Karl Theodor von Dalberg

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Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.

(1815) Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.

(1816) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Carl von Dalberg.

Carl, Erzbischof und Fürst, Primas des Rheinbundes, aus der Familie der Freyherren von Dalberg, gebohren am 8ten Februar 1744, wurde im Juny 1787 zum Coadjutor von Maynz ernannt, am 25. July 1802 ward er Churfürst, am 27sten April 1803 Fürst von Regensburg und endlich nach der Auflösung des deutschen Reiches, Primas des Rheinbundes am 12ten July 1806.

Kaiser Napoleon schätzt ihn und lud ihn zu seiner Krönung nach Paris. Auch ernannte Napoleon seinen Verwandten, den Grafen von der Leyen, zum Fürsten bey dem Rheinbunde. Da Carl schon im Alter vorrückt, so ernannte er schon einen Verwandten des Kaisers Napoleon, den Kardinal Fesch, zu seinem Coadjutor.


Karl Theodor Anton Maria, Reichsfreiherr von Dalberg, Chur-Erzkanzler, Primas xc.

Carl Gross-Herzog von Frankfurth.
Geboren 1744.

Dieser in dem Gebiete der politischen Ereignisse und im Reiche der Literatur gleich wichtig gewordene Mann wurde am 8. Februar 1744 zu Herrnsheim bei Worms, auf dem Stammgute der Mannheimer Linie des Dalbergischen Geschlechts, geboren. Er wurde schon in den früheren Jahren Domicellar bei dem Erzstifte Mainz und den Hochstiftern Würzburg und Worms, nachher im ersteren Kapitularherr, in beiden letzteren Domherr.

1772 ernannte ihn der Churfürst von Mainz zum wirklichen Geheimenrathe und Statthalter zu Erfurt; auch ward er daselbst Präsident der Akademie nützlicher Wissenschaften, und schrieb selbst mehrere gelehrte Abhandlungen, die er in den Sitzungen vorlas.

Nun stieg er von Würde zu Würde empor, und ward:

1787 Coadjutor der Erzstiftes und des Churfürstenthums Mainz, wie auch des Hochstifts Worms;
1788 Coadjutor von Konstanz und Erzbischof von Tarsus;
1799 regierender Fürstbischof von Konstanz und kreisausschreibender Fürst von Schwaben;
1802 Churfürst und Erzkanzler des heil. römischen Reichs, wobei er den Besitz von Regensburg und Aschaffenburg erhielt;
1704 wurde er Mitglied des Instituts der Wissenschaften zu Paris, nachdem er schon vorher Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, und der Gesellschaft der Alterthümer zu Cassel war;
1806 Erzbischof von Regensburg, Fürst Primas des rheinischen Bundes, souveräner Fürst und Herr von Regensburg, Aschaffenburg, Frankfurt am Main und Wetzlar. Noch in demselben Jahre ernannte er sich den Erzbischof von Paris, Kardinal Fesch, Napoleons Oheim, zu seinem Coadjutor und Nachfolger. Fesch entsagte jedoch der Anwartschaft, da Napoleon im Jahre 1810 die Staaten des Primas zum Großherzogthum Frankfurt konstituirte und den Vizekönig von Italien zum künftigen Großherzog bestimmte.

Das neue Großherzogthum bestand aus den bisherigen primatischen Staaten (mit Ausnahme des an Baiern abgetretenen Fürstenthums Regensburg) und den Fürstenthümern Hanau und Fulda (mit Ausnahme einiger Ämter). Es war in vier Departements: Frankfurt, Aschaffenburg, Fulda und Hanau eingetheilt, und enthielt sechs und neunzig Quadratmeilen und dreimalhundert, zweitausend und zwei und neunzig Einwohner. Die gesammten jährlichen Einkünfte betrugen zwei Millionen, fünfmalhundert und fünf und siebenzigtausend, fünfhundert und fünf und siebenzigtausend, fünfhundert und neun und zwanzig Gulden, nachdem die Hälfte der Rheinzölle an Frankreich abgetreten war.

Der Titel des Großherzogs war: Von Gottes Gnaden, Fürst Primas des rheinischen Bundes, Großherzog von Frankfurt, Erzbischof von Regensburg u. s. w. königliche Hoheit.

Da Dalberg dem französischen Kaiser immer zu große Anhänglichkeit gezeigt hatte, verließ er, bei der Annäherung der alliirten Heere im Jahre 1813, seine Staaten und begab sich nach Konstanz. Das Großherzogthum wurde daher im Namen der verbündeten Mächte provisorisch verwaltet.

Dalberg beschäftigte sich, der Staats- und Regentengeschäfte und Künsten. Im Jahre 1809 wurde er auch Mitglied des holländischen Instituts der Wissenschaften.

Als Schriftsteller zeichnete er sich durch mehrere philosophische, politische und ästhetische Werke rühmlich aus. Die vorzüglichsten darunter sind: Betrachtungen über das Universum; Gedanken von der Bestimmung des moralischen Werthes; Verhältnisse zwischen Moral und Staatskunst; von Erhaltung der Staatsverfassung; Grundsätze der Ästhetik; Perikles, der ist: Über den Einfluß der schönen Künste auf das öffentliche Glück; u. s. w. Als Regent genoß er Liebe und Hochachtung.


Carl Theodor Anton Maria, Reichsfreiherr von und zu Dalberg.

Carl (Theodor Anton Maria), Kämmerer von Worms (dies ist der eigentliche Geschlechtsname der Dalberge), Reichsfreiherr von und zu Dalberg, resignirter Großherzog von Frankfurt, wurde den 8ten Febr. 1744 zu Herrnsheim bei Worms, auf dem Stammhause des dalbergischen Geschlechts mannheimer Linie, geboren.

Schon in seinen frühern Jahren wurde er Domicellar bei dem Erzstifte Mainz und den Hochstiftern Würzburg und Worms.

Im J. 1759 bezog er die Universität Heidelberg, bediente sich daselbst, besonders in dem Rechtsstudium, vorzüglich der Anweisung des Franz Alef, und vertheidigte eine selbst ausgearbeitete Dissertation.

Er begab sich hierauf auf Reisen, erwarb in Rom die Liebe des Pabstes Clemens XIII. und verweilte in Mailand geraume Zeit bei dem berühmten Minister von Firmian.

Im Jahre 1768 ging er in Mainz zu Capitel, 1771 wurde er General-Vicar, und 1772 ernannte ihn der Churfürst zum wirklichen Geheimen Rathe und Statthalter zu Erfurt, wo er auch Präsident der kurmainzischen Akademie nützlicher Wissenschaften wurde, in deren Versammlungen er sich fleißig einfand, und öfters gelehrte Abhandlungen vorlas.

1780 trat er in das Capitel zu Würzburg ein, wurde Domscholaster und erhielt die Probstey in Wächterswinkel.

Im Jahre 1787 wurde er Coadjutor des hohen Erzstiftes und des Churfürstenthums Mainz und des Hochstifts Worms, und 1788 Coadjutor von Constanz, wie auch Erzbischof von Tarsus.

Im J. 1799 gelangte er zur Regierung des Hochstifts Constanz, wurde Fürstbischof daselbst und kreisausschreibender Fürst von Schwaben.

Im J. 1802 wurde er nach dem Tode Friedrich Carl Josephs, Churfürsten von Mainz, Churfürst und Erzkanzler des heil. römischen Reichs und kam in den Besitz von Regensburg und Aschaffenburg. Seit 1806 war er des heil. Stuhls zu Regensburg Erzbischof und Primas, Fürst Primas des rheinischen Bundes, souverainer Fürst und Herr von Regensburg, Aschaffenburg, Frankfurt am Main und Wetzlar.

Schon 1806 ernannte er einen Verwandten des franz. Kaisers, den Cardinal Fesch, zu seinen Coadjutor, aber am 1sten März 1810 machte Napoleon dagegen bekannt, daß die Ernennung des Cardinals Fesch zum Coadjutor des Fürsten Primas als nicht geschehen zu betrachten sey; daß dagegen die Staaten desselben zum Großherzogthum Frankfurt constituirt seyn, und nach dem Tode des jetzigen Großherzogs auf den Vicekönig Eugen von Italien in erblicher Nachfolge übergehen sollten.

Carl hatte sich, von der Zeit an, in der er öffentlich aufgetreten, unter den Großen Deutschlands durch Geist und Gelehrsamkeit, so wie durch humanen Sinn, Popularität, Edelmuth und eifrige Thätigkeit für alles Gute, einen ausgezeichneten Ruhm erworben, und die alte Ehre seines Geschlechts würdig behauptet. Künstler und gelehrte fanden in ihm ihren Beschützer, die Aufklärung des Volkes den eifrigsten Beförderer; öffentliche Anstalten für Erziehung, Geistescultur und Wohlthätigkeit wurden von ihm aufs thätigste unterstützt; als geistlicher Vorsteher arbeitete er unermüdet für die zweckmäßigere Bildung der Geistlicher, für die Verbesserung der Schulen, und für die Verbreitung der hellern und lebendigern Erkenntniß der Glaubenswahrheiten; als Regent erschien er in allen Verhältnissen als ein weiser und sorgsamer Vater seiner Unterthanen. Deßwegen wurde ihm auch die allgemeine Achtung und Liebe zu Theil, und mit Stolz nannten die Deutschen seinen Namen.

Aber das Publikum fing an in seiner Meinung von ihm irre zu werden, als er, seit dem J. 1806 auf eine seiner Würde, als erster Reichsfürst und Erzbischof, nicht zusagende Weise, in die auf die Unterdrückung der deutschen Selbstständigkeit abzielende Plane Napoleons einging, und sie, so viel an ihm war, beförderte. Auch sahen seine neuen Unterthanen, als er zur Regierung des Großherzogthums Frankfurt gelangte, die Erwartungen, nicht erfüllt, die sie von dem wegen seiner edeln und liberalen Regierungsweise so sehr gepriesenen Fürsten gefaßt hatten. Vielmehr ward alles darauf angelegt, nur den Willen des gewaltigen Protectors zu erfüllen, und in allen Zweigen der Administration und des Lebens, französischen Geist und Sitte zu Herrschaft zu bringen, damit der Thronfolger einst so wenig als möglich Reste von deutscher Art und Kunst antreffen möchte.

Indessen hatte das Betragen des Großherzogs noch immer seine Vertheidiger, die manches, was in dieser Zeit von ihm geschah, durch die Hinweisung auf seine arglose Gutmüthigkeit, auf die drohende Macht und den Charakter des Protectors, und auf die von ihm zu nehmende Rücksicht auf das Beste der Kirche, befriedigend entschuldigten. Aber auch diese seine Vertheidiger verstummten, als er im Herbste des Jahrs 1813 nicht, wie die übrigen deutschen Fürsten, den Unterdrücker verließ, und sich der Coalition für Freiheit und Recht anschloß, sondern standhaft bei seiner Anhänglichkeit an den erstern verharrte, von den siegenden Heeren der Verbündeten floh, und dann die Regierung über seine von ihnen eroberten Lande zu Gunsten des Vice-Königs von Italien niederlegte.

Bei seiner Flucht wandte er sich zuerst in die Schweiz, verweilte dann in seinem Bisthum zu Konstanz, und nahm später seinen beständigen Aufenthalt zu Regenspurg, wo er in Gemäßheit der Bestimmungen der Wiener Congreß-Akte eine jährliche Sustentationssumme von 100,000 Gulden bezieht, welche ihm die Theilhaber des Großherzogthums Frankfurt reichen.

*) Man vergl. den Artikel Dalberg.


Werke.

Er hat mehrere Schriften herausgegeben, in denen sich ein selbstdenkender, tiefblickender und kenntnißreicher Geist und ein edles, religiöses Gemüth ankündigt; nur ist der Styl in ihnen sehr ungleich, welches daher kommen mag, daß er, wie man versichert, immer nur die Hauptideen niedergeworfen, die Ausführung derselben aber Andern überlassen hat. Die vorzüglichsten seiner Schriften sind:

1. Betrachtungen über das Universum. (1ste Ausg. 1777. 5te Aufl. 1805.) Es sind Betrachtungen eines scharfsinnigen Denkers über die Welt, den Schöpfer der Menschen, die Religion und das Band zwischen Allen, nicht nach angenommenen Schulgesetzen, sondern aus der eignen Fülle des Nachdenkens geschöpft und in einer blühenden, oft hinreißenden Sprache vorgetragen. "Worin besteht der Zusammenhang aller Wesen? wohin trachtet, zweckt ihr Streben, Wirken, Daseyn? wo liegt der einzige Knoten, der alles: Welt, Körper, Geist, Zeit und Raum in ein Ganzes zusammenknüpft? Das ist's, was ich aufzufinden, was ich darzustellen trachte,", sagt der geistreiche Vers. der kleinen Schrift selbst, die übrigens nur die äußersten Grundlinien eines größern System enthalten soll. Das ganze ist in drei Abschnitte getheilt, von denen der erste Schöpfung, der zweite Schöpfer und der dritte - Band zwischen Schöpfer und Schöpfung überschrieben ist.

2. Gedanken von der Bestimmung des moralischen Werths, 1792.

3. Verhältnisse zwischen Moral und Staatskunst, 1786. Das Resultat dieser Untersuchung oder vielmehr Betrachtung ist, daß die Staatskunst nichts als ein Theil der Moral sey (seyn solle), nur in besonderer Beziehung und auf besondere Verhältnisse angewandt.

4. Grundsätze der Aesthetik, 1791. Ein Versuch, wie die Moral mit der Aesthetik näher zu verbinden sey. Der Werth dieser Schrift beruht mehr auf einzelnen seinen Bemerkungen, als auf Gründung oder Entwicklung allgemeiner neuer Grundsätze.

5. Von dem Bewußtsein als allgemeinem Grunde der Weltweisheit, 1793.

6. Von dem Einflusse der Wissenschaften und schönen Künste in Beziehung auf öffentliche Ruhe, 1793.

7. Von Erhaltung der Staatsverfassung, 1795.

8. Betrachtungen über den Charakter Carls des Großen, 1806.

9. Perikles: über den Einfluß der schönen Künste auf das öffentliche Glück, 1806.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Neuer Plutarch, oder Kurze Lebensbeschreibungen der berühmtesten Männer und Frauen aller Nationen von den ältesten bis auf unsere Zeiten. Nach dem Französischen des Peter Blanchard neu herausgegeben, vermehrt und fortgesetzt von Friedrich Kraft. Pesth 1815, bei C. A. Hartleben.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.