Karl Theodor (Pfalz und Bayern)

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Carl Philipp Theodor, gewöhnlich Carl Theodor, Churfürst von Pfalz-Bayern, geb. den 11ten Dec. 1724, ein Sohn des Pfalzgrafen Joh. Christ. von Sulzbach. Diesem folgte er 1733 im Fürstenthum Sulzbach, und als 1742 der Churfürst Carl Philipp von der Pfalz ohne Erben starb, war er dessen Nachfolger. Er residirte in Mannheim, bis 1777 nach dem kinderlosen Tode des Churfürsten Maximilian Joseph von Bayern auch dieses Land an die pfälzische Linie kam, worauf der neue Churfürst von Pfalz-Bayern seine Residenz von Mannheim nach München verlegte.

Anfangs machte Oesterreich auf mehrere seit lange mit Bayern vereinigte Grafschaften und verschiedene andere Theile des Landes Anspruch und ließ sie besetzen: allein Friedrich II. von Preußen vertheidigte die Rechte des pfalzbayerischen Churhauses mit den Waffen, und zwang Oesterreich 1779 durch den teschner Frieden, die besetzten Länder zurückzugeben. Von der Zeit an regierte Carl Theodor in Ruhe bis auf den französischen Revolutionskrieg, der für die Pfalz sehr drückend war und auch für Bayern durch die Anwesenheit der Franzosen 1796 nachtheilig wurde.

Als der Churfürst den 16ten Febr. 1796 kinderlos starb, folgte die neuere zweibrückische Linie in der Person des jetzigen Königs, Maximilian Joseph.

Carl Theodor besaß einen liebenswürdigen Charakter, voll Güte und Wohlwollen, hatte sich mannigfaltige Kenntnisse erworben, und war ein vorzüglicher Beförderer der Künste und Wissenschaften. In Mannheim stiftete er 1763 die Akademie der Wissenschaften, ein Antiquitätencabinet, 1775 ein deutsche gelehrte Gesellschaft, ein Cabinet natürlicher Seltenheiten, einen botanischen Garten, ein militärisch-anatomisches Theater, chirurgisches Collegium, eine Hebammen- und Krankenwärterschule, eine Akademie der Zeichnungs- und Bildhauerkunst; und die Sternwarte erhob er zu einer der ersten nicht nur in Deutschland, sondern vielleicht in Europa. In Lautern errichtete er 1774 eine Cammeralhoheschule, die er 1784 nach Heidelberg verlegte und mit der dasige Universität verband. Auch Bayern verdankt ihm mehrere Anstalten, die den schönen Zweck haben, Ackerbau, Gewerbe, Künste und Wissenschaften auf eine höhere Stufe zu bringen, den Anfang der Cultur des Donau-Moses, vortreffliche Landstraßen, das verbesserte Salinenwesen, eine Forst- und Vieharzneischule, Militärakademie xc. Allein in spätern Jahren öffnete seine weiche Gemüthsart einer gewissen Frömmigkeit den Weg zu seinem Herzen, wodurch Personen Eingang bei ihm fanden, welche ihn zu Verordnungen und Anstalten veranlaßten, die dem Wohle des Landes nachtheilig waren.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.