Katharina II. (Russland)

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Catharine II. (Alexiewna), Kaiserin von Rußland, gebohrne Prinzessin von Anhalt Zerbst, führte in ihrer Jugend den Namen Sophie Auguste und vertauschte ihn nach ihrer Verheirathung mit Katharina Alexiewna.

Von ihrer Mutter an den russischen Hof gebracht, flößte sie dem Großfürst Liebe ein, schien auch Neigung zu ihm zu haben, und ward mit ihm vermählt. Als der Großfürst Kaiser geworden war, beschloß er, sie zu verstossen, Katharine kam ihm aber zuvor, und bestieg den Thron. Ihre Günstlinge, und drey Kompagnien der Graden vollführte diese Umwälzung.

Katharine suchte nun durch reichliche Geschenke die Bojars, die Popen und die Soldaten für sich zu gewinnen. Sie wohnte den Berathschlagungen des Staatsrats bey, las die Depeschen ihrer Gesandten, diktirte oder schrieb mit eigner Hand die Antworten, übertrug ihren Ministern nur die Details und richtete noch selbst auf die Vollziehung ihr wachendes Auge.

Sie begründete Spitäler; ließ Schiffe bauen; lud Ausländer ein, sich in Rußland nieder zu lassen; gab ihren Völkern ein Gesetzbuch; ließ Gelehrte in das Innere ihrer weitläufigen Staaten reisen; begünstigte den Handel und fieng einen grossen Kanal zur Vereinigung des baltischen Meers mit den kaspischen zu bauen an. Zu gleicher Zeit empfieng sie an ihren Hofe den König von Schweden, den Kaiser Joseph II., den Kronprinzen von Preussen, den Prinzen Heinrich und gab ihnen prächtige Feste.

Mitten in den Einzelheiten eines so unermeßlichen Gouvernements vernachlässigte Katharine keineswegs die auswärtigen Angelegenheiten; die Theilung Pohlens, 1772 angefangen und 1795 vollendet, vermehrte ihre Gewalt und ihren Einfluß in Europa; sie vermittelte den Frieden zwischen Oesterreich und Preussen; faßte und verfolgte den Plan einer bewaffneten Neutralität während des Kriegs zwischen England, Frankreich und den vereinigten Staaten. Endlich wollte sie ihr Lieblingsproject ausführen, die Türken aus Europa zu vertreiben; allein die Politik der andern europäischen Höfe legte ein Hinderniß dazwischen, und die Kaiserin schloß 1792 den Frieden mit den Türken. Sie richtete seitdem ihre Gedanken gegen Frankreich, verbot die Einfuhr der französischen Waaren, und gab dem französischen Bothschafter Segur Befehl Petersburg zu verlassen. Sie ließ zu der englischen Flotte 12 Linienschiffe und 8 Fregatten stossen. Eben hatte sie für die Koalition eine Armee von 80000 Mann versprochen, als sie den 17ten November 1796 einen heftigen Anfalle von Schlag unterlag.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.