Karl IV. (Spanien)

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Biographien

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Carl IV., König von Spanien.

Carl IV., König von Spanien.

Carl IV., König von Spanien, gebohren den 12ten Dezember 1748, folgte seinem Vater Carl III. 1788 in der Regierung. Er hatte sich im September 1765 mit der Tochter des Herzogs von Parma, Luise Marie, vermählt, aus welcher Ehe sechs Kinder leben.

Er blieb anfangs dem Regierungssystem seines Vaters treu. Dem 1792 gestürzten Minister Florida Blanca folgte etwas später der Günstling des Königs und der Königin, Godoi, Herzog von Alcudia.

Im Jahre 1793 brach der Krieg mit Frankreich aus, den 1795 der Baseler Frieden schloß, worauf eine Allianz folgte, die den Krieg mit England herbey führte, den der Friede zu Amiens 1792 mit der Abtretung der Insel Trinidad endigte. Im Jahre 1804 brach der Krieg wieder aus, und die Pest hatte in Malaga und andern Orten eine Million Menschen weggerafft. Statt des einem Infanten verschafften Thrones von Etrurien mußte Louisiana an Frankreich abgetreten werden. Zur Verbesserung der Land- und Seemacht, der Wissenschaften u. s. w. geschah durch des Friedensfürsten Macht vieles.

Im Oktober 1807 wollte der Kronprinz den Friedensfürsten stürzen; aber der Plan wurde entdeckt, doch erhielt der Prinz Verzeihung, nur seine Rathgeber wurden entfernt. Aber im May des folgenden Jahrs brach die Verschwörung neuerdings aus, der Friedensfürst ward mißhandelt und arretirt, König Carl IV. mußte resigniren und der Prinz bestieg unter dem Namen Ferdinand VII. der Thron. Aber Kaiser Napoleon erkannte ihn nicht an, und später legten Vater und Sohn ihre Kronen nieder, Napoleon ernannte seinen Bruder Joseph zum Könige von Spanien, und Carl IV. mit seiner Gemahlin, seine Kindern und dem Friedensfürsten leben nun von einer jährlichen Pension in Frankreich.


Carl IV. resignirter König von Spanien.

Carl IV., resignirter König von Spanien, ist den 12ten December 1748 geboren, und bestieg nach seines Vaters, Carls III., Tode den Thron.

Seit dem September 1765 ist er mit der Tochter des Herzogs von Parma, Luise Marie, vermählt, aus welcher Ehe noch fünf Kinder leben.

Ohne Kraft, selbst zu regieren, war er stets von seien Ministern abhängig, unter denen der Friedensfürst, Godoi, Herzog von Alcudia (s. d.) seit 1792 einen unbeschränkten Einfluß auf ihn gewann.

Der haß, den dieser Günstling von Seiten des Prinzen von Asturien und andrer Großen auf sich zog, führte endlich 1808 eine Revolution herbei, welche Napoleon zu benutzen suchte, um die Bourbonen vom spanischen Throne zu entfernen. Es gelang ihm durch seine Ränke, den schwachen Carl, der bereits zum Vortheil seines Sohnes, Ferdinand VII., auf die Krone verzichtet hatte [≡], zu einem Widerruf und zu der Erklärung [≡] zu bewegen , daß er sich in die Arme seines großmüthigen Freundes, des Kaisers von Frankreich, werfe. Bald darauf folgten die Begebenheiten zu Bayonne; Carl trat seine Rechte auf den Thron an Napoleon ab, welcher ihm dagegen auf Lebenszeit den Palast zu Compiegne und eine jährliche Rente von 30 Millionen Realen, wovon nach des Königs Tode 2 Millionen der Königin als Witwengehalt verbleiben sollten, zusicherte. Dem gemäß lebte Carl anfangs mit seiner Gemahlin und dem Friedensfürsten zu Compiegne; vertauschte aber später diesen Wohnort mit Rom, dessen Clima ihm mehr zusagte.

Als Ferdinand VII. auf dem spanischen Thron wieder hergestellt war, schloß er (am 14ten Jan. 1815) einen Vertrag mit seinem Vater, kraft dessen der letztere zu seinem jährlichen Unterhalte die Summe von 8 Millionen Realen (ungefähr 1 Million Gulden rheinisch) aus dem spanischen Schatze erhält. Die Hauptbeschäftigung des Königs ist von jeher die Jagd gewesen.


Schilderung.

Der jetzige König Karl IV., geboren im J. 1748, König seit 1788, ist ein sehr ansehnlicher Mann, über sechs Fuß hoch, breit von Brust und Schultern, und von starkem Körperbau, der eine feste Constitution und viel physische Kraft andeutet; dabei besitzt dieser Monarch eine herkulische Leibesstärke, die er als Kronprinz oft an Menschen und Thieren zu üben pflegte; auch war es damals sein Vergnügen, die größten Schweine niederzuwerfen. -- Sein frisches, blühendes Ansehen, sein feuervolles Auge, sein Adlerblick, seine bourbonische Nase und sein hoher Wuchs geben ihm zusammen genommen ein wahrhaft imponirendes, wirklich königliches Ansehen. Er ragt majestätisch aus der Mitte seiner Höflinge hervor; seine Miene ist immer ernsthaft, oft finster; in seinem ganzen Anstande herrscht viel Hoheit. -- Als er noch Kronprinz war, versprach seine rauhe Gemüthsart nicht viel Gutes; auch mußte anfangs seine Gemahlin, eine Prinzessin von Parma (geboren im J. 1751) die er (im J. 1765) wider seinen Willen heurathen mußte, Vieles von ihm leiden. Jetzt ist aber Alles anders. Als König hat er seine Rauheit ganz abgelegt; die Königinn hat sich seine Liebe zu erwerben gewußt, und nun herrscht die schönste Eintracht in der königlichen Familie. *)

Der König steht sowohl im Sommer, als im Winter sehr frühe auf, und da müssen die Höflinge schon auf ihn warten; er läßt sich ankleiden, trinkt dann Schokolade, die ihm ein Kammerherr knieend überreicht, und besucht hierauf die Messe. Ist die Witterung günstig, so fährt er nachher auf die Jagd, wo nicht, so beschäftigt er sich mit Drechseln, zuweilen besucht er auch die Tischlerei; denn er ist überhaupt ein großer Liebhaber von mechanischen Arbeiten. Jeden Morgen muß die ganze königliche Familie dem Könige die Aufwartung machen. Die Königinn ist beinahe immer um ihn, und hat daher Manches von dem steifen Hofceremoniel abgeändert. Sie wohnt selbst oft dem Despacho, oder der Ausfertigung der Staats- und Regierungssachen bei, und hat einen bedeutenden Einfluß auf dieselben. An der Ausfertigungstagen müssen die Minister die Papiere zum Unterschreiben dem Könige knieend darreichen.

Beinahe täglich fahren die fremden Gesandten kurz vor Tische nach Hof, um ihre Aufwartung bei der Tafel zu machen, wobei zugleich die Minister und die vornehmsten Militärpersonen, Hofbeamten und andere Vornehme erscheinen.

Der König und die Königin essen gewöhnlich alleine; denn jede Person der königliche Familie hat ihre eigene Hofhaltung. Bei der königlichen Tafel warten die ersten Hofbeamten auf, welche lauter Grandes sind. Dabei wimmelt es von Pagen und Aufwärtern; die Bedienten bilden eine lange Reihe; einer reicht die Speisen dem andern, bis sie zu dem Kammerherrn kommen, der sie auf den Tisch setzt, und der auch vorschneidet.

Die Tafel ist wahrhaft königlich eingerichtet; doch ist in neueren Zeiten mehr Oeconomie dabei eingeführt worden; ja die königliche Küche ist jetzt verpachtet, und alle Gerichte sind taxirt.

Der König ist ein großer Liebhaber der Jagd, und wenn die Witterung es erlaubt, so jagt er oft Tage lang. Den Abend bringt er in Gesellschaft der Königin zu. --

Der König ist ein liebevoller Gatte, ein guter Vater, ein nachsichtiger Herr, und ein seine Unterthanen liebender König. Unglücksfälle, welche seine Unterthanen betreffen, können ihn bis zu Thränen rühren. Schade, daß er nicht Alles selbst sehen kann!

So glänzend der Hofstaat auch ist, und so zahlreich die mannichfaltigen Hofbedienten auch sind, so lebt doch die königliche Familie sehr im Stillen; Lustpartieen und schimmernde Feste fallen hier nicht vor; der König besucht keine öffentlichen Schauspiele, und geht außer den Galatagen immer ganz einfach gekleidet. Wenn er ausfährt, so müssen ihn immer sechs berittene Leibgardisten begleiten; zuweilen lenkt er die Pferde selbst.

*) Diese Schilderung ist entlehnt aus: Spanien, wie es gegenwärtig ist. I. S. 350 u. ff.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Neueste Kunde von Portugal und Spanien. Nebst einer allgemeinen Einleitung zur neuesten Länder- und Völkerkunde. Aus Quellen bearbeitet von Th. Fr. Ehrmann. Prag 1808. in der Diesbachischen Buchhandlung.