Leipzig

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Leipzig.

Leipzig, eine der wichtigsten deutschen Handelsstädte und Universitäten, in Kursachsen, und zwar im leipziger Kreise, in einer schönen Ebene an der Pleiße gelegen.

Bis zu Anfange des 16ten Jahrhunderts führte sie von den Sorben-Wenden, einer slavischen Nation, welche zuerst das Land zwischen der Elbe und Saale anbauten, den slavischen Namen Lipsk, welcher einen Lindenhain bezeichnet. Von diesem Haine scheinen noch jetzt die zwischen der Stadt und Vorstadt belegenen schönen Linden-Alleen eine Spur anzudeuten.

Im funfzehnten Jahrhunderte wurde Leipzig, welches an sich keine günstige Lage zum Handel hat, durch ein Zusammentreffen mehrerer günstiger Umstände eine Handelsstadt, nachdem es bereits seit 1387 eine Handelsniederlage gewesen war, und nahm in einer directen Verbindung mit Augsburg und Nürnberg, an Venedigs unermeßlichen Geschäften Antheil.

Der innere Handel, welcher gegenwärtig so hoch gestiegen ist, konnte jedoch damals nur sehr unbedeutend seyn. Gegenwärtig kann der jährliche Meßhandel von Leipzig, wo drei Messen gehalten werden, unter denen die Oster- und Michaelismesse die wichtigsten sind, auf die runde Summe von 18 Millionen Thlr. angeschlagen werden. Ein Hauptzweig des leipziger Handels ist der Buchhandel, der sich fast ganz hier concentrirt. Zwar stehen die Manufacturen in Leipzig nicht im Verhältniß mit der Größe des dasigen Handels, doch gibt es mehrere Fabriken von Bedeutung daselbst. Man verfertigt hier Sammt, seidne und halbseidne Waaren, Spielkarten, Tapeten, Leder, Tabak, Wachs-Leinwand, Stickereien u. s. f.

Die im J. 1409 von Friedrich dem Streitbaren, auf Veranlassung der Unruhen auf der Universität zu Prag, gestiftete Akademie behauptet bis jetzt den Ruf einer der ersten Akademieen in Deutschland.

Die Zahl der Einwohner belief sich 1789 auf 28,250; im Oct. 1795 betrug die Volksmenge 31,152, und wird jetzt auf 36,000 Menschen angegeben. Hierbei ist bemerkenswerth, daß Leipzig nicht nur unter den sächsischen Städten, sondern auch gegen andre große Städte Europens die größte Mortalität hat. Eine Hauptursache hiervon ist ohne Zweifel die auf einem so kleinen Raum (denn Leipzig ist nichts weniger als groß) zusammengedrängte Menschenzahl, die überdieß in den beiden Messen ungeheuer vermehrt wird; in dieser Rücksicht wäre es vielleicht gut, nach und nach eine Art von Neustadt anzulegen. Eine andere mit der ersten zum Theil zusammenhängende Ursache, die ungesunde Lage, ist seit mehreren Jahren durch die vortrefflichen englischen Anlagen sehr vermindert worden, welches, so wie mehrere Verschönerungen und Verbesserungen, Leipzig dem Bürgermeister G. K. R. Müller, welcher am 28. Febr. 1801 verstorben ist.

Uebrigens zeichnet Leipzig von vieler volkreichen Städten durch eine gewisse unverkennbare Wohlhabenheit aus, die sich über alle Stände verbreitet, wozu außer der eignen Industrie der Einwohner, vorzüglich der Handel und die Messen beitragen. Nur den leipziger Armen würde der Verfasser Hamburgs Armenanstalten wünschen, welche sich von den gewöhnlichen Anstalten dieser Art dadurch unterscheiden, daß diese die Armen zwar zu Tode füttern, jene hingegen unmittelbar auf die Vertilgung der Armuth und die Veredlung der Armen zu thätigen Menschen hinarbeiten.

Unter Leipzigs gemeinnützigen Anstalten zeichne ich hier blos die Zeichnungs- Malerei- und Architectur-Akademie, das Taubstummen-Institut, die Bürgerschule und die Sternwarte aus. Das schöne winklersche Gemählde-Cabinet ist jetzt einzeln verkauft. Unter den öffentlichen Gebäuden und Anstalten können noch genannt werden: der schöne Concert- und Ball-Saal (beider mit Gemälden von Oesers Meisterhand geziert) im Gewandhause; sowohl die ebendaselbst befindliche sehr schöne und reichlich ausgestattete Raths-, als im sogenannten Paulinum befindliche Universitäts-Bibliothek; ferner die vielen neuerlich so schön ausgeführten Gebäude, worunter das jetzige Universitäts-Gebäude einen sehr ausgezeichneten Platz behauptet; auch unter den Schulanstalten die so löbliche Freischule (seit 1792 gestiftet); dann das seit 1797 so zweckmäßig eingerichtete Lazareth oder Jakobsspital, mit welchem zugleich ein klinisches Institut verbunden ist; die durch sogenannte Reverberes vervollkommnete Beleuchtung der Stadt, nicht minder die vielfachen hier befindlichen Manufacturen und Fabriken, unter denen sie schon von Alters her so berühmte breitkopfische, jetzt breitkopf-härtelsche Buch- und Musikhandlung durch die wichtigsten Schriftgießereien, durch Buch-, Noten-, Kupfer-, und Steindruck, nicht minder durch eine neuerlich angelegte vorzügliche Instrumenten-Fabrik; ingleichen die rostische Kunstmanufactur, sich rühmlich auszeichnen; endlich das physikalische Magazin des M. Tauber.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.