Karl August von Hardenberg

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Baron v. Hardenberg.

Hardenberg (Baron v.) geb. Hannoveraner, geheimer Staats- Kriegs- und Kabinetsminister des Königs von Preussen.

Den 26. Januar 1792 nahm er in Nahmen seines Königs von dem Markgrafthum Ansbach und Bayreuth Besitz, empfing in der Eigenschaft eines dirigenden Ministers den Huldigungseid der Unterthanen und wurde zum Gouverneur und Präsidenten der preußischen Regierung von Franken ernannt.

1795 trat er an die Stelle des Baron von Goltz bey den, zwischen Preußen und der französischen Republik zu Basel eingeleiteten, Unterhandlungen und unterzeichnete den 5. April den Baseler Frieden. Im Juny erhielt er den schwarzen Adlerorden.

Er genoß fortwährend einen grossen Einfluß bey dem Berlinerkabinet und wurde 1803, nach dem Abgange des Ministers Haugwitz, zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt.

Im September 1805, bey dem Aufenthalte des ausserordentlichen rußischen Gesandten, Grafen Winzingerode zu Berlin, erließ er eine diplomatische Note an den französischen Minister Laforest, die den Keim eines Mißverständnisses zwischen beyden Mächten ankündigte. Es wurde selbst einige Zeit darauf in Pariser Blättern behauptet, daß er, der englisch-rußischen Parthey zugethan, während des Aufenthaltes des Kaisers Alexanders zu Berlin, eine Allianz-Tractat mit Rußland unterzeichnet habe. Ob nun gleich dieser Vertrag, der geheim geblieben ist, durch die Schlacht von Austerlitz erfolglos gemacht wurde, so schien doch das Benehmen des Baron Hardenberg Veranlassung zur Unzufriedenheit des französischen Cabinets gegeben zu haben. Nach den Ausgleichungen der Mißverständnisse zwischen Preußen und Frankreich, die der Graf von Haugwitz scheinbar zu Stande gebracht hatte, blieb er nur noch an der Spitze des Magdeburgisch-Halberstädtischen Departements, wurde aber im Kurzen wieder zu den Konferenzen gezogen, welche im Sommer in Charlottenburg Statt fanden. Den größten Theil des Sommers verlebte er auf seinem Landgut Tempelhof, nicht weit von Berlin; indeß machte er auch mehrere Reisen, deren Zweck nicht bekannt geworden ist.

Nach dem 14. October folgte er dem Könige nach Preußen. Eine längere Zeit schien es, als wollte er sich nicht mit dem Departement des auswärtigen Angelegenheiten abgeben; als aber der General von Zastrow der Spannung, worein ihn die Krisis im Dezember 1806 und im Januar 1807 setzte, überdrüssig war, nahm Hardenberg das Portefeuille wieder. Die Gewogenheit des russischen Kaisers schien ihn behaupten zu wollen. Dieß dauerte aber nur bis zur Schlacht bey Friedeland. Napoleon, der ihn, ein Jahr früher, aus dem Kabinet entfernt hatte, entfernte ihn auch jetzt daraus.


Carl August Freyherr von Hardenberg.

Hardenberg (Carl August Freyherr, jetzt Fürst von), seit dem 6. Juni 1810 königl. Preußischer Staatskanzler, gehört zu den größten und ausgezeichnetsten Staatsmännern der neueren Zeit, und hat auf die großen Ereignisse der Gegenwart vielfältig eingewirkt.

Geboren im Hannöverschen im J. 1750, trat er nach Beendigung seiner Studien in Leipzig und Göttingen im J. 1770 in vaterländische Dienste. Der Wohlstand, in welchem er geboren war, erlaubte ihm, sich von den Fesseln seiner Berufsarbeit loszumachen, und durch Reisen und den Umgang mit der großen Welt seine mannigfaltig erworbenen Kenntnisse zu erweitern, und den Talenten, mit welchen ihn die Natur ausgerüstet, eine lebendige Bildung zu verleihen.

Mit den Titel eines Kammerraths sich vorerst begnügend, brachte er mehrere Jahre theils in Wetzlar, Regensburg, Wien und Berlin, theils in Frankreich, Holland und vorzüglich in England zu.

Im J. 1778 ward er geheimer Kammerrath, doch entführte ihn ein Privatzwist mit einem Englischen Prinzen 1782 seinem Vaterlande, worauf ihn der letzte Herzog von Braunschweig als wirklichen geheimen Rath und Großvoigt in seinem Ministerium anstellte. Dieser Fürst gewann ihn bald so lieb, daß er, um ihn auszuzeichnen, 1786 ihn mit dem bei ihm niedergelegten Testament Friedrichs II. nach Berlin sandte. Er imponirte an dem prachtvollen Hofe Friedrich Wilhelms sowohl durch seine Person, als durch sein Benehmen und seine Talente, so daß der Herzog sich seiner oft bediente, um seine Angelegenheiten am Berliner Hofe zu betreiben.

Im J. 1787 wurde er zum Braunschweigischen Präsidenten des Kammercollegiums erhoben. Indeß hatte er bereits die Aufmerksamkeit des Preußischen Hofes auf sich gezogen, und als im J. 1790 der letzte Markgraf von Anspach und Baireuth von dem Könige von Preußen einen Minister für seine Fürstenthümer verlangte, empfahl dieser den Baron von Hardenberg zu dieser Stelle, nachdem er ihn sich von den Herzog von Braunschweig erbeten hatte. Bekanntlich resignirte im Jahr 1791 der Markgraf von Anspach-Baireuth die Regierung, worauf diese Länder mit den Preußischen Staaten vereinigt wurden. Hardenberg, welcher schon an der Spitze der Verwaltungsangelegenheiten dieser Provinzen stand, ward nicht allein von der Preußischen Regierung für seine Wirkungskreise beibehalten, sondern auch zum geheimen Staats- und dirigirenden Minister ernannt, und nahm im J. 1792, da der König von Preußen förmlich die Regierung daselbst antrat, die Huldigung im Namen desselben an. Endlich, da die Verwaltung dieser Provinzen, wegen der mannigfaltigen auswärtigen Beziehungen, oft Verabredungen mit dem Kabinetsministerium erforderlich machte, fand es der König rathsam, ihn zum Kabinetsminister zu ernennen, und verlieh ihm, zum Zeichen seiner Huld, die Insignien des rothen Adlerordens.

Am Ende desselben Jahres, als der Krieg gegen Frankreich begonnen hatte, berief ihn der König ins Hauptquartier nach Frankfurt am Main, wo er den nächsten Winter hindurch blieb und für die Bedürfnisse der Armee sorgen half. Dann wurde er zum königlichen Commissär in politischen Angelegenheiten ernannt, und blieb in dieser Eigenschaft auch das Jahr hindurch bei der Armee am Rhein.

Das Zutrauen des Königs stieg immer höher, und im Anfange des Jahrs 1795 sandte er ihn nach Basel, wo er nach dem Tode des Grafen Golz die Friedensunterhandlungen betrieb, und durch den am 5. April 1795 abgeschlossenen Frieden dem Preußischen Staate Ruhe, sich selbst aber den Beifall seines Monarchen und zur Belohnung den schwarzen Adlerorden erwarb.

Durch diese glücklichen Erfolge zu doppelter Thätigkeit beseelt, kehrte jetzt Hardenberg in die ihm untergeben gewesenen Provinzen zurück, deren Verwaltung er aufs neue übernahm. Er beschäftigte sich damit, nicht allein ihre Organisation zu vereinfachen, sondern auch vielfache Gränzstreitigkeiten mit den benachbarten Deutschen Fürsten und Reichsständen auszugleichen.

Nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms III. bekam sein Wirkungskreis eine veränderte Richtung. Zu Bewirkung größerer Einheit wurden das Justiz- und geistliche Fach der Fränkischen Provinzen, von denen Hardenberg auch der Chef war, dem Preußischen Justizministerium und dem Oberconsistorium untergeordnet, und das Finanzdepartement mit dem Generaldirektorium vereinigt. Der Minister blieb zwar Chef derselben, ward aber nach Berlin versetzt, wo ihm beim Kabinetsministerium die Theilnahme in allen Fränkischen auswärtigen, Hoheits- und öffentlichen Angelegenheiten, und die Direktion dieser Geschäfte, so wie der Lehenssachen, übertragen wurde.

Hardenbergs Verdienste vergrößerten das Vertrauen des Monarchen in dem Grade gegen ihn, daß er nach dem Tode des Ministers von Werder im Jahre 1800 Chef des Magdeburg-Halberstädtischen Departements ward, und nach dem Ableben des Ministers von Heinitz einstweilen das Westphälische Departement, nebst dem von Neufchatel, und endlich für immer die Curatel der Kunst- und Bauacademie erhielt.

Der Berliner Hof war um diese Zeit fast der Mittelpunkt aller Verhandlungen der verschiedenen Europäische Mächte unter des Grafen Haugwitz Leitung geworden, der bekanntlich für das Interesse Frankreichs gestimmt war. Als aber dieser Minister auf seinen Wunsch die Erlaubniß erhielt, sich von den Geschäften losmachen und auf seine Güter zurückzuziehen zu dürfen, trat mit dem vollsten Vertrauen seines Königs Hardenberg an dessen Stelle, der bei einer natürlichen Vorliebe für das Volk, das seinem angebornen Landesherrn huldigt, sehr bald bewirkte, daß das Preußische Kabinet eine überwiegende Neigung für England annahm. Dies bewog den Grafen Haugwitz, seine förmliche Dimission zu nehmen, worauf im August 1804 Hardenberg völlig an dessen Stelle trat.

Das Bestreben des Ministers scheint durchaus damals gewesen zu seyn, Preußen die Neutralität zu erhalten; erst als die Französischen Truppen das Anspachische Gebiet verletzten, änderte er sein System, die Convention von Potsdam zwischen Rußland und Preußen (am 3. Nov. 1805) ward geschlossen, und man traf Rüstungen zum Kriege, dessen Ausbruch jedoch durch die Begebenheiten von Ulm verhindert wurde.

Preußen ward zu Unterhandlungen geneigt, und schloß durch Haugwitz eine Convention mit Napoleon, vermöge welcher seiner Neutralität durch die provisorische Besitznahme Hannovers eine Größere und festere Basis verliehen wurde. Eine Folge dieser Uebereinkunft war, daß Hardenberg seine Stelle wieder an Haugwitz überließ, und, entfernt vom Kabinet, durch anhaltende Thätigkeit in dem übrigen Theile seines Wirkungskreises (als Chef des Magdeburgisch-Halberstädtischen Departements) den Schmerz zu unterdrücken suchte, den ihm Hannovers Besitznahme durch Preußen und dessen Entzweiung mit England verursachen mußten.

Aber auch Haugwitz sollte sich seines Werks nicht lange freuen. Ereignisse, die man unerwartet fand, weil man an das Alltägliche gewöhnt war, führten Preußen 1806 dennoch zum Kriege. Hardenberg wurde zu den Conferenzen gezogen, die vor Ausbruch desselben zu Charlottenburg statt fanden, und machte einige Reisen in Aufträgen des Hofes.

Nach dem 14. Oct. begab er sich zum Könige, und übernahm, da der General von Zastrow, der an Haugwitz Stelle den auswärtigen Angelegenheiten vorstand, im Anfange des Jahres 1807 seine Entlassung wünschte, auf Alexanders Wunsch das Portefeuille wieder.

Nach dem Frieden von Tilsit bat er um seine Entlassung, blieb eine Zeitlang an den Gränzen von Rußland, und kehrte dann nach der Mark Brandenburg zurück, wo er auf seinem Landgute Tempelhof bei Berlin in stiller Abgeschiedenheit lebte, bis ihn der König zu der höhern Würde eines Staatskanzlers berief. Die Verdienste, die er sich als solcher um den Staat erwarb, sind zu neu, um schon jetzt einer gehörigen Würdigung fähig zu seyn.

In seinen äußern Verhältnissen suchte er Preußen seitdem möglichst eng mit Frankreich zu verbinden, allein er ergriff die entgegengesetzte Partei, als nach dem Rückzuge der Französischen Armee aus Rußland im J. 1813 ihm ein günstiger Zeitpunkt dazu gekommen zu seyn schien, und welche glücklich Resultate daraus für Preußen erwachsen sind, ist allgemein bekannt.

Im Hauptquartier Paris vom 3. Juni 1814 erhob sein König ihn und seine Nachkommen in den Fürstenstand, und verband damit eine ansehnliche Dotation an liegenden Gütern, welche nach dem königlichen Befehle den Collectivnamen Neu-Hardenberg erhielten.

Im Herbst 1814 begab sich der Fürst nach Wien und wohnte dem dortigen Congresse bei. Im J. 1815 begleitete er den König in dem französischen Feldzuge, und spielte dann eine Hauptrolle in den wichtigsten Negotiationen, welche nach der Beendigung desselben in Paris Statt hatten.

Ohne allen Zweifel ist Hardenberg ein Staatsmann von glänzenden Talenten und großen Eigenschaften, der eine hohe Idee zu fassen und zu realisiren weiß, und ohne Privatrücksichten das Beste des Monarchen redlich will, der ihn seines Vertrauens gewürdigt, und sein und seiner Unterthanen Schicksal in seine Hände gelegt hat.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.