Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld

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Herzog von Sachsen Coburg Gemahl der Prinzessin Charlotte von England.

Leopold (Georg Christian Friedr.), Prinz von Sachsen-Coburg-Saalfeld und Gemahl der 1817 verst. Prinzessin Charlotte von Wales, der präsumtiven Erbin des brittischen Reichs, ist der zweite Bruder des regierenden Herzogs von Coburg, Ernst, und den 16ten Dec. 1790 geboren.

Er empfing die sorgfältigste Erziehung, ward, als die Vermählung seiner Schwester Anna Feodorowna mit dem Großfürsten Constantin das coburgische Haus mit Rußland innig verband, als General im russischen Heere angestellt, und befand sich 1806 mit seinen Aeltern in Saalfeld, als der unglückliche Krieg sich über Norddeutschland bis an die Gränzen Rußlands verbreitete.

Als 1808 der regierende Herzog nach Rußland reis'te, nahm für diese Zwischenzeit Prinz Leopold an den Regierungsgeschäften Theil; in demselben Jahre begleitete er den Kaiser von Rußland auf den Congreß nach Erfurt. Nur die äußersten Drohungen Napoleons konnten ihn dahin bringen, im Jahre 1810 seine Stelle im russischen Heere niederzulegen. Mit so größerm Eifer widmete er sich von jetzt an den Angelegenheiten seines Hauses, den Künsten und Wissenschaften. Unter andern unterhandelte und schloß er 1811 zu München mit dem besten Erfolge einen Gränzvertrag mit Bayern.

Inzwischen zogen sich neue politische Ungewitter zusammen; der Prinz, seinen Unthätigkeit müde, bot dem russischen Kaiser seine Dienste aufs neue an, welche dieser jedoch wohlwollend bis auf bessere Zeiten ablehnte, und ging 1812, um sich der Beobachtung der französischen Regierung einigermaßen zu entziehen, nach Wien, Italien und der Schweiz. Inzwischen hatte sich die Lage der Sachen plötzlich geändert.

Während zu Anfange des Jahres 1813 der regierende Herzog zu seinem königlichen Freunde nach Berlin eilte, sandte er seinen Bruder Ferdinand nach Wien, und seinen Bruder Leopold nach München. Letzterer ging von dort im Februar nach Polen zum Kaiser Alexander, und erstattete dort Bericht von dem Zustande des französischen Heers und der Stimmung in Deutschland.

Er blieb bei dem russischen Heere, das in Verbindung mit den Preußen nach Sachsen vorrückte, nahm am 2ten Mai Theil an der Schlacht bei Lützen, und befand sich am folgenden Tage mit der russischen Reiterei beim Nachtrab. Darauf wurde der Prinz in Eilmärschen gegen die Elbe zur Unterstützung des Generals Kleist abgesandt, später aber nach der Lausistz gerufen. Er war auf dem Marsche zum General Barclay, als er Befehl bekam, an der bautzner Schlacht Theil zu nehmen. Er focht auf verschiedenen Punkten, und half am zweiten Tage unter dem heftigsten Feuer den Rückzug decken.

Während des Waffenstillstandes begab er sich mit Alexanders Zustimmung nach Prag, wo er der einzige Fremde war, der mehrere Zusammenkünfte mit Kaiser Franz hatte.

Als die Feindseligkeiten wieder begannen, ging der Prinz mit dem Heere nach Böhmen und gegen die sächsische Gränze. Er kam mit seinen Cürassieren am 26sten Aug. gerade noch zeitig genug in der Gegend von Königstein an, um dem Prinzen Eugen von Würtemberg, der zur Deckung der Hauptverbindungen mit Böhmen dort aufgestellt war, gegen den vierfach überlegenen Angriff Vandamme's Hülfe zu leisten und alle Anstrengungen des Feindes zu vereiteln. Am 27sten nahm das Corps eine Stellung jenseit Pirna, und ward durch die erste Division der russischen Garden und die Gardehusaren verstärkt. Ueber das Ganze bekam Graf Ostermann den Befehl, der dem Prinzen Leopold die Reiterei des vereinigten Corps anvertraute. Der Feind stürmte Pirna, und suchte sich auf der Ebene an der Elbe auszubreiten, als der Prinz ihn so nachdrücklich in die Stadt zurückwarf, daß er nicht wieder herauszukommen wagte. Am Abend kam die Nachricht von dem Rückzuge der Verbündeten nach Böhmen, wodurch das ostermannsche Corps in eine schwierige Lage versetzt wurde. Der Prinz erhielt Befehl, mit der Reiterei durch ein Defilé, an das der rechte Flügel sich lehnte, zu gehen, und die Ebene bei Groß-Cotta zu besetzen, und wo möglich so lange zu halten, bis das Fußvolk und das ganze Geschütz ihren Rückzug bewerkstelligt hätten. Diesen Auftrag vollzog er mit solcher Schnelligkeit, daß der Feind nicht Zeit hatte, seine Kräfte zu einem Angriffe zu sammeln. dieser eilte vielmehr auf einem kürzern Wege vorwärts, und besetzte einige Anhöhen und Pässe in den Gebirgen, wodurch der Prinz mit der Reiterei fast abgeschnitten wurde. Mit den Waffen bahnte er sich jedoch den Weg. Am 29sten kam es zu einem hitzigen Gefechte bei Peterswalde, wo dem Feinde vielleicht die Abschneidung des ganzen Corps gelungen wäre, wenn die Tapferkeit und Ausdauer des Prinzen diesem nicht Zeit verschafft hätte, Nollendorf zu erreichen. Als er endlich mit der letzten Reiterabtheilung das Schlachtfeld räumte, wäre er fast in Gefangenschaft gerathen, worauf sich wahrscheinlich die falsche Nachricht eines französischen Bulletins gründet, daß der Prinz gefangen worden sey. Jetzt stieg das ostermannsche Corps in guter Ordnung, wiewohl nach bedeutendem Verluste, die Gebirge nach Böhmen hinunter; um den nachdrückenden Feind möglichst aufzuhalten, wurde ununterbrochen gefochten. Dieser machte die größten Anstrengungen, das Dorf Prisen zu nehmen, dessen Behauptung für den Rückzug der Hauptarmee von entschiedener Wichtigkeit war. Der General Carbineau griff mit einer dreifach überlegenen Reiterei den Prinzen an, der sich jedoch mit Kaltblütigkeit behauptete und dadurch Zeit gewann, hinreichende Verstärkung an sich zu ziehen, um die Stellung bis zum Abend zu halten.

Für diese heldenmüthigen Thaten empfing er am Morgen des 30sten Augusts auf dem Schlachtfelde das Commandeurkreuz des St. Georgenordens vom Kaiser Alexander, später auch den österreichischen Maria-Theresia-Orden.

Darauf fand das glückliche Gefecht mit Vandamme statt, während dessen Prinz Leopold den Feind auf Peterswalde zurückwarf, von wo er erst am Abend wieder zur Hauptarmee stieß.

Im October erfolgte endlich der Hauptschlacht bei Leipzig. Hier eilte der Prinz am 18ten dem Generale Colloredo, am 19ten dem Generale Giulay zu Hülfe, und verfolgte den fliehenden Feind auf dem Fuße nach Erfurt. In Frankfurt blieb er, so lange die verbündeten Monarchen dort verweilten; dann ging er durch die Schweiz nach Frankreich, wo er unter andern an den Gefechten bei Rizaucourt, Brienne, Troyes, Chaumont, Arcis, la Fere Champenoise tapfern Antheil nahm.

Am 31sten März zog er mit der Reserve-Reiterei in Paris ein, und blieb dort in Garnison; dann begleitete er die Monarchen nach England, verweilte dort bis Ende Julius, und begab sich zu Anfang des Septembers zum Congreß nach Wien. Von dort ging er nach Bonaparte's Rückkehr zur Rheinarmee, welche bald zum zweiten Male in Paris einzog. Hier hielten ihn Familienangelegenheiten einige Zeit zurück, worauf er sich über Coburg nach Berlin verfügte. Dort meldete ihm eine Einladung des Prinzen Regenten von England die hohe Bestimmung, zu der er berufen sey. Seine vermählung mit der Prinzessin von Wales ward den 2ten Mai 1816 vollzogen. Aber nur allzufrühe zerriß der Tod das schöne Band.

S. den Art. Charlotte in diesem Suplement-Bande.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.