Karl Emanuel IV. (Sardinien)

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Carl Emmanuel, König von Sardinien, gebohren den 24sten May 1751, vermählte mit Marie Adelaide von Frankreich, die den 7ten März 1802 ohne Kinder starb.

Er nahm 1789 als Verwandter und Bundesgenosse, die französischen Prinzen und andere französische Ausgewanderte, die ihm um einen Zufluchtsort baten, auf, nahmentlich den Grafen von Artois.

Frankreich erklärte ihm 1792 den Krieg, bemächtigte sich eines Theils seiner Staaten und nöthigte ihn 1795, da durch das Vordringen des Generals Bonaparte die österreichische Armee ihn zu verlassen gezwungen war, zu kapituliren und seine vorzüglichsten Plätze zu übergeben.

In seine Residenz eingeschlossen, war er nach und nach genöthigt, französische Garnison selbst bis in die Citadelle einzunehmen, und sich endlich nach Sardinien zu flüchten, wo er, nach einer unglücklichen Regierung, die Krone niederlegte und sie seinem Bruder, Herzog von Aosta, jetzigem König von Sardinien, unter dem Nahmen Viktor Emmanuel abtrat.

Er begab sich nach Rom und widmete sich andächtigen Uebungen, die stets sein Hauptgeschäft gewesen waren. 1808 lebte er noch und erbaute die Römer durch die Unbescholtenheit seiner Sitten und die Regelmässigkeit seines Benehmens.


Von Reisende.

Karol Fryderyk Wojda

[1798]
Der Saal, durch welchen der König aus seinen Zimmern in die Kapelle des heiligen Schweisstuches (San Sudario oder Santissima Sindone), die mit der Kathedralkirche zusammenhängt, zu gehen pflegt, ist von ziemlicher Grösse, aber leer und ohne alle Zierrathen. Ich traf in demselben eine Menge Menschen, von jedem Geschlecht, Alter und Stande; einige hielten Bittschriften in der Hand, um sie dem Könige beim Durchgehen zu überreichen; andere, die wohl mehrentheils fremde Reisende seyn mochten, hatte bloss Neugierde dahin geführt. Ausser diesen liesen mehrere Hofbedienten, Pagen, Kammerherren, Offiziere und besternte und bebänderte Staatsbeamten auf und ab; ganz gravitätisch aber und mit abgemessenem Schritte gieng ein Schweizer von der Garde, in einem auf allen Nähten galonirten Rocke mit seiner Hellebarde vor dem Eingange zu den Zimmern des Königs hin und her. Es fiel mir auf, dass ich unter der hier versammelten Menge auch französische Offiziere in ihrer Uniform herum spatzieren sah. Es waren meistentheils Leute von gesetzten Jahren, die an dergleichen Schauspiele gewöhnt, hier wahrscheinlich ihrer Vorliebe für selbige zu befriedigen und sich einen Genuss zu verschaffen kamen, den sie nun in Versailles vergeblich suchen müssen.
So lange die Stunde, an welcher der König in die Messe zu gehen pflegt, noch nicht geschlagen hatte, lief alles im Saale ohne Ordnung mitten und durch einander. Seine Nahe Ankunft wurde durch die Erscheinung des Hofkapellans angekündigt, der sich in die Kapelle begab. Die wachthabenden Schweizer ersuchten nun die Anwesenden, sich in zwei Reihen von einer Thür bis zur andern zu stellen und kaum hatte ich meinen Platz an derjenigen, durch welche er hinausgehen musste, eingenommen, als man zu den Waffen rief und mehrere Hofjunker, Pagen, und Gensdarmen aus den königlichen Vorzimmern in den Saal traten und ebenfalls zwei Reihen bildeten. Hätte man mir den König nicht gezeigt, ich würde ihn wahrhaft nicht unter der blassen, magern und kränklichen Figur gesucht haben, die zu erst heraustrat und ihre rothen, triefenden Augen so freundlich als möglich auf die anwesende Menge warf. Er war in Uniform gekleidet, die ihm wie ein Sack auf dem Leibe hieng, in Schuhen und weissen seidenen Strümpfen und den Huth unter dem Arm. Sein ganzes Aeussere zeigte eine von Gram und Sorgen untergrabene Gesundheit an und wenn ich anders den Ausdruck auf seinem Gesichte richtig beurtheilt habe, so hat ihn sein Hang zur Frömmelei und Devotion gegen Alles, was ihm in diesem Leben begegnen kann, schon ganz gleichgiltig gemacht. Er ist gefasst auf Alles, aber mehr, weil er es als Schickung des Himmels, als wie nothwendige Folge der Umstände betrachtet. --
Nach dem Könige folgten die Herzoge von Aosta und Montferrat, seine Brüder, und der Prinz von Carignan. Ersterer macht eine eben so erbärmliche Figur und scheint, wie der König, an einer unangenehmen Augenentzündung zu leiden. Jünger, frischer und stärker als beide sieht der Prinz von Carignan aus, aber ich könnte wahrhaftig nicht sagen, dass ich ihn schön gefunden hätte. -- Das Gesicht der Königin konnte man nur mit genauer Noth sehen, es war beinahe ganz in einen schwarzen Capuchon versteckt. Sie hatte, ihrem Gelübde gemäss, ein wollenes Kleid von blauer Farbe an, das aber nichts destoweniger einen spanischen Reifrock deckte und dessen lange Schleppe zwei Pagen trugen. Ihre Hofdamen, ebenfalls alte Mütterchen, waren nach den nehmlichen Grundsätzen des Ceremoniels gekleidet und ich muss Ihnen gestehn, dass ich dabei sehr stark in Versuchung gerieth, das Ganze für eine komische Maskerade zu halten.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Briefe über Italien geschrieben in den Jahren 1798 und 1799 vom Verfasser der vertraulichen Briefe über Frankreich und Paris. Leipzig bey Pet. Phil. Wolf und Comp. 1802