Karl Philipp zu Schwarzenberg

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fürst Carl Philipp von Schwarzenberg.

Carl Fürst von Schwarzenberg, Kaiserl. Königl. oester. General-Feldmarschall.
Carl Johann. Schwarzenberg. Blücher.

Schwarzenberg (Fürst Carl Philipp von Schwarzenberg), kaiserlich österreichischer General-Feldmarschall, geboren den 15. April 1771, trat zeitig in den Waffendienst und wurde beim Ausbruche des ersten Kriegs mit Frankreich Adjutant des Grafen Clairfait.

In dem Gefecht von Quievrain (1. Mai 1792) fand er Gelegenheit, sich rühmlich auszuzeichnen.

Im folgenden Feldzug commandirte er einen Theil der Avantgarde des Prinzen Coburg. Bei dem Ueberfall von Aldenkirchen, bei der Belagerung von Valenciennes und bei dem großen Gefecht zwischen Bouchain und Crambrai (27. April 1794) zeigte der Fürst so viel Tapferkeit, Talent und Geistesgegenwart, daß ihm auf dem letztern Schlachtfelde das Kreuz des Marien Theresien-Ordens als Belohnung zu Theil wurde.

1796 war er als Obrister und Commandant des Kürassierregiments Zscheschwitz bei dem Corps von Wartensleben angestellt, und wurde nach der Schlacht von Würzburg zum Generalmajor befördert.

1802 wurde ihm die Gesandtschaft am Petersburger Hofe angetragen, die er aber ablehnte.

Bei dem Ausbruche des neuen Kriegs mit Frankreich im J. 1805 war er einer der drei österreichischen Generalofficiere, die mit dem Baron Winzingerode, Generaladjutanten des Kaisers Alexanders, den Plan zu diesem Feldzuge verabredeten. Bei Ulm commandirte er den rechten österreichischen Flügel. Nachdem alles hier verloren war, schlug er sich mit dem Prinzen Ferdinand mit einigen Cavallerieregimentern durch und entkam so nach Böhmen.

Nach dem Presburger Frieden wurde er zum österreichischen Ambassadeur bei Napoleon ernannt, eine Stelle, die er mit eben so vieler Gewandtheit als Würde ausfüllte, so viel er auch häufig von den Launen desselben zu dulden hatte. Die Unterhandlungen über die Vermählung Napoleons mit der Erzherzogin Marie Luise wurden von ihm geleitet.

In dem russischen Feldzuge, zu welchem Oesterreich nach dem Tractat von 14 März ein Hülfscorps zu stellen hatte, wurde Fürst Schwarzenberg zum Befehlshaber desselben ernannt. Dieses 30,000 Mann starke Corps wurde in Gallizien versammelt und passirte in den ersten Tagen des Julius den Bug, verfolgte die sich zurückziehenden Russen und besetzte am 11. die wichtige Position von Pinsk. Im August erhielt der Fürst von Napoleon den Oberbefehl über die auf seinem rechten Flügel operirenden Armee und über das 7te (aus Sachsen bestehende) Corps, und es gelang ihm, gegen Tormassow einige Vortheile zu erhalten. Im Monat October mußte er sich jedoch vor der verstärkten russische Armee unter Tschitschakow und Tormassow unter nachtheiligen Gefechten ins Großherzogthum Warschau zurückziehen. Wahrscheinlich war in diesem Zeitpunkte, vermöge geheimer Instructionen, die Thätigkeit des Fürsten nur noch negativ.

Sein Armeecorps blieb bis zum Februar 1813 in der Position von Pultusk. Am 9. dieses Monats verließ er dasselbe, ging nach Wien und erhielt den Oberbefehl über die sich in Böhmen versammelnde Observationsarmee, welcher im August nach der Kriegserklärung Oesterreichs sich ein Theil der preuß. und rußischen Heere anschloß. Fürst Schwarzenberg ward zum Generalissimus der gesammten gegen Frankreich operirenden Armeen ernannt, denn die sich bei der Hauptarmee in Person befindenden Monarchen enthielten sich alles eigentlichen Commando's. General Radezky war unter dem Fürsten Chef der Generalstabs. Die erste Operation der große Armee gegen Dresden war indessen nicht glücklich (s. Dresden im J. 1813), und ohne die Catastrophe des Generals Vandamme bei Culm (s. d. Art.) hätte der ganze Feldzug eine höchst bedenkliche Wendung nehmen können.

Wegen der weitern Geschichte diese und des nächstfolgenden Feldzugs bis zum Frieden von Paris verweisen wir auf die Art. Russisch-deutscher Befreiungskrieg und Leipzig (Schlacht von).

Nach der Rückkehr Napoleons von Elba erhielt der Fürst den Oberbefehl über die Verbündeten Armeen am Oberrhein. Am 22. Junius ging er mit den Russen und Oesterreichern über den Rhein; die Bayern waren bereits vorgerückt. Dem Plane diese Feldzugs gemäß sollten alle Armeen der Verbündeten unter den Mauern von Paris zusammentreffen. Aber schon durch die Schlacht von Waterloo und die zweite Abdankung Napoleons war der ganze Feldzug beendet.

Fürst Schwarzenberg ist gegenwärtig Präsident des Hofkriegsraths.

Er ist seit 1799 mit der verwittweten Fürsten Esterhazy, einer gebornen Gräfin Hohenfeld, vermählt.

Die militärischen Talente des Fürsten im Ganzen sind nur von Wenigen in Zweifel gezogen worden, wohl aber haben einzelne seiner Operationen sowohl an sich, als in ihrer Leitung einer gerechten Kritik unterliegen müssen. Zu diesen gehört unter andern die Operation gegen Dresden, bei welcher die ganze verbündete Armee auf das Spiel gesetzt wurde. Auch will man die Dispositionen in den Tagen von Leipzig nicht loben und behauptet, daß schon hier die ganze französische Armee habe vernichtet werden können; in den Ebenen von Champagne, an jenen kritischen Tagen, wirft man dem Fürsten ebenfalls Mangel an Energie und Zuversicht vor. Darin indessen stimmen alle Urtheile überein, daß es wenige Heerführer möchte gegeben haben die, wie er, verstanden, durch das angemessenste und versöhnlichste Betragen die bei einer aus so heterogegen Bestandtheilen zusammengesetzten Armee unvermeidlich verschiedenen Ansichten zu vermitteln und zu einigen.


F. M. L. Schwarzenberg bei Hohenlinden.

Der 3. December 1800.

In dieser für Oesterreichs Waffen unglücklichen Schlacht befehligte F. M. L. Schwarzenberg das erste Treffen des rechten Flügels.

Schon am Vorbereitungstage der Schlacht (2. Dec.) vertrieb er die feindliche Vortruppen aus allen Stellungen, welche sie diesseits der Iser inne hatten.

Am 3ten drückte er den Divisions-General Grenier, ungeachtet der kräftigsten Gegenwehr, welche dieser leistete, bis auf Hohenlinden zurück. Am Mittag Sieger über des Feindes linken Flügel, musste der Fürst in seinen Bewegungen inne halten, weil er gewahrte, dass der eigene linke, und der Mittelpunkt seinen vorgreifenden Bewegungen nicht folge. Seine Stellung behauptend erhielt er am Abende Befehl zum schleunigen Rückzug. Nun griff der Feind mit neuen Kräften und doppelten Anstrengungen an, und bemächtigte sich eines Waldes im Rücken der Oesterreicher, woraus er jedoch gleich wieder geworfen wurde. Mitten im Gefechte brachte ein Adjutant Greniers die Aufforderung zur Uibergabe. Schwarzenberg liess ihn festhalten, und sein Fussvolk trat, während er das Feuer seiner Batterie verstärkt gegen die andringenden Feinde spielen liess, den Rückzug an. Zugleich beschäftigte der Fürst mit der Reiterey den Feind so nachdrücklich, dass er das ganze Geschütz rettete. Beim Anbruch der Nacht war seine Heeresabtheilung in Sicherheit. Der feindliche Feldherr Moreau äusserte nach der Schlacht: "Er könne über Grenier nur ungehalten seyn, dass ihn das Gefecht nicht belehrt habe, an solchem Gegner sey die Aufforderung, sich mit den Waffen in der Faust gefangen zu geben, ein Missgriff."


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.