Koalition

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Coalition. Dieses Wort ist in der neuesten Zeitgeschichte oft gebraucht worden, um die Verbindung mehrerer europäischen Mächte gegen Frankreich zu bezeichnen, gleichbedeutend also mit Alliance, von welcher aber die Coalition dadurch verschieden ist, daß sie eigentlich die Verbindung zweier bisher entgegengesetzten Parteien anzeigt. In dieser Hinsicht verdient allerdings die sogenannte Erste Coalition gegen Frankreich mit vollem Recht diesen Namen. Sie ward zwischen Oesterreich und Preußen zur Erhaltung der deutschen Reichsverfassung und Bekämpfung der französischen Revolution (7. Februar 1792) geschlossen. Ihr Ende ist bekannt. Preußens Separatfriede zu Basel (5. April 1795) und die Demarcationslinie für das nördliche Deutschland waren die Vorboten von der Auflösung des deutschen Reiches.

Mehr oder weniger verdienten freilich auch die folgenden Verbindungen gegen Frankreich diesen Namen, besonders die, welche durch den Einfluß des englischen Cabinets und Soldes gestiftet wurden. Man kann deren noch folgende bezeichnen:

1. die Coalition von 1793. Deutschland erklärte den Reichskrieg (22. März), und diesem traten späterhin Portugal, Neapel, Toscana und der Papst bei. Hierzu kam noch der Allianztractat zu London zwischen Großbritannien und Rußland.

2. Die Tripel-Allianz zu St. Petersburg zwischen Rußland, Oesterreich und Großbritannien (28. Sept. 1795), zu einer Zeit, wo mehrere Reichsfürsten ihre Contingente zurückzogen. Diese Coalition ward aufgelös't durch den Frieden zu Campo Formio zwischen Oesterreich und Frankreich, in welchem zugleich ein, binnen einem Monat zu eröffnender allgemeiner Reichsfriedens-Congreß zu Rastadt festgesetzt wurde. (9. Dec. 1797 bis April 1799).

Die Verhandlungen daselbst wurden am Ende von Oesterreich annullirt; denn noch während derselben hatte sich 3. eine neue Coalition gebildet zwischen Rußland, der Pforte (23. Dec. 1798) und England. Oesterreich und Neapel wurden hineingezogen. Einzelne Friedensschlüsse lös'ten sie wieder auf: der Friede zu Lüneville mit dem Kaiser und König von Ungarn und Böhmen für sich und im Namen des deutschen Reichs (9. Febr. 1801), zu Florenz mit dem König beider Sicilien (28. März 1801), zu Paris mit Rußland (8. Oct. 1801), ebendaselbst mit der Pforte (9. Oct.) und zu Amiens mit Großbritannien (25. März 1802).

Folge des lüneviller Friedens war der Reichs-Deputations-Hauptschluß von 1803 (25. März), den Frankreich und Rußland vorschrieben, vermöge dessen die meisten geistlichen Staaten und Reichsstädte unter die weltlichen Regenten vertheilt wurden.

Von allen jenen Staaten erklärte zuerst Großbritannien wieder den Krieg gegen Frankreich (18. Mai 1803), und im April 1805 spannen sich 4. neue Unterhandlungen zwischen England, Rußland, Oesterreich und Preußen zu einer Coalition gegen Frankreich an. Zu St. Petersburg wurde zwischen den beiden ersten Mächten festgesetzt, eine allgemeine Ligue der europäischen Staaten gegen Frankreich zusammenzubringen zur Herstellung des Friedens und Gleichgewichts, und zur Stiftung eines Föderativsystems zur Sicherung des Völkerrechts. Alle Mächte sollten eingeladen werden, dem Bunde beizutreten. Schon aber in demselben Jahre ward er zum Theil aufgelös't durch den Frieden zu Preßburg mit Oesterreich (26. Dec. 1805), und völlig durch den Frieden zu Paris mit Rußland (20. Jul. 1806).

Preußen, das bisher nicht Antheil genommen hatte, glaubte sich um diese Zeit stark genug, allein den Kampf gegen Frankreich siegreich zu bestehen, und man kann 5. durch den Antheil Englands und Rußlands (früher Sachsens, und wahrscheinlich anderer temporisirenden Staaten) auch hier eine Coalition annehmen.

Der Friede zu Tilsit (8. und 9. Jul. 1807) machte ihr ein Ende, so wie 6. der Friede zu Wien (14. Oct. 1809) der österreichischen Coalition mit England.

Es folgte hierauf 7. die neue große Verbindung gegen Frankreich seit 1812, welche dem Begriffe nach allerdings auch eine Coalition war. Sie bestand anfangs aus Rußland, Schweden, Preußen, Oesterreich, die deutschen Fürsten, mit wenigen Ausnahmen, Neapel und zuletzt Dänemark. Sie endigte mit dem pariser Frieden (31. Mai 1814.)

Als aber Napoleon im Frühling 1815 wieder auf den Thron Frankreichs drang, verbanden sich 8. Oesterreich, Großbritannien, Rußland und Preußen, durch den Wiener Vertrag vom 25. März, aufs Neue, um den Pariser Frieden aufrecht zu erhalten, und den Usurpator wieder vom Throne zu stoßen. Ihre Anstrengungen hatten auch, unter Mitwirkung der, der vorigen Coalition zugethanen Staaten, schnell den glänzendsten Erfolg, und erreichten den vorgesetzten Zweck auf das Vollkommenste.

Diese Verbindung löste sich aber durch den am 20. November mit der französischen Regierung abgeschlossenen Haupt-Vertrag nicht auf, denn es wurde nicht nur in dem 5ten Art. desselben versehen, daß ein 150,000 Mann starkes Corps verbündeter Truppen 5 Jahre lang, zur Sicherung der Ruhe, an den Gränzen von Frankreich stehen bleiben sollte, sondern auch, an demselben Tage, von den besagten Mächten, eine besondere Convention verabredet, worin sie sich auf unbestimmte Zeit verbindlich machen, den gedachten Haupt-Vertrag und die im Jahr 1814 für die Sicherheit und das Interesse von Europa zu Paris getroffenen Anordnungen aufrecht zu erhalten, und den Bestand der königlichen Autorität in Frankreich und der Constitutionsurkunde nöthigen Falls mit aller ihrer Macht zu beschützen.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.