Karl von Österreich-Teschen

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Carl Ludwig, Erzherzog von Oesterreich.

Carl, Erzherzog von Oesterreich.

Carl Ludwig, Erzherzog von Oesterreich, Sohn Kaisers Leopold II. und Brüder des Kaisers Franz, wurde den 5ten Sept. 1771 geboren.

Im Jahr 1793 betrat er seine militärische Laufbahn in Brabant, commandirte die Avantgarde des Prinzen von Coburg, und zeichnete sich durch seine militärischen Talente und durch seine Tapferkeit aus. Bald darauf wurde er Gouverneur der Niederlande, Großkreuz des Marien-Theresien-Ordens und Reichs-Feldmarschall-Lieutenant, und im J. 1796 Reichs-Feldmarschall, und übernahm das Commando der österreichischen Armee am Rhein und der sogenannten Reichsarmee. Hier fand der Erzherzog bald Gelegenheit die ihm liegenden großen Talente für den Beruf des Feldherrn zu entwickeln. Er lieferte dem General Jourdan am Niederrhein mehrere glückliche Gefechte, und schützte das westliche Deutschland gegen sein wiederholt versuchtes Vordringen. Als aber Moreau bei Kehl über den Rhein ging, eilte er zwar herbei, um sich ihm zu widersetzen, ohne daß er jedoch im Stande war, die unverhältnißmäßige Uebermacht des Feindes zu brechen. Er trat dann den Rückzug durch Schwaben an, den er, unter den nachtheiligsten Umständen, in einer imponirenden Haltung und ohne großen Verlust fortsetzte. Als er die Gränze von Baiern erreicht hatte, warf er sich, in Gemäßheit einer meisterhaften strategischen Disposition, mit einem Theil seines Heeres auf den durch die obere Pfalz operirenden General Jourdan, hemmte durch das Treffen bei Amberg sein Vorrücken, und brachte ihm durch die Schlacht bei Würzburg eine so entscheidende Niederlage bei, daß sein Heer in flüchtiger Eile die gemachten Eroberungen räumen, und sich wieder über den Rhein zurückziehen mußte. Nun konnte sich auch Moreau nicht mehr in Baiern und Schwaben halten; er ging durch den Schwarzwald über den Oberrhein zurück, und der Erzherzog krönte den glänzenden Feldzug durch die Eroberung der Brückenköpfe von Kehl und Hüningen.

Während dieser siegreichen Fortschritte in Deutschlands begünstigte das Glück den General Bonaparte in Italien. Erzherzog Carl begab sich im Februar dasselben Jahres dahin, und im April 1797 wurden die Friedenspräliminarien zu Leoben geschlossen.

Nach dem fruchtlosen Congreß zu Rastadt trat der Erzherzog im Jahre 1799 abermals an die Spitze der Armee, schlug den General Jourdan in Schwaben, wie vormals in Franken, und zeichnete sich besonders bei der Schlacht von Stockach aus. Bald darauf zeigten sich seine großen militärischen Talente gegen den General Massena in einer sehr schwierigen Lage in der Schweiz im vortheilhaftesten Lichte. Seine erschütterte Gesundheit nöthigte ihn, im J. 1800 das Feld zu verlassen, und er wurde jetzt zum Generalgouverneur von Böhmen ernannt; aber kaum war er von der Armee entfernt, so ergriff Bestürzung die Truppen, welche ihr ganzes Zutrauen auf ihn gesetzt hatten. Unfälle traten ein, und nach der unglücklichen Schlacht bei Hohenlinden drangen die Franzosen in Oesterreich ein. In dieser dringenden Lage wurde der Erzherzog wieder an die Spitze der Truppen gestellt, die er sammelte, und mit neuem Muth belebte. Endlich nahm er die Friedens-Präliminarien an, die durch den lüneviller Frieden bestätigt wurden.

Er kam hierauf zu der Direktion des Kriegsministeriums, wo sich seine Talente auf eine neue Art entwickelten. 1802 verbat er sich das Monument, welches auf Vorschlag des Königs von Schweden bei dem Reichstage zu Regensburg ihm als Retter Deutschlands sollte errichtet werden. Im Jahr 1804 trat er das Deutschmeisterthum, das er im J. 1801 nach dem Tode seines Oheims, des Erzherzogs Maximilian übernommen hatte, seinem Bruder, dem Erzherzog Anton ab.

In dem Feldzuge von 1805 commandirte der Erzherzog Carl eine österreichische Armee in Italien gegen den Marschall Massena. Während die Angelegenheiten in Deutschland eine höchst unglückliche Wendung genommen hatten, und Kaiser Napoleon mit seiner Armee in das Herz der österreichischen Provinzen eingedrungen war, lieferte der Erzherzog dem Marschall Massena die siegreiche Schlacht bei Caldiero, und brachte seine Armee zur Beschützung der noch nicht eroberten Provinzen zurück. Nach dem preßburger Frieden wurde er oberster Chef des Hofkriegsraths und Generalissimus der gesammten österreichischen Armeen.

In dem |Kriege von 1809 commandirte er die Oesterreichische Hauptarmee, und rückte im Monat April in Bayern vor. Hier hatte er die ganze französische Macht,die von Kaiser Napoleon selbst angeführt wurde, gegen sich, und es erfolgte eine fünftägige, äußerst hartnäckige und blutige Schlacht, in welcher, aller Anstrengungen ungeachtet, die österreichische Armee der Uebermacht weichen mußte. Den 21sten und 22sten Mai lieferte der Erzherzog die glorreiche Schlacht bei Asparn an der Donau, Wien gegenüber, in welcher er die französische Armee mit großem Verlust über die Donau zurückwarf.

Die Schlacht von Wagram, eine der größten in der Kriegsgeschichte, hatte zwar einen unglücklichen Ausgang, aber es kann weder den österreichischen Truppen, die sich durch Tapferkeit auszeichneten, noch dem Erzherzoge, der selbst dabei verwundet wurde, zur Unehre gereichen, daß sie nach einem zweitägigen Kampfe, während dessen sie einige Mal siegreich waren, endlich der entschiedensten Uebermacht weichen müßten. Der Rückzug bis nach Znaym, wo das Treffen für die österreichischen Truppen sich günstig zeigte, aber durch den eben abgeschlossenen Waffenstillstand unterbrochen wurde. Bald darauf legte der Erzherzog das Commando nieder.

Auch nahm er keinen Antheil an der Leitung der Armeen, als Oesterreich im Jahre 1813 der Coalition gegen Frankreich beitrat.

Dagegen überraschte er das Publicum zu dieser Zeit mit einer Frucht seiner Muße, nämlich mit den Grundsätzen der Strategie, erläutert durch die Darstellung des Feldzugs von 1796 in Deutschland (8. Wien 1813, 3 Theile, mit der Karte des Kriegsschauplatzes, und 11 Planen in gr. Folio,) einem Werke, das durch Genialität, Gründlichkeit und Vollendung in der militärischen Literatur eine glänzende Stelle behauptet, und von der Nachwelt den Commentarien Cäsars an die Seite gesetzt werden wird.

Als im Frühling des Jahr 1815 der Krieg wieder ausbrach, ernannte der Kaiser von Oesterreich den Erzherzog zum Gouverneur von Mainz, wo er am 18ten April ankam. Am 17ten Sept. vermählte er sich, zu Weilburg, mit der Prinzessinn Henriette von Nassau. Am 4ten December reiste er mit Urlaub von Mainz ab, um sich mit seiner jungen Gemahlinn nach Wien zu begeben.


Erzherzog Karl Ludwig wird Generalissimus der österreichischen Armee.

Der 11. Februar 1806.


Siegreich war aus Italien mit Ende des Jahres 1805 der Erzherzog zurückgekehrt. Sein schlagfertiges Heer hinderte den Feind, die bei Ulm und Austerlitz errungenen Vortheile zu Oesterreichs Nachtheil so zu missbrauchen, als er wahrscheinlich beabsichtete, und dem Pressburger Frieden würden ohne ihn vielleicht härtere Bedingungen abgetrotzt worden seyn. Dieser Friede schenkte zwar den österreichischen Erbstaaten eine augenblickliche Ruhe und Erholung; aber es lag für eine wünschenswerthe längere Fortdauer desselben keine Bürgschaft in ihm. Diese lag nur in der eigenen Kraft, welche zu einem möglichen Kampfe gerüstet, dem Auslande Achtung erzwingen musste. Oesterreichs Streitkräfte mussten auf den höchst möglichsten Gipfel der Macht und Vollkommenheit gehoben werden. Wer konnte würdiger zu ihrer Oberleitung berufen werden, als der kaiserliche Bruder, der Sieger von Amberg, Würzburg, Ostrach, Stockach, Zürich und Caldiero, auf den das Vertrauen des Monarchen und des Volkes hinwies. Erzherzog Karl ward Generalissimus der Armee, an deren Vervollkommnung er mit rastloser Anstrengung während der wenigen Ruhejahre arbeitete, und sie auf einen Fuss brachte, wie sie früher nie war. Sie, besonders die Infanterie, gewann am kriegerischen Geiste und Zucht, Leichtigkeit und Beweglichkeit. Die Gränzregimenter erhielten wesentliche Verbesserungen und Verstärkungen, Jäger-Bataillons und ein Artillerie-Handlanger-Corps wurde erreichtet, Pionniers und Csaikisten vermehrt, Equitations-Institute gestiftet, und die durch die Unfälle des letzten Krieges herbeigeführten empfindlichen Verluste an Geschütz, Munition, Ausrüstung und Bekleidung ersetzt. Festungen wurden hergestellt, und mit grossen Kosten neu befestigt, worunter Commorn als Central-Depot im Mittelpunkt, und am Hauptstrom der Monarchie beachtet wurde. Noch weht der Geist dieser Verbesserungen in der Armee, welche sich dankbar ihrer Folgen erfreut.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.