulation ihre Waffen niedergelegt. Die ganze Handlung ging in der schönsten Ordnung vor sich. - Wir haben 17000 Gefangene (in dieser Zahl sind die Ueberläufer, Kranken, verwundeten und Todten nicht mit einbegriffen). Es war verhältnißmäßig eine Truppe und eine Zahl, die jedweden anderen, nur keinen Spanier hätte muthlos machen können.

Dieser Abend escortirt ein meiniger Officier mit 20 Mann Düponts ersten Flügel-Adjutanten und einem Groß-Officier des kaiserlichen Hauses an die feindlichen Vorposten. Diese zwey dürfen allein nach Castilien zurückkehren, um ihrem Herrn die Nachricht ihrer Niederlage und unseres Sieges zu bringen.

Am 24. July 1808.
Franz Xavier de Castanos.


Französischer Bericht.

Die vortheilhaften Ereignisse, mit welchen die Ankunft des Königs in Madrid zusammentraf, ließen eine glückliche und schnelle Beendigung der spanischen Angelegenheiten voraussehen, als der General Dupont, nach einer Reihe von Begebenheiten, die wir nicht beschreiben können, weil sie der Gegenstand von Untersuchungen, Berichten und Befragungen werden müssen, den dreifachen Fehler machte, nicht nur sich seine Kommunikation mit Madrid abzuschneiden, sondern auch, was noch schlimmer ist, sich von zwei Drittheilen seiner Macht, die sechs Stunden von seiner Kommunikations-Linie blieben, trennen zu lassen, und sich endlich am 19 Julius mit dem Drittel seiner Leute in einer unvortheilhaften Stellung, nach einem forcirten Nachtmarsch, und ohne zum Ausruhen Zeit gehabt zu haben, zu schlagen.

Es giebt wenig Beispiele von einem allen Grundsätzen des Krieges so zuwider laufenden Betragen. Dieser General, welcher seine Armee anzuführen nicht verstand, zeigte nachher in den Unterhandlungen noch weniger bürgerlichen Muth und Geschicklichkeit. Wie Sabinus Tilurius wurde er durch einen Geist des Schwindels zu seinem Untergange hingerissen, und ließ sich durch die Ränke und Versicherungen eines zweiten Ambiorix täuschen; allein die römischen Soldaten waren glücklicher als die unsrigen, sie starben alle mit den Waffen in der Hand.


Zeitungen von Sevilla.

Blatt Nr. 16. vom 23. July:

Am 16. Jul. hat der General Reding an der Spitze seiner 9000 Mann starken Division die Franzosen mit bedeutendem Verlust aus allen ihren Verschanzungen bey Mengibar vertrieben, vorzüglich haben dabey die feindliche Kürassiers gelitten. Der Marquis Conpigny, der mit seiner 5000 Mann starken Division gemeinschaftlich mit Reding angriff, delegirte den Feind aus Villanueva, 200 Franzosen blieben todt, viele wurden verwundet, viele gefangen. Inzwischen rückte aber auch der Obergeneral Castanhjos mit dem Hauptarmeekorps gegen Andujar vor, und stellte sich gegen die in den Flanken von Reding und Coupigny beschäftigte feindliche Hauptmacht Am 19. Jul. um 4 Uhr nach Mitternacht erhielt General Castanhjos die Nachricht, Düpont habe Andujar geräumt, und ziehe sich eiligst auf der Hauptstrasse nach Madrit zurück. Hierauf wurden augenblicklich die nöthigen Vorbereitungen getroffen ihn sogleich ohne Unterlaß im Rücken und in Flanke anzufallen, wodurch er auch genöthiget wurde, sich auf Diskretion zu ergeben.

Blatt Nr. 18 vom 30. Jul.

Am 23. dies defilirte 8000 Mann stark die Division des General Düpont durch die Spanischen Truppen, in Gegenwart ihres Obergenerals, Castanhjos, und streckte das Gewehr. Die Artillerie, Adler, Munizion und Bagage, wurden den Spaniern übergeben, so wie die in den Spanischen Städten gemachte reiche Beute, den Offizieren ihre Degen und sämmtliche Bagage beygelassen.

Am 24. Jul. haben die Divisionen der Generale Vedel [xx] und Goubot gleichfalls kapitulirt, und Waffen und Artillerie den Spaniern übergeben. Ueber 600 Franzosen sind krank in Andujar und Baylen zurückgeblieben, so daß Düponts ganzer Verlust an Todten, Verwundeten und Deserteurs, nebst den 17,600 Mann Gefangenen, seit Anfangs July über 20,000 Mann zu rechnen ist.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Sammlung der Actenstücke über die spanische Thronveränderung. Germanien, 1808.
  • Oesterreichisch-Kaiserliche privilegirte Wiener-Zeitung. Für das Jahr 1808. Nro.81.
  • Geschichte der spanisch-portugiesischen Thron-Umkehr und des daraus entstandenen Kriegs, von Dr. Carl Venturini. Altona, 1812. bei Johann Friedrich Hammerich.