Karl Wilhelm Ferdinand (Braunschweig-Wolfenbüttel)

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Biographien.

(2006) Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel-Lüneburg.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811.


Herzog C. G. Ferdinand v. Braunschweig.

Carl Wilh. Ferdinand Herzog von Braunschweig.

Braunschweig (C. G. Ferdinand Herzog v.), königlich-preussischer Feldmarschall, gebohren den 9ten Oktober 1735.

Er zeigte von seiner Jugend an eine entschiedene Neigung zum Kriegsdienst, und der 7jährige Krieg bot ihm, mit seinem Eintritte in diese Karriere, mehrere Gelegenheiten dar, sich hervorzuthun.

Als Friedrich II. 1778 zur Vertheidigung Bayerns die Waffen ergriff, vertraute er seinem Vetter, dem Herzog, das Kommando eines Armeekorps in Oberschlesien an.

1787 wurde diesem Fürsten die Expedition gegen Holland übertragen, welche die baldige Wiederherstellung des vorigen Gouvernements der vereinigten Provinzen zur Folge hatte.

Ihn traf 1792 die Wahl, das Kommando der vereinigten Truppen der alliirten Mächte gegen die französische Revolution, und der König von Preussen, Friedrich Wilhelm II. begab sich selbst zur Armee, um den Operationen des Feldzuges in Person vorzustehen. Damahls erließ er gegen Ende July jenes berüchtigte Manifest, dem eine Erklärung in Betreff der Sicherheit des Königs und der königlichen Familie folgte. Nach dem Rückzuge aus der Champagne, legte der Herzog das Kommando über die kaiserlichen Truppen nieder und behielt nur das über die preussische Armee, unter den Befehlen des Königs, während des Feldzuges von 1793 bey. Gegen Ende dieses Jahres bestimmten die politischen Verhältnisse der alliirten Höfe den Herzog, Trotz einiger gelungenen Unternehmungen, seine Zurückberufung zu fordern.

Sein Brief in Bezug auf diese Angelegenheiten an den König von Preussen vom Januar 1794 findet sich in Bertrands von Molleville Geschichte der Revolution. Dieser Brief wirft ein grosses Licht über die Ursache der Unfälle, welche die erste Koalition in Frankreich erfuhr, und macht dem prophetischen Geiste des Herzogs Ehre.

Er machte seitdem die Sorge für sein Land zum Hauptgegenstand seiner Bemühungen, und dessen blühender Zustand und gute Ordnung in allen Theilen der Verwaltung gereichten den Unterthanen zum Glück und dem Souverain zum Ruhm.

Bey dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten zwischen Frankreich, Oesterreich und Rußland, im September 1805 berief ihn der preussische Hof nach Berlin, und bestimmte ihn zum Kommando einer Armee, welche die Neutralität der preussischen Staaten schützen sollte. In Gemäßheit dessen machte er mehrere Reisen an den preussischen Grenzen. Er befand sich zu gleicher Zeit mit dem Kaiser Alexander in Berlin, und wurde von demselben mit vieler Auszeichnung aufgenommen. Hierauf begab er sich nach Hannover und wurde von da, in derselben Zeit, wo sich Haugwitz nach Paris begab, nach Petersburg gesandt, beyde mit diplomatischen Unterhandlungen beauftragt, die die neue Lage, in der sich Preussen befand, veranlaßte. Der Herzog von Braunschweig kam im März 1806 nach Berlin zurück, ohne etwas, wie es wenigstens schien, entschieden zu haben.

Bey dem Ausbruche des französisch-preussischen Krieges im September 1806 erhielt er an der Seite des Königs Friedrich Wilhelm des III. das Oberkommando der Hauptarmee und rückte an dem unglücklichen 14ten Oktober bey Auerstädt mit dem rechten Flügel der Armee zum Angriff vor. Der Kampf hatte noch nicht lange gedauert, als ihn eine Flintenkugel seines Gesichtes beraubte und zum fernern Kommando untauglich machte. Er wurde zuerst in seine Residenz zurückgebracht, mußte aber bey dem Annähern des Feindes auch diese verlassen und sich unter den größten Schmerzen seiner Wunde nach Altona flüchten. Hier endete er am 10ten November seine ruhmvolle Laufbahn und entgieng durch einen schmerzenvollen Tod dem Dekrete Napoleon, welches seinen Untergang als Dynast verfügte.

Wenige Tage nach der Schlacht war ihm der Tod des Erbprinzen gemeldet worden, den er gesund in Braunschweig gelassen hatte. Mit stoischem Gleichmuthe vernahm und ertrug er diesen Todesfall.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.