Lübeck

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Lübeck, vormals der Hansestädte Haupt und noch jetzt eine von den drei freien Hansestädten, welche sich erhalten haben, war nach Verwüstung der Stadt Bucu auf derselben Stätte von Graf Adolph II. von Holstein-Schaumburg ums J. 1144 erbaut worden. Nach der neuen Stadt zogen viele Kaufleute aus Bardewick, und Heinrich Leo, Großherzog von Sachsen, eifersüchtig über Lübecks schnellen Flor, verordnete, daß dort nichts weiter als Lebensmittel verkauft werden sollten. Als zehn Jahre später die Stadt abbrannte, trat Graf Adolph dem Herzoge den Ort ab, Heinrich ließ solchen neu aufbauen, gab den nordischen Völkern den Handel dahin frei, schenkte der Stadt das Stadtrecht (nachmals von mehrern Kaisern bestätigt) und verlegte nach Lübeck das oldenburgische Bisthum, welchem die im J. 1164 eingeweihte Domkirche ihr Daseyn verdankt. Durch Kaiser Friedrich I. Gnade faßte Lübeck den ersten Grund zu seiner nachmaligen Reichsunmittelbarkeit; in der Folge trat es an die Spitze des Hansebundes, seine Flotten beherrschten das baltische Meer, innerhalb seiner Mauern fand der entflohene Gustav Wasa vor Christian II. Mordlust ein Asyl, und Lübecks Stimme entschied über die Angelegenheiten der nordischen Reiche.

Die Stadt liegt auf holsteinschem Boden, auf einem mäßig erhabnen länglichen Hügel, dessen abhängige Seiten sich ostwärts gegen die Wackenitz und westwärts gegen die ins baltische Meer ausströmende Trave erstrecken. Ihre Befestigung ist alt und besteht aus starken Mauern, Thürmen und Zwingern. Die Wälle sind von tiefen Gräben eingefaßt, dienen aber mehr zum angenehmen Spaziergange als zur dauernden Verteidigung. Die Häuser sind massiv, doch geschmacklos nach alter Art erbaut. Die Zahl ihrer Bewohner schätzt man über 30.000. Herrschend blieb bis zur neuesten Zeit, von J. 1530 an, die evangelisch-lutherische Lehre, gepredigt in den vier Haupt-, Pfarr- und mehreren Filialkirchen. Die Stadt hat treffliche Armenanstalten und in dem ehemaligen Catharinenkloster ein Gymnasium von sieben Klassen. Mehrere seiner Lehrer nennt rühmlich die Gelehrtengeschichte. Lübecks Handel verbreitet sich besonders über die Länder der Ostsee; Hamburg bezieht die dorther kommenden Waaren größtentheils über Lübeck. Der Transport wird durch den für flache Fahrzeuge bequemen Canal, welcher aus der Trave durch die Steckenitz nach der Elbe gezogen ist sehr erleichtert. Man rechnete jährlich 1800 Schiffe, welche daselbst ein- und ausliefen; die Stadt selbst besaß 360. Sie hat auch beträchtliche Zuckerraffinerieen und Manufacturen von Wollenwaaren u.s.w. Die jährlichen Einkünfte schätzte man auf 700,000 Gulden.

Das ehemalige Gebiet der Stadt lag zerstreut. Außer dem unmittelbar um die Stadt gelegenen Bezirk gehört dazu noch der Flecken Schlukup an der Trave, und das befestigte Städtchen Travemünde nebst Hafen. Gemeinschaftlich mit Hamburg besitzt Lübeck die Vierlande und das Städtchen Bergedorf, einen sehr fruchtbaren Landstrich an der Elbe; außerdem gehören noch der Stadt die Aemter Rihen und Behlendorf im Lauenburgischen, das Dorf Malkendorf im Fürstenthume Lübeck und einige zerstreute Besitzungen, im Ganzen 4 Quadratmeilen, mit mehr als 10,000 Einwohnern. Bei den großen Ausgleichungen im J. 1802 ward Lübeck mehr arrondirt und in unmittelbaren Zusammenhang mit seinem Hafen gesetzt. Außer der kleinen Halbinsel Prideval, welche Travemünde gegenüber liegt, die Mündung der Trave beherrscht, und von Mecklenburg an Lübeck abgetreten wurde, erhielt letztere noch den Besitz der Domkirche, und aller dem Hochstifte Lübeck in der Stadt zuständigen Gebäude und Vorrechte, trat aber dagegen einige Dörfer an Mecklenburg ab. Dieser neue Erwerb betrug nicht viel über eine Quadratmeile, ward aber durch seine Lage der Stadt sehr wichtig. Als 1806 die ehemalige Reichsverfassung aufgehoben wurde, bestand Lübeck, jedoch ohne Verbindung mit dem übrigen Deutschland, als freie Hansestadt.

Aus der neuesten Kriegsgeschichte ist die Schlacht und der Sturm von Lübeck am 6. Nov. 1806 bekannt genug. Blücher endigte hier seinen ruhmvollen Rückzug durch die Capitulation zu Ratkau; 9,500 Preußen und 1,5000 zu spät eingeschiffte Schweden wurden von den Franzosen zu Gefangenen gemacht. Lübecks trauriges Schicksal bei jenen Mordscenen erleichterte der edle Bernadotte. Das Jahr 1810 veränderte die Verfassung der Stadt völlig; die bis dahin freie Stadt wurde zum Departement der Elbmündungen geschlagen und erhielt nicht einmal den Vorzug, Hauptort eines Departements zu seyn. In dem Freiheitskriege haben Lübecks streitbare Männer in der hanseatischen Legion mitgefochten. Es fiel zwar von Eintritt des Waffenstillstandes noch einmal den Franzosen in die Hände, wurde aber gleich nach Ablauf desselben für immer von ihnen befreit. Seitdem hat es seine republikanische Verfassung wieder hergestellt, und wurde für eine freie Stadt des deutschen Bundes erklärt. Der Rath besteht aus 4 Bürgermeistern und 16 Rathverwandten; die gesammte Bürgerschaft aus 12 Collegien, deren jedes bei den bürgerlichen Berathschlagungen eine Stimme hat. Das Militär besteht aus 4 Compagnieen.


Anekdoten.

In Lübeck kamen die Deputirten des Stadt zu Napoleon, und wollten ihm die Gräuel, die von seinen Horden verübt worden, schildern und um Schonung bitten; er ließ sie aber nicht zu Worte kommen, sondern fuhr sie wüthend an: "Ich weiß was ihr mir sagen wollt; man hat einige Menschen umgebracht, gesengt, geraubt, geplündert und genothzüchtigt, - das bringt der Krieg so mit sich."


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Anekdoten zur Charakteristik Napoleons, seiner Dynastie, Marschälle, Generale und Zeitgenossen. Leipzig, 1814. bei Wilhelm Rein.